TEST: Microsoft Flight Simulator 2024 – ein Meilenstein endlich auf PS5

Microsoft Flight Simulator 2024 im Test: Technischer Höhenflug mit Schwächen bei Performance und Servern. Unser Fazit, Wertung und klare Plus-/Minuspunkte.

Mark Tomson
Als Inhaber und Managing Director von PlayFront.de prägt Mark Tomson die Vision einer unabhängigen Berichterstattung über die Welt von PlayStation. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf technischen...
Microsoft Flight Simulator 2024
9.3
Review Overview
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Microsoft Flight Simulator 2024 auf der PlayStation 5 anzufassen, fühlt sich fast ein bisschen surreal an. Viele Jahre lang lebte die Kultserie im Microsoft-Kosmos, fest verankert zwischen PC-Enthusiasten, XXL-HOTAS-Setups und einer Community, die traditionell eher Windows als PlayStation in der Nähe ihres Cockpits duldet.

Doch nun durchbricht das Franchise diese Grenzen, und landet erstmals auf einer Sony-Konsole. Die Erwartungen könnten kaum höher sein. Immerhin galt der Vorgänger als technische Benchmark, als gigantischer digitaler Zwilling der Erde, als Flugsimulation, die kaum ein anderes Medium in dieser Form einfangen konnte. Umso spannender die Frage: Wie viel davon trägt die PS5-Version, und wie viel Ballast aus dem holprigen 2024er Release bringt sie mit? Das verrät euch unser Vorabtest.

Technischer Höhenflug oder Turbulenzen?

Schon der Blick zurück zeigt: Der Launch im November 2024 auf Xbox war alles andere als sauber. Die Cloud-Server kollabierten unter dem Ansturm von Sim-Fans, Game Pass-Spielern und Rückkehrern, die die neu versprochenen Karrierefunktionen ausprobieren wollten. Wer sich einloggen wollte, blieb oft schon im Ladebildschirm hängen, und wenn man es dann doch in die Welt schaffte, sah diese nicht selten aus, als hätte jemand den Photogrammetrie-Regler auf „fehlerhaft“ gestellt. Hochhausbäume in Tokio, verschluckte Straßenraster, unfertig gestreamte Stadtviertel, manches wirkte wie ein Diorama, in dem ein paar Datenpakete fehlten. Erst eine Reihe von Hotfixes, kombiniert mit Änderungen an der Serverstruktur, brachte den Sim langsam auf Flughöhe.

Auf PS5 bekommen wir nun ein Produkt, das direkt mit Sim Update 4 startet. Die Performance ist flüssiger, das Streaming stabiler, die Nachtbeleuchtung deutlich überarbeitet. Lichter in der Ferne wirken klarer, realistischer, weniger verwaschen. Die optimierte Multithreading-Unterstützung hilft der CPU sichtbar, besonders in dichten Gebieten wie New York oder London. Zwar bleibt die Grundvoraussetzung dieselbe: Dieser Simulator lebt und stirbt mit eurer Internetleitung. Microsoft streamt weiterhin den Großteil der Spielwelt über Cloud-Server, und wer unter 50 MBit/s unterwegs ist, sollte genügend Geduld oder starke Nerven mitbringen. Lange Ladezeiten gehören nach wie vor zu den auffälligsten Schwächen. Jeder Flug wird aktiv nachgeladen; nichts von der Spielwelt ist dauerhaft installiert, und dadurch können Wartezeiten entstehen, die im schlimmsten Fall an frühere Generationen erinnern. Das verlangt eine stabile Leitung, geduldige Spieler, oder idealerweise beides.

Zwischen fotorealistischer Welt und Server-Limits

Ist man aber einmal in der Luft, zeigt der Simulator eindrucksvoll, warum der Aufwand sich lohnt. Der digitale Zwilling unserer Erde wirkt in dieser Fassung noch feinmaschiger, noch detailreicher als im 2020er Teil. Hunderte handgefertigte Städte auf TIN-Basis, hunderte modellierte Flughäfen, Segelflugplätze, Heliports und Dutzende Biome sorgen für eine Welt, die sich lebendig anfühlt. Vegetation reagiert auf Jahreszeiten, Tiere bewegen sich nachvollziehbar durch ihre Habitat-Zonen, und sogar maritime Routen wirken durch internationalen Schiffsverkehr realer denn je. Erstmals darf man nach der Landung aussteigen und zu Fuß weitergehen, eine Funktion, die im ersten Moment wie Spielerei wirkt, aber spätestens bei Erkundungsmissionen echten Mehrwert bietet.

Spielerisch setzt der Microsoft Flight Simulator 2024 auf eine Philosophie, die viele Fans lange gefordert haben: Klar strukturierte Karrierepfade. Endlich bekommt die Simulation einen echten Kampagnenrahmen. Statt nur ein Flugzeug zu wählen und irgendwo zu starten, baut man nun einen Piloten auf, sammelt Lizenzen, verdient Credits und erhält Zugang zu neuen Missionstypen. Nach der Erstellung eines Avatars folgen diverse Einführungsmissionen, die Basiswissen vermitteln – von Vorflugchecks über Cockpit-Instrumente bis hin zu Standardflugverfahren. Der Weg zur Privatpilotenlizenz fühlt sich sinnvoll strukturiert an, vermittelt das Gefühl von Progression und gibt Neulingen ein kontrolliertes Umfeld, bevor es in anspruchsvollere Gebiete geht.

Karriere, Missionen, Live-Wetter

Im späteren Spielverlauf öffnet sich der Modus schließlich wie eine Flugschule auf Steroiden. Schwerlasthubschrauber, Passagierjets, Rettungsflüge, Frachttransporte, Agrarflüge, Chartermissionen, Such- und Rettungseinsätze, Feuerbekämpfung aus der Luft, Air-Tours, VIP-Transport, die Liste ist bemerkenswert lang und abwechslungsreich. Das motiviert, gleichzeitig zieht es den Modus aber auch unnötig in die Länge. Viele Missionen dauern Stunden, Credits werden eher spärlich ausgeschüttet, und wer seine eigene Fluggesellschaft gründen will, muss über 25.000 Credits anhäufen, ein grindiger Prozess, der nicht jedem liegen wird. Die sich wiederholende Sprachausgabe gestresster Passagiere trägt außerdem wenig zur Atmosphäre bei. Charaktere wirken künstlich und tonal oft daneben, was besonders in emotionalen Missionen auffällt. Eine vollwertige Sprecherbesetzung würde dem Spiel hier guttun.

Neben der Karriere gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten, die Welt zu erkunden. „Weltfotograf“ etwa lässt euch ikonische Orte unter bestimmten Bedingungen fotografieren, eine Art entspanntes Sightseeing mit Aufgabencharakter. Die Challenge-League hingegen richtet sich an ehrgeizige Piloten, die wöchentlich rotierende Herausforderungen meistern: ein Gate-Race, ein Low-Altitude-Speedrun und eine Präzisionslandung. Die Aktivitäten wiederum bieten eine lockere Mischung aus Rallye-Flügen, Landungschallenges und Discovery-Trips über Metropolen. Und natürlich bleibt der freie Flugmodus das Herzstück aller Puristen: Startpunkt wählen, Wetter einstellen, Flugzeug aussuchen und los.

Tech-Fans werden zudem den überarbeiteten Flugplaner schätzen. Der bietet jetzt professionelle Funktionen wie IFR-Karten, vertikale Profilplanung oder ETOPS-Routing. Das bringt den Sim näher an die reale Cockpit-Arbeit, hat aber gleichzeitig seine Tücken. Viele Tutorials fehlen, wenn man sie gerade braucht, und der Sync mit dem Spiel ist noch fehleranfällig.

Eine Flotte nach jedem Geschmack

Beim Thema Flugzeuge zeigt sich der Simulator großzügiger denn je. 70 Fluggeräte in der Standard Edition, bis zu 105 in der Premium Deluxe Version und weitere 30 in der Aviator Edition sind beachtlich. Die Mischung aus Passagierjets, Helikoptern, Cargo-Fliegern, Kampfflugzeugen ohne Bewaffnung, Heißluftballons und experimentellen Senkrechtstartern sorgt für eine spielerische Vielfalt, die ihresgleichen sucht. Gleichzeitig existieren weiterhin Bugs, von defekten Cockpit-Schaltern bis zu fehlerhaften 3D-Modellen. Gerade die Heißluftballons zeigten in unserem Test Darstellungsprobleme, oftmals präsent sind.

Die PS5-Version selbst macht jedoch vieles richtig. HOTAS-Support ist direkt zum Start integriert, inklusive Thrustmaster T-Flight HOTAS 4, ein Muss für Sim-Enthusiasten. Der Marketplace hingegen bleibt zum Launch eingeschränkt. Zunächst gibt es nur First-Party-Add-ons; Drittanbieter sollen im Frühjahr folgen, einschließlich des Jurassic World-Add-on. Wichtig zu wissen: Die PS5-Version ist ein eigenständiges Produkt, Add-on-Käufe lassen sich nicht mit PC oder Xbox teilen.

In puncto Zukunft hat Microsoft bereits mehr vor: Der Boom XB-1 Technologie-Demonstrator soll kostenlos folgen, ebenso die Embraer Praetor 600 und weitere Flugzeuge 2026. Auch PS5 Pro-User dürfen sich über Optimierungen freuen, die Microsoft angedeutet, aber noch nicht im Detail benannt hat und die bisher auch nicht ganz ersichtlich sind. Fakt ist: Je stärker die Hardware, desto schöner sieht das Spiel aus.

Der Microsoft Flight Simulator 2024 wirkt in manchen Bereichen immer noch unfertig. Einige Modi und Add-Ons fehlen weiterhin. Der Marketplace ist unvollständig, manche Grafikfehler kommen sporadisch vor und der Karrieremodus braucht dringend Feintuning, anstatt einen mit unzähligen Missionen zu überfordern. Doch man spürt, dass Microsoft und Asobo Studio das Projekt nicht aufgeben. Es ist ein Herzensprojekt, und wenn Technik und Server mitspielen, ist Fliegen in keinem Videospiel schöner als hier.

Hinweis: Dieses Review basiert auf einer Pre-Release-Version, die uns von Microsoft zur Verfügung gestellt wurde.

Fazit

Microsoft Flight Simulator 2024
Review Overview
9.3
Criteria 9.3
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Maxim Neumann
1 Monat zuvor

Und nächstes Jahr kommt das kostenlose VR2 Update. Dann kaufe ich das Spiel.

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