Manche Leute sammeln Briefmarken. Andere sammeln Disc-Hüllen mit einem hübschen Artwork, und 1,32 GB Daten drauf. The Outer Worlds 2 macht da keine Ausnahme. Wer dachte, die PS5-Disc des RPGs sei ein Stück Spielgeschichte zum Anfassen, bekommt stattdessen eine nostalgische Erinnerung daran, wie sich „physische Medien“ mal angefühlt haben.
Denn auf der Disc selbst befindet sich … nun ja: fast nichts. Genauer gesagt 1,32 GB – das ist weniger als ein mittelgroßer Indie-Patch, wie ein User X zeigt. Der Rest, stolze 71,6 GB, muss aus dem Internet gezogen werden, bevor irgendwas läuft. Ohne diesen Download bleibt die Disc ein glänzender Untersetzer mit Microsoft-Logo.
Wenn Microsoft „Retail“ sagt, meinen sie eigentlich „Streaming“
Inzwischen ist das kein Ausrutscher mehr, sondern eine neue Form von Humor. Indiana Jones and the Great Circle? Download nötig. DOOM: The Dark Ages? Ebenfalls. Jetzt The Outer Worlds 2. Microsoft scheint physische Releases zu veröffentlichen, um uns daran zu erinnern, wie sinnlos physische Releases geworden sind.
Und das Schönste daran: Nach dem 71-GB-Marathon darf man das Spiel dann offline spielen. Sofern man vorher natürlich online war. Klingt absurd? Willkommen im modernen Spielevertrieb, wo das Wort „Disc“ nur noch Marketingnostalgie ist.
Das eigentlich Ironische daran: Die Disc selbst ist nicht das Problem, sie könnte alles enthalten. Nur tun Publisher es nicht. Warum? Weil Patches, Day-One-Updates und Version 1.002 einfach zu bequem geworden sind. Oder, um es klarer zu sagen: weil man es kann.
Premium-Edition? Ja, bitte – für 100 Dollar Nostalgie!
Wer das volle Erlebnis möchte, darf übrigens tiefer in die Tasche greifen. The Outer Worlds 2 kostet als Premium Edition rund 100 Dollar, die normale Version wurde vorher im Preis gesenkt, diese hier nicht. Dafür gibt’s vier Tage Early Access und das gute Gefühl, Microsofts Datensparpolitik persönlich mitzufinanzieren.
Natürlich wird das Spiel am Ende vermutlich gut. Aber wer eine Disc kauft, erwartet mehr als einen 1-GB-Sticker mit Lizenztext. Vielleicht ist das der Punkt, an dem wir endlich ehrlich sein sollten: Physische Spiele sind heute nur noch digitale Downloads in Verpackung.
Ich mochte Discs mal. Ich mochte es, sie einzulegen, ohne mich zu fragen, ob das Spiel auch wirklich drauf ist. Heute ist jede Box ein kleines Rätsel, oder besser gesagt: ein QR-Code auf glänzendem Plastik.
Vielleicht sollte man das einfach akzeptieren: Microsofts neue Sammlerstrategie besteht darin, uns „digitale Erlebnisse“ auf analogen Scheiben zu verkaufen. Oder, wie es der moderne Marketingbegriff wohl nennen würde: „Sustainable Content Distribution Experience“.



