The Witcher 4 & Cyberpunk 2: CD Projekt beendet internes Chaos

CD Projekt Red reformiert die Entwicklung von The Witcher 4 und Cyberpunk 2. Strikte Dokumentationspflichten verhindern Datenverluste und Launch-Desaster.

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Mark Tomson
Managing Director von PlayFront. Mark Tomson prägt die Vision einer unabhängigen PlayStation-Berichterstattung. Sein Fokus: Technische Analysen, Hardware-Evolution und die strategische Einordnung der Gaming-Industrie. Er steht für...

CD Projekt Red führt für die Entwicklung von „The Witcher 4“ und „Cyberpunk 2“ einen strengen Dokumentationsprozess ein, um massiven Datenverlusten und operativem Chaos wie bei früheren Projekten vorzubeugen.

Interne Entwicklungsnotizen, Tool-Anleitungen und Design-Konzepte müssen fortan an jedem Meilenstein zwingend aktualisiert werden, da ein Erreichen der nächsten Entwicklungsphase ohne vollständige Dokumentation blockiert wird.

CD Projekt zieht Konsequenzen für die Zukunft

Die polnische Entwicklerschmiede zieht damit die Konsequenzen aus einer Reihe schwerwiegender Fehlentscheidungen der letzten zwei Jahrzehnte. Wie das technische Autorenteam des Studios auf der Digital Dragons Conference in Krakau offenlegte, herrschte bei der Entstehung von Meilensteinen wie „The Witcher 1“ und „The Witcher 3“ strukturelles Chaos.

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In den Anfangstagen verließ sich das damals noch kleine Studio vollständig auf mündliche Überlieferungen. Da eine zentrale Wissensdatenbank fehlte, müssen heutige Entwickler die alten Systeme mühsam per Reverse Engineering rekonstruieren. Besonders deutlich wurden die Lücken bei der Entwicklung von „The Witcher 3: Wild Hunt“.

Nach dem vermeintlichen Abschluss des Projekts schaltete das Management das interne Wiki aus Kostengründen ab, ohne die Daten zu sichern. Als Jahre später das Modding-Werkzeug REDkit erstellt werden sollte, fehlten jegliche Trialtreiber und Engine-Dokumentationen. Die Daten mussten über Umwege und alte IT-Server rekonstruiert werden.

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Cyberpunk 2077 offenbarte das Chaos

Die fatalsten Ausmaße erreichte das Dokumentations-Chaos während der achtjährigen Entwicklung von „Cyberpunk 2077“. Der immense Umfang des Rollenspiels führte zu über 8.000 Dokumentenseiten, die in der finalen Release-Phase nicht mehr gepflegt wurden. Für die Erweiterung „Phantom Liberty“ und die Mac-Portierung splittete das Studio die Dokumente zudem auf lokale Server und Cloud-Dienste auf.

Diese Fragmentierung sorgte für extreme Ineffizienz und trug laut Studioangaben messbar zum Burnout-Risiko innerhalb des Teams bei. Einzig das Kartenspiel Gwent wurde durch kontinuierliche Updates der Dokumente effizient gepflegt, was neuen Mitarbeitern eine sofortige Einarbeitung ermöglichte.

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Für die kommenden Großprojekte wie „The Witcher 4“ und „Cyberpunk 2“ gelten nun verschärfte Richtlinien. Ein Meilenstein gilt intern erst dann als abgeschlossen, wenn die Dokumentation fehlerfrei hinterlegt ist. Da CD Projekt Red mittlerweile global agiert und Teams in Nordamerika und Europa in unterschiedlichen Zeitzonen arbeiten, ersetzt die schriftliche Dokumentation den direkten Austausch. Zudem nutzen die Teams von The Witcher 4 und Cyberpunk 2 dasselbe Wissensarchiv. Findet ein Team eine technische Lösung für die Unreal Engine 5, kann die andere Abteilung den Code direkt übernehmen.

Die Umstellung auf eine strikte Dokumentationspflicht hat direkte Auswirkungen auf die Qualität und den Lebenszyklus der kommenden Spiele:

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  • Höhere Stabilität zum Launch: Da technische Lösungen und Fehlerursachen transparent dokumentiert werden, sinkt das Risiko für ein fehlerbehaftetes Release wie bei Cyberpunk 2077 im Jahr 2020.
  • Schnellere Updates und DLCs: Neue Entwickler können ohne lange Einarbeitungszeit an Post-Launch-Inhalten arbeiten, was die Wartezeit auf Erweiterungen verkürzt.
  • Effizientere Modding-Tools: Die Wahrscheinlichkeit für zeitnahe und ausgereifte Modding-Werkzeuge nach dem Vorbild des REDkits steigt, da die Triebwerke der Spiele von Anfang an dokumentiert sind.
  • Reibungslose Remakes: Externe Partner wie Fool’s Theory (verantwortlich für das The Witcher 1 Remake) erhalten präzise Vorlagen, anstatt alte Spielmechaniken ohne Dokumentation erraten zu müssen.

Hinter der trocken wirkenden Umstellung der internen Bürokratie steckt eine fundamentale strategische Neuausrichtung. Der Wechsel von der alten, proprietären REDengine auf die Unreal Engine 5 wird durch die neue Dokumentations-Infrastruktur gestützt.

CD Projekt Red bekämpft die strukturellen Probleme, die den Launch von „Cyberpunk 2077“ ruiniert haben, an der Wurzel. Wenn die Entwickler den selbstauferlegten Dokumentationszwang über die gesamte Produktionsphase durchhalten, sichert das nicht nur die Qualität von „The Witcher 4“, sondern beschleunigt auch die Entwicklung aller nachfolgenden Projekte.

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