Xbox-Entwickler stehen vor dem Nichts, weil Erfolg beim Mutterkonzern Microsoft kein Kriterium für Beschäftigung mehr ist. Ein neuer Bericht enthüllt die systematische Demontage von Vertrauen und Arbeitsplatzsicherheit in den Microsoft-Studios.
Leistung schützt nicht vor der Kündigung
Die jüngsten Entlassungswellen bei Xbox treffen Teams, die bis zuletzt als Vorzeigebeispiele für wirtschaftlichen Erfolg galten. id Software entließ trotz des historischen Rekordstarts von „Doom: The Dark Ages“ mit über drei Millionen Spielern direkt nach dem Release der Erweiterung Revelations wesentliche Teile der Belegschaft. Microsoft wartete die Verkaufszahlen des Zusatzinhalts gar nicht erst ab. Ein betroffener Entwickler kommentiert die Logik trocken: „Sie haben nicht einmal abgewartet, ob das Produkt erfolgreich ist, bevor sie das Team entlassen haben.“
Ähnliche Berichte dringen aus den ZeniMax Online Studios an die Öffentlichkeit. „The Elder Scrolls Online“ lieferte nach der Umstellung auf das saisonale Modell stabile und von der Führungsebene gelobte Zahlen ab. Dennoch folgten Entlassungen im großen Stil. Das Signal an die Belegschaft ist eindeutig. Gute Arbeit garantiert nichts mehr. „Es fühlt sich an, als hätten wir ein gutes Produkt abgeliefert – und trotzdem hat das keinerlei Einfluss darauf, wie lange man seinen Job behält“, resümiert ein Angestellter gegenüber The Game Developer.
Die Entmenschlichung der internen Kommunikation
Der physische Abbau der Belegschaft wird von einem beispiellosen Kollaps der internen Kommunikation begleitet. Kündigungen wurden in anonymen Massen-Videokonferenzen abgewickelt, bei denen Kameras, Mikrofone und Chat-Funktionen deaktiviert waren. Fragen blieben unzulässig.
Nach Kündigungen im Minutentakt wurden Accounts sofort gesperrt. Die Betroffenen verloren den Zugang zu Slack und E-Mail. Rückfragen sollten über interne Adressen laufen, auf die niemand mehr Zugriff hatte. „Viele von uns wussten wochenlang nicht, was überhaupt passiert“, beschreibt ein Betroffener das Chaos.
Die Verteilung des Stellenabbaus verschärft die Lage für die verbleibenden Angestellten. Von den geplanten 3.200 Entlassungen erfolgen 1.600 sofort. Die restlichen 1.600 Stellen werden scheibchenweise bis Mitte 2027 abgebaut. Das erzeugt ein Klima der permanenten Angst. „Ich weiß nicht, wie sich irgendjemand bei den Xbox-Studios noch sicher fühlen soll, wenn weitere 1.600 Entlassungen bevorstehen“, so ein Insider. Die Sorge vor der nächsten Welle im kommenden Sommer lähmt die langfristige Produktion. Ein dritter Kahlschlag in Folge gilt intern bereits als gesetzt.
Microsoft betreibt keine Sanierung, sondern Schrumpfung nach nackten Excel-Vorgaben. Für Spieler bedeutet das mittelfristig den Verlust von Kontinuität und Qualität bei ihren Lieblingsmarken. Wer unter ständiger Angst vor der nächsten Entlassungswelle arbeitet, liefert keine Meisterwerke. Das Vertrauen ist weg.
