TEST: HITMAN 3 – Ein letzter, tödlicher Tanz

Es ist der Abschuss einer der spannendsten Trilogien der letzten Jahre. Als 2016 mit HITMAN die World-of-Assassination-Trilogie begann, ahnte man noch nicht, in welch düstere Abgründe Agent 47 hinabsteigen würde. Es ging um Macht, Verschwörungen und Geld – aber viel wichtiger: man bekam einen Einblick in eine Welt, die unserer vielleicht gar nicht so unähnlich ist. Eine Welt, in der die Geschicke und Ereignisse von einflussreichen Personen gelenkt und gesteuert werden, und die jene Welt als eine Art Spielball ansehen, den man sich aus dem Schatten heraus zuwirft.

Dass man in dieser Welt nicht einmal seinem eigenen Schatten trauen darf, erfährt Agent 47 diesmal schmerzlicher denn je, da er in HITMAN 3 nun endgültig seine eigene Vergangenheit aufrollt und zurück nach Rumänien kehrt – an den Ort, an dem einst alles begann. Damit nicht genug, muss er erkennen, dass auch die ICA in ihm nichts anderes als ein Mittel zum Zweck sieht, womit 47 nun zwischen den Fronten steht.

Wie sich das Ende der World-of-Assassination-Trilogie und der vorläufige Abschied von Agent 47 schlägt, erfahrt ihr in unserem Review zu HITMAN 3.

HITMAN 3 dubai

Die Karten liegen offen

Mit HITMAN 2 (unser Review) hatte man endlich die Identität des Schattenklienten enthüllt, der nun gemeinsam mit Agent 47 und Diana Burnwood Jagd auf die sogenannte Konstante macht, jene mysteriöse Person, die an der Spitze von Providence steht. Ein letzter Versuch der Konstante zu entkommen, soll von Agent 47 vereitelt werden – vor ihm liegen allerdings nicht nur weitere Strippenzieher, auch die Agenten der ICA stehen euch diesmal im Weg. Hollywood könnte die Story wohl kaum besser schreiben, die zweifelsfrei zu einer der besten in den letzten Jahren gehört. Geheimnisvoll, spannend und mit einer eleganten Ästhetik erzählt, schafft es IO, dem HITMAN-Franchise damit einen ganz eigenen Stempel aufzudrücken.

Das funktioniert natürlich auch nur durch den erstklassigen Cast an Haupt- und Nebenakteuren, die alles andere als generisch oder eindimensional sind. Alle Ziele und Agenten kommen mit einer aufwendigen Hintergrundgeschichte daher, die fein in die Handlung und dem großen Ganzen eingewebt sind und immer wiederkehrende Rollen spielen. In der ersten Reihe steht natürlich Agent 47 selbst, seine Vergangenheit und Herkunft, sowie die besondere Beziehung zu Diana Burnwood, die ihn alles andere als eiskalt oder im Labor gezüchtet erscheinen lassen. Hinter dem frostigen Blick steht ein überraschend vielschichtiger und interessanter Charakter, den man in den original HITMAN-Spielen nie so vermutet hätte. 

Die Story in der Gänze ist damit absolut grandios, auch wenn 4 Jahre eine lange Zeit waren, bis man sie zu Ende erzählt hat. Immerhin ist man vom Episoden-Format auf eine vollständige Veröffentlichung übergangen und findet in HITMAN 3 und der World-of-Assassination-Trilogie nun das endgültige Werk, das man keinesfalls verpasst haben sollte.

HITMAN 3 dartmoor

Die Welt als Spielplatz

Dem spielerischen Konzept bleibt man auch in HITMAN 3 weitestgehend treu, in dem man die ganze Welt zu eurem Spielplatz macht. Diesmal sind Dubai, England, Deutschland (Berlin), China, Argentinien und zum Schluss Rumänien eure Ziele, die allesamt in einem einzigartigen Look erstrahlen und die innerhalb der meisten Settings die gewohnten Storylines bieten, diesmal aber mit einem Twist.

So muss man nicht einfach nur immer simple Ziele ausschalten: auf Dartmoor in England gilt es z. B. zusätzlich einen Mord im Stil von Sherlock Holmes auf einem alten englischen Anwesen aufzuklären. Dazu werden Beweise gesammelt, Zeugen und Verdächtige befragt und letztendlich ein Täter bestimmt. Eine erfrischende Ergänzung in dem sonst sturen Episoden-Konzept. Auch der Schauplatz Berlin folgt einem gänzlich anderen Weg. Hier gibt es überhaupt keine Storylines, stattdessen muss man sich in einem düsteren Nachtclub, der ganz offensichtlich an das legendäre Berghain (inkl. authentischer Sets) und den Suicide Circus angelehnt ist, unter das feiernde Volk mischen und die ICA-Agenten ausfindig machen und ausschalten. Im Berlin-Level geht somit auch Kernidee des Spiels zu 100 Prozent auf, in der der Spieler komplett auf sich selbst gestellt ist. Den krönenden Abschluss bildet die Mission in Rumänien, die auf einem fahrenden Zug stattfindet, den man bis nach ganz vorn durchkämpfen muss, um dort die Konstante zu stellen.

HITMAN 3 berlin

Insgesamt sind es diesmal weniger Story-Missionen, diese sind dafür umfänglicher ausgestaltet und komplexer in den Lösungsansätzen. Dies wiederum fördert ungemein das Erkunden der Schauplätze, das Finden immer neuer Wege und die kreative Denkweise hinter diesem Konzept, insbesondere dann, wenn man sich nicht ans Script (die Herausforderungen) halten möchte und seinen eigenen Weg geht, um kreative Möglichkeiten zu finden, wie sich die Ziele ausschalten lassen.

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Dazu bringt man in HITMAN 3 mehrere neue Elemente ein, wie die dauerhaften Abkürzungen, die einmal freigeschaltet sofort in jedem weiteren Playthrough verfügbar sind. Das gilt auch weiterhin für sämtliche Tools, die man bereits gefunden hat, plus die importierten Items aus den Vorgängern oder den Eskalation-Missionen. Damit wird es zwar nach wie vor Stunden dauern, die Levels bis ins kleinste Detail und in allen Möglichkeiten auszukundschaften, aber genau das war ja auch der ursprüngliche Sinn des Episoden-Konzepts. Die Reduzierung der Stories und der gleichzeitige Fokus auf Details machen den Einstieg insgesamt etwas einfacher und lassen dem Spieler genug Raum, um Dinge auch selbst entdecken und ausprobieren zu können.

Aus dem Hinterhalt

An Einfallsreichtum mangelt es IO dabei erneut nicht, wie ein Blick in die Herausforderungen und die zahlreichen Möglichkeiten offenbart, wie man seine Ziele ausschalten kann. Jemandem mit einem Kugelschreiber töten, den man ihm in den Kopf rammt, unterstreicht den düsteren Humor der Hitman-Serie genauso, wie eine riesige Lichtanlage auf eine feiernde Menschenmenge fallen zu lassen. Klassische Kills wie die geliebte Klaviersaite oder Distanzschüsse sind natürlich jederzeit eine Option, im letzten Fall am Besten mit einem gewollten Unfall kombiniert. Tödlich und komisch zugleich!

HITMAN 3 china

Der ganz große Wurf in Sachen Gameplay-Innovation bleibt somit zwar aus, es war aber auch nicht anders zu erwarten. Vielmehr erfreut man sich an den vertrauten Mechaniken und kann sich stattdessen mehr Zeit nehmen, um die Levels zu erkunden und zu perfektionieren. Dass ein einziger Playthrough auch mal zwei Stunden dauern kann, vergisst man oftmals bei der akribischen Erkundung, an deren Ende aber stets ein lohnenswertes Gefühl auf euch wartet, wenn ein Plan funktioniert und man immer wieder verblüfft ist, wie selbst erlangtes Wissen eingesetzt werden kann.

Auf der technischen Seite präsentiert sich HITMAN 3 nun schöner denn je, hin und wieder schon fast zu glatt für meinen Geschmack. Auf der PlayStation 5 darf man die Attentäter-Orgie nun mit 60fps genießen, was sich auch sofort bemerkbar macht. Echte Next-Gen Features wie Raytracing sollen wohl noch folgen, dafür macht man bereits ordentlich vom DualSense Controller und den adaptiven Triggern Gebrauch, die beim Abzug den inzwischen gewohnten Widerstand auslösen. Insgesamt hält und steigert man das Niveau der Vorgängerspiele ein wenig, auch aus Sicht der Atmosphäre und Lebendigkeit der Schauplätze. In Bezug auf Animationen ist zwar noch einiges an Luft nach oben, die hier und da etwas steif wirken, insgesamt liefert IO hier aber eine ordentliche Overall-Performance ab.

TEST: HITMAN 3 – Ein letzter, tödlicher Tanz
"Als die World-of-Assassination-Trilogie im Jahr 2016 mit HITMAN begann, war man noch über den abrupten Abschluss verwundert. Man hätte auch gleich sagen können, dass hier eine ganze Trilogie in Planung ist. Nun, vier lange Jahre später, blickt man auf eine grandiose und unfassbar spannend erzählte Story zurück, die nicht nur die Ursprünge von 47 erkundet, sondern den Auftragskiller mit den stechend blauen Augen aus einem ganz anderen Licht zeigt. Das spielerische Konzept mit der Sandbox-Umgebung lernte man erst mit der Zeit so richtig schätzen, zeigt sich speziell in HITMAN 3 aber zugänglicher und einfacher denn je. Man möchte immer wieder zurückkehren und neue Möglichkeiten erkunden, vor allem die, die nicht vorgegeben sind. Wer die ersten beiden Hitman-Spiele bislang gemieden hat, sollte nun unbedingt zum vollständigen und technisch ausgefeiltesten Paket greifen, das nicht nur inhaltlich absolut lohnenswert ist, sondern auch immer wieder ein belohnendes Gefühl zurücklässt. Well done, 47!”
Plus
Spannende Story bis zuletzt
Tonnen an Inhalten
Abwechslungsreiche Schauplätze
Minus
Animationen wirken teils zu steif
Kleinere Bugs
9.5