The Witcher 4: 80 Animationen für einen Schritt – neue Details oder echte Evolution?

Neue The Witcher 4 Details: 80 Animationen pro Schritt, Ciri im Fokus & Unreal Engine 5. CD Projekt Red will dieses Mal wirklich liefern. Release 2027.

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Niklas Bender
Niklas Bender ist Editor-in-Chief bei PlayFront.de und Spezialist für kritische Spieleanalysen und Meinungsformate. Seit 2023 prägt er die redaktionelle Kante des Magazins mit pointierten Kommentaren und...

CD Projekt Red geht in die Offensive und versucht mit „Project Polaris“ – besser bekannt als The Witcher 4 – den langen Schatten von Cyberpunk 2077 endlich hinter sich zu lassen. Dass die PR-Abteilung im hauseigenen AnsweRED-Podcast jetzt mit technischen Superlativen wie 80 Animationen für einen einzigen Schritt um sich wirft, ist dabei kein Zufall, sondern notwendige Schadensbegrenzung. Das angeknackste Vertrauen der Community und der Aktionäre soll pünktlich zum anvisierten Release 2027 wieder auf Kurs gebracht werden.

Die Geralt-Steifheit und das Ende der Trägheit

Los ging es mit einem Rückblick. Geralt von Riva war zwar eine Ikone, aber seine Steuerung in The Witcher 3 fühlte sich oft so schwerfällig an, dass dieses „Clunkiness“-Problem fast schon zum Markenzeichen wurde. Animator Maciej Pietras vergleicht gute Animation jetzt passenderweise mit dem Bass in einem Rocksong, den man erst dann schmerzlich vermisst, wenn er fehlt oder – wie er selbst sagt – „scheiße“ ist.

Dass man nun über 80 Layer für eine einfache Gehbewegung stapelt, ist deshalb kein technischer Selbstzweck, sondern der massive Versuch, das Uncanny Valley zu überwinden und die Realität so zu „editieren“, dass sie sich am Controller endlich flüssig und direkt anfühlt. Bisher hinkte die Eingabe teilweise um eine halbe Sekunde hinterher.

Ciri als Motor für modernes Gameplay

Dass Ciri die Hauptrolle übernimmt, ist schon lange kein Geheimnis mehr, doch die eigentliche Nachricht steckt in der spielerischen Neuausrichtung: Wir bewegen uns weg von sperrigen RPG-Mechaniken hin zu modernen Action-Adventure-Standards.

Mit einem dedizierten Sprung-Button und der Fähigkeit, Zauber direkt aus der Bewegung heraus zu feuern, schließt CDPR technisch zur Konkurrenz auf. Senior Gameplay Animator Dominika Staniaszek präsentiert dies zwar als tiefe Erkenntnis, in Wahrheit ist es aber schlicht die Voraussetzung für ein zeitgemäßes Spielgefühl.

Passend dazu wurde das Team mit Experten von Studios wie Guerrilla Games und Santa Monica verstärkt. Das klingt zwar nach einem „Dream Team“, bedeutet intern aber auch massiven Erwartungsdruck und weniger kreative Experimente, da die hohen Gehaltskosten des Kaders schnelle Ergebnisse erfordern.

Das Sicherheitsnetz der Unreal Engine 5

Der vielleicht wichtigste strategische Schritt findet jedoch hinter den Kulissen statt: Der Wechsel von der störrischen RedEngine zur Unreal Engine 5 ist das ultimative Eingeständnis, dass die eigene Technik den neuen Ambitionen schlicht nicht mehr gewachsen war. Indem man das alte Fundament abreißt und auf die Infrastruktur von Epic Games setzt, minimiert man das Risiko technischer Totalausfälle und priorisiert eine „Console-First“-Entwicklung, um ein zweites Fiasko auf den Basiskonsolen unter allen Umständen zu verhindern.

Während Ciri im Studio Form annimmt, wird die Marke natürlich weiter monetarisiert, wobei ein Jubiläums-DLC für The Witcher 3 im Jahr 2026 der logische Schachzug wäre, um die Fans bei der Stange zu halten, bis Polaris dann hoffentlich 2027 abliefert.

Man gibt sich aktuell zwar reflektiert und demütig, doch am Ende zählt nicht die Kommunikation, sondern das fertige Produkt. Wenn The Witcher 4 trotz des enormen technischen Aufwands bei den 80 Animationen pro Schritt spielerisch nicht zündet, wird auch die beste Engine die Marke nicht mehr retten können.

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