TEST: Tormented Souls 2 – Oldschool-Horror ist noch nicht tot

Tormented Souls 2 im Test: klassischer Survival-Horror mit dichten Atmosphäre, cleveren Rätseln und Oldschool-Spielgefühl – nichts für Komfortzonen-Spieler.

Dennis Giebert
Dennis Giebert ist seit 2012 Redakteur bei PlayFront.de und leidenschaftlicher Videospiel-Enthusiast. Seine Vorlieben gelten Horrorspielen und Retro-Boomer-Shootern. Neben seiner redaktionellen Tätigkeit ist er auch als Streamer...
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Review Overview
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Mit Tormented Souls 2 hat Entwickler Dual Effect die Fortsetzung des 2021 erschienenen Überraschungshits veröffentlicht. Schon damals überraschte das chilenische Studio mit einem mutigen Bekenntnis zum klassischen Survival-Horror – fest installierte Kameras, Ressourcenknappheit, echte Verwundbarkeit. Der Erstling wurde von der Horror-Community wohlwollend aufgenommen, ließ aber deutlich Raum für Verbesserungen. Nun will Teil 2 die Fehler ausbügeln, ohne seine Retro-Wurzeln zu verleugnen. Ob das gelingt, klären wir im Test.

Direkt nach Teil 1, aber mit vertrauter Horrorlogik

Die Handlung knüpft unmittelbar an das Ende des ersten Spiels an. Caroline, unsere Protagonistin, reist gemeinsam mit ihrer 14 Jahre jüngeren Zwillingsschwester Anna in einem Zug zu einem abgelegenen Kloster. Anna wird von düsteren Visionen geplagt, die sie in einem Notizbuch festhält, und wie es die Horrorlogik will, führt der Weg zur Lösung dieser Visionen direkt in ein altes Gemäuer, das tief in einem verschlafenen Fischerdorf verborgen liegt.

Was folgt, ist klassisches Horror-Storytelling: geheimnisvolle Rituale, verstörende Erscheinungen, ein Orden, der sich einem vergessenen Gott verschrieben hat. Tormented Souls 2 lehnt sich damit deutlich an Lovecraft und die frühen Resident Evil-Zeiten an – düster, mystisch, rätselhaft, aber auch etwas altbacken.

Die Story spielt nur die zweite Geige

Wie schon im Vorgänger steht die eigentliche Handlung nicht im Vordergrund. Die Erzählung dient in erster Linie als Rahmen, um Spieler durch verfallene Räume, Flure und Gewölbe zu führen. Eine mysteriöse Krankheit im Kloster, ein Kult, der alte Götter anbetet, das alles wirkt vertraut und erfüllt seinen Zweck, bleibt aber erzählerisch oberflächlich.

Wer auf emotionale Charakterentwicklung oder starke Twists à la Silent Hill 2 hofft, wird enttäuscht. Handlung und Figuren sind funktional, selten überraschend und oft vorhersehbar. Doch das Spiel weiß, wo seine Stärke liegt: nicht im Erzählen, sondern im Erleben.

Klassisches Survival-Horror-Gameplay mit einem Kniff

Spielerisch bleibt Tormented Souls 2 seiner Linie treu. Das Gameplay orientiert sich klar an den großen Vorbildern: Räume durchforsten, Gegenstände untersuchen, Rätsel lösen, Türen öffnen, und immer ein Auge auf die begrenzten Ressourcen behalten.

Backtracking gehört fest zum Konzept. Manche Türen bleiben zunächst verschlossen, erst später findet man das passende Werkzeug oder den richtigen Schlüssel. Feinde erschweren den Weg zurück, Munition ist knapp, Heilgegenstände ebenso. Wer alles niederballert, riskiert, später wehrlos zu sein. Wer dagegen selektiv kämpft und klug haushaltet, wird belohnt.

Ein cleverer Kniff sorgt diesmal für zusätzliche Spannung: Caroline ist in völliger Dunkelheit wehrlos. Senkt sie ihr Feuerzeug, verliert sie die Orientierung, bekommt Panikattacken – Kampf ist dann keine Option. Erst wenn eine Lichtquelle aktiviert oder eine Kerze entzündet wird, kann sie sich effektiv verteidigen. Dieses einfache, aber wirkungsvolle Konzept erzeugt eine konstante Grundangst: Jeder Schritt ins Dunkel könnte der letzte sein.

Rätsel mit Verstand statt Frust

Die Rätsel zählen erneut zu den großen Stärken des Spiels. Sie sind logisch, teils verschachtelt, aber fast nie unfair. Dual Effect gelingt es, klassische Puzzle-Mechaniken sinnvoll in die Welt zu integrieren. Ein Beispiel: Ein Telefon ohne Wählscheibe taucht auf; die Scheibe wird später gefunden, doch die gesuchte Nummer ergibt sich erst durch Symbole, die auf einer zerrissenen Telefonbuchseite entdeckt werden. Solche Rätsel wirken organisch, fordern Nachdenken, aber keine externe Lösungshilfe. Sie erinnern angenehm an die Resident Evil-Ära der späten 90er, nur mit moderner Lesbarkeit.

Ergänzt wird das Ganze durch das manuelle Speichersystem: Wer stirbt, verliert im schlimmsten Fall mehrere Stunden Fortschritt. Das ist konsequent, aber gnadenlos. Für Einsteiger hat Dual Effect immerhin einen vereinfachten Modus eingebaut, der Checkpoints und optionale Hinweise bietet. So bleibt das Spiel zugänglich, ohne seinen Survival-Charme aufzugeben.

Atmosphäre: der wahre Star des Spiels

Was Tormented Souls 2 wirklich auszeichnet, ist seine Atmosphäre. Schon die ersten Minuten zeigen, wie viel Wert das Entwicklerteam auf glaubwürdige, detailreiche Umgebungen legt. Das Kloster wirkt nicht einfach wie ein Set, es fühlt sich bewohnt, benutzt und zugleich verlassen an. Der Übergang ins Fischerdorf ist nahtlos, die engen Gassen, morschen Stege und verfallenen Häuser strahlen eine unheimliche Stille aus.

Die Grafik ist deutlich feiner als im Vorgänger. Nicht auf AAA-Niveau, aber mit einem geschickten Einsatz von Licht, Schatten und Texturen. Abgenutzte Stufen, staubige Fenster, bröckelnder Putz – das alles vermittelt ein authentisches Gefühl des Verfalls.

Dazu kommt die hervorragende Soundkulisse. Tropfende Wasserhähne, knarrende Dielen, entfernte Glockenschläge, das Heulen des Windes, all das sorgt für eine dichte Immersion, die man selten bei einem Indie-Horrorspiel erlebt.

Verbesserungen, aber auch neue Schwächen

Im direkten Vergleich zum ersten Teil hat Dual Effect spürbar dazugelernt. Das Leveldesign wirkt strukturierter, die Steuerung etwas geschmeidiger, die Atmosphäre dichter. Tormented Souls 2 fühlt sich insgesamt runder an, ohne seinen Retro-Charme zu verlieren. Eindrücke hierzu lassen sich in der spielbaren Demo sammeln.

Einige Baustellen bleiben dennoch. So hat das Studio erneut auf feste Kameraperspektiven und die klassischen Tank Controls gesetzt – für Veteranen ein nostalgischer Glücksgriff, für moderne Spieler eher gewöhnungsbedürftig. Zwar gibt es eine alternative Analogstick-Steuerung, doch die Umsetzung ist unausgereift. Perspektivwechsel führen häufig zu abrupten Richtungsänderungen – manchmal direkt in die Arme eines Gegners. Das sorgt für vermeidbare Frustration und wirkt, als wolle man Nostalgie um jeden Preis erzwingen.

Das Inventarsystem bleibt dagegen angenehm modern: unbegrenzter Stauraum, kein Item-Tetris, kein Mikromanagement. Dual Effect zeigt hier, dass man Komfort bieten kann, ohne das Grundprinzip des Genres zu verwässern.

Fazit

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8
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Ps5 Sale 25
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