Ehemalige Führungskräfte von Build A Rocket Boy brechen ihr Schweigen über systematischen Crunch und totale Mitarbeiterüberwachung während der Entwicklung von „MindsEye“. Lead Games Analyst Ben Newborn und Lead Animator Chris Wilson berichten von einer Arbeitskultur, die psychische und physische Krankheiten als Kollateralschaden in Kauf nahm.
Build A Rocket Boy steht unter massivem Beschuss, nachdem Details über die internen Zustände ans Licht kamen. Die Vorwürfe wiegen schwer: unbezahlte Überstunden, monatelanger Crunch und der Einsatz der Überwachungssoftware Teramind zur Kontrolle der Belegschaft.
Laut Chris Wilson gegenüber Kotaku war besonders die Cinematics-Abteilung betroffen, die über sechs bis neun Monate hinweg weit über das normale Maß hinaus arbeiten musste, ohne dafür finanziell entschädigt zu werden. Die Mindestanforderung von acht Stunden pro Tag war lediglich eine theoretische Basis, die durch den verordneten Crunch faktisch ausgehebelt wurde.
Die Abrechnung mit dem Studio-Mythos
Der Einsatz von Teramind markierte für viele das Ende der Loyalität. Wilson bezeichnete die Software und den mangelnden Respekt der Führungsebene als den sprichwörtlichen Nagel im Sarg. Die Entwickler wurden über den Zweck und den Startzeitpunkt der Überwachung im Unklaren gelassen.
Parallel dazu versuchte CEO Mike Gerhard, die Probleme des Spiels durch das „Blacklisted“-Update zu framen, in dem Spieler Charaktere jagen sollen, die auf den vermeintlichen „Saboteuren“ des Spiels basieren. Ein beispielloser Vorgang, der die Schuldumkehr innerhalb der Firmenkultur zementiert.
Ben Newborn zeichnet ein düsteres Bild der gesundheitlichen Folgen für das Team. Er spricht von „entsetzlichen psychischen und sogar physischen Krankheiten“, die weit über das übliche Maß eines Burnouts hinausgingen. Die Scham unter den ehemaligen Mitarbeitern ist groß. Viele wollen nicht einmal mehr damit assoziiert werden, jemals Teil des Projekts gewesen zu sein.
Während „MindsEye“ auf PC, PS5 und Xbox Series X/S um Relevanz kämpft, sieht sich das Studio nun mit Klagen wegen massiver Verletzung der Privatsphäre konfrontiert.