TEST: The Walking Dead Survival Instinct – Das pure Grauen mal anders

Als großer Fan der ‚The Walking Dead‘ TV-Serie hatte ich mich ehrlich gesagt ein wenig über den Survival-Ableger von Activision gefreut, auch wenn ich dem Ganzen zunächst mit sehr gemischten Gefühlen gegenüberstand. Entwickler Terminal Reality, die zuvor an ‚Ghostbusters‘ gearbeitet haben, waren für die Umsetzung sicherlich nicht die schlechteste Wahl für das Projekt. Ein weiterer Faktor, der die Hoffnung in mir weckte war, dass man immer betont hat, dass es sich bei ‚The Walking Dead: Survival Instinct‘ um keinen Shooter handelt und der Survival Aspekt im Vordergrund steht.

Was mir dennoch Sorgen bereitete war, dass die Ankündigung des Spiels mehr oder weniger überraschend kam und der Release schneller ins Haus stand als erwartet. Und mit Activision als Publisher dahinter, drängte sich so schnell der Verdacht auf, dass man hier mit einem typischen Lizenzspiel nur auf der Erfolgswelle von ‚The Walking Dead‘ mitreiten möchte und die Qualität dabei auf der Strecke bleibt. Und leider bestätigt sich das auch diesmal!

Die Story zum Spiel ist schnell erzählt und findet noch vor den Ereignissen der TV-Serie statt. Ihr schlüpft in die Rollen der Originaldarsteller Darryl Dixon und seinem Bruder Merle, die quer durch die USA auf dem Weg nach dem vermeintlich sicheren Atlanta sind. Alles um euch herum ist von einem Zombievirus befallen und somit liegt ein langer und beschwerlicher Weg dahin vor euch. Und beschwerlich leider nicht nur auf die Reise bezogen.

Auf ein aufregendes Intro verzichtet man bei ‚The Walking Dead: Survival Instinct‘ und man steht ohne Vorwarnung inmitten eines kleines Flusses im Wald. Geht´s schon los? In der Ferne sind ein Schuss und Fressgeräusche zu hören, die zumindest schon einmal die Neugier in einem wecken. Nur wenige Schritte zurückgelegt, findet sich auch die Antwort dazu und ein Horde Beißer fällt über euch herein. Die ersten Meter des Spiels sorgen allerdings noch für ein anderes Grauen. Ich muss eine Figur aus einem H.G. Wells Roman sein und kann in die Vergangenheit reisen. Diesen Eindruck hinterlässt zumindest der optische Eindruck des Spiels.

Die Texturen verwaschen bereits auf wenige Meter Annäherung, Details sind quasi nicht vorhanden oder nicht mehr erkennbar, wenn man direkt davor steht. Es fehlt allgemein an aktuellen und grafischen Standards, so dass man sich letztendlich die Frage stellt, welche Mittel hatte Terminal Reality zur Verfügung, um dieses Spiel zu entwickeln? „Gelungen“ , um es mal vorsichtig auszudrücken, ist lediglich das Charakterdesign, sowohl bei den Beißern und den Charakteren, die man auf seiner Reise trifft und denen man mit einem Auge zudrücken noch etwas Gutes abgewinnen kann. Gut, die Animationen der Zombies kommen auch noch recht authentisch herüber, solange man nicht auf sie einprügelt und sie umfallen sehen muss. Egal wie man diese tötet, der finale Niedergang ist nämlich immer gleich. Von Leidenschaft, die man in das Spiel gesteckt, ist leider nirgends etwas zu merken. Schwammige und unscharfe Texturen wohin das Auge reicht, Detailarmut sowie billige und sich wiederholende Animationen prägen das Bild. Grafisch hat man sich mit ‚ The Walking Dead: Survival Instinct‘ alles andere als einen Gefallen getan, das man in dieser Form vermutlich erfolgreich in der Retroecke vermarkten könnte.

Was ich bei dem Spiel recht gelungen finde, ist in der Tat der Survival Aspekt. Sich wild durch die Level zu schießen, führt eher selten zum Erfolg. Hier muss man sich mit Bedacht fortbewegen und vor allem auch gut vorbereiten. Da das Spiel Missionsbasierend aufgebaut ist, muss man sich zu Beginn gut überlegen, wem in meiner Gruppe weise ich welche Aufgabe zu oder welche Waffe gebe ich ihm mit, bevor ich mich meinem eigenen Hauptziel widme. Alles wirkt sich darauf auf, wie hoch eure Überlebenschancen am Ende sind und ob ihr den aktuellen Ort gemeinsam wieder sicher verlassen könnt. Brauche ich gerade eher Munition, Nahrungsmittel oder Treibstoff, um weiter voranzukommen und zu überleben? Unterwegs kommt es nicht selten vor, dass ihr weitere Überlebende trefft, die irgendwelche Dinge brauchen und für euch weitere Nebenaufgaben bereithalten. Bei erfolgreichem Abschluss schließen sich diese eurer Gruppe an, womit die Überlebenschancen wieder steigen. Konntet ihr euch wieder erfolgreich am Auto versammeln, geht es auf zum nächsten Ort. Hier habt ihr die Wahl, welche Route ihr durch die Staaten wählt, die sehr unterschiedlich ausfallen können und dafür sorgen, dass man beim ersten Durchlauf nicht alle Schauplätze zu sehen bekommt. Hauptstraßen, Nebenstraßen oder den Highway. Eines ist sicherer als das Andere, wirkt sich aber auf den Zustand eures Fahrzeugs aus. Verbraucht ihr zu viel Treibstoff, müsst ihr einen Zwischenstopp einlegen und zum Beispiel auf einer Farm nach neuen Ressourcen suchen, was euch wiederrum etwas aufhält. Nicht immer ist im Auto auch genügend Platz für all eure Gruppenmitglieder, so dass es auch vorkommen kann, dass ihr bestimmte Leute an einem Ort zurücklassen müsst. Auch hier gilt es abzuwägen, welcher der Gruppenmitglieder euch noch am nützlichsten sein kann und auf welchem man lieber verzichtet.

Hier zeigt sich, dass man sich doch irgendwo Gedanken darüber gemacht hat, das Spiel interessant zu gestalten. Ein originales Survival-Spiel, bei dem man ständig auf der Suche nach Ressourcen ist, Feinde möglichst umgehen sollte und jede Ecke und jeden Winkel durchsuchen kann; auch abseits vom Hauptweg. Ein Shooter, in dem man sich sinnlos durchballert, ist ‚The Walking Dead: Survival Instinct‘ also definitiv nicht und erzeugt an der ein oder anderen Stelle durchaus für Spannung und weckt den Überlebensinstinkt in euch.

Das Gameplay funktioniert insofern auch recht gut und flüssig, wobei man sich auch hier auf die absoluten Standards beschränkt. Das Einprügeln auf die Beißer ist immer gleich, wobei es keinen großen Unterschied zu machen scheint, ob man nun ein Messer oder eine Axt in der Hand hält. Alles scheint den gleichen Schaden zu verursachen, wobei sich zeigt, dass der Kopf weiterhin die empfindlichste Stelle ist. Schusswaffen hab ich weitestgehend vermieden, da diese nur unnötig Feinde anlocken. Vorbei- oder von hinten anschleichen und dann mit einem Kill zuschlagen, funktioniert zumeist am besten und sehr schnell. Wird man dann doch mal in einen Nahkampf mit mehreren Beißern verwickelt, kann man sich diese anhand eines Quick-Time-Events entledigen, die damit Enden, dass man dem Gegner immer ein Messer in den Kopf rammt. Auf zu viele Highlights sollte man sich dennoch nicht in diesem Punkt einstellen, da alles extrem einfach umgesetzt wurde.

So bahnt man sich nun seine Reise von Ort zu Ort, trifft viele Charaktere und verliert sich auch genauso schnell wieder. Beim Missionsdesign muss man sich zudem oft selbst dazu zwingen, etwas mehr daraus zu machen und nicht nur stur einem Ziel zu folgen. Aus technischer Sicht ist ‚The Walking Dead: Survival Instinct‘ jedoch ein absoluter Zeitreisetrip, allerdings im negativen Sinne.

Zu loben wäre abschließend der Sound. Nicht nur der original Soundtrack aus ‚The Walking Dead‘ ist mit an Bord, sondern auch passende und unterschwellige Musik, die euch beim Durchstreifen der Level begleitet. Diese erzeugt permanent ein tolles Survival-Feeling und sorgt hin und wieder auch für Spannungsmomente, die einen irgendwie an das Spiel binden. Auch die originalen Synchronstimmen und Beißergeräusche können sich hören lassen, die deutsch untertitelt werden. Diesen Ehrgeiz hätte ich mir gerne auch in anderen Bereichen des Spiels gewünscht.

TEST: The Walking Dead Survival Instinct – Das pure Grauen mal anders
„Was für ein Grauen! Und damit meine ich nicht die Tatsache, dass man hilflos hunderten von Beißern ausgesetzt ist, sondern die absolut lieblose Umsetzung des Titels. Optisch scheint The Walking Dead: Survival Instinct beim letzten Stand der Technik anzusetzen, so dass sich Entwickler Terminal Reality regelrecht dafür schämen muss. Hervorzuheben wäre lediglich der klasse Sound und die Ansätze des Survival Aspekts, die das Spiel nicht zusätzlich noch zu einem stumpfsinnigen Shooter verkommen lassen. Es ist wie es ist; ein lieblos umgesetztes Lizenzspiel, ohne Ehrgeiz und wirkliche Leidenschaft dahinter. Und da gibt es auch wenig schön zu reden. Vermutlich gewährte Activision hier kaum Entwicklungszeit oder ausreichend Geldmittel, die das Spiel irgendwo hätten gut werden lassen können. Potenzial war zumindest da. Wir empfehlen daher wenigstens die Preispolitik für den Titel zu überdenken und ihn für maximal 15 Euro im PSN anzubieten. Wirklich schade; nicht nur um das Spiel, sondern auch um den Schandfleck, der nun an dem sonst so erfolgreichen Franchise haftet!“
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