TEST – Resident Evil: Revelations – Nun doch ‚Back to the Roots‘

Mit “Resident Evil: Operation Racoon“ und „Resident Evil: 6“ löste Capcom damals durch die Action-getrimmten Gameplay-Änderungen innerhalb der Serie kontroverse Diskussionen aus. Statt Survival-Horror gibt es neuerdings die alt bekannten und nie enden wollenden Ballereien. Um tatsächlich die meisten Fans nicht zu enttäuschen, entschied sich Capcom für eine Portierung des 3DS-Ablegers „Resident Evil: Revelations“. Mehr als zehn Monate werkelten die Macher an einem angemessenen Konsolen-Ableger, weswegen wir hohe Erwartungen in die HD-Fassung stecken.

Nicht nur wir erwarten Großes, sondern auch Capcom, zumal Produzent Masachika Kawata in einem Interview auf die Wichtigkeit des Erfolgs hingewiesen hat. „Revelation“ entscheidet nämlich über die kommenden Fortsetzung der Serie, behauptet Kawata. Um den Kauf der HD-Fassung für die Fans schmackhaft zu machen, kündigt Capcom einen neuen spielbaren Charakter sowie weitere angsteinflössende Monster an. Ob nun der aktuelle Ableger die Serie doch noch das Survival-Genre rettet oder wieder einmal literweise Blei auf die Gegner niedergeschmettert wird, erfahrt ihr in unserem Test zu „Resident Evil: Revelations“.

Die schwimmende Stadt „Terragrigia“

In der Welt von „Resident Evil“ tickt die Zeit bekanntlich anders. Im Jahr 2005 haben die Menschen bereits eine Möglichkeit entwickelt, eine ganze Stadt zu erbauen, die der ökonomischen Sichtweise perfekt entspricht. Nur Sonne als Energiequelle, Wetterregelung mittels separater Satelliten und nicht zu vergessen, die perfekte Sauberkeit und eine friedlichen Gesellschaft. Das alles macht die schwimmende Stadt „Terragrigia“ aus. Eigentlich ein Paradies, was der Terror-Gruppierung „Veltro“ gar nicht gefallen hat.

Die auf biotechnische Waffen spezialisierten Terroristen infizierten die friedlichen Bewohner und verwandelten das Paradies in eine Art Hölle, in dem die kranken Menschen zu hässlichen Monstern mutieren und sich gegenseitig auffressen. Um so verständlicher ist die Entscheidung, die Stadt komplett niederzubrennen. So ganz friedlich ist die Geschichte doch nicht zu Ende gekommen, zumal sich das Virus auch außerhalb der gesperrten Zone auszubreiten scheint. Als Mitglieder der Terrorbekämpfung BSAA haben Jill Valentine und Chris Redfeld eine große Verantwortung zu tragen. Das Virus muss eingedämpft und dessen Quelle vernichtet werden.

Der Dreh- und Angelpunkt der Story findet auf dem Schiff „Queen Zenobia“ statt. Jill und ihr neuer Partner Parker Luciani sind auf der Suche nach Chris und seiner Partnerin, die im Laufe ihrer letzten Mission verloren gegangen sind. Doch was die Beiden nicht wissen ist, dass sie bereits erwartet werden. So zieht sich die gesamte Story bis zum Ende hin und beinhaltet nicht nur ein paar Überraschungen, sondern auch gleich mehrere Wendungen. Als Spieler erfahren wir die Motive hinter den Handlungen von Velto und dürfen uns darüber hinaus durch diverse Rückblenden kämpfen, welche nicht nur die Story hinter jedem Charakter auffrischen, sondern auch wichtige Ereignisse – wie den Fall der schwimmenden Stadt – veranschaulichen. Eine auf Spannung getrimmte Story mit einer nahezu perfekten Atmosphäre birgt das Potenzial, die Erfahrung der alten Resident Evil-Ableger dem Spieler näher zu bringen.

Klasse statt Masse?

Statt sich den Weg durch ganze Monsterscharen frei zu metzeln, verteilt Capcom die Gegner gewiss selten auf der Karte. Dies hat den positiven Effekt, dass dessen Auftauchen einen Überraschungseffekt und somit eine Priese Angst hervorruft. Ja, ganz genau. Die hässlichen Kreaturen erscheinen dieses Mal zwar seltener als im sechsten Teil, haben jedoch eine größere Lebensdauer, was fast schon mal die Hälfte des Magazins verbraucht, wenn man es ungeschickt angeht. Um so weniger Gegner, um so weniger Munition steht uns zur Verfügung – ein Auge auf die Waffenanzeige müssen wir also stets behalten. Mehr Freude bereitet hier das Auffinden neuer Munition, das in den Levels gekonnt verteilt wurde. Wer spart, der lebt länger!

Wie auch im sechsten Teil von Resident Evil, kann beim Zielen nicht nur gegangen, sondern auch ausgewichen werden. Fans des vierten Teils werden hier vielleicht eine kleine Enttäuschng erleben. Aber keine Sorge, mit einer schwach leuchtenden Taschenlampe und zehn Patronen im Gepäck hat das Herumschleichen auf einem dunklen und verlassenen Schiff noch nie mehr Spaß gemacht! Ganz klar, „Revelation“ lebt von den dunklen Gassen und den mit dem vierten Teil ähnlichen Gruselpassagen. So ganz klassisch gestaltet sich das Gameplay allerdings nicht, da es auch Stellen gibt, wo das Schießen auf die Gegnerwellen unausweichlich ist. Diese sind aber zum Glück eher selten.

Was neu hinzu kommt ist das hilfreiche Gadget mit dem Namen „Genesis“. Eine simple Apparatur, mit dessen Hilfe versteckte Items gefunden und herumliegende Kadaver von getöteten Monstern analysiert werden können. Bei 100 Prozent erhaltet ihr nützliche Antidots, die zum Heilen benutzt werden. Schwach finden wir hingegen die 3D-Karte, welche zum Teil für Verwirrungen sorgte. Diese zeigt unter anderem auch mal Räume und Gänge an, die überhaupt nicht existieren.

HD-Upgrade gelungen?

Egal wie lange die Entwicklung gedauert hat – der Fakt ist, dass die Optik noch nicht ganz das HD-Zeitalter erreicht hat. Klar, das Gesamtpaket sieht zwar einen Tick besser aus als die 3DS-Fassung – wäre ja eine Schande wenn nicht – aber etwas mehr hätten wir schon erwartet. Bei vielen Stellen findet man sehr kantige Texturen, die zum Teil an die PS1-Zeiten erinnern. Bei den herumliegenden Kartons oder herumstehenden Kanistern ist viel Minimalismus in der Grafik zu spüren. Die Zwischensequenzen ist serientypisch vorbildlich, wobei die Gesichtszüge bei manchen Charakteren während des Spielens etwas unpassend ausfallen. Gerade erst knapp einer Menge Monstern entflohen, lächelt der Nebencharakter entspannt und gelassen.

Die Monster hingegen sind vom Aussehen her richtig gruselig und sehr verunstaltet in ihrer Mutation. In einem dunklen Zimmer möchte man diesen Kreaturen eher nicht begegnen. Auch die Anzahl und die Variation der Gegner stimmen hier. Ihr begegnet nicht nur den Standard-Viechern, sondern müsst riesige Zwischenbosse und Zombie-Wölfe erledigen. Jeder von ihnen hat seine eigenen Schwachpunkte oder Stärken, die es herauszufinden gilt. Die einen sind beweglich und schnell, die anderen etwa langsam und träge. Man merkt jedoch allgemein, dass der Titel eine Portierung ist, zumal das Gesamtbild etwas verwaschen daher kommt.

Wie sieht es mit der Synchronisation aus?

Mit der deutschen Synchronisation ist es wie gewohnt etwas schwierig. Wir haben hier zwar eine akzeptable Vertonung, von Motivation seitens der Sprecher kann hier aber nicht die Rede sein. Gut dass wir die Möglichkeit haben, die englische Originalsynchronisation zu wählen, welche wie so oft besser passen. Zur richtigen Atmosphäre gibt es Musikuntermahlungen in den Levels, die für Spannung sorgen und das Gefühl aufkommen lassen, dass hinter der nächsten Ecke ein Infizierter auf uns wartet. Das Beste daran ist, dass unsere eigene Fantasie uns einen Streich spielt und für genug Angst zwischen den Levels sorgt.

TEST – Resident Evil: Revelations – Nun doch ‚Back to the Roots‘
„Capcom kann aufatmen – „Resident Evil: Revelation“ kann als kleiner Erfolg verbucht werden. Hauptsächlich wegen der unheimlichen Atmosphäre und der permanenten Angst vor Munitionsknappheit. Klar, hier und da sind zwar noch einige Baller-Passagen, jedoch kommen diese glücklicherweise selten zum Einsatz. Was eigentlich mehr stört ist die optische Umsetzung, die zum Teil leichtsinnigen Fehler und verschwommenen sowie kantigen Texturen. Das Gesamtbild wird zwar dadurch gestört, schaden aber nur im geringen Maß der gelungenen Atmosphäre. Die deutsche Synchronisation ist zwar zwecksmäßig vorhanden, erfüllt aber nicht die Erwartungen, die man an Resident Evil hat. Da hilft zum Glück die englische Originalversion samt den deutschen Untertiteln aus. Wir empfehlen „Resident Evil: Revelation“ an alle Fans der Serie sowie sämtliche Spieler, die auf eine gute Story mit überraschenden Wendungen großen Wert legen. Ein Patch, der die kleinen Textur-Fehler ausmerzt würde aber unserer Meinung nach nicht schaden.“
8.5
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