TEST: The Tomorrow Children – Gelingt das Experiment?

„The Tomorrow Children“ ist ein Projekt des Publishers Q Games, die gemeinsam mit Sony versuchen einen Free-To-Play-Titel zu entwerfen, wie es ihn bisher noch nicht gegeben hat. Dazu bedient sich das Team vieler ausgefallener Elemente, um das bestmögliche Erlebnis für jeden einzelnen zu erzeugen.

Eine verlorene Welt, haken, lagern, bauen

Das Ziel des Spieles ist schnell gefunden: Nach einem fehlgeschlagenen sowjetischen Experiment wurde die Menschheit mehr oder weniger vernichtet. Die wenigen Überbleibsel unserer bekannten Zivilisation leben nun im sogenannten Void, einer surrealen Welt, in der sie sich selbst auch nur als Schattenprojektionen bewegen können, die aussehen wie russische, weibliche Holzpuppen. Diese versuchen nun die Menschheit wiederherzustellen, indem sie Städte errichten und die in Matrjoshkas gefangenen Seelen der Bevölkerung wiederzubeleben. Hat die Stadt eine Bevölkerung von 500 erreicht, ziehen wir weiter um die nächste Stadt aufzubauen.

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Allerdings ist es mit dem reinen Wiederbeleben nicht getan. So tauchen in der milchig-weißen Umgebung immer wieder seltsame Inseln auf, die aussehen können wie Gliedmaßen oder andere Gegenstände. Zu diesen gelangen wir mit einer Art Bus, der zu einer bestimmten Zeit ankommt und abfährt. Das ist ziemlich nervig, da man den Bus besser nicht verpassen sollte, da man sonst ewig wartet. Die entsprechenden Inseln gilt es zu durchforschen und Rohstoffe zu ernten. Dies tut man mit dem entsprechenden Werkzeug, wie etwa Spitzhaken oder Schaufeln, um Gold, Kohle oder Baumstämme freizugeben. Die Rohstoffe findet man immer wieder in Höhlen, ebenso wie die Matrjoshkas oder Kisten mit neuen Gegenständen, die uns die Ernte erleichtern sollen. Darüber hinaus nutzen sich die Gegenstände im Laufe der Zeit und müssen neu gesammelt oder bei Händlern gekauft werden. Hier kann es aber vorkommen, dass man zunächst anstehen muss, denn wenn jemand gerade solch einen Händler nutzt, müssen die anderen warten. Und das kann unter Umständen schon einige Zeit dauern.

Die einzelnen Errungenschaften müssen von den Inseln nun auf die Ladefläche des Busses geladen werden, um sie in seiner Stadt zu Lagern. Hier stört es erheblich, dass man seine Objekte an den Haltestellen zwar Lagern kann, diese aber nicht von selbst auf die Ladefläche transferiert werden, sondern man jedes einzelne Objekt aufhaben und aufladen muss. Allerdings sind die Bus-Stopps dafür viel zu kurz, weshalb häufig Objekte zurückgelassen werden müssen. Das nervt und ist nicht im Sinne des Spieles.

Negativ zu bewerten ist auch die geringe Größe des Inventares. Zu Beginn lassen sich gerade einmal drei Rohstoffe und 3 Hilfsmittel verstauen; viel zu wenig für einen Titel, bei dem es um das Sammeln eben dieser geht. Zwar lässt sich das Inventar wohl durch Käufe auf dem Schwarzmarkt, einem geheimen, streng verbotenen Shop, erweitern, allerdings hatten wir darauf bisher noch keinen Zugriff, trotz einiger Spielstunden.

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Haben wir es dennoch geschafft, genug Rohstoffe zu sammeln, erstellen wir an den Herstellstationen neue Häuser oder Objekte, mit denen wir unsere Stadt erweitern und aufwerten können. Die Herstellung erfolgt dabei in Form von kleinen Schiebe-Puzzle, die je nach Wert des Gebäudes anspruchsvoller werden. Wem das aber zu schwer ist, kann einfach „Freiheitsdollar“ nutzen, um das Rätsel automatisch zu lösen. Diese lassen sich entweder immer wieder auf dem Boden finden, oder können für Geld gekauft werden. Free to play halt.

Das eigentliche Kernelement des Spieles bildet die umfassende Kooperation mit anderen Spielern. Mit diesen kann man gemeinsam Gegenstände abbauen, Objekte reparieren oder gegen die sogenannten Kaijus, riesenhafte Monster, die die Stadt zerstören wollen, ankämpfen. Man kann seine eigene Lebensenergie teilweise opfern um andere Spieler wiederzubeleben, sie mit Ausrüstung versorgen oder auf ganz viele verschiedene Art und Weisen mit ihnen zusammenarbeiten. Man kann sich durch Gesten verständigen, einen Text- oder Sprachchat gibt es hingegen nicht. So wird trotz der umfassenden Zusammenarbeit viel an Distanz gewahrt, was gut zu dem Titel passt.

Auch interessant umgesetzt: Wir sammeln Erfahrungspunkte, mit denen wir im Level aufsteigen können. Haben wir ein entsprechendes Level erreicht, schalten wir neue Lizenzen frei, mit denen wir zum Beispiel Waffen oder Fahrzeuge verwenden können. Dadurch bleibt man lange am Spiel und hat einen Antrieb, sich immer mehr für die Gemeinschaft einzusetzen. Ansonsten ist das Spielgeschehen sehr lebendig. Es finden Bürgermeisterwahlen statt, Verräter werden in Käfige gesperrt und auch sonst passieren viele Dinge nebeneinander.

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Willkommen in Russland, eine blanke Leinwand, düster und verloren

Eins merkt man „The Tomorrow Children“ ganz klar an: seinen russischen Einschlag! Die Figuren sehen allesamt aus wie russische Holzpuppen, jeder spricht russisch und selbst das Fernsehprogramm sieht aus wie Propagandavideos aus den Zeiten der Sowjetunion. Einen wirklichen Sinn sieht man dahinter nicht wirklich, allerdings passt diese Einschlag gut in die surreale und postapokalyptische Darstellung der gesamten Spielwelt. Man merkt, dass die Entwickler sich wirklich viele Gedanken gemacht haben, wie sie eine gute Atmosphäre entstehen lassen können. Als Beispiel: Tragen wir eine Matrjoshka bei uns, hören wir ein leises Klimpern aus unserem Kontroller, wenn wir uns bewegen, oder der Rand des Bildschirms wird leicht dunkler Dargestellt, wie auf alten TV-Geräten. Immer wieder wird die ruhige, einsame Stimmung durch Kommentare oder selten einsetzenden Soundtrack durchbrochen. Hier wäre es gerade bei den Kommentaren wünschenswert gewesen, wenn diese ein wenig Abwechslungsreicher gestaltet worden wären, denn aktuell hört man den selben Satz gefühlte 1000 mal.

Die Umgebung ist wie bereits beschrieben sehr karg und verlassen. Die weiße und leere Umgebung macht einen trostlosen Eindruck, die der Atmosphäre dennoch gut steht. Wem das alles aber zu leer ist, der kann durch Plattformen und Objekten seine persönliche Note einfließen lassen, was gerade auf den Inseln durchaus hilfreich sein kann, um zu schwer erreichbaren Gebieten zu gelangen. Hier kommt gemeinsam mit dem Gameplay ein Gefühl von Minecraft auf, allerdings auf einer ganz anderen Ebene.

TEST: The Tomorrow Children – Gelingt das Experiment?
„Eins lässt sich ganz klar sagen: The Tomorrow Children ist ein Experiment. Der Titel versucht mit einem interessanten, aber bekannten Gameplay und einer besonderen, verlassenen Atmosphäre zu punkten. Man merkt nur selten, dass es sich um einen Free-to-play-Titel handelt, und wenn, dann stört es nicht wirklich. Allerdings gibt es Punkte, an denen noch hätte gearbeitet werden müssen, wie der Zugriff auf spezielle Objekte oder eine klarere Geschichte, da man sich immer wieder doch sehr verloren führt und nicht direkt erkennt, ob das, was man gerade tut, auch wirklich zielführend ist. Zudem wiederholen sich die Umgebungen und der Ablauf viel zu oft, wodurch es an Abwechslung fehlt, was schnell zu Langeweile führen kann. Außerdem wird man, sobald eine Stadt wiederhergestellt ist, umgehen aus dieser hinaus geworfen, anstatt sich ein wenig seine erreichte Leistung anzuschauen. Darüber hinaus muss man sich fragen, ob man sich auf den sowjet-Stil einlassen möchte, der teilweise doch sehr befremdlich wirken kann. Deswegen ist „The Tomorrow Children“ sicher kein Titel für Jedermann, aber dennoch einer, dem man zumindest ein wenig Beachtung schenken sollte.“
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