TEST: Need for Speed Rivals – Zurück zu alter Stärke

Ein neues Jahr, ein neues Need for Speed, aber man hat dazu gelernt! Electronic Arts formierte mit Ghost Games ein neues Rennspiel Studio, das sich fortan der Need for Speed-Marke widmen wird und dabei tatkräftige Unterstützung von den Mannen bei Criterion Games erhält. „Need for Speed: Rivals“ heißt der aktuelle Ableger, der sich nach dem etwas missglückten „Most Wanted“ diesmal wieder richtig sehen lassen kann.

Rivalitäten gibt es jeher in der Need for Speed-Serie, so dass diese auch in „Need for Speed: Rivals“ den Kern des gesamten Spiels bilden. Bist du ein Cop oder ein Racer? Nie zuvor prallten diese Gegensätze derart aufeinander wie in „Need for Speed: Rivals“, weshalb auch die Namensgebung nicht passender für das Spiel sein könnte. Direkt zu Beginn darf man in einem Training kurz in beide Lager hineinschnuppern und wird dann vor die knallharte Entscheidung gestellt, für welche Seite man sich entscheidet. Wir wollten natürlich erst einmal die „bösen“ Racer sein!

„Need for Speed: Rivals“ bietet eine kleine Story als Umverpackung, die jeweils kurz zwischen den Kapiteln erzählt wird. Und wie sollte es anders sein, fühlen sich die Racer hierbei als die Kings der Straße, die jeglichen Gesetzen trotzen und die Cops zu ihren Todfeinden erklärt haben. Auf der anderen Seite hat man es sich zum Ziel gesetzt, die Straßenraudis mit aller Härte zu verfolgen und von den Straßen zu verbannen. Das Katz und Maus Spiel ist eröffnet!

Ein wichtiger Faktor in „Need for Speed: Rivals“ ist die Social-Integration, was man bereits daran merkt, dass man ohne zu Fragen in eine Spielerlobby mit sechs weiteren Spielern geworfen wird, die sich mit ihren Boliden in Redview County, einer offenen Spielwelt tummeln und nur auf eine Herausforderung warten. Zwar muss man sich nicht zwingend auf die anderen Spieler einlassen, ein intelligentes System platziert aber immer weitere KI-Racer direkt in eurer Umgebung und sorgt damit für ständige potenzielle Herausforderungen. Wie schon in „Need for Speed: Most Wanted“ gibt es keinen wirklichen Off- und Online-Modus. Beides ist nahtlos ineinander verschmolzen, so dass ihr jederzeit und überall Rennen und Events starten könnt, egal ob mit echten Spielern in der Lobby oder gegen KI-Racer.

Auch das bekannte Autolog-System und das Need for Speed Network sind wieder mit an Bord, die sämtliche Statistiken, Erfolge, Rivalitäten, Ziele, Herausforderungen oder Events aufzeichnen und mit denen eurer Freunde und der ganzen Welt vergleicht. Mit OverWatch kommt zudem die Smartphone- und Tablet-PC Unterstützung hinzu, mit dem ihr auch abseits der Konsole eure Rivalitäten verfolgen könnt. Für die Next-Gen Version sind hier sogar einige spezielle Features geplant.

Willkommen in Redview County

Redview County, eine offene Spielwelt, die in vier große Areale unterteilt ist – Küste, Wald, Wüste und Berge -, mit langen Gerade, steilen Kurven, Brücken, Tunneln und vielen Abkürzungen, wo sich überall Events wiederfinden. Das können ganz spontane Events sein, die ihr beim vorbei fahren seht, Head-to-Head Rennen mit zufälligen Rivalen in der Spielwelt oder ihr arbeitet die Speedlist ab, um so weiter in der Story voranzukommen. Diese verlangen zusätzliche Herausforderungen, damit die Speedlist abgeschlossen werden kann. Das kann eine bestimmte Platzierung in einem der Events sein, das Zerstören eines Cops oder Racers, Zeitfahren und vieles mehr. Am Ende winkt nicht nur ein höherer Rang, sondern auch ein neues Fahrzeug aus dem erstklassigen Fuhrpark, der sich über 50 Typen erstreckt. Von Ferrari, über BMW oder Chevrolet dürfte auch diesmal für jeden etwas dabei sein. Der zweite Anreiz sind erneut die Speedpoint, die ihr fürs waghalsiges Fahren, Jumps, Crashs eurer Gegner, Tempo und mehr erhaltet. Parallel zu diesen steigt allerdings auch euer Heat-Level und die Fahndungsstufe, die als Multiplikator dienen. Je länger ihr in Redview County unterwegs seid, desto höher schnellen eure Speedpoints nach oben, die trotz eurer Mühen und Anstrengungen verloren gehen können, solltet ihr euer Fahrzeug crashen oder von den Cops gestellt werden, die mit steigender Fahndungsstufen auch ganze Helikopter auf euch ansetzen. Ein regelmäßiger Besuch im Versteck, um die Speedpoints auf eurer Konto einzuzahlen, sollte daher nicht außer acht gelassen werden.

Das Event-System im Spiel ist hervorragend aufgebaut und lässt euch stets die Wahl, ob ihr jetzt lieber versucht in der Story voranzukommen, ein einfaches Rennen bestreiten möchtet, sich mit anderen Spielern messen oder gar im Team zusammenschließen. Alle Spielmodi, Events, egal ob im Single- oder Multiplayer sind frei zugänglich oder schalten sich nach und nach frei. Wenn man möchte, jagt hier ein Event das Nächste, da man nicht willkürlich nach einem Rennen aus dem Spiel geworfen wird, sondern einfach weiterfährt und man so nicht selten einen weiteren Racer vor sich hat. Häufig bleibt einem kaum Zeit zum Luft holen, da man nahezu an jeder Ecke direkt in die teils erbitterten Rivalitäten wieder hineingezogen wird. Ein endloses Racing-Vergnügen.

Doch was nützt uns die Vielfalt der Events, wenn man nur eine lahme Gurke unter dem Hintern hat? Zwar startet man seine Racer- oder Cop Karriere mit einem durchaus beachtlichen Gefährt, das hier aber viel mehr möglich ist, zeigen euch die Anpassungsmöglichkeiten. Von der einfachen Lackierung bis zur Verstärkung der Karosserie, der Motorleistung oder der Höchstgeschwindigkeit lässt sich alles in „Need for Speed: Rivals“ verbessern. Wer sich nicht mit stundenlangen Tunings und dem Feinschliff auseinandersetzen möchte, der rüstet seinen Boliden typisch im Arcade-Style und in unterschiedlichen Stufen auf. Noch ein paar Vinyls und Decals als Verzierung drauf und schon sieht man richtig gefährlich aus, vorausgesetzt ihr habt zuvor genügend Speedpoints in den Events verdient, denn umsonst ist hier nur die Niederlage. Simpel, aber vielfältig gehalten.

Fahren am Limit!

Damit gelangt man wohl zum wichtigsten Punkt in „Need for Speed: Rivals“, dem Gameplay, der im Vorgänger „Most Wanted“ einer der größten Kritikpunkte darstellte. Ein schwammiges und unkontrollierbares Fahrverhalten ist selbst für einen Arcade-Racer der absolute Tod, der damals für einen Frustmoment nach dem anderen sorgte, begleitet von permanenten Crashs und nervigen Cops im Rücken. „Need für Speed: Rivals“ kann sich in dieser Hinsicht selbst auf die Schulter klopfen und man hat endlich wieder ein richtiges Gefühl für sein Fahrzeug, das nicht Elfengleich über den Boden schwebt, sondern wie gewollt fest mit dem Asphalt verschmilzt. Es macht mal wieder richtig Spaß in eine langgezogene Kurve bis zum Scheitelpunkt zu driften, dann den Boost zu zünden und aus dieser hinauszuschnellen, dass eure Gegner nur noch den Staub vor sich sehen. Zwar braucht es auch hier für jedes Fahrzeug das richtige Feingefühl, um nicht direkt in der Kurve abzusaufen, aber nach den ersten Metern hat man das schnell raus. Auch die KI hat diesmal deutlich dazu gelernt und man hat eine echte Chance entweder die Racer einzuholen und zu stellen oder andersherum vor den Cops flüchten zu können, notfalls damit, sich in sein Versteck zu retten. Spektakuläre Crashs a la Burnout gibt es diesmal weniger, dafür hat man zahlreiche Mega Jump Points in Redview County verteilt, die das Ganze etwas ausgleichen und ein irres Gefühl mit sich bringen, wenn man dort im hohen Bogen hinüber brettert. Wem das nicht reicht, sollte sich einmal im Verfolgungstechnologiearchiv umsehen, denn hier lässt sich euer Fahrzeug noch mit dem einen oder anderen Vorteil aufrüsten, sei es extra Boost, EMP, Nagelbänder für die Cops, Elektroschocks und mehr.

Frostbite 3 Power

Nun hält auch in Need for Speed die Frostbite 3 Engine ihren Einzug, EAs Patentrezept bei Spieleentwicklungen. Und siehe da, zum Großteil kann sich „Need for Speed: Rivals“ auch sehen lassen. Teilweise hat man zwar das Gefühl, dass man gerade über ein Battlefield-Schlachtfeld heizt, aber das ist eben der unverkennbare Look dieser Engine. Kritisch ist weiterhin die miserable Kantenglättung auf der PS3 zu bemängeln, die das sonst so schöne Gesamtbild deutlich trübt, insbesondere bei den Straßenmarkierungen, die in Schräglagen aussehen, als hätte sie eine nervöse Hand gezeichnet. Auch die Fahrzeuge, deren Details, die Umgebungen, die aufwendigen Zwischensequenzen oder die Menügestaltung können sich durchweg sehen lassen, auch wenn hier und da Pop-Ups zu beobachten sind oder unscharfe Texturen in der Ferne. Angesichts der Tatsache, dass wir uns am Ende dieser Generation befinden, ist „Need for Speed: Rivals“ aus optischer Sicht immer noch eine respektable Umsetzung.

Bleibt noch der Soundtrack und die Musik zu erwähnen, bei denen sich Electronic Arts auf ihr Gefühl verlässt, dass sie auch bei ihren vorherigen Need for Speed-Ablegern nicht im Stich gelassen hat. Eine bunte Mischung aus Elektro-, Metal-, Techno- und Hip Hop Sounds hallen durch Redview County, während ihr hinter dem Steuer sitzt. Soundeffekte sind gewohnt brachial und laut und lassen euch jeden Crash bis auf die Knochen spüren. Dazu begleitet euch die gewohnt weibliche und angenehme Stimme, die euch Tipps über Redview County ins Ohr flüstert oder der permanente Polizeifunk, der für die richtige Atmosphäre sorgt, auch wenn dieser bald wie einer sich wiederholendes Leierband erscheint.

Entwickler: EA Ghost Games / Criterion Games
Publisher: Electronic Arts
Release: erhältlich (PS3)
Offizielle Homepage: www.needforspeed.com

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TEST: Need for Speed Rivals – Zurück zu alter Stärke
Das beste Need for Speed seit Jahren, das ungetrübten Arcade-Rennspaß verspricht. Ein fast perfekter Einstieg für das noch junge Studio Ghost Games!
8.7