TEST: Unrailed! – Chaotisch über Stock & Stein

Wenn ich eines hasse, dann ist es in Spielen ständig getrieben zu werden. Ich dachte schon, dass Jurassic World Evolution ziemlich stressig sei, wenn mal wieder ein Sturm aufgezogen ist und alle Dinos entkommen sind. In Unrailed! treibt man dieses Chaos-Prinzip allerdings noch weiter auf die Spitze.

Der neue KoOp-Titel von Daedalic Entertainment und Entwickler Indoor Astronaut macht Chaos nämlich zu einer spielerischen Prämisse. Und dennoch kann man dabei ziemlich viel Spaß haben – vor allem zu zweit und wenn man kommunikativ ist.

Unrailed!

Doch worum geht es? Einen Zug sicher in den Bahnhof zu bringen, um es kurz auszudrücken. Auf diesem Weg warten allerdings ziemlich viele Hindernisse, Gefahren, Abgründe und natürlich ganz viel Chaos. Dass man als ersten Vorschlag den Endlos-Modus vom Spiel vorgesetzt bekommt, erwies sich dabei als nicht wirklich hilfreich, obwohl einem das Tutorial zunächst unter die Arme greift.

Gleis um Gleis

Im Grunde ist Unrailed! eine Streckenbau-Simulation, die euch durch den automatisch fahrenden Zug ziemlich ins Schwitzen bringt. Durch Holzhacken und Eisen abbauen hat man schon einmal die Grundzutaten, um ein neues Schienennetz zu legen. Da diese aber nicht unendlich verfügbar sind, muss man für stetigen Nachschub dieser sorgen und alles rankarren, was nur möglich ist. Nebenbei gerät dann auch schon mal der Zug in Brand, hier und da muss noch eine Brücke gebaut werden, und wenn es ganz blöd läuft, stehen auch noch dumme Kühe oder Kamele in der Gegend rum und blockieren den Weg. Klingt chaotisch? Ist es auch, dabei sind das nur die grundlegendsten Pfeiler eines erfolgreichen Schienenbauers – die ganzen kleinen Zwischenschritte wie Werkzeug und Wassereimer mitschleppen nämlich noch nicht mitgezählt. 

Unrailed!

Gut, dass man dieser Mammutaufgabe nicht alleine gegenübertreten muss. Wahlweise mit KI, einem Couch-KoOp-Partner oder online kann man sich tatkräftige Hilfe zur Seite rufen. Die KI, gar nicht mal so dumm, spuckt auch ordentlich in die Hände und weiß meist was zu tun ist. Über ein Auswahlmenü kann man ihr stets zuweisen, was gerade auf der Baustelle gebraucht wird – geh mal Holz hacken, Eisen abbauen, Wasser holen oder neue Schienenabschnitte zusammenzimmern. Das entlastet ungemein, wie man feststellen wird, denn ein echter Couch-KoOp-Partner stellt sich hier nicht selten deutlich dümmer an. Einziger Vorteil: man kommuniziert direkt miteinander. Gutes Timing und alles immer im Überblick behalten ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Als Belohnung kann man der KI oder seinem Partner dann Emojis zusenden. Hin und wieder wirkt die KI allerdings auch hinderlich, steht im Weg rum oder lässt das Werkzeug genau da fallen, wo man selbst nicht mehr herankommt. Damit ist es dann meist auch gelaufen, da keine Materialien mehr abgebaut und somit auch keine neuen Schienen produziert werden können.

Endlos durch die Welt

Insgesamt gibt es vier Spielmodi – der erwähnte Endlosmodus, der quasi kein Ende findet und euch durch verschiedenste Biome führt, einen Zeitmodus, in dem man so schnell wie möglich zum nächsten Bahnhof gelangen muss, der Sandbox-Modus, der euch zunächst euren persönlichen Zug zusammenstellen lässt, um damit die Biome zu durchqueren, sowie ein Versus-Mode. Letzterer hat das Ziel, den Gegner auszubremsen, während man selbst so schnell wie möglich das Ziel erreichen muss. Je weiter oder je schneller man dies meistert, desto mehr Zugabteile, Charaktere und andere Dinge werden freigeschalten, aber es tauchen auch mehr Herausforderungen auf.  So lässt sich der Zug später auch mit anderen Motoren ausstatten, mit mehr Stauraum ausstatten, mit bessere Bremsen versehen, die den Zug verlangsamen und euch das Leben so einfacher machen usw. Um an diese Upgrades zu gelangen, braucht es allerdings viel Zeit und noch mehr Geduld.

Das A & O bleibt allerdings die Kommunikation unter den Spielern, also am Besten mit einem Kouch-KoOp-Partner. Denn spätestens wenn der Tag- und Nachtwechsel eintritt oder die unterschiedlichen Biome euch immer kniffligere Hindernisse in den Weg legen, ist Teamarbeit mehr denn je gefragt. Besonders das Lava-Level mit seinen Geistern wird euch alles abverlangen, um euren Zug sicher hier hindurch zu navigieren. Und wenn alles schief geht, dann crasht der Zug eben und man muss zum letzten erreichten Bahnhof zurück.

Unrailed!

Optisch präsentiert sich Unrailed! im pixeligen Bauklötzchen-Look, der aus der Vogelperspektive gespielt wird. Diese erweist sich der Übersicht halber auch als äußerst nützlich, sodass man das Wesentlichste immer im Blick hat. Ein kleines Highlight ist in diesem Zusammenhang schon das Hauptmenü, über das man mit seinem Männchen drüber spazieren kann, anstatt nur irgendwelche Buttons anzuklicken.

TEST: Unrailed! – Chaotisch über Stock & Stein
“Unrailed bietet sich vor allem als Party-Spiel für zwischendurch an, da die Spiel-Sessions entweder sehr kurz gehalten sind oder der Zug mit ziemlicher Sicherheit crasht. Das muss nicht mal unbedingt frustrieren, denn das Zusammenarbeiten mit einem KoOp-Partner unterhält mit seinem chaotischen Ansatz ungemein. Man freut sich natürlich auf die Belohnungen und Upgrades, sowie der Voraussicht, dass Unrailed! im Sandbox-Modus dadurch einfacher wird. Es ist aber weniger die Ambition, hier unbedingt das Ende erreichen zu wollen, sondern vielmehr der Spaß an einem kommunikativen KoOp-Titel. Und den kann man mit Unrailed! definitiv haben, auch wenn der Ersteindruck vielleicht sehr simpel erscheinen mag!”
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