TEST – Star Trek: Das Videospiel – Nicht perfekt, aber auch kein Lizenz-Trash

Mag sein, dass Marken wie Star Wars, Call of Duty oder aber auch Star Trek schon komplett ausgelutscht sind. Allerdings nahmen die Jungs von Digital Extremes den neuesten Streifen, welcher übrigens stark propagiert wird, als Anlass für ein neues Spiel aus dem Star Trek-Universum. Doch steht uns hier erneut ein Lizenz-Trash bevor oder wird man dem gigantischen Franchise zur Abwechslung mal gerecht?

Wir sind ein wenig mit diesen Vorurteilen in den Test gegangen, wobei wir Star Treck doch noch eine Chance geben wollen. Immerhin haben sich einige Kritiker und Fans des letzten Films für eine Fortsetzung vorbereitet, was nicht nur im nächsten Film, sondern im aktuellen Videospiel-Ableger verarbeitet wird. Wobei die Generation mit Spock und Captain Kirk ihre Missionen auf die Hollywood-ähnliche Art erfüllen. Das heißt; viele Explosionen, monströse Aliens und knallharte Sprüche. Auf der spielerischen Ebene versprechen die Macher ein perfektes Ko-Op-Erlebnis – worauf wir besonders gespannt waren. Nicht nur weil Ko-Op-Spiele letzter Zeit in den allgemeinen Wertungen hart einbüßen müssen, sondern weil die Knappheit an weiteren Genre-Vertretern uns sehr skeptisch macht. Ob unsere Skepsis sich erkenntlich zeigt, oder Star Trek doch noch die versprochenen Ko-Op-Aspekte erfüllt, erfahrt ihr jetzt.

Es war einmal auf dem Planeten Neo-Vulkan

Die Handlungen aus dem kommenden Film „Into the Darkness“ finden allerdings nach den Ereignissen des Spiels statt. So ist die Story zwischen dem ersten und dem zweiten Film angesiedelt. Was bereits beim Anfang hervor sticht, ist die vorhandene Dramatik der Videospiel-Umsetzung. Spock und Captain Kirk gehen mit geballten Fäusten aufeinander zu, wobei dessen Kollision in einem schwarzen Bildschirm endet. Eine Spannung, die bereits am Anfang aufgebaut wird. Doch zurück zum Anfang – wir finden uns auf der berühmten Enterprise wieder. Es steht ein Einsatz an, bei dem wir die Einwohner von Neo-Vulkan – also die Spezies von Spock – retten und die dort vorhandene und von den Vulkaniern gebaute Helios-Maschine finden müssen. Der Grund dafür sind nämlich die „Gorn“ – eine Echsen-ähnliche Ansammlung von Aliens, die ein Auge auf die Helios-Maschine geworfen haben. Ein Nutzen ist zudem unbeschreiblich, zumal diese Maschine zu einer radikal wachsenden Besiedlung des Planeten führen kann. Das heißt wiederum, dass die Gorns sich schlagartig auf einer zufällig ausgewählten Welt vermehren können. Dies wäre natürlich katastrophal für die friedlich lebende Bevölkerung des ganzen Universums.

Genug von der Geschichte – wie sieht eigentlich die Inszenierung aus? Kann die Handlung mit dem Film oder gar einigen guten Spielen mithalten? Wir können keine klare Antwort darauf geben. Einerseits sind die Figuren sehr stimmig und vor allem individuell gestaltet worden. Spock ist ein ruhiger und logisch denkendes Gruppenmitglied, der statt die Gegner zu töten lieber eine zurückhaltende Methode wählt. Dazu zählen seine Stealth-Aspekte, um die Kontrahenten von hinten lautlos auszuschalten. Kirk ist dagegen ein aggressiver und Macho-ähnlicher Typ, der nach jeder Aktion einen dummen und etwas unpassenden Spruch auf Lager hat. Aber so ist es doch immer mit den Actionhelden – Hollywood lässt grüßen! Was die Alternativwege und Lösungsmöglichkeiten oder Abzweigungen in der Story angeht, sieht es bei Star Trek eher schlecht aus. Ihr befolgt eine klare Linie, die sich wie ein roter Faden durch die Handlung zieht. Egal was und wie ihr es macht – es kommt immer zu einem gleichen Ergebnis, was für eine permanente Linarität und einen monotonen Spielablauf sorgt. Die Inszenierung ist aber bombastisch gestaltet. Ständig explodiert und fliegt euch etwas um die Ohren – was anfänglich in interessanten Cutscenes veranschaulicht wird. Mit der Zeit wird aus Action jedoch Langeweile und somit kommen wir wieder zu unserem oben stehenden Argument – monotoner Spielablauf.

Baller man, wie Ballermann !

Wie in den meisten Spielen, die momentan auf den Markt kommen. Und Achtung, ich sage „meisten“ – ein paar Ausnahmen gibt es natürlich. Naja, zurück zum Punkt – auch in Star Trek müssen wir uns durch zahlreiche Ballereien kämpfen. Doch zunächst zu den Waffen. In Star Trek gibt es dank futuristischen Setting nett aussehende Schieß-Eisen, die nicht nur ganz schön Krach machen, sondern über nützliche Sekundär-Modi verfügen. So kann der serientypische Phaser nicht nur zum Schießen benutzt werden. Was Spock gerne bevorzugt, kann auch Kirk mit der Sekundär-Funktion die Gegner betäubten und eigenhändig außer Gefecht setzen. Aber auch große Wummen sind nicht nur an die Feinde vergeben. So können mit den etwas größeren, MG-ähnlichen Waffen parallel zu den Salven, auch große Energie-Granaten geschossen werden.

Damit es mit den Waffen doch nicht sooo eintönig wird, können Kirk und sein mit spitzen Ohren beglückter Partner ihre Phaser mit etwas Erfahrung modifizieren. Wenn eine Waffe im Kampf vermehrt zum Einsatz kommt, werden Erfahrungspunkte verteilt. Erreicht ihr eine bestimmte Anzahl der benötigten Punkte, könnt ihr zusätzliche Modi hinzufügen. Der Phaser kann dann auf einmal mit Feuer durchsickerte Laser abschießen und so Feinde unter Brand setzen.

Ansonsten nutzt Kirk seinen bekannten Tricorder, mit dem es möglich ist, verschlossene Türen zu hacken und Feinde sowie weitere herumliegende Items zu scannen. Natürlich ist dessen Energie nicht unendlich, weswegen der Spieler an bestimmten Punkten diesen auch aufladen muss. Der Ablauf ist im Großen und Ganzen immer derselbe – Kirk und Spock schießen sich durch Feinde hindurch, öffnen Türen oder kriechen durch enge Schächte und knacken Codes mit Hilfe von Minispielen. Im Laufe der Story kommt wird so zwar für Abwechslung gesorgt, in dem man sogar einmal die Enterprise steuern darf, solche Momente gibt es leider aber sehr selten.

Intergalaktische Grafik und Originalstimmen aus dem Film

Seien wir mal ganz ehrlich zu einander – es war doch zu erwarten, dass Star Trek keine Innovationen und Überraschungen in Sachen Grafik bieten wird. Mal abgesehen davon, ist die Grafik-Engine nicht nur veraltet, sondern auch nicht in vollen Zügen genutzt worden. Überall finden wir pixelige Charaktere und verschwommene Umgebungen, die nicht nur im Licht, sondern auch im Dunkeln ein trübes Gesamtbild abgeben. Mag sein, dass hier einige Fans vielleicht auf ihre Kosten kommen, gesagt muss es aber auf jeden Fall. Die Animationen wirken sehr steif und weisen sogar bei einigen Nebencharakteren den ungewollten Effekt auf, dass der Gesichtsausdruck nicht sonderlich gut oder besser gesagt erkenntlich zum Vorschein kommt. Auch die Lippenbewegungen und die allgemeinen Standards wie die Stimmigkeit zwischen dem Gesagten und der Animation sind nicht korrekt eingehalten worden. Stattdessen seid ihr als Spieler auf die unter dem Durchschnitt erstellten Animationen angewiesen. Sehr traurig, aber auch etwas ernüchternd, wenn ihr mich fragt.

Mal abgesehen von der Grafik, sind auch die akustischen Aspekte genauso wichtig. Wir möchten aber schon im Voraus sagen, dass keine deutsche Synchronisation existiert. Stattdessen verlasst ihr euch auf die deutschen Untertitel, die übrigens zwingend aus dem Menü eingeschaltet werden müssen. Eine richtige Entscheidung, zumal die deutschen Spieler so die Originalstimmen aus dem Film genießen dürfen. Eine richtig gute aufgenommene Synchronisation macht zwar die Eintönigkeit im Gameplay nicht wett, dafür aber beim Zuhören mächtig Laune. Vor allem, wenn die oben angesprochenen dummen Sprüche von Captain Kirk zum Einsatz kommen, welche zwar eine ernste Situation nicht zerstören, diese aber trotzdem in einer speziellen Weise auflockert. Das kennen wir aber genauso gut aus den aktuellen Ablegern wie „Far Cry 3: Blood Dragon“ oder aber auch aus zahlreichen 90er Jahren Filmen.

TEST – Star Trek: Das Videospiel – Nicht perfekt, aber auch kein Lizenz-Trash
"Nicht perfekt, aber auch kein Lizenz-Trash – so kann man das aktuell veröffentlichte „Star Trek“ beschreiben. Überzeugt konnte es zwar nicht auf ganzer Linie, komplett enttäuschend ist es aber auch nicht. Mit einer kleinen Prise Dramatik in der Geschichte und einer eigenständigen Handlung, lohnt sich das Spiel besonders für die Interessenten und Fans der Filme. Vor allem vor dem Kino-Start von „Into the Darkness“ sind die Kenner der Vorgeschichte, also in diesem Fall die des Videospiels klar im Vorteil. Jedoch müssen sich die Käufer auf einen etwas monotone und lineare Spielerlebnis vorbereiten, der zwischendurch mit ein paar nett gerenderten Spielszenen Laune macht. Auch die Spieler, die Ko-Op-Titel bevorzugen können hier gerne zugreifen. Hohe Erwartungen dürft ihr, wie bereits erwähnt aufgrund der Monotonie nicht haben. Wer aber trotzdem unbedingt noch vor dem Start des aktuellen Streifen einen Blick riskieren will, kann gerne zuschlagen.“
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