TEST: Rise of the Tomb Raider – Warum sich das Warten richtig gelohnt hat

Vor knapp einem Jahr erschien „Rise of the Tomb Raider“ als zweiter Teil der neuaufgelegten Erfolgsserie, nachdem Teil eins ein durchschlagender Erfolg war. Problem damals nur: die Fortsetzung erschien exklusiv für die Xbox One, konnte dabei jedoch nicht sonderlich punkten, vielleicht wegen dem gleichzeitigen Release des neusten Halo-Ableger? Kein besonders gutes Timing, in dem PlayStation Fans sogar irgendwie ein wenig Befriedigung fanden.

Nun, ein Jahr später und passend zum 20. Geburtstag der wohl bekanntesten Videospielheldin und Archäologin der Welt erscheint „Rise of the Tomb Raider“ endlich auch für die PlayStation 4 in einer aufgepeppten Version: verbesserte Grafik, allen DLC’s und zwei Story-Erweiterungen sind nun unter anderem inbegriffen … das Warten darauf hat sich also definitiv gelohnt!

Die Jagd nach dem Geheimnis, jagen und sammeln, viel Drumherum

Die Geschichte beginnt in Sibirien: Lara ist auf der Suche nach einer alten geheimen Macht: Der Quelle des Lebens. Schon ihr Vater war besessen von den Fähigkeiten der Quelle, die in Verbindung mit einem alten Propheten steckt und nach wie vor von dessen Anhängern bewacht und zur Not auch verteidigt werden. Nachdem er sich und seine Familie dafür aufgegeben und aus dem Leben geschieden ist, nimmt Lara seine Forschungen auf und setzt alles daran, um sie zum Erfolg zu führen. Die Suche führt dabei durch die Berge, einen alten Gulag, eine alte Militäranlage und noch vieler anderer interessanter Orte. Erneut begegnen wir dabei auch einer bereits bekannten Organisation, mit der wir es schon im ersten Teil auf der Insel zu tun hatten: Trinity. Eine Geheimorganisation mit okkulten Ansichten, die die Macht über alle bedeutenden Mächte erlangen und damit die Herrschaft an sich reißen will. Zusammen mit wilden Tieren und den Tücken der Umwelt ergibt das eine gefährliche Mischung, die einem immer nach dem Leben trachtet und eine Geschichte voller Lügen, Wundern und Geheimnissen erzählt. Diese ist dabei gut erzählt, auch wenn sie stellenweise etwas zu bekannt und vorhersehbar ist, und auch schon in anderen Teilen ähnlich erzählt wurde.

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Direkt in die Hauptstory integriert ist die Bonusmission rund um die Legende der Hexe Baba Yaga. Diese erweitert die Geschichte um knapp eine Stunde und führt uns auf die Suche nach dem Großvater eines jungen Mädchens, die uns um ihre Hilfe bittet. Er jagt die Hexe Baba Yaga, die damals die Großmutter des Mädchens verschleppt und getötet hatte. Er will nun Rache nehmen, weshalb Lara ihm zu Hilfe kommen soll. Eine schöne Geschichte, die vor allem durch einen tollen Abschluss glänzen kann.

Daneben gibt es noch die Erweiterung „Blutsbande“. Diese spielt zwischen dem ersten und zweiten Teil der Reihe und lässt uns das alte verfallene Croft-Anwesen erforschen, um Laras Onkel aufzuhalten, der Lara aus diesem vertreiben will. Man muss Rätsel lösen, Schlüssel und Geheimgänge finden und kombinieren, um das Geheimnis innerhalb der Mauern aufzudecken. Dabei erfährt man einiges über Laras Kindheit, ihre Familie und die Vergangenheit. Besitzer einer PlayStation VR kommen hier besonders auf ihre Kosten, denn sie dürfen die gesamte Croft Mansion über das Headset erforschen. Dies sieht nicht nur fantastisch aus, sondern fühlt sich auch unfassbar gut an. Das Spiel bietet hier zwei verschiedene Bewegungsarten, entweder per einer Art Teleportation oder auf die normale Bewegungsart mit den Sticks. Letztere kann jedoch bei manchen Spielern zu Unwohlsein (Motion Sickness) führen, davor warnen auch die Optionen noch einmal.

Die gesamte Story ist gut gelungen, facettenreich und bietet viele Abwechslungen. Wer jedoch mal etwas Anderes braucht als nur von einem Ziel zum nächsten zu gelangen, für den hat der Titel auch einiges zu bieten. So gibt es eine Vielzahl von Höhlen, die über die einzelnen Gebiete der ganzen Karte verstreut sind. In diesen befinden sich alte Ruinen und Grabstätten, die erforscht werden wollen und in denen nützliche Informationen zu finden sind. Daneben gibt es überall Karten, Pläne, Notizen und Aufnahmen zu finden, die über den Propheten und Trinity berichten. Das Interessante dabei ist, dass man durch viele dieser Entdeckungen seine sprachlichen Talente trainieren kann, wie griechisch oder russisch, um so die Inschriften von Monolithen oder anderen Tafeln zu lesen, die wiederum Hinweise auf versteckte Münzen oder Schätze beinhalten. Außerdem lassen sich Rohstoffe sammeln, wie Holz, Fell oder Beeren, mit denen wir Pfeile oder Verbände herstellen können, die uns bei unserem Kampf helfen. Das Crafting ist dabei zwar leicht, aber gelungen und regt dazu an, sich auf die Jagd zu begeben und nach Bäumen Ausschau zu halten. Außerdem kann man seine Pfeile, Pistolen oder Haken durch neu erlangte Werkzeuge verbessern und erweitern, um alle Feinde zu erledigen und verschlungene Wege zu offenbaren.

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Abseits der Story gibt es nun auch einen Herausforderungsmodus. In diesem können bereits abgeschlossene Abschnitte wiederholt werden, um sie mit den meisten Punkten abzuschließen und auf der Nummer eins der Rangliste zu landen. Das besondere hierbei: die Bedingungen lassen sich durch verschiedensten Karten manipulieren, um eine ganz eigene Spielerfahrung entstehen zu lassen. Darüber hinaus gibt es noch einen Gefechtsmodus gegen Wellen von Feinden und von einem Virus a la The Walking Dead befallenen Soldaten. Abwechslung gibt es also zu Hauf, die im KoOp-Modus sogar mit einem Freund zusammen erlebt werden können.

Die verschiedenen Möglichkeiten passen perfekt zusammen und runden sich gegenseitig gekonnt ab. Es gibt vieles zu erforschen und zu erleben. Zwar hat die Story die ein oder andere Tiefe, aber nichts desto trotz kann sie durchaus wieder überzeugen und lange fesseln. Mit den Erkundungen, dem KoOp-Modus und der VR-Mission ergibt sich auf PS4 ein rundum gelungenes Paket.

Springen und Schießen, eine Freude fürs Auge

Gameplay-technisch hat sich nicht viel zum Vorgänger verändert: Lara springt durch die Gegend, von Baum zu Baum, von Kante zu Kante, hangelt sich hin und her, nur um ihr Ziel zu erreichen. Hin und wieder rutscht sie ab, bricht durch den Boden oder muss mit anderen Überraschungen zurechtkommen. Diese Momente passen hervorragend in die Abläufe und halten die lockere Stimmung und die intensive Action gleichermaßen am Laufen. Balancieren und Jonglieren sind dabei sehr einfach, allerdings gibt es immer wieder Momente, in denen die Steuerung versagt und das Spiel unnötig erschwert wird. Nichtsdestotrotz fallen die Gefechte sehr leicht aus, was vor allem an der nicht besonders cleveren KI zu liegen mag, oder aber daran, dass Lara durch ihre neuen Fähigkeiten und starken Waffen irgendwann einfach viel zu stark wird. Hier kommen Lara auch die verbesserten Stealth-Optionen zu Gute, indem sie sich besser in Gestrüpp oder hinter Absperrungen verstecken und Feinde ausschalten kann.  Ihre Fertigkeiten werden durch Freischaltpunkte verbesserst, die man durch Erfahrungspunkte erhält. Dabei bekommt man für wirklich alles Punkte: Kills, Sammeln, Lesen, alles gibt Punkte und alles wird eingeblendet, was manchmal durchaus auch stört. Darüber hinaus gibt es anders als im Vorgänger kaum Momente, in denen man wirklich um sein Leben bangen muss, das Survival-Gefühl bleibt hierbei ein wenig auf der Strecke. Besser als bisher werden die zahlreichen Rätsel in Szene gesetzt, die uns auf unserer Reise im Wege stehen. Sie bedürfen viel Raffinesse und Einfallsreichtum, und werden daher auch nicht so schnell langweilig. Hier hat mich gut überlegt und gekonnt verbessert.

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Wie bereits beschrieben sind in der „20 Jahre Tomb Raider“ alle DLCs enthalten. Dazu gehören nicht nur besagte Erweiterungen, auch viele Waffen und Outfits sind direkt enthalten. Hierzu gehören auch Outfits mit bestimmten Fähigkeiten, wie weniger Schäden oder größeres Inventar, aber auch Retro-Outfits aus „Angle of Darkness“ oder „Tomb Raider 2“ lassen sich nutzen. Ein sehr witziges Bild, mit der Retro-Lara durch wunderschöne Berggebiete oder verlassene Höhlen zu streifen. Dabei besticht vor allem die vielseitige Flora und Fauna, die das Spiel gelungen zum Leben erweckt, wie auch die Umwelteinflüsse und die Spuren im Schnee. Die umfangreichen und weitläufigen Arenen lassen sich auf die verschiedensten Wege erkunden und sind dabei gelungen inszeniert. Auch die Charaktermodelle machen wieder einen sehr soliden Eindruck und bieten viele Details. Sie sehen sehr realistisch und ansprechend aus, was vor allem mit der guten deutschen Synchronisation ein gelungenes Ergebnis abliefert. Auch der Soundtrack wurde gut abgemischt und rundet das Gesamtbild ab. Leider ist der Titel nicht frei von Problemen, denn immer wieder gibt es Popups die dieser tollen Atmosphäre schaden.

Update: Die erwähnte Input-Verzögerung wurde mit dem Patch 1.04 behoben.

TEST: Rise of the Tomb Raider – Warum sich das Warten richtig gelohnt hat
„Tomb Raider ist zurück, zwar etwas spät für machnen PS4 Besitzer, dafür stärker denn je. Eine solide Story, gepaart mit ansprechendem Gameplay und einer detaillierten und facettenreichen Atmosphäre sorgen dafür, dass Rise of the Tomb Raider ein Titel ist, der einiges an Freude bereitet. Die Rätsel machen wieder mehr Spaß und führen gut durch das Spiel, und auch die vielen Sammelobjekte, sowie die verschiedenen Modi und Missionen halten den Spieler lange fest und sorgen dabei nicht für Langeweile. Leider hat die Story ihre Schwächen und auch Grafik und Steuerung sind nicht fehlerfrei, dennoch passt alles gut zusammen. Besonders die DLC und die VR-Option sind hervorzuheben, weshalb es als eine gelungene Fortsetzung zu betrachten ist, die kein Fan verpassen sollte.“
8.9