TEST: WRC 3 – Einmal um die Welt, durch Dreck und Schlamm

In halsbrecherischer Geschwindigkeit und immer am Limit geht es über Feldwege, enge Straßen und durch Wälder. Genauigkeit und Konzentration ist gefragt. Der kleinste Fehler von Fahrer und Copilot kann schwere Folgen haben und so gibt es immer wieder spektakuläre Abflüge und Überschläge. Genau das ist so faszinierend am Rallyesport. Ob Entwickler Milestone es geschafft hat, dieses Feeling mit „WRC 3“ in das Wohnzimmer zu bringen, klären wir im folgenden Test.

Der Singleplayer besteht aus zwei Teilen. Zum einen gibt es die WRC Experience. Hier dreht sich alles um den FIA World Rally Championship. Es stehen die offiziellen Teams inklusive Fahrzeuge und Fahrer der WRC zur Verfügung, mit denen einzelne Etappen, Rallyes und die komplette Meisterschaft absolviert werden können. Dabei erwarten einen über 80 Etappen in 13 Ländern. Zwischen einzelnen Etappen hat man die Möglichkeit, eventuelle Schäden zu reparieren. Dafür steht einem eine gewisse Zeit zur Verfügung, denn die einzelnen Reparaturen an Motor, Getriebe, Karosserie etc. benötigen diese auch. Je größer der Schaden, desto länger dauert die Reparatur. Man sollte also immer darauf bedacht sein, seinen Wagen so wenig wie möglich zu beschädigen und genau überlegen, in welche Reparaturen man die kostbare Zeit investiert. Das Reparatursystem kommt sowohl bei Rallyes in der „WRC Experience“ zum Einsatz, als auch bei Rallye-Veranstaltungen auf der „Road to Glory“, dem zweiten Teil des Singleplayers.

Mit einem eigenen Fahrer startet man seine eigene Karriere, bei der es zahlreiche Veranstaltungen zu absolvieren gilt. Der Ralleysport und somit das pure Fahren von A nach B spielt zwar auch hier die zentrale Rolle, allerdings wird das ganze durch Driftwettbewerbe, ‚Crash and Run Contests‘, ‚Gate Contests‘ und ‚Heads Up-Duelle‘ aufgelockert. Bei den ‚Crash and Run Contests‘ geht es zum Beispiel darum eine Strecke innerhalb einer bestimmten Zeit zu absolvieren. Dabei muss man aber auch noch Blöcke zerstören, um Punkte zu bekommen. Auch beim ‚Gate Contest‘ gilt es eine Zeit zu schlagen, aber auch hier stehen wieder Blöcke auf der Straße. Kurz bevor man diese erreicht, ändert sich allerdings die Farbe. Da heißt es schnell reagieren und durch den grünen Block fahren, denn trifft man den roten, wird man gebremst, verliert Zeit und hat es so schwerer in der vorgegebenen Zeit die Ziellinie zu erreichen.

In jeder Veranstaltung sammelt man Punkte. Diese bekommt man bei normalen Etappen und Rallyes für Bestzeiten, Drifts, Sprünge und sogar für die Zerstörung von Streckenbegrenzungen. Je nachdem, wie viele Punkte man gesammelt hat, bekommt man bis zu drei Rufpunkte. Für eine gute Platzierung erhält man gleich noch mal ein paar Rufpunkte oben drauf. Diese braucht man auch, denn damit werden neue Veranstaltungen, Fahrzeuge, Lackierungen, Vinyls und Tuning-Teile freigeschaltet. Somit lassen sich die Wagen später individuell gestalten und verbessern.

Insgesamt stehen über 30 Fahrzeuge zur Verfügung. Von den aktuellen WRC-Fahrzeugen, über Wagen der Class 3 bis hin zu Klassikern aus den 70-ern, 80-ern und 90-ern, wie dem Lancia Delta Integrale oder dem Ford RS 200. Diese sind in verschiedene Klassen eingeteilt, sodass eine ordentliche Auswahl an fahrbaren Untersätzen. Zur Auswahl steht. Während man Lackierungen und Vinyls für alle Fahrzeuge erhält, müssen Tuning-Teile für jede Klasse einzeln freigeschaltet werden. Diese stehen dann allerdings für jeden Wagen dieser Klasse sofort zur Verfügung. Für jede der fünf Kategorien (z.B. Motor, Bremsen und Aerodynamik) sind vier Upgrades freispielbar, die die Leistung und das Fahrverhalten der Fahrzeuge verbessern.

Technisch macht „WRC3“ durchweg einen soliden Eindruck. Der Ton ist gut gelungen, die Motorensounds sind satt und kein Einheitsbrei. Die Ansagen des Copiloten sind immer gut verständlich und werden stets rechtzeitig ausgegeben. Man bekommt also vorher gesagt, welche Kurve als nächstes kommt und nicht erst wenn man schon in der Kurve ist. Das ist sehr wichtig, da man sich wie in der Realität darauf verlassen muss, was der Beifahrer vorgibt. Der Soundtrack, den man in den Menüs zu hören bekommt, ist allerdings recht öde, eintönig und wiederholt sich sehr schnell. Wir hatten dabei das Gefühl, ständig die gleichen zwei bis drei Lieder zu hören. Hier hätte etwas mehr Abwechslung gut getan. Infos zu den Strecken und Veranstaltungen erhält man dann von einer freundlichen Stimme, die einen durch das Spiel begleitet.

Die Grafik wurde gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert, ist allerdings nicht auf dem Niveau aktueller Rennspiele. Bei den Fahrzeugen fehlt es an Details und es fallen immer wieder sehr unschöne ausgefranste Kanten ins Auge. Da man von Deutschland über Schweden und Mexiko bis Argentinien fast auf der ganzen Welt unterwegs ist, bieten die Settings optisch viel Abwechslung. Bei Etappen durch Wälder und Wüsten ist es allerdings teilweise recht schwer, den Streckenverlauf zu erkennen, da es auch keine Rennlinie gibt, wie man es aus anderen Rennspielen gewohnt ist und dem einen und anderen Ausritt neben die Piste zur Folge hat. Das ist aber alles andere als schlecht. Ganz im Gegenteil. Da man nicht angezeigt bekommt, wann man bremsen muss, wird man gezwungen, auf die Ansagen des Copiloten zu hören, was das Rallye-Feeling wiederrum verstärkt. Während des ganzen Tests lief das Spiel immer flüssig und es gab weder Ruckler, noch konnten wir nerviges Tearing feststellen.

Die Steuerung an sich ist anspruchsvoll und im Großen und Ganzen recht realitätsnah. Man merkt sofort ob man einen Wagen mit Allrad-, Front- oder Heckantrieb steuert. Letztere brechen auf losem Untergrund schnell aus, wenn man zu viel Gas gibt, lassen sich aber mit etwas Übung schnell wieder auf Kurs bringen. Hat man doch mal einen Fahrfehler eingebaut, der nicht direkt durch fahrerisches Können zu beheben ist, kann man sich der Rückspulfunktion bedienen. Auch bei „WRC 3“ gilt: Je höher der Schwierigkeitsgrad, desto weniger kann man zurückspulen. Fahrhilfen, Gegner-Level und Anzahl der Verfügbaren Rewinds lassen sich individuell einstellen. Die Teile des HUD (Zwischenzeiten, Geschwindigkeitsanzeige, Schadensanzeige etc.) lassen alle einzeln ein- und ausblenden. Sogar das Timing des Copiloten kann angepasst werden. Hier hat man wirklich viele Freiheiten um das Spiel nach seinen Bedürfnissen anzupassen.

Negativ hingegen sind uns die Ladezeiten ins Auge aufgefallen, die teilweise doch recht lang ausfallen. Hier besteht auf jeden Fall Nachholbedarf, den man im nächsten Ableger aufgreifen könnte.

Neben dem Singleplayer bietet „WRC 3“ auch einen Multiplayer-Part. Hier hat man die Wahl, ob man einzelne Etappen, Rallyes oder eine Meisterschaft (mit maximal 13 Etappen) fahren möchte. Zur Verfügung stehen die Fahrzeuge der WRC, Class 2 und Class 3. Die Rennen selbst laufen etwas anders als bei anderen Rennspielen ab. Die bis zu 16 Fahrer in einer Lobby starten zwar gleichzeitig, allerdings sind die Gegner nur als Geist zu sehen. Das ist auch gut so, denn für so viele Fahrzeuge sind die Strecken viel zu eng. Zudem fährt man ja eine Rallye und ist immer allein auf der Strecke unterwegs. Man hat die Möglichkeit einem schnellen oder einem benutzerdefinierten Spiel beizutreten. Wenn man nichts Passendes findet, kann man auch selbst eine Lobby nach seinen eigenen Vorstellungen erstellen. Der Verbindungsaufbau funktioniert schnell und auch die Online-Rennen laufen durchweg flüssig, sodass es zu keiner Zeit Verbindungsprobleme oder ähnliches gab. Im Gesamten bietet der Multiplayer eine solide Umsetzung, an der nichts weiter auszusetzen ist.

Geschrieben von Christian Klisch

Offizielle Homepage: www.wrcthegame.com

TEST: WRC 3 – Einmal um die Welt, durch Dreck und Schlamm
„Milestone hat sich mit „WRC 3“ gegenüber den Vorgängern definitiv gesteigert und macht das Ralley-Genre erneut ein Stück interessanter. An der Steuerung und dem Sound gibt es nichts auszusetzen. Grafisch ist allerdings noch Platz nach oben. Hier wünscht man sich vor allem mehr Details. Dem Soundtrack hätten ein paar mehr Lieder und etwas mehr Abwechslung, was den Musikstil angeht, gut getan. Ebenso sind die teilweise recht langen Ladezeiten negativ aufgefallen. Durch die Zweiteilung des Singleplayers werden sowohl pure Rallye-Fans, als auch Rennspielfreunde, die gerne mal etwas Abwechslung haben möchten, bedient. Das Rufpunkte-System und die leichten Tuning- und Gestaltungsmöglichkeiten der Fahrzeug auf der „Road to Glory“ motivieren zum Weiterspielen. Dennoch sollte man sich bei Milestone vielleicht doch mal etwas mehr Zeit als wie nur ein Jahr für die Entwicklung nehmen und mehr an Kritikpunkten arbeiten.“
7.5