
Ein Jahr nach dem Xbox-Release von „South of Midnight“ landet Hazels Reise durch die Mythen der Südstaaten auf der PlayStation 5. Das atmosphärische Adventure punktet mit seinem einzigartigen Stil, muss aber beweisen, ob die spielerischen Lücken inzwischen geschlossen wurden. Ob das gelingt, erfahrt ihr in unserem Test.
Ursprünglich erschien „South of Midnight“ im April 2025 als Xbox-Exclusive und konnte seinerzeit eine Bewertung von durchschnittlich 7,5 Punkten erreichen. Nun erscheint der Titel für PS5, um auch hier Erfolge feiern zu können. Allerdings stellt sich damit auch die Frage, ob man das Jahr genutzt hat, um offene Kritikpunkte zu bearbeiten und Lücken zu schließen.
Ein Netz aus Mysterien
Im Zentrum steht Hazel, eine junge Frau, die in die geheimnisvolle Welt ihrer Heimatstadt Prospero zurückkehrt – ein Südstaaten-Mosaik aus Nebel, Mythen und gelebter Geschichte. Was auf den ersten Blick nach einem traditionellen Fantasy-Plot aussieht, entpuppt sich schnell als tief verwurzelte Erzählung über Identität, Familie und das Zusammenspiel von Mensch und Mythos. Hazel begegnet Wesen, die zwischen Folklore und Fantasie wanken: Flussgeister, tierhafte Wächter und flüsternde Schatten, deren Geschichten eng mit den gesellschaftlichen Themen des Spiels verwoben sind. „South of Midnight“ beschäftigt sich unterschwellig mit Schuld und Erinnerung – ohne je pathetisch zu werden.
Die narrative Struktur bleibt linear, doch sie nutzt ihre lineare Form klug. Kleine Entscheidungsmomente und optionale Nebenbegegnungen bieten Nuancen, ohne das Spiel künstlich zu strecken. Dialoge sind präzise, bewusst langsam gesprochen, und die englische Originalvertonung nutzt regionale Akzente, um Tiefe zu erzeugen. Ein Aspekt, der sowohl positive als auch negative Komponenten mit sich bringt, da die Sprachbarriere ohne Lokalisierung für manche spürbar bleibt.

Die PS5 trägt dazu bei, dass dieser erzählerische Fluss kaum unterbrochen wird: kein übermäßiges Laden, keine Framerate-Einbrüche in Cutscenes. Story und Präsentation verschmelzen, was die emotionale Dichte deutlich verstärkt. Die Story ist insgesamt verständlich, wird aber mit einer gewissen Tiefe erzählt, was einen zum Nachdenken anregt und den einen oder anderen Plottwist bereithalten kann. Sie ist ansprechend erzählt und lädt dazu ein, erkundet zu werden, ohne zu überfordern.
Alles ist miteinander verwoben
Spielmechanisch bewegt sich „South of Midnight“ auf bekanntem Terrain – aber mit Haltung. Als Third-Person-Adventure kombiniert es Erkundung, Magie und Nahkampf zu einer ruhigen, taktischen Spielerfahrung. Hazels Kräfte bauen auf einem System, das Gleichgewicht fordert: Magie entsteht nicht aus purer Energie, sondern aus Resonanz. Sie muss aufgeladen, kontrolliert und gezielt eingesetzt werden.
Mit ihren Stricknadeln kann Hazel Feinden ordentlich zusetzen, während sie ihre Weberei-Kräfte gezielt nutzt, um auch größere Widersacher auszuschalten. Dabei dient das Weaver-System nicht nur dem Kampf, sondern ist untrennbar mit der Fortbewegung in der vertikalen Welt verknüpft. Hazel nutzt einen Doppel-Dash und einen kurzen Glide, um die teils weitläufigen Sprungpassagen zu meistern, wobei das geschickte Kombinieren dieser Moves essenziell ist.
Die Magie erlaubt es ihr zudem, Plattformen aus alten Erinnerungen zu materialisieren, die alles verschlingende Verderbnis von Pfaden zu entfernen oder Geisterobjekte wie schwebende Wagen zu bewegen, um neue Wege zu ebnen. Unterstützt wird sie dabei von charmanten Begleitern: Während die kleine Stoff-Puppe „Crouton“ durch engste Bereiche kriecht, fungiert der „Talking Catfish“ als lebendiges Transportmittel durch die tückischen Sumpfgebiete von Prospero.

Timing ist alles
Kämpfe sind keine Dauerfeuer-Sessions, sondern rhythmische Begegnungen. Gegner besitzen Schwachstellen, die nur durch Beobachtung zu erkennen sind. Ein zentrales Element ist der Dodge: Wer im letzten Moment ausweicht, löst eine Schockwelle aus, die umstehende Feinde zurückwirft und Schaden verursacht. Das Spiel gibt hierfür klare Audio-Cues und visuelle Indikatoren, selbst wenn Gegner außerhalb des Sichtfelds angreifen.
Besonders wichtig für das „Crowd Control“ sind die Weaver-Fähigkeiten, mit denen man Feinde betäuben oder heranziehen kann, um Combos zu starten. Ein interessantes Detail für das Balancing: Jede Arena bietet genau einen Heilgegenstand. Wer unvorsichtig agiert, steht schnell mit dem Rücken zur Wand. Falls der Frustfaktor dennoch zu hoch wird, bietet die PS5-Version insgesamt fünf Schwierigkeitsgrade, vom entspannten „Scryer“ bis zum fordernden „Grand Weaver“.
Abseits der Hauptpfade lohnt sich die Suche nach „Floofs“ – den blauen Energiesträngen, die als Währung fungieren. Diese investiert man im Pausenmenü direkt in Hazels Upgrades. Das Schöne daran: Man muss kein Completionist sein, um den Skilltree zu füllen. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, schaltet die wichtigsten Fähigkeiten problemlos frei.
Die Levels sind überraschend vertikal aufgebaut: Von nebligen Sümpfen über zerstörte Häuser in Flood-Gebieten bis hin zu Bergregionen. Die Umgebungen ermöglichen alternative Wege und Abkürzungen, was die Spielzeit von 10 bis 14 Stunden angenehm füllt.

Malerische Welten und technische Freiheit
Compulsion Games setzt auf malerische Stiltreue statt Fotorealismus. Auf PS5 kommt dieses visuelle Konzept erst wirklich zur Geltung: höhere Auflösung, saubere Kanten, zuverlässige Framerate. Die Lichtgestaltung ist das heimliche Meisterstück, da der HDR-Kontrast das Gefühl von Wärme und Tiefe verstärkt.
Ein besonderes Feature der PS5-Version betrifft die Stop-Motion-Optik. Während die Cinematics diesen künstlerischen Look beibehalten, lässt sich der Effekt für das aktive Gameplay in den Einstellungen deaktivieren. Wer also Probleme mit der Bewegungsdarstellung oder Motion Sickness hat, kann hier auf eine flüssigere Darstellung umschalten.
Die Audiokulisse ist ebenfalls hervorzuheben. Der Sound reagiert dynamisch auf Distanz. Gespräche hinter Mauern klingen dumpf, entfernter Gesang verliert sich im Wind. Leider wirkt der Soundtrack dennoch hin und wieder etwas überladen oder nicht ganz auf die Situation angepasst. Zudem fehlt weiterhin eine deutsche Synchronisation, was bei einem so storyfokussierten Titel im Jahr 2026 kritisch beäugt werden darf, auch wenn 23 Sprachen bei den Untertiteln unterstützt werden.
„South of Midnight“ auf PS5 ist in der Summe kein grafisches Showpiece im klassischen Sinne, aber eines der stilistisch konsequentesten Spiele der aktuellen Generation. Die technische Umsetzung profitiert enorm von der Hardware: Kurze Ladezeiten und umfangreiche Accessibility-Optionen machen den Port rund.
Wird das Spiel dadurch größer als gedacht? Wahrscheinlich nicht. Es bleibt im Kern das gleiche Erlebnis wie 2025 – wunderschön, atmosphärisch dicht, aber spielerisch in den Kämpfen und bei der Progression etwas limitiert. Wer ein narrativ berauschendes Abenteuer sucht und über das eher simple Kampfsystem hinwegsehen kann, bekommt hier jedoch ein echtes Kunstwerk geliefert.
Ich habe es zum Release durchgezockt, ist ganz nett, gameplay immer das Gleiche, Story fand ich jetzt nicht so gut, zu sehr gekünstelt auf Drama. Soundtrack und manche Bosse sind das Highlight und der fette Fisch. 6 von 10
Soll eigentlich heute erscheinen aber kann man bis jetzt noch nicht kaufen.
Keine deutsche Synchronisation ist ein negativ Aspekt,ganz schön traurig. Demnächst wird noch die Hautfarbe des Charakters beanstandet. Spricht nicht deutsch und ist nicht weiß. Facepalm
Ja kann dem nur zustimmen.
Wie will man auch den südlichen Akzent aus dem Bayou auf Deutsch synchronisieren?
Absolut unauthentisch und dann sowas auch noch als Kritikpunkt aufzunehmen ist schon hart unfair unrealistisch.