TEST: Lethal VR – Ballern bis die Ohren schmerzen

Das noch recht junge Studio Three Fields Entertainment (Dangerous Golf), das sich aus ehemaligen Criterion Games Mitgliedern formiert hat, wagt ebenfalls schon früh den Schritt in das neue VR-Zeitalter und liefert mit „Lethal VR“ in dieser Woche ihren ersten Titel für Sony´s PlayStation VR Headset ab. Eine kurze, dafür unterhaltsame Erfahrung, die wir uns in einem Vorabtest einmal näher angeschaut haben.

„Lethal VR“ gehört eindeutig in die Generation der ersten VR-Spiele, bei denen es meist darum geht, zunächst nur eine bestimmte Erfahrung zu erschaffen. In diesem Fall einen virtuellen Schießstand, bei dem Schnelligkeit und Präzision gefragt sind. In über 30 Level gilt es Pappfiguren umzunieten, Zielscheiben zu zerschmettern und die Ranglisten immer höher zu klettern.

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Das Level-Design selbst ist dabei geradezu schlicht, denn wir stehen in einer recht sterilen Kammer, in welche die verschiedensten Szenerien hinein gebaut werden. Der Vorteil daran ist, dass es so etwas wie Motion Sickness-Effekte erst gar nicht gibt und wir lediglich unseren Kopf und die Hände bewegen müssen. Gespielt wird mit zwei PlayStation Move Controllern, was sich perfekt für das Spiel anbietet.

Schlicht gehalten

Die ersten Level sind zunächst als Training zu betrachten, um das richtige Gefühl für die Waffen oder Messer zu bekommen. Somit fallen diese recht einfach aus und lediglich ein paar Pappkameraden oder Zielscheiben schweben um uns umher. Die wirklich interessanten und „aufwendigeren“ Level, bei denen zum Beispiel eine Westernkulisse aufgebaut wird, folgen erst fast zum Ende hin, was auch wieder ein wenig schade ist. So wirkt das Spiel anfänglich wie eine Tech-Demo und weniger wie ein vollständiges Spiel, was zudem etwas Verwunderung hervorrufen kann. Dafür ist das letzte Drittel von „Lethal VR“ durchaus unterhaltsam und der Wiederspielwert steigt … meiner Meinung nach jedoch ein wenig zu spät.

So schießt man sich den Weg von Level zu Level und von Stufe zu Stufe, versucht sich möglichst weit oben in den Ranglisten zu platzieren und erhält damit Zugriff auf immer bessere Waffen, wie Wurfsterne, eine Machete oder eine 9mm Automatik. Frei aussuchen kann man sich die Waffen für ein bestimmtes Level jedoch nicht, diese sind stets vorgegeben. Dafür variieren die Waffen aber doch recht häufig oder man hat die Aufgabe, bestimmte Ziele nur einer bestimmten Waffe zu treffen, um nicht zu scheitern. Das bringt nicht nur Abwechslung ins Spiel, sondern setzt auch eine gewisse Konzentration voraus. Machbar ist jedes Level dennoch, wenn auch nicht unbedingt immer auf Anhieb, dafür steigt aber der Antrieb stets der Beste zu sein.

Präzision als größte Hürde

Gerade bei Schießübungen wie „Lethal VR“ kommt es auf die Präzision an, was im Vergleich zur Konkurrenzhardware leider nicht immer so genau gegeben ist. Das merkt man hier sehr deutlich, gerade nachdem ich kürzlich die Gelegenheit hatte Oculus Touch ausgiebig mit einem ähnlichen Spiel ausprobieren zu können. Das Tracking mit PlayStation Move kann dem nicht ganz das Wasser reichen und wird bei „Lethal VR“ somit zur größten Hürde, insbesondere bei den Messerwurfübungen, wo nicht selten das Glück mitentscheidet. Auf der anderen Seite überrascht die Präzision bei den Schießübungen, sodass sich selbst Gegner, die sich bis wenige Zentimeter hinter Zivilisten verstecken, mit einem Treffer zwischen die Augen ausschalten lassen. Problematisch ist jedoch auch noch immer das Screen-Shifting von PlayStation VR, da man sich hierdurch ständig neu zentrieren muss und sich letztendlich immer mehr vor dem Bildschirm verdreht.

LethalVR_Screenshot_1

Optisch präsentiert sich „Lethal VR“ auf einem Level, das für den ersten Anlauf des Studios in diesem Bereich OK ist. Es wird ja nicht sonderlich viel Kulisse geboten, sondern wirkt eher zweckmäßig umgesetzt. Das versprochene Gefühl, man fühle sich wie in einem Actionfilm, kommt somit leider auch nicht ganz auf.

Soundtechnisch gibt es dafür einiges auf die Ohren. Bereits der erste Schuss ließ mich regelrecht vor Authentizität und dem lauten Knall zusammenzucken. Hier empfiehlt es sich den Lautstärkeregler etwas runterzudrehen, um am Ende mit keinem Hörschaden dazusitzen. Nebenbei flüstert euch eine monotone Computerstimme ins Ohr und führt euch damit durch das Spiel. Vielmehr Highlights sollte man an dieser Stelle jedoch nicht erwarten.

[tmreview]

Entwickler: Three Fields Entertainment
Publisher: Team17
Release: 20. Dezember 2016
Offizielle Homepage: www.threefieldsentertainment.com

Summary
„Lethal VR wurde als Arcade-Shooter angepriesen, bei dem man in die Rolle eines Actionstars schlüpft. Dieses Ziel hat man irgendwie verfehlt und präsentiert stattdessen eine zum Großteil schlichte Schießbude, die erst auf den letzten Metern etwas auftrumpft und mit seinen Szenarien zu begeistern weiß. Dass hier ein vergleichbar sehr kleines Entwicklerteam zu Gange war, dürfte aber auch einiges erklären. Verfolgt man lediglich das Ziel der beste in den Ranglisten zu sein, erfüllt das Gebotene durchaus seinen Zweck und auch für Zwischendurch eignet sich Lethal VR vor allem für schießwütige Spieler. Etwas besser hätte das Tracking der Move Controller umgesetzt werden können, insbesondere beim Messerwurf, das teils mehr einem Glücksspiel gleicht. Ob sich der Titel für einen lohnen wird, hängt am Ende sicherlich auch vom Preis ab. Im Low Budget Bereich bekommt man zumindest eine nette Unterhaltung für zwischendurch geboten.“

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