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TEST: Life is Strange 2 – Episode #2 – Keine Regeln ohne Ausnahmen

Lange mussten sich Fans von “Life is Strange 2” auf die zweite Episode namens “Rules” gedulden, die laut Entwickler DontNod besonders ambitioniert ist und dementsprechend viel Zeit benötigte. Nach den turbulenten Ereignissen beim Staffelauftakt (unser Review), wurden sie nun endlich erlöst und können den Roadtrip zusammen mit Sean und Daniel seit dieser Woche fortsetzen, wobei dieser zweiten Episode ein ganz besonderes Tie-In angedacht wurde.

Weiter auf der Flucht …

Blickt man einmal zurück, sind Sean und Daniel seit Wochen auf der Flucht und setzen ihren Weg nach Mexiko fort, da sie weiterhin in den mysteriösen Vorfall in ihrer Heimat Seattle verwickelt sind und vor lauter Panik einfach davon liefen. Da der Vorfall bundesweit im TV zu sehen war, sind sie natürlich keine Unbekannten und stoßen hier und da auf nicht immer so freundliche Leute, so dass sie diesmal beschließen nach Beaver Greek und zu dem Haus ihrer Großeltern zu gehen, in der Hoffnung dort unterzukommen. Indes entdeckt Sean immer mehr seine Superkräfte in Form von Telekinese, wird von Daniel aber zunehmend angehalten, diese für sich zu behalten, um nicht in weitere Probleme zu geraten. Damit erklärt sich auch der Titel “Rules”, auf deutsch “Regeln”, um die es sich hauptsächlich auch in Episode #2 dreht.

Natürlich ist es für einen kleinen Jungen wie Sean schwierig, solche Superkräfte für sich alleine zu behalten, aber wie würden andere Leute darauf reagieren, abgesehen davon, dass sie damit überall im Mittelpunkt stehen würden? Immer wieder kommt es daher zu Situationen, in denen Daniel seinen Bruder ermahnen und auf die selbst auferlegten Regeln hinweisen muss, auch wenn man die Kräfte “nur mal” einsetzt, um damit herum zu albern. Selbst in sehr schwierigen Ausnahmesituationen wird man dazu immer wieder auf die Probe gestellt, eventuell doch von seinen Kräften Gebrauch zu machen – und wie gerne würde man diese dann auch nutzen. Vor allem zum Ende hin gerät man gleich zwei mal in eine Extremsituation, in der ihr schnell entscheiden müsst, euch zu offenbaren oder euch treu zu bleiben. Das Ganze spielt sich weiterhin vor dem Hintergrund ab, dass Sean von euch lernt und seine eigenen Schlüsse daraus zieht, was laut DontNod ja der Kern von “Life is Strange 2” ist. Bleibt ihr absolut unnachgiebig, gewährt ihr Ausnahmen oder lasst ihr Sean komplett freie Hand? Wie sich diese Entscheidungen einmal auswirken werden, kann man derzeit nur an Momentaufnahmen erahnen, wo die Reise damit letztendlich hingeht, ist allerdings noch völlig offen.

Meet Captain Spirit

Mit der Reise nach Beaver Creek war bereits im Vorfeld klar, wie das zuvor veröffentlichte Kapitel “The Awesome Adventures of Captain Spirit” zu “Life is Strange 2” passen würde. Der Junge Chris, alias Captain Spirit, ist der Nachbar der beiden Großeltern, der selbst schon ein ziemlich bewegtes Leben hinter sich hat und wie viele Kinder auch mal in eine Fantasiewelt flüchtet – in diesem Fall in die von Captain Spirit. Mit versteckter Hilfe von Sean und seinen Superkräften lässt er Chris auf ziemlich geschickte Art glauben, er könne Dinge mit Gedankenkraft bewegen, was auf der einen Seite zwar irgendwie niedlich ist, Chris aber auch in ernsthafte Probleme bringen kann. Ansonsten nutzt man dieses Tie-In, um mehr über das Leben von Chris und seinem alkoholkranken Vater zu erfahren, was einmal mehr unterstreicht, dass Life is Strange nicht davor zurückschreckt, sich mit ernstzunehmenden Themen auseinanderzusetzen oder Charaktere nur oberflächlich abzuhandeln, um sie dann wieder hinter sich zu lassen und zu vergessen. Die Erfolgsformel von “Life is Strange”, authentische Situationen greifbar widerzuspiegeln, erstreckt sich hier also auch auf Nebenschauplätze und dreht sich nur ausschließlich um die beiden Protagonisten.

Auf diesem Wege wird auch die Vergangenheit um die Mutter von Sean und Daniel weiter aufgearbeitet, was letztendlich der Neugier der beiden Jungs zu verdanken ist, in dem sie mal wieder Regeln brechen. Hier scheint sich ein echtes Familiendrama zu offenbaren, bei dem man jetzt schon mit fiebert, dass am Ende hoffentlich alles gut wird. Kommt es dann allerdings auch mal zu einer recht emotionalen Situation, wie zum Beispiel die um ihrem Hund und Begleiter Mushroom am Anfang, wird diese recht schnell wieder abgesägt und man geht eilig in den nächsten Akt über. Gut, in diesem Fall wurde das zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal aufgegriffen, was es irgendwie gerettet hat, anfänglich war man allerdings etwas irritiert darüber, da es eigentlich so nicht zu „Life is Strange“ passt.

Zurücklehnen und genießen

Das Tempo von “Life is Strange 2” verläuft mit der Episode #2 etwas langsamer und man findet sich häufig in geradezu nachdenklichen Situationen wieder – sprich, die bekannten Zeichnungen von Daniel oder simple Ruhepausen, in dem man alles einfach auf sich wirken lassen kann. Man könnte fast sagen, dass die ersten zweieinhalb Stunden schon ziemlich langatmig ausfallen, dennoch ist man zu keiner Zeit wirklich gelangweilt. Stattdessen zeigt man sich unheimlich bestrebt darin, vieles noch mehr zu hinterfragen oder in sich zu gehen, etwa als sich Daniel über die Vorfälle in Seattle informiert oder wissen möchte, was mit seinem Vater danach geschah oder seiner Freundin Layla, nicht wissend, dass diese Nachforschungen weitere Dinge in Gang setzen. Es sei also stets gut überlegt, welche Schritte man als nächstes unternimmt.

Diese Momente werden zumeist in die typische Life is Strange-Atmosphäre gepackt, mit einem ruhigen und wohligen Soundtrack, der im Hintergrund eingespielt wird und in denen man sich einfach zurücklehnen kann, um diese zu genießen. Allgemein ist der Anteil, in dem man einfach nur zuschaut, diesmal etwas großzügiger ausgelegt, aber es passt eben auch wunderbar ins Bild – wie ein guter Roadmovie an einem Sonntagnachmittag, den man entspannt verfolgt und auf sich wirken lassen kann.

Wie erfolgreich die Life is Strange-Serie ist, zeigt sich letztendlich auch in der technischen Umsetzung. War die erste Staffel noch ein kleineres Indie-Projekt mit einem groben Handdrawn- und leichtem Aquarell Stil, erreicht “Life is Strange 2” inzwischen fast Qualitäten eines Animationsfilms, was die Geschichte darum umso greifbarer macht.

Summary
“Life is Strange 2 und speziell die Episode #2 unterscheidet sich weiterhin deutlich vom original Life is Strange, das zwar ähnliche Ansätze verfolgt und seiner Formel im Kern treu bleibt, jedoch noch nicht ganz so dramatisch ausfällt oder mit schockierenden Schicksalsmomenten aufwartet, wie einst die Cliffhanger-Enden, die einen ungeduldig auf die nächste Episode blicken ließen. Vielmehr ist es eine authentische Ongoing-Story, der man gespannt folgt und in der man sich aktuell noch gemütlich einrichtet und möglichst alles hinterfragen und herausfinden möchte. Das liegt vor allem daran, dass eure Entscheidungen noch keine allzu drastischen Konsequenzen nach sich ziehen, was aber sicherlich noch passieren wird, wenn man ein gewisses Ende der Episode #2 so sieht. Man nimmt damit jedenfalls an Fahrt in der Story auf und darf sich schon jetzt auf Episode #3 freuen. Abgesehen davon ist es aber wieder das wohlige Life is Strange-Feeling, das einen in diese authentische Welt hineinzieht und die man eigentlich nicht mehr loslassen möchte, mit all den liebenswerten Charakteren, deren Schicksalen und interessanten Nebengeschichten, die einen wesentlichen Teil dazu beitragen. Für Life is Strange Fans führt daher kein Weg daran vorbei.”
Good
  • Spannende Story wird fortgesetzt
  • Fantastische & authentische Atmosphäre
  • Gewohnt toller Soundtrack
  • Grafisch legt man deutlich zu
Bad
  • Entscheidungen könnten bereits drastischer ausfallen
  • Schicksalsmomente wirken teils zu wenig nach
  • Kleinere grafische Schnitzer
9
Amazing

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