Fast elf Jahre nach dem ursprünglichen Release ist The Witcher 3 eigentlich ein abgeschlossenes Kapitel. Und doch gibt es immer wieder Meldungen, als würde jemand das Buch noch einmal aufschlagen.
Im Netz machen seit Wochen Gerüchte die Runde, dass CD Projekt RED an einer neuen spielbaren Erweiterung arbeitet, die anlässlich des Jubiläums erscheint. Kein simples und technisches Update, sondern ein frischer Inhalt für ein Spiel, das viele längst als fertig erzählt betrachtet haben. Der entscheidende Punkt: Diese Gerüchte kommen nicht aus dem Nichts.
Insiderberichte und ein auffälliger Nebensatz
Ausgangspunkt ist der polnische Branchenkenner Borys Nieśpielak, der seit Jahren als gut vernetzt gilt. Er bleibt gegenüber Eurogamer bei seiner Aussage, dass tatsächlich ein neues Content-Projekt für The Witcher 3 in Arbeit ist, angeblich unter der Leitung von Fool’s Theory, jenem Studio, das aktuell auch das Remake des ersten Witcher entwickelt. Belege im klassischen Sinne gibt es nicht, wohl aber mehrere voneinander unabhängige Bestätigungen aus seinem Umfeld.
Zusätzliche Nahrung erhält das Ganze durch Aussagen aus dem Management von CD Projekt RED. In einem früheren Earnings Call sprach CFO Piotr Nielubowicz von „neuen Inhalten“, die sich auf die Geschäftszahlen auswirken könnten. Später fiel auch das Jahr 2026 als möglicher Zeitraum. Für ein Unternehmen, das sonst sehr präzise kommuniziert, ist das zumindest auffällig.
Warum gerade jetzt The Witcher 3?
Die entscheidende Frage ist nicht, ob CD Projekt noch einmal zu Geralt zurückkehrt, sondern warum. The Witcher 4 ist angekündigt, aber noch Jahre entfernt. Ein narrativer Lückenfüller könnte helfen, die Marke präsent zu halten, ohne Erwartungen an ein komplett neues Hauptspiel zu wecken.
Spannend ist dabei die Theorie, dass der neue Content größer ausfallen könnte als ein klassisches DLC. Ein eigenständig spielbares Projekt im Stil von Sonys Spider-Man: Miles Morales wäre strategisch sinnvoll, in dem es ein niedrigeres Risiko, eine hohe Reichweite, und eine klare Positionierung zwischen Alt und Neu hätte. Das hätte für Spieler einen weiteren Vorteil: Sie müssten weder Pflichtwissen noch endlose Spielzeiten einplanen, bekämen aber dennoch eine neue Geschichte in einer vertrauten Welt.
So reizvoll das alles klingt, noch bewegen wir uns klar im Bereich der Spekulation. CD Projekt hat nichts bestätigt, und die Geschichte von unangekündigten The Witcher-Projekten ist nicht frei von Fehlannahmen. Trotzdem wirkt dieses Gerücht ungewöhnlich belastbar.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht mehr, ob etwas kommt, sondern wie groß es ausfällt, und ob The Witcher 3 tatsächlich noch eine Geschichte zu erzählen hat, die diesen späten Nachschlag rechtfertigt.

