Was normalerweise eine trockene Pflichtveranstaltung ist, entwickelte sich am 10. Juli in Paris zu einem bemerkenswerten Schauspiel. Bei Ubisofts Aktionärsversammlung stellte ein Teilnehmer dem CEO Yves Guillemot Fragen, die sonst nur in Gaming-Foren hitzig diskutiert werden. Die direkte Konfrontation zeigt, wie sehr sich die Fronten zwischen Spielerschaft und Publisher verhärtet haben.
Assassin’s Creed Shadows im Kreuzfeuer der Kritik
„Woke oder nicht woke?“ – diese Frage an den Ubisoft-Chef bezog sich auf die anhaltende Kontroverse um den schwarzen Samurai Yasuke in Assassin’s Creed Shadows. Guillemot wich geschickt aus und antwortete diplomatisch, man wolle „Charaktere mit heroischen Reisen zeigen„. Eine typische PR-Antwort, die niemanden zufriedenstellen dürfte.
Interessanter war seine Aussage zum Budget: Über 100 Millionen Euro habe das Spiel gekostet, vermutlich deutlich mehr. Zum Vergleich – das entspricht etwa dem Dreifachen eines durchschnittlichen AAA-Titels vor zehn Jahren. Diese Summen erklären, warum Publisher zunehmend auf Nummer sicher gehen wollen und kontroverse Entscheidungen scheuen.
Online-Spiele und die Macht der Petitionen
Der zweite Frontalangriff galt der „Stop Killing Games„-Petition, die fordert, dass Spieler auch nach Server-Abschaltungen weiterspielen können. Guillemots Antwort blieb vage: Man „arbeite an“ dem Problem. Konkrete Lösungsansätze konnte man aber nicht präsentieren. Im Vorzeigebeispiel The Crew 2 und The Crew Motorfest sind aber bereits Offline-Modi in Planung.
Diese Zurückhaltung ist verständlich, aber frustrierend. Tausende Spieler haben bereits erlebt, wie ihre liebsten Online-Titel über Nacht unspielbar wurden. The Crew, ein Ubisoft-Titel, war einer der prominentesten Fälle und hat die Petition überhaupt erst richtig angeheizt.
Finanzielle Realitäten hinter den Kulissen
Neben den emotionalen Themen kamen auch harte Zahlen zur Sprache. Star Wars Outlaws wurde offen als Verkaufsflop bezeichnet – bemerkenswert ehrlich für eine Aktionärsversammlung. Dabei war das Spiel eine außergewöhnlich gute Star Wars-Erfahrung, wenn auch zu früh veröffentlicht. Guillemots Erklärung: Design-Probleme und eine schwächelnde Star Wars-Marke zur falschen Zeit.
Ein Aktionär brachte die Misere auf den Punkt: 40 Prozent Kursverlust in zehn Jahren. Das ist keine Kleinigkeit für ein Unternehmen, das einst als Vorreiter galt. Die Ankündigung eines neuen Ghost Recon-Spiels (bisher nicht offiziell verkündet) und das Interesse an kleineren AA-Produktionen wirken wie Versuche, das Ruder herumzureißen.
Die Aktionärsversammlung offenbarte ein Unternehmen im Wandel – oder besser gesagt, im Zugzwang. Ob Ubisoft den Spagat zwischen Spielerwünschen und Shareholder-Erwartungen schafft, bleibt abzuwarten. Was denkst du: Können große Publisher noch authentisch auf ihre Community hören?