Ubisofts Milliarden-Wette: riskanter Fokus auf drei Mega-Marken

Ubisoft setzt alles auf drei Marken: Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six sollen Milliarden bringen. Warum der Konzern jetzt kompromisslos fokussiert.

Mark Tomson
Als Inhaber und Managing Director von PlayFront.de prägt Mark Tomson die Vision einer unabhängigen Berichterstattung über die Welt von PlayStation. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf technischen...

Ubisoft hat in seiner großen Reset-Ankündigung viele harte Einschnitte verpackt. Studioschließungen, Projektstreichungen, Verschiebungen – all das dominiert verständlicherweise die Schlagzeilen. Fast beiläufig, aber strategisch hochbrisant, fällt jedoch ein Satz, der viel über die künftige Ausrichtung des Konzerns verrät: Bestimmte Marken sollen zu „annual billionaire brands“ werden. Also zu Franchises, die Jahr für Jahr über eine Milliarde Dollar Umsatz generieren.

Gemeint sind konkret Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six, gebündelt im neu geschaffenen Creative House 1: Vantage Studios, an dem auch Tencent beteiligt ist. Ubisoft formuliert damit erstmals offen, was zuvor oft nur zwischen den Zeilen zu lesen war. Diese drei Marken sind nicht länger einfach die Zugpferde des Portfolios, sie sind das Portfolio.

Von starken Marken zu Dauer-Milliarden

Der Begriff „annual billionaire brand“ ist ambitioniert gewählt. Ubisoft spricht nicht von einzelnen Mega-Hits, sondern von wiederkehrender, planbarer Wertschöpfung. Das ist ein deutlicher Unterschied. Assassin’s Creed hat diese Dimension bereits mehrfach erreicht, allerdings meist rund um große Releases. Nun soll die Marke dauerhaft auf diesem Niveau operieren – über regelmäßige Veröffentlichungen, Erweiterungen, Live-Elemente und langfristige Spielerbindung.

Rainbow Six ist dafür das Blaupausenbeispiel. Rainbow Six Siege zeigt seit Jahren, wie ein Spiel durch kontinuierliche Updates, E-Sport-Anbindung und Community-Fokus wirtschaftlich stabil bleibt. Far Cry hingegen wirkt in diesem Dreiklang fast wie der Problemfall: erfolgreich, aber weniger klar als Service-Marke positioniert. Dass Ubisoft es dennoch in diese Liga hebt, zeigt, wie entschlossen der Publisher auf Skalierung setzt.

Tencent, Kontrolle und Kalkül

Die Beteiligung von Tencent an Vantage Studios passt exakt in dieses Bild. Sie liefert Kapital, Markterfahrung im GaaS-Bereich und Zugang zu einem Markt, den westliche Publisher allein kaum noch effizient erschließen. Gleichzeitig behält Ubisoft die kreative Kontrolle, zumindest formal. Das Modell ist weniger eine klassische Partnerschaft als eine gezielte Verstärkung dort, wo maximale Rendite erwartet wird.

Dass andere Projekte diesem Fokus geopfert werden, ist die Kehrseite der Medaille. Wenn Ubisoft davon spricht, Ressourcen neu zuzuweisen, heißt das im Klartext: Alles, was nicht in diese Milliarden-Logik passt, muss sich neu rechtfertigen, oder verschwindet. Das erklärt auch, warum selbst bekannte Marken wie Prince of Persia derzeit keinen sicheren Platz haben und das aktuelle Remake offenbar auf den letzten Metern eingestampft wurde.

Risiko und Realität

Die Strategie ist nachvollziehbar, aber nicht risikolos. Drei Marken tragen nun einen erheblichen Teil der wirtschaftlichen Erwartungen. Kreative Ausreißer, neue IPs oder kleinere Experimente rutschen zwangsläufig in den Hintergrund. Ubisoft setzt darauf, dass Markenpflege, nicht Markenvielfalt, der Schlüssel zur Stabilität ist.

Historisch ist das kein Einzelfall. Activision Blizzard hat diesen Weg mit Call of Duty früh eingeschlagen, Electronic Arts mit FIFA und Apex Legends. Ubisoft kommuniziert diesen Anspruch allerdings ganz offen. Das wirkt selbstbewusst, und ein Stück weit alternativlos.

Mit der Milliardenvorgabe macht Ubisoft deutlich, wie die Zukunft aussehen soll: weniger Streuung, mehr Kontrolle, und klare wirtschaftliche Ziele. Für Investoren ist das sicherlich spannend. Für Spieler bedeutet es vor allem, dass diese drei Marken Priorität haben werden, sowohl in Qualität, Frequenz und Sichtbarkeit.

Ob daraus kreative Exzellenz oder bloße Effizienz entsteht, wird sich nicht in Präsentationen entscheiden, sondern in den kommenden Releases. Ubisoft hat seine Karten jetzt offen auf den Tisch gelegt, und sie zeigen drei Namen, die künftig alles andere überragen sollen.

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Crydog
17 Tage zuvor

Kreative bankrott Erklärung auch Wenn eventuell die einzelnen marken von den Fokus profitieren könnten (Konjunktiv)

N7Dan
18 Tage zuvor

Warum auch nicht?

Assassin’s Creed, Rainbow Six & Far Cry sind die derzeit stärksten Zugpferde im Rennen des Unternehmens, eine Fokussierung darauf erscheint mir sinnvoll & angebracht.

Sämtliche Ableger dieser Reihen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten millionenfach verkauft sowie eine mindestens ebenso große Fanbase hervor gebracht, eine Rückkehr zur Splinter Cell & Ghost Recon Reihe würde ich mir persönlich als jahrzehntelanger Fan der Marken sicherlich wünschen, neben der weiteren Kooperation mit Massive Studios, welche neben The Division zwei der besten Titel des Studios der vergangenen Jahre ins Leben gerufen haben, Star Wars Outlaws & Avatar Frontiers of Pandora.

Wenn sie als Unternehmen sich verändern, aus ihren Fehlern lernen & letztlich daraus gewachsen hervorgehen möchten, ist das der logische, konsequente Schritt und dafür lobe ich mir diese Herangehensweise!

Der obligatorische Aufschrei seitens der Community in den letzten Jahren gegen das Unternehmen nimmt weiterhin pathologisches Ausmaß an & wie immer gilt, Minderheiten sind immer die gewesen, die in Mutti’s Keller stets am lautesten dagegen gewettert haben, weil man scheinbar im Leben nichts anderes als Frust erlebt & sicherlich keine anderen reichhaltigen Videospiele mehr konsumieren & seine Zeit darin sinnvoll investieren kann bzw. dazu imstande zu sein scheint.

DerWahreHansWurst
17 Tage zuvor
Reply to  N7Dan

ich stimme dir oft mit bei deinen posts zu und möchte dir auch garnicht deine meinung absprechen, aber hier sehe ich es leider wirklich etwas anders.

ubisoft entwickelt seit jahren an den fans vorbei. wichtige und wertvolle marken mit potenzial werden liegen gelassen, es werden permanent entscheidungen getroffen, bei denen man nur noch den kopf schütteln kann. ubisoft zieht sich von jahr zu jahr, von skandal zu skanal und immer wieder setzen sie einen drauf.

sie hätten das personal und geld, das talent und die zeit gehabt, endlich mal en beyond good and evil herauszubringen, ein neues richtiges prince of persia, ein splinter cell, ein watch dogs, ein far cry, ein rayman, ein red steel und sonst wie viele geniale marken, die entweder unverändert in der heutigen gaming landschaft ein hit wären oder mit kleinerem budget wenigstens akzente gesetzt hätten.

stattdessen fokussieren sie sich nurnoch auf live service spiele… zumindest zum großteil.

avatar bekommt jetzt einen dlc, hätte beim vorletzen film erscheinen müssen, kam zu spät… für neuen film wiederum viel zu früh. hier hat man marketingtechnisch komplett verk****

jetzt kommt ein dlc wegen dem neuen film aber das spiel juckt niemanden mehr. und ja ich habe es gekauft und bisher wegen der miesen performance noch nicht richtig gespielt

assasins creed hatte seine ´´debatten´´ und massig fettnäpfchen, ist immer zu aufgebläht und müsste sich mal wieder auf seine tugenden besinnen

DerWahreHansWurst
17 Tage zuvor

rainbow wird von ein paar teenies und einer gruppe hardcore spielern am leben gehalten. die breite masse spielt doch kein rainbow mehr. selbst wenn es aber so wäre und ich möchte jetzt nicht extra die zahlen nachsehen, haben sie sich mit rainbow six siege in eine ungünstige ecke getrieben. sie zerstört, wofür rainbow einmal stand, keine story kampagne mehr, nurnoch multiplayer… und stück für stück immer mehr in die richtung hero shooter, weil man damit kids ziehen kann. dazu der ganze w0ke kram. das hat mit rainbow nichts mehr zu tun und tom clancy würde sich im grabe umdrehen.

watchdogs haben sie als eine ihrerer potenziell besten marken für single player und mit riesem coop potenzial einfach fallen gelassen

splinter cell kommt garnichts mehr und was das neue spiel wird, wer weiß….

ghost recon haben sie ein militär gta drauß gemacht mit online zwang bei breakpoint, dümmste entscheidung und daher no buy, eine schande für die marke, als das spiel spielbar war, wollte es schon keiner mehr

far cry war eine katastrophe mit teil 6. die reihe hat immer mehr an glanz verloren. inzwischen witzeln die leute nurnoch darüber. die dlc sind fast immer schund

beyond good and evil versuchen sie zwang wieder ein service spiel drauß zu machen und respektieren 0 den original titel, dazu kommt einfach nichts

prince of persia haben wir einen rogue like titel (kotz) und das gute metroidvania

avatar ist cool, outlaws auch und machen sie nicht weiter obwohl es so gut ist

DerWahreHansWurst
17 Tage zuvor

skull and bones war der größte witz überhaupt… dazu die AAAA aussagen wo yves guillemont sich einfach nurnoch lächerlich gemacht hat.

rayman lässt ewig warten…

ubisoft könnte ganz ganz vorne dabei sein. sie könnten super coop spiele machen die sich grandios verkaufen (die leute WOLLEN gute story coop games) sie könnten hammer einzelspieler titel machen aber sie übertreiben es immer mit ihren editionen wie bei star wars outlaws wo viele schon deswegen keine lust mehr hatten, dazu die bugs, probleme, fehler… die preise.

und überall sonst live service, online zwang und solche skandale wie bei ´´the crew´´

wenn yves endlich mal in rente gehen würde und der nachfolger wieder die spieler und die eigentliche kultur und mentalität die ubisoft einmal hatte im blick hätte, könnten ubisoft ganz schnell gewinne fahren.

multiplayer ist voll ok, aber mit vision, mit konzept, ohne nur zu melken und mal etwas cooles. stattdessen rennen sie trends hinteher, sind immer zu spät dran und r*tzen einem lauter dinge (online zwang, vollpreis + dlc + deluxe + preorder, formelhaftigkeit, open world, kaum story) vor die füße

dass die leute so blöd sind und ausnahme titel wie avatar und star wars outlaws nicht kaufen, hilft natürlich auch nicht. ich kann die ganze negativität bezüglich ubisoft aber leider verstehen, auch wenn ich mich freuen würde, wenn es anders wäre

Crydog
17 Tage zuvor

Was ubisoft fehlt ist die copered identity wie du schon sagt laufen ständig einer Monetarisierung Idee nach der nächsten und anstatt sich in spieler rein zuversetzen und zu erforschen was sie wirklich wollen versucht man es jeden recht zu machen blos nicht anecken. Auch diese ganze Diversität Agenda spielt darein anstatt ganz zu wissen wer die leute sind die ihre spiele kaufen verbigt man sich so oft bis man garnicht mehr weis für was der Konzern steht bzw. Deren Produkte

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