Ubisoft unter Druck: Gewerkschaften fordern Rücktritt von CEO Yves Guillemot

Ubisoft-Mitarbeiter verlieren das Vertrauen: Gewerkschaften verlangen den Rücktritt von CEO Yves Guillemot. Hintergrund, Kritik und Folgen im Überblick.

Mark Tomson
Als Inhaber und Managing Director von PlayFront.de prägt Mark Tomson die Vision einer unabhängigen Berichterstattung über die Welt von PlayStation. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf technischen...

Bei Ubisoft brennt es lichterloh. Gewerkschaftsvertreter aus Frankreich stellen öffentlich infrage, ob der Publisher mit Yves Guillemot an der Spitze überhaupt noch Vertrauen bei den eigenen Mitarbeitern zurückgewinnen kann.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall, denn nach dem radikalen Reset, Studioschließungen, Projektstreichungen und einer harten Rückkehr-ins-Büro-Politik ist die Stimmung intern offenbar auf einem Tiefpunkt.

Vertrauensbruch nach jahrelangem Sparkurs

Konkret kommt die Kritik von Marc Rutschlé und Chakib Mataoui, beide Entwickler bei Ubisoft Paris und Vertreter der Gewerkschaft Solidaires Informatique. Sie beschreiben ein Unternehmen, dessen Belegschaft sich übergangen fühlt. Guillemot stehe sinnbildlich für einen Kurs, der seit Jahren von Kostensenkungen geprägt ist – mit einem Volumen von rund 500 Millionen Euro bis 2028.

Rutschlé macht dabei klar, dass nicht jede einzelne Fehlentscheidung allein beim CEO liege. Als Unternehmenschef trägt Guillemot jedoch die Gesamtverantwortung. Besonders schwer wiegt für viele Mitarbeiter, dass nach den schweren Vorwürfen zur Unternehmenskultur im Jahr 2020 nie ernsthaft versucht worden sei, Vertrauen zurückzugewinnen.

Ein Zitat bringt die Stimmung auf den Punkt: „Ich erwarte nichts mehr von diesem Mann.“ Deutlicher lässt sich ein Bruch kaum formulieren.

Ubisoft, Machtstrukturen und der Vorwurf der Vetternwirtschaft

Zusätzlichen Zündstoff liefert die Personalpolitik. Die Ernennung von Guillemots Sohn Charlie zum Co-CEO einer neuen Ubisoft-Tochtergesellschaft wird intern als Symbol für verkrustete Strukturen gesehen. Mataoui spricht offen von Vetternwirtschaft und kritisiert, dass neue Perspektiven und Diversität ausgebremst würden.

Gerade in einer kreativen Branche wie der Spieleentwicklung sei das gefährlich. Wenn Führungsetagen homogen bleiben, sinke die Chance auf neue Ideen – ein Risiko, das Ubisoft sich angesichts durchwachsener Releases eigentlich nicht leisten kann.

Besonders emotional ist die Debatte um die neue Fünf-Tage-Office-Pflicht. Viele Ubisoft-Mitarbeiter haben sich während der Pandemie weit entfernt von teuren Studio-Standorten wie Paris angesiedelt. Laut Gewerkschaft droht die Maßnahme faktisch zum stillen Jobabbau zu werden.

Auf Nachfrage habe das Management keine belastbaren Daten vorgelegt, die einen Zusammenhang zwischen Anwesenheitspflicht und höherer Produktivität oder Kreativität belegen. Für die Belegschaft wirkt die Entscheidung daher willkürlich und primär auf Aktionärssignale ausgerichtet.

Mit Yves Guillemot an der Spitze ist der Graben zwischen Management und Mitarbeitern derzeit besonders tief. Ob Ubisoft ihn noch überbrücken kann, bleibt offen. Die angekündigten Streiks zeigen jedoch, dass die Belegschaft bereit ist, den Druck weiter zu erhöhen.

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SOURCES:GameDeveloper
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Takiro Muto
12 Tage zuvor

Der ganze laden gehört meiner Meinung nach geschlossen.

Was die mit in ihren Marken machen, grenzt schon fast an Körperverletzung an den einen eigenen werten.

Die schlimmste Entscheidung war die diese neue in Ubisoft Formel und dem Open world RPG system.

Genau deswegen sind die spiele nicht mehr wiederzuerkennen, eben weil nicht jede Marke dafür ausgelegt ist.

Bei assassins haben sie dadurch einfach mal die Identität genommen und die damit verbundenen werte.
Ja, manche mögen die Open world RPG teile, aber es sind offensichtlich keine richtigen AC Ableger, sondern repräsentieren eine neue Marke.

Mir ist bewusst, dass es heute ziemlich schwer ist neue Marken zu etablieren und daher nimmt man bereits bestehendes.

Das Zugpferd Ubisoft musste dafür herhalten.

Aber es kam noch anders. Auch andere Marken wurden Opfer des totalitären RPG Tripp von Ubisoft.

Far cry ist auch eine echte Lachnummern geworden leider.

Ubisoft sollte sich ernsthaft fragen, warum die älteren Teile immer noch die besten und beliebtesten sind. Ja, auch hier gibt es verschiedene Meinungen, aber das liegt auch an dem Konsumverhalten eines jeden einzelnen.

Fakt ist, dass das Open world RPG system nicht zufällig gekommen ist, sondern gezielt . Ziel war die Erschließung der Open Word RPG Community, die genau auf solche spiele stehen.

Ich kann echt hoffen, dass dieses Unternehmen hoffentlich zeitnah die Tore dicht macht oder ein beherzter Investor dieses Unternehmen aufkauft und dort mal aufräumen tut. Dabei müssen alle, die die zum derzeitigen Stand geführt haben, ihren Hut nehmen.

Marc Schmidt
12 Tage zuvor

Alle aktuellen spiele sind ja auch immer der gleiche Müll nach 3 Stunde habe ich StarWars, AC und auch Avatar abgebrochen nur noch sinnlos Aufgaben und Story die komplett langweilig ist.

Crydog
12 Tage zuvor
Reply to  Marc Schmidt

Vielleicht sollte man auch nicht alle 3 spiele in kurzen Abständen nacheinander spielen

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