TEST: Test Drive Ferrari Racing Legends

Mit dem Begriff „Ferrari“ kann wahrscheinlich jeder etwas anfangen, egal ob man sich für Autos interessiert oder nicht. Die Marke mit dem Pferd im Logo polarisiert. Für die einen sind diese Fahrzeuge dekadente Mode Accessoires, für die anderen wunderschöne Sportwagen und gleichzeitig in vielen Fällen ein Jugendtraum. Die Mannen von Slightly Mad scheinen wohl zur letzteren Gruppe zu gehören, denn sie widmen den roten Flitzern aus Maranello, Italien gleich ein komplettes Spiel. „Test Drive Ferrari Racing Legends“ heißt die neueste Produktion des Studios, wobei das Spiel nichts mit dem „Test Drive“ zu tun hat, das uns Atari bisher lieferte. Vom grenzenlosen Open-World Vergnügen sollte man sich daher am besten gleich verabschieden.

Die Einzelspieler-Kampagne ist in drei Teile untergliedert – Goldene Ära (1947-1973), Silberne Ära (1974-1990) und Moderne Ära (1990-2011). Als Ferrari Testfahrer ist man auf über 30 Rennstrecken in über 50 Ferrari Modellen unterwegs, absolviert Showfahrten, um zu zeigen, dass das neue Modell besser als der Vorgänger ist, fährt Rennen und muss sich für diese natürlich auch qualifizieren. Insgesamt gilt es somit über 200 Events zu absolvieren. Damit ist man definitiv schon mal eine Weile beschäftigt. Glücklicherweise kann man zwischen den drei Parts jederzeit wechseln, falls man doch mal an einer bestimmten Stelle hängen bleiben sollte, denn „Ferrari Racing Legends“ ist selbst auf leichtem Schwierigkeitsgrad durchaus fordernd. Allerdings spult man die Events schon nach recht kurzer Zeit nur noch hintereinander ab. Die große Masse an Veranstaltungen unterteilt sich am Ende nur in Rennen, Zeitrennen und Showevents, in denen es darum geht, innerhalb einer bestimmten Rundenanzahl alle vor einem liegenden Wagen zu überholen. Man bekommt einen Wagen vorgesetzt, absolviert einige Events damit, dann gibt es einen anderen Wagen und das Spiel beginnt von vorn. Für jedes Event gibt es ein Haupt- und ein Bonusziel (z.B. Hauptziel: beende das Rennen mindestens als Dritter, Bonusziel: erreiche das Ziel als Erster).

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Vor jedem Event kann man den Schwierigkeitsgrad wählen. Zur Auswahl stehen leicht, normal und schwer. Dadurch ändern sich Qualifikationszeiten und die KI-Piloten sind schneller unterwegs. Die Fahrhilfen werden über die drei Fahrermodelle gesteuert. Während man bei „Anfänger“ jede Menge Unterstützung hat, muss man bei „Profi“ weitestgehend auf elektronische Helfer verzichten. Das Fahrverhalten ändert sich dadurch deutlich. Leider kann man die einzelnen Fahrhilfen nicht individuell ein- und ausschalten oder regulieren, wie man es z.B. aus „DiRT 3“ oder „Gran Turismo 5“ kennt.

Am Multiplayer gibt es an sich nichts auszusetzen. Der Verbindungsaufbau läuft ohne Probleme und man kann Rennen nach seinen eigenen Kriterien erstellen. Allerdings war es sehr schwer online Mitspieler zu finden. Von den sieben noch freien Plätzen in der Lobby wurde meistens nur noch einer belegt und der Rest wurde durch KI-Fahrer gefüllt. Sehr schade, allerdings könnte es noch schlimmer sein, denn die KI ist wirklich gut gelungen, die diese nicht nur stur der Ideallinie hinterherfahren. Das merkt man vor allem dann, wenn man selbst einen Fehler macht, quer auf der Ideallinie steht und euch alle anderen Fahrzeige ausweichen.

Die Steuerung ist solide gehalten, zunächst allerdings etwas sensibel, was sich glücklicherweise in den Optionen einstellen lässt. Positiv ist das Automatikgetriebe aufgefallen. Nie hat man das Gefühl, am Kurvenausgang nicht aus dem Knick zu kommen, weil der Gang zu hoch und die Drehzahl zu niedrig ist. Zudem kann man bei Bedarf auch beim Automatikgetriebe manuell eingreifen und doch noch einen Gang runter schalten, falls es nötig sein sollte. Die einzelnen Modelle unterscheiden sich spürbar im Fahrverhalten und auch die Geräuschkulisse ändert sich von Wagen zu Wagen merklich. Hier bekommt man keinen Einheitsbrei vorgesetzt.

Zum Sound gibt es leider nicht viel zu sagen. Im Menü gibt es zwar orchestrale Klänge zu hören, aber während der Rennen verzichtet man auf sämtliche musikalische Untermalung und bis auf die vereinzelten Funkdurchsagen gibt es auch keine Sprachausgabe. Insgesamt wirkt das Spiel dadurch recht einsam und verloren, nicht zuletzt durch das Menü selbst, welches extrem schlicht gehalten ist und man das Gefühl bekommt, dass es hier und da einfach an Ideen gefehlt hat, wie man dem Spieler die Rennen schmackhafter machen kann.

Grafisch wirkt Ferrari Racing Legends etwas altbacken und alles abseits der Strecke ist sehr detailarm. Die Automodelle sehen allerdings durchweg gut aus, auch wenn man das ein oder andere Detail besser hätte zur Geltung bringen können. Die Licht- und Schatteneffekte sind gelungen, ebenso weiß die Cockpit-Perspektive mit einer guten Sicht zu überzeugen. Getrübt wird das grafische Gesamtbild allerdings durch sehr häufige unsauberen Kanten, was aber wohl dem bekannten Anti-Alaising Problem der PS3 zuzuschreiben ist. Vor allem die Rundinstrumente wirken regelrecht ausgefranst. Ein Schadensmodell ist ebenfalls integriert, reduziert sich allerdings auf kleinere kosmetische Schäden, wie ein paar Kratzer und Dellen. Hier kann man aber davon ausgehen, dass diese Entscheidung maßgeblich von Ferrari getroffen wurde. Welcher Hersteller sieht seine Autos schon gern komplett zerstört rumfahren und sei es nur auf dem Bildschirm? Bekanntlich keiner.

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Das Spiel wurde auf das wesentliche reduziert – Ferrari. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, allerdings fühlt man sich besonders in der Karriere doch etwas allein gelassen. Bei Rennen gibt es keine Startaufstellung, überhaupt hat niemand einen Namen. Alles wirkt sehr anonym. Der Ladebildschirm vor den Events ist mit Texttafeln, die einige Infos enthalten und den Anforderungen zum erfolgreichen Abschließen der Events gefüllt. Genauere Daten zu den Strecken und den Wagen sucht man vergebens. Ein Showroom, wo man sich die Boliden noch mal genauer betrachten kann, wäre sicher auch interessant gewesen, aber auch hier Fehlanzeige.

Zudem schafft es „Test Drive Ferrari Racing Legends“ nicht so recht den Spieler für die Marke Ferrari zu begeistern, oder ihn zu motivieren. Das liegt wohl auch daran, dass bis auf die Wagen und Strecken, die durch Absolvieren der Events freigeschaltet werden, keine extra Boni gibt. Tuning ist auch nicht angesagt, was bei einem lizensiertem Spiel wie diesem nicht weiter verwunderlich und auch nicht stört. Auch auf ein Level-System, wie man es inzwischen fast bei jedem Rennspiel findet, wurde verzichtet.

Geschrieben von Christian Klisch

TEST: Test Drive Ferrari Racing Legends
„Im Kern ist Test Drive Ferrari Racing Legends ein durchaus gelungenes Rennspiel. Grafisch kann das Spiel allerdings nicht mit Titeln wie zum Beispiel dem aktuellen „ DiRT“ mithalten. Grobe Texturen und fehlende Kantenglättung fallen negativ ins Auge. Am Sound gibt es angesichts der vorherrschenden Stille schwer auszusetzen. Das Herzstück, die Kampagne, ist umfangreich und sollte einen für viele Stunden beschäftigen, aber im Gesamten hapert es an der Präsentation. Klar macht es Spaß mit den Ferrari Modellen von den Anfängen 1947 bis in die heutige Zeit über den Asphalt zu rasen, zumal man auch Gelegenheit bekommt, in Formel 1 Wagen aus verschiedenen Epochen Platz zu nehmen. Aber reicht das als Anreiz für Spieler, die es inzwischen gewohnt sind Lackierungen, Tuningmöglichkeiten und ähnliches nach und nach freizuschalten, seine Fahrzeuge individuell zu gestalten oder selbst zu entscheiden, welches Auto als nächstes den Fuhrpark bereichern soll? Nun, das muss jeder selbst entscheiden. Ferrari Fans, die eine Konsole besitzen, kommen sicher nicht um den Titel herum, sonst wird es Test Drive Ferrari Legends wohl schwer haben sich durchzusetzen, da es eine Fülle an Rennspielen gibt, die mehr Abwechslung und Spaß bieten.“
6.5
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