Manchmal überschlagen sich die Schlagzeilen schneller, als die Realität hinterherkommt: Die ROG Xbox Ally X hat von Time Magazine den Titel „Best Invention of 2025“ erhalten, und das, bevor das Gerät überhaupt im Handel ist. Microsoft feiert die Auszeichnung bereits stolz, doch die Frage bleibt: Wofür genau eigentlich?
Denn hinter dem großen Namen steckt kein völlig neues Konzept. Die ROG Xbox Ally X ist, nüchtern betrachtet, eine leicht überarbeitete Version der bekannten Asus ROG Ally, jetzt mit Xbox-Branding, neuen Griffen, einem stärkeren Chip und minimal verbessertem Windows. Nett, ja. Revolutionär? Ganz sicher nicht.
899 Euro für eine stärkere Ally
Mit einem Preis von 899,99 Euro gehört das Gerät zu den teuersten Handheld-PCs überhaupt, teurer ist aktuell nur Lenovos Legion Go 2. Dafür bekommt man ein solides Windows-Handheld mit Xbox-Taste, mehr Speicher und etwas mehr Power. Doch das ändert nichts daran, dass Microsoft hier kein echtes „Xbox-Erlebnis“ liefert.
Die ROG Xbox Ally X kann zwar Xbox-Spiele über die Cloud oder als PC-Version starten, aber sie ist keine Xbox. Keine vollständige Bibliothek, keine native Abwärtskompatibilität, kein Zugriff auf alte Spiele. Der große Marketing-Satz von Xbox-Präsident Sarah Bond – Spieler könnten „überall ihre Spiele spielen“ – stimmt nur auf dem Papier.
Zwischen Marketing und Realität
Man muss Microsoft zugutehalten: Das Konzept eines offenen, leistungsstarken Handheld-PCs mit Xbox-DNA ist spannend. Aber eine bahnbrechende Erfindung ist das nicht, eher ein cleveres Rebranding mit dezentem Hardware-Upgrade.
Wenn Time das als „beste Erfindung des Jahres“ bezeichnet, sagt das mehr über den aktuellen Zustand der Tech-Branche aus als über das Gerät selbst. Innovation ist heute offenbar schon, wenn man einen Knopf mit einem neuen Logo draufklebt.
Die ROG Xbox Ally X wird sicher ihre Fans finden, technisch solide, optisch gelungen, spielerisch vielseitig. Aber ein Preis für die beste Erfindung 2025? Das ist maßlos übertrieben. Wenn schon ein leicht überarbeiteter Handheld als Innovation gefeiert wird, haben wir wohl gerade keine echten Erfindungen mehr.



