TEST: Little Nightmares – Auf den Spuren eurer Kindheitsängste

Wer hat sich als Kind nicht vor irgendwas gefürchtet – vor großen Monstern, in der Dunkelheit, vor dem Unbekannten? Die Tarsier Studios möchten mit ihrem neuesten Werk „Little Nightmares“ diese Gefühle noch einmal in einem aufleben lassen und folgen damit in etwa der Idee wie einst „Among the Sleep“ von Entwickler Krillbite Studio. „Little Nightmares“ ist ein atmosphärischer Puzzle-Platformer, der zudem ein wenig an „Limbo erinnert. Trotz ein paar Schwächen wartet das Game mit unterschiedlichsten Herausforderungen, Gegnern und vielen Rätseln auf, die vor allem das Geschick der Spieler herausfordern.

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Eine Story zum selber formen

Der Spieler übernimmt in „Little Nightmares“ die Steuerung des kleinen Mädchens Six, das in einem gelben Regenmantel gehüllt ist und wir ihr Gesicht somit leider nie zu sehen bekommen. „Little Nightmares“ startet relativ abrupt und schmeißt einen direkt ins Geschehen hinein. Es verzichtet auf Tutorials und jegliche Erklärungen, Konversationen oder Texte. Dadurch gestaltet es sich an einigen Stellen etwas schwierig und bedarf eigentlich mehr Erklärungen, denn im Spiel gibt es zum Beispiel Statuen die zerschmettert werden müssen, kleine Wesen die geknuddelt werden wollen und Kerzen oder Öllampen, die man anzünden kann. Doch erst wenn das Spiel gemeistert wurde, realisiert man als Spieler, dass diese Statuen und die kleinen Wesen durchaus einen Sinn haben und als Sammelobjekte gehandelt werden können. Die Story ist wegen den fehlenden Informationen erst mal nicht wirklich ersichtlich, wenn überhaupt vorhanden. Laut Publisher Bandai Namco geht es um die Flucht aus dem „Schlund“, eine Art Puppenhaus, das Gefängnis und Spielplatz zugleich darstellt. So sollte man es daher auch betrachten! Das bietet allerdings auch die Möglichkeit, selbst darüber zu philosophieren, warum diese Dinge passieren, sodass sich am Ende jeder seine eigene kleine Geschichte daraus kreieren kann. Dieses Konzept ist jetzt zwar nicht wirklich neu und so auch bei vergangenen Spielen wie „rain“ zu finden, findet aber immer wieder seine Anhänger.

Rätsel mit Geschick und Verstand

Ganz simple betrachtet ist es das Ziel von „Little Nightmares“ die verschiedenen Kapitel abzuschließen und zu entkommen. Relativ schnell wird dabei klar, dass wir uns auf einem großen Schiff befinden und das Gruseln auf Kindheitsängste ausgelegt ist, wie Geister, Dunkelheit, Verfolgung usw. Bis auf das erste, bietet jedes Kapitel einen außergewöhnlichen Gegner, der Six durch seine Ebene folgt und versucht sie einzufangen. Um herauszufinden, wie man am besten mit dem Gegner verfährt, muss erst einmal viel herum probiert werden. Hat der Spieler herausgefunden, wie der Boss letztendlich tickt, kann er sich wieder auf die Rätsel konzentrieren. Sollte man dann doch einmal an einer Stelle etwas länger benötigen, muss man nur ein wenig auf das kleine Mädchen achten, denn ab und zu dreht Six den Kopf zu einem Objekt und gibt so einen indirekten Tipp, wie es weitergeht. Auch das Spiel selbst hilft Anfangs gerne mal mit kleinen Einblendungen wie „Drücke Viereck um zu rennen“ aus, sodass sich alles als machbar erweist. Wer sich darüber hinaus die Zeit nimmt, um sich genauer umzusehen und mit verschiedenen Objekten interagiert, kann sogar die ein oder andere Abkürzung für sich entdecken.

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Die Rätsel im Gesamten sind relativ einfach und mit etwas Umsicht zu lösen. Es gibt hin und wieder aber auch einige Passagen, die euer Geschick deutlich herausfordern oder auch mal frustrierend sind. Obwohl die Speicherpunkte recht human gesetzt wurden, nervt es doch schon, einen Weg mehrmals laufen zu müssen, was nach einigen erfolglosen Anläufen auch den Spielspaß und die Motivation mindern kann. Hat man allerdings die ärgerlichen Stellen überwunden, läuft es wieder wie von selbst und man kann sich den Dingen vor einem widmen. Vor allen in den letzten zwei Kapiteln überwindet „Little Nightmares“ diese kleinen Schwächen und es kommt noch mal so richtig Schwung ins Spiel. Obwohl Six von Gegnern mit einem Instant-Kill getötet werden kann, müssen wir an einigen Stellen uns doch gegen die Bosse zur Wehr setzen, sei es mit einem Spiegel oder einer herabfallenden Tür.

Dunkelheit, fiese Geräusche und riesige Gegner

Wer sich entscheidet den Grusel auf der Konsole zu genießen, muss bei einigen Passagen besonders viel Fingerspitzengefühl beweisen. Leider ist Six mit den Controller nicht ganz so leicht zu kontrollieren, sodass es sich empfiehlt, bei schmalen Wegen in luftigen Höhen mehr zu schleichen. So behält man besser die Kontrolle und fällt den Gegnern nicht ganz so leicht in die Hände.

Da das Spiel wie erwähnt ohne Text auskommt, baut es seine Gruselatmosphäre mittels Geräuschen und düsterer bis melancholischer Musik auf. Auch der Controller fängt in gefährlichen Situationen an zu vibrieren und signalisiert so eine drohende Situation. Die Bosse schniefen, schreien, grunzen und geben allerlei seltsame Laute von sich, die für einen ordentlichen Pulsanstieg sorgen. „Little Nightmares“ ist fast durchgehend sehr düster gehalten, was zum einen der Atmosphäre beiträgt, aber auch ein wesentliches Spielelement mit einbringt – ein kleines Feuerzeug, mit dem wir etwas Licht in die dunklen Gänge und Räume bringen, gerade so viel, um uns nicht gänzlich zu verlaufen.

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Grafisch kann sich „Little Nightmares“ ebenfalls sehen lassen, auch wenn man viel Zeit in der Dunkelheit umhertappst. Der Stil der Umgebung und auch die Charaktere sind passend aufeinander abgestimmt und vermitteln somit die gewollt düstere und beklemmende Atmosphäre, die jeder von uns als Kind gefürchtet hat. Vor allem die geschickte Abstimmung von Proportionen kommt in „Little Nightmares“ fantastisch herüber. Neben der wirklich kleinen Six, sieht zum Beispiel der dicke Koch einfach nur gewaltig aus.


Entwickler: Tarsier Studios // Publisher: BANDAI NAMCO Entertainment // Release: 28. April 2017 // Offizielle Seite: http://www.little-nightmares.com/de/


 

TEST: Little Nightmares – Auf den Spuren eurer Kindheitsängste
„Little Nightmares kramt noch einmal all die Ängste hervor, die man selbst als kleines Kind durchlebt hat. Und das auf eine recht charmante Weise und durch die Augen der kleinen Six. Mit seinen fünf Kapiteln und einer Spielzeit von 6-8 Stunden bietet der Titel zudem einen ordentlichen Umfang. Trotz etwas ungenauer Steuerung und Frustpassagen, bringt es viel Spaß und fordert den Spieler zum Nachdenken auf. Es ist nicht das typische Survival-Horrospiel, doch genau das macht auch den Charme von Little Nightmares aus. Zudem lässt es viel Raum für Interpretationen, was die Story und das Ende angeht. Klar, das ist nicht jedermanns Sache, aber auch mal nicht alles vorgekaut zu bekommen ist eine tolle Abwechslung. Die Sammler unter euch können nach dem Durchspielen auch entspannt die einzelnen Kapitel wiederholen, um die restlichen Sammelobjekte zusammenzutragen. Im Großen und Ganzen weiß Little Nightmares positiv zu überraschen und ist in diesem Frühjahr definitiv einen Blick wert.“
8,3