TEST: Mad Max – Ey man, wo ist mein Auto?

Eine Sandbox-Erfahrung wie sie im Buche steht, fast völlig Story-befreit und ganz nach dem Motto: ‚Hier mach mal‘. So könnte man das erste Werk der Avalanche Studios auf der aktuellen Hardware zusammenfassen, das sich trotz der Tatsache, dass eine Filmvorlage für die Umsetzung diente, keinesfalls selbst im Sand vergraben muss. Eben jene Titel werden ja immer besonders kritisch beäugt und am Erfolg ihrer Vorlage gemessen. Wie gut sich „Mad Max“ da hindurch schlägt, erfahrt ihr in unserem Test.

Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich noch keinen einzigen der Mad Max-Filme gesehen habe und somit auch keine ständigen Vergleiche dazu heranziehen muss. Für mich zählt also nur das Spiel und obwohl für mich darin noch lange keine Ende in Sicht ist, bekommt man doch recht schnell ein Bild davon, womit man sich die nächsten 50+ Stunden beschäftigen wird.

Ey man, wo ist mein Auto …

So etwas wie eine Story, die „Mad Max“ irgendwann nach 10 oder 20 Stunden zum Abschluss bringt, gibt es nicht, eher fühlt es sich so an, als hätte man diese bereits hinter sich gelassen und darf sich nun frei in dieser Wüstenlandschaft austoben. Man schneidet den Story-Aspekt zwar kurz an, in dem unserem Helden sein Gefährt samt persönlichem Hab und Gut geraubt wird, dies dient jedoch nur dafür einen winzigen Punkt auf das Spiel zu tupfen, an dem man sich irgendwie orientieren kann. Der kleine Sinn des Daseins, wenn man so will.

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Verprügelt und Geschunden in der post-apokalyptischen Wüste zurückgelassen, ist es nun eure Aufgabe das zu tun, womit der Rest der Menschheit ebenfalls gerade beschäftigt ist – zu überleben. Und damit das Ganze einen besonderen Anreiz hat, erklären wir es uns zum Ziel, unsere letzten Habseligkeiten und persönlichen Erinnerungen, die in der weiten Wüste verstreut zu sein scheinen, wieder einzusammeln.

Die ersten zwei, drei Stunden wird man dabei glücklicherweise noch etwas an die Hand genommen, lernt recht schnell den etwas deformierten Mechaniker Chumbucket kennen, der euch fortan durchs Spiel begleitet, rappelt sich wieder auf und beginnt aus ersten Schrottteilen so etwas wie ein Auto zusammenzubauen. Dies wird auch zum wesentlichen Bestandteil und dem Kern des Spiels, denn ein mächtiges Gefährt bringt euch praktischerweise nicht nur von A nach B, sondern wird zum essentiellen Überlebensobjekt in der Wüste.

Eine Hand wäscht die andere …

In einer Welt, die praktisch am Ende ist, werden simpelste Dinge wie Treibstoff, Nahrung, Ersatzteile zum höchsten Gut und so macht sich Mad Max auf die Suche nach diesen Ressourcen. Notgedrungen muss er dabei Bündnisse eingehen und wendet sich hierzu an die Führer der jeweiligen Territorien, die wiederum massig Aufgaben für ihn haben und ihren Einfluss in der Welt stärken wollen. So wird man quer durch die ganze Wüste gejagt, überfällt hier und da ein Lager, liefert sich zufällige Autoschlachten, zerstört Ölpumpenanlagen und schwächt somit den Einfluss der Feinde. Es gibt viel zu tun, sowie abwechslungsreiche und zufällige Missionen, die euch immer ein Stück vorwärts bringen. Wie und wann ihr diese angeht, ist euch völlig selbst überlassen, ob ihr eure eigenen Ziele verfolgt oder einfach nur entspannt Ressourcen sammelt. Der Inbegriff des Sandbox-Gameplays – tun und lassen was man möchte. Natürlich steht einem nicht sofort die ganze Welt offen und oftmals muss man ein gewisses Level erreicht haben, um überhaupt gegen die Feinde bestehen zu können. Dies wird gleichzeitig aber auch zum größten Ansporn, denn je mächtiger ihr selbst seid, desto mehr Spaß hält die Wüste für euch parat.

Craften, Sammeln, Leveln …

Kommen wir zu dem Punkt, der euch wohl die meiste Zeit im Spiel beschäftigen wird. Der Magnum Opus – zunächst noch ein recht rostiges Gefährt, das beim nächsten Steinschlag droht auseinanderzufallen, hat Chumbucket eine Vision von dem Auto, eine wahrhaft spirituelle Verbindung, die man damit eingehen wird. Die Anpassungsmöglichkeiten scheinen grenzenlos, vom Kühlergrill als Stachelbesetzter Rammbock, einem tödlichen Enterhaken, zig optischen Aspekten, bis hin zur Kriegsmaschine, die man letztendlich aus all den Schrottteilen fertigt. Aus den Augen verlieren sollte man zudem auch nicht die Erzengel-Upgrades, mit denen man vorwiegend die Fahreigenschaften beeinflusst. So gestaltet sich das spielerische Fahrerlebnis anfangs noch recht schwammig und erfordert etwas Geduld, bis man sich letztendlich ein grifffestes und mächtiges Vehikel zusammengeschweißt hat. „Mad Max“ lässt in dieser Hinsicht keine Wünsche offen und haucht dem Magnum Opus echten Geist und Leben ein, allerdings ist es bis dahin auch ein langer und mühseliger Weg, denn man darf nie vergessen, dass Ressourcen knapp sind und noch öfter hart erkämpft werden müssen.

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Da gestaltet sich der Überfall eines Lagers als abwechslungsreicher und lohnenswerter Zeitvertreib, der mit dem Ausspähen beginnt, der Beseitigung der äußeren Verteidigung, dem Einbruch und der Übernahme in knallharten Nahkämpfen. Diese erinnern zuweilen an das Free-Flow-Combat-System aus Batman, bei dem sich Mad Max problemlos größerer Gegnergruppen annehmen kann, hier ein paar Schläge austeilt, zum nächsten Gegner hechtet, diesen mit einer geschickten Messerattacke zu Boden bringt, um mit gekonnt animierten Moves zum Endschlag auszuholen – jede Menge Blut inklusive. Natürlich lassen sich auch die Fähigkeiten von Mad Max weiter ausbauen, wofür ihr einen mysteriösen Schamanen in der Wüste aufsuchen müsst, um mehr Lebensenergie, Wut, neue Fähigkeiten oder Überlebensinstinkte zu erlernen.

Gerade der Aspekt des Überlebens in der Wüste ist durchweg gelungen und man sollte seine Anzeigen nie aus dem Blick verlieren. Hab ich noch genug Wasser, Munition und Treibstoff dabei, wo finden sich die nächsten Ressourcen, plündere ich diese komplett oder nehme nur das Nötigste mit? Die kleinste Fehleinschätzung kann zwischen Leben und Tod entscheiden, sodass in höchster Not einem manchmal auch Maden wie ein richtiges Festessen erscheinen können. Bon Appetit!

Alles in allem stehen euch in „Mad Max“ derart viele Optionen zur Verfügung, Features haben eigene Features, sowie bringt man die wesentlichsten Aspekte des Überlebens so zusammen, dass man meinen könnte, es wäre eher ein Rollenspiel, mit dem Unterschied, dass der eigentliche Charakter euer Fahrzeug ist. Um die insgesamt über 30 Fahrzeuge sein Eigen nennen zu dürfen, diese obendrein komplett aufzubauen und alle Missionen abzuarbeiten, werden einige Stunden in die Wüste ziehen, wenn euch diese nicht schon vorher geholt hat.

Einsamkeit und Postkartenansichten …

Dass in den Weiten dieser Sandlandschaft nicht gerade das pure Leben und Partystimmung zu erwarten ist, davon sollte man schon vorher ausgehen. Insofern herrscht in „Mad Max“ eine recht einsame Atmosphäre, im Hintergrund brabbelt euch ein wenig Chumbucket ins Ohr und wirklich Leben ist tatsächlich nur in den unterschiedlichen Festungen zu erwarten. Hier und da trifft man vielleicht auf einen Ödländer oder ein anderes Fahrzeug zieht an euch vorbei. Dem Gegenüber stehen aber wieder traumhafte und riesige Panoramaansichten der Wüste, in denen Sand nicht unbedingt immer Sand ist. Ja, selbst die Wüste hat hier noch viel zu bieten und wartet mit unterschiedlichsten Terrains auf, die zum Teil mit beeindruckenden Felsformationen oder gigantischen Überresten der menschlichen Zivilisation durchgezogen sind. Viel Lob verdient auch das Charakterdesign eurer Feinde, die mich zum Großteil an Bethesda´s „RAGE“ erinnern und teils wirklich fies aussehen.

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Abstriche hingegen muss man beim Gesamtlook des Spiels machen, wo sich wieder die Frage nach einer riesigen Spielwelt ohne Ladezeiten oder perfekter Grafik stellt. Irgendwo muss man einsparen und „Mad Max“ schafft es hier nur partiell wirklich zu beeindrucken. Vieles hat man schon mal gesehen oder war selbst auf PlayStation 3 so schon möglich. Auch im Open-World Genre wird „Mad Max“ daher sicherlich kein Referenztitel, da dieser karge Look der Wüste wohl kaum mit ähnlich großen Spielen wie „The Crew“ zu vergleichen wäre. Angesichts der vielen Beschäftigungsmöglichkeiten gewichtet die Grafik allerdings auch nicht so sehr und man wird sich definitiv auch mit ihr anfreunden, spätestens dann, wenn euch einmal ein richtiger Wüstensturm um die Ohren fegt, hat man einen echten „Wow“-Moment.

Dafür macht man beim Sound wieder fast alles richtig, setzt auf angenehme und passende Synchronsprecher, jedoch nur in Englisch mit deutschen Untertiteln, sowie fügt sich die Hintergrundkulisse stets perfekt ein, einschließlich gewaltiger Explosionen und krachender Blitze, die vom Himmel auf den Boden jagen.

Entwickler: Avalanche Studios
Publisher: Warner Bros.
Release: 01. September 2015
Offizielle Homepage: www.madmaxgame.com

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TEST: Mad Max – Ey man, wo ist mein Auto?
„Mad Max ist ein Spiel, das mal wieder in euch den Survival-Instinkt wecken soll. Man verzichtet im Groben auf eine Story, setzt euch mit quasi nichts in der Wüste aus und gibt euch freie Hand beim dem was ihr tun wollt. Insbesondere diejenigen unter euch, die viel Spaß am Craften haben, jeden Stein umdrehen möchten und mit dem, was ihr euch selbst erschafft, auf Beutezug gehen wollen, werden mit Mad Max viele Stunden Spaß haben. Der realistische Ansatz weiß dabei ungemein zu gefallen, sodass man sich nebenbei Gedanken um seine Ressourcen machen und stets gut vorausplanen muss. Dies gilt auch für die Beutezüge, die gut überlegt und immer mit den richtigen Mitteln angegangen werden sollten. Wer aus optischer Sicht ein paar Abstriche hinnehmen kann, für den ist Mad Max der richtige Mann, wer aber lieber an einem roten Faden durch ein Spiel geführt werden will und eine epische Story erwartet, könnte von diesem Freiheitsgefühl überfordert sein.“
8.4