TEST: WRC 5 – Mit Vollgas dem Abgrund entgegen

Nach einigen Müdigkeitserscheinungen in der WRC-Serie unter Entwickler Milestone nimmt ab diesem Jahr eine neue Spieleschmiede Platz hinter dem Steuer. Die Rede ist hier von Kylotonn Games, ein eher kleinerer Entwickler aus dem schönen Paris, die sich fortan mit der hauseigenen KT-Engine an der populären Serie versuchen. Aber kann das überhaupt gut gehen in einem Genre, in welchem Erfahrung nicht ganz unwesentlich ist? „WRC 5“ hat seine Stärken, aber auch deutliche Schwächen, die mitunter hätten vermieden werden können. Warum man sich da geradezu nach den Müdigkeitserscheinungen unter Milestone zurücksehnt, erfahrt ihr in unserem Test.

Gameplay und Steuerung ..

Zu Beginn etwas zu den jeweiligen Spielmodi. „WRC 5“ verfügt über einen Karrieremodus, in welchem man mit einem kleinen Team aus der Juniorenklasse über die WRC 2 in die Königsklasse aufsteigen will. Je nach Rennstall weist das Team unterschiedliche Fokussierungen – wie etwa Tempo oder Sicherheiten – auf. Der eigene Fahrstil wirkt sich dabei auf die Leistung der Mechaniker aus, die dafür sorgen sollen, dass Schäden am Auto in dem offiziell genehmigten täglichen Zeitrahmen möglichst gut beseitigt werden. Dazu später aber mehr.

Innerhalb des Karrieremodus müssen einzelne Wertungsrennen gefahren werden, immer im Sprint um die schnellste Zeit. Der beste Fahrer erhält die meisten Punkte, wodurch nach mehreren Renntagen der Gesamtsieger ermittelt wird. Die Strecken sind dabei über die ganze Welt verteilt und weisen alle Gegebenheiten auf – von Schnee und Bergen über Kies bis hin zu unglaublich harten Kurven ist alles vorhanden. Das stellt so manchen Spieler immer wieder vor eine deutliche Herausforderung.

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Abseits des Karrieremodus lassen sich diese Wertungsrennen entweder in schneller Form oder in ganzen, selbst kreierten Meisterschaften durchspielen. Auch ein Onlinemodus wurde dem Spiel spendiert, in welchem man gegen die Geister anderer Spieler fährt, um deren Zeit zu schlagen. Wer seine Freunde lieber neben sich hat, für den gibt es auch einen offline-Multiplayer, bei dem bis zu 8 Spieler nacheinander an einer Konsole fahren können. Trotz des immer gleichen Ablaufes der Modi werden diese durch die vielen Tücken der Strecken nicht langweilig und können besonders durch unterschiedliche Rennklassen oder das Wetter überraschen.

Eine Rally-Simulation lebt vor allem von einer fantastischen Physik-Engine… und die wurde in „WRC 5“ auch recht gut umgesetzt. So haben die Rennboliden ein durchaus passables Kurvenverhalten und reagieren auf verschiedenen Untergründen ganz individuell. Leider tendiert die Physik hier zu unrealistischerem Verhalten, als bei der Konkurrenz. Auch Drifts oder die Auswirkungen von heftigem Bremsen sind noch verbesserungswürdig, denn so gelingt die nur selten und müssen wesentlich langsamer genommen werden. Wer etwas Hilfe braucht, dem steht neben Bremsassistent und Traktionskontrolle noch der Übungsmodus zur Verfügung, in welchem man sich mit allen wichtigen Aspekten und kleinen Tricks aus der Welt von WRC vertraut machen kann. Wie es sich bei einer Rally gehört, wird der Fahrer permanent von seinem Co-Piloten mit wichtigen Informationen zu kommenden Streckenabschnitten und den entsprechenden Bedingungen für die perfekte Durchfahrt versorgt. Leider sind diese Durchsagen gerade zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig und können einem im Laufe der Zeit auch den letzten Nerv rauben. Auf der anderen Seite können sie aber auch hilfreich sein, wenn man sich darauf einlässt.

Wer trotz guter Tipps und einiger Hilfen dennoch auf Tuchfühlung mit Mauern und Bäumen geht, der wird um entsprechende Schäden nicht drum herum kommen. Je nach Einstellung sind diese entweder nur optisch, oder wirken sich tatsächlich auf das Fahrverhalten aus. Bremsen reagieren schlechter, der Funk bricht ab oder der Wagen zieht leicht zur Seite. Wie bereits beschrieben müssen die Schäden dann in der Garage so gut es geht behoben werden. Je nach Art und Schwere des Schadens dauern die Reparaturen unterschiedlich lange. Hier ist also Planung gefragt. Dieses Schadensmodel wurde hervorragend umgesetzt und orientiert sich einigermaßen gut an der Realität. Man hat gar keine andere Wahl, als an seinem Fahrstil zu arbeiten, wenn man das Ziel heil und erfolgreich erreichen will.

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Die Steuerung ist sehr leicht zu handhaben, wenn das Fahrzeug noch keinen erheblichen Schaden genommen hat, aber im Laufe der Zeit und je nach Untergrund ändert sich dies und die Fahrzeuge werden wesentlich unruhiger und unkontrollierbarer. Häufigeres Gegensteuern oder präzisere Manöver können hier über Sieg und Niederlage entscheiden. Besonders Gas und Bremse lassen sich gut dosieren und situationsgerecht nutzen. Wer möchte, kann ganz simpel selbst schalten oder mit einem Automatikgetriebe an den Start gehen. Auch die Assistenzsysteme können nach den eigenen Anforderungen ein- oder ausgeschaltet werden.

Insgesamt zeigen sich im Bereich Gameplay und Steuerung einige Defizite. Die verfügbaren Modi sind zwar sehr gut gemacht und bieten durchaus Spaß, allerdings fehlt es hier deutlich an der Langzeitmotivation. Die Fahrschule hilft einem, die schon gelernten Techniken zu verfeinern oder als Neulinge anzulernen, dem Co-Piloten möchte man nach einiger Zeit jedoch am liebsten das Mikrofon kappen. Relativ gelungen ist dafür das Fahrverhalten der Rennboliden, sowie der Karrieremodus mit seinem Reparatur- und Teamsystem, dennoch schaffen diese es nicht ganz, über die Probleme hinwegsehen zu lassen.

Grafik, Sound, Atmosphäre und Umfang …

3 Klassen, 51 Fahrer und 13 verschiedene Länder. Das ist der Umfang, mit dem „WRC 5“ versucht zu punkten. Durch die offiziellen FIA-Lizenzen entsprechen die Strecken und Teams weitestgehend dem realen Vorbild. Allerdings schafft es die Grafik nicht, dieses auch gekonnt zu vermitteln, denn leider ist es so, dass die Fahrzeuge eher aussehen, als würden sie noch aus vergangenen PS3-Zeiten stammen und sind daher wenig ansprechend. Auch im spartanisch und lieblos designten Innenraum merkt man dies deutlich, was in der Fahrerperspektive kaum auszuhalten ist. Klingt sehr drastisch, ist leider aber so. Nicht einmal grobe Verschmutzung hat man umgesetzt. Auch das Schadensmodell, welches im Gameplay gut punkten kann, schafft es auf der graphischen Ebene nicht, mit anderen großen Titeln mitzuhalten. Zwar ist das Fahrzeug ein wenig eingedellt, aber das steht in der Regel in keinem Verhältnis zu dem eigentlichen Einschlag.

Auch das Potential der eigentlich malerischen Umgebungen, in welchen die Rally-Rennen stattfinden, konnte man nicht umsetzen. Die Strecken sehen lieblos aus und besitzen kaum Details, weshalb sich die meisten Strecken auf den ersten Blick sehr ähneln. Es gibt kaum bis keine Personen im Spiel beziehungsweise an der Strecke zu sehen und selbst dabei hat das Spiel dann auch noch Probleme in der Darstellung. Immer wieder haben Spieler mit Ruckeln und Framerateeinbrüchen zu kämpfen, was dem Spielspaß absolut im Wege steht.

Schade ist zudem auch, mit wie wenig Informationen man versorgt wird. Über die Teams oder Strecken erfährt man in minimalistischen Texten und Animationen die wesentlichen Informationen, mehr jedoch auch nicht. Generelle Tipps etwa zum Setting oder dem Fahrverhalten erhält man zu keiner Zeit. Auch zum eigenen Team baut man kaum eine Bindung auf, denn hier werden einfach nur Rennen gefahren und Fahrzeuge repariert. Keine animierten Siegerehrungen, Teamziele oder mal ein „Gut gemacht“. Selbst dem Co-Piloten hört man seine oder ihre Roboterstimme deutlich an, auch wenn diese klar verständlich ist. Hier arbeitet die Konkurrenz wesentlich effektiver. Noch nicht einmal einen eigenen Fahrer kann man entwerfen! Kein Wunder also, dass so nur wenig Atmosphäre aufkommt. Insgesamt fehlt es dem Spiel wesentlich an aktuellen Standard, sodass „WRC 5“ in diesem Punkt nur hinterher fährt.

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So hätten ein paar zusätzliche Spielmodi, wie eine freie Fahrt auf einem weiträumigen Gelände oder 1 gegen 1-Rennen, dem Titel gut gestanden, auch wenn diese mehr Arcade- als Simulationscharakter besitzen. Mit einem simplen Point-to-Point Rennen ohne großes Drumherum kann man heute keinen Rennenthusiasten an die Startlinie locken.

Auch mit dem Sound kann der Titel wenig punkten, denn wenn sich ein Rally-Fahrzeug beim Schalten mehr wie eine explodierende Silvesterrakete, als eine Rennmaschine anhört, sollte man für gewöhnlich mal seinen Motor untersuchen lassen. Auch sonst gibt es einfach zu wenig Sound, der das Renngeschehen gekonnt untermalen könnte. Lediglich Terrain-Sounds auf den verschiedenen Böden wurde gut in Szene gesetzt und man merkt schnell, ob man auf Asphalt, Schnee oder Kies unterwegs ist.

Was man mit dem Gameplay trotz einiger Mängel einigermaßen solide aufbaut, hätte man mit einer tollen Grafik und einer fesselnden Atmosphäre sicherlich zu einem guten Spiel aufbauen können. Das ist dem Team von Kylotonn Games aber absolut nicht gelungen! Enttäuschende Grafik, kaum Details und trotzdem Probleme. Das gepaart mit einem miserablen Sound sorgt, und leider muss man sagen, für ein absolutes Desaster am Ende.

Entwickler: Kylotonn Games
Publisher: BigBen Interactive
Release: erhältlich
Offizielle Homepage: www.wrcthegame.com

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TEST: WRC 5 – Mit Vollgas dem Abgrund entgegen
„Meine Damen und Herren, ich präsentiere Ihnen ein Musterbeispiel dafür, wie man eine Lizenz mit einem großen Potential so richtig in den Sand setzen kann! „WRC 5“ schafft es kaum etwas richtig zu machen. Es ist alles halbherzig und zu unausgereift. Karrieremodus ist schön, mit einer Teammoral und einem Reparatursystem, OK, auch nett. Aber keine Atmosphäre, keine Animationen, kein Feedback vom Teamchef.... Das ist eindeutig zu wenig! Und auch sonst hat „WRC 5“ kaum etwas zu bieten, außer einer Grafik im unteren Bereich ohne Details, einem miserablen Sound und einer nicht vorhandene Atmosphäre. Das einzige, was man positiv hervorheben muss, sind das wirklich gute Fahrverhalten der Rennboliden- besonders auf unterschiedlichen Untergründen. Die Auswirkungen von Schäden auf eben jenes Verhalten, die Tipps, die man von seinem Co-Piloten bekommt und das es sich eben um die original WRC Strecken, Teams und Fahrzeuge handelt. Aber das ist einfach zu wenig; zu wenig für heutige Standards, zu wenig für das WRC-Franchise. Wirklich schade drum!!
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