Microsoft streicht bei Xbox insgesamt 3.200 Stellen und trennt sich von fünf Studios. Weil die Entlassungen über die nächsten zwölf Monate gestreckt werden, regiert in den Teams ab sofort die blanke Angst vor der zweiten Welle.
Microsoft zieht nach der gescheiterten Abo-Strategie die Reißleine. 1.600 Leute fliegen sofort, weitere 1.600 Angestellte folgen im Laufe des nächsten Jahres. Dazu kommen massive Budgetkürzungen um 50 Prozent für externe Dienstleister, deren entlassene Köpfe in der offiziellen Statistik nicht einmal auftauchen.
Die grausame Salamitaktik aus Redmond
Diese Aufteilung auf Raten zermürbt die Belegschaft komplett, wie Bloomberg meldet. Wer bleibt, muss mehr Arbeit in weniger Zeit wuppen. Und zittert täglich, ob er beim nächsten Mal dran ist. Das ist kein normales Umfeld mehr. Das ist Psychoterror.
Blizzard-Chefin Johanna Faries schickte nach der Ankündigung interne Mails an die Belegschaft, die mehr Fragen als Antworten hinterließen. Nach vagen Durchhalteparolen folgte die Bestätigung über minimale Kürzungen im China-Büro. Ob das alles war? Keiner weiß es. Nach den Entlassungswellen der vergangenen zwei Jahre bricht diese Ungewissheit den Teams mitten in den Vorbereitungen zur kommenden BlizzCon das Genick.
Besonders bitter trifft es die Bethesda-Mutter ZeniMax. Studios wie ZeniMax Online und id Software wurden regelrecht gerupft, selbst beim Kern-Entwickler Bethesda Game Studios flogen Dutzende Mitarbeiter raus. In den europäischen Studios wie MachineGames in Schweden herrscht dagegen gespenstische Ruhe. Sie stecken in der Schwebe. Kommt der Hammer dort erst in Phase zwei? Gut möglich.
Bei Arkane in Lyon sieht die Sache noch skurriler aus. Microsoft will das Studio hinter „Dishonored“ und dem kommenden Blade-Spiel komplett abstoßen. Wegen der strengen französischen Arbeitsgesetze wird sich dieser Prozess über Monate hinziehen. Die Entwickler wissen aktuell nicht, ob sie verkauft, ausgegliedert oder dichtgemacht werden. Paradoxerweise könnte der Absprung von Xbox für Arkane am Ende sogar die Rettung vor dem internen Management-Chaos bedeuten.
Die Stimmung bei Xbox liegt am Boden. Wer ein Jahr lang unter dem Damoklesschwert der Kündigung Höchstleistungen bringen soll, brennt unweigerlich aus. Microsoft nutzt die Angst der verbleibenden Belegschaft hier als Performance-Druckmittel nach typischer Silicon-Valley-Manier. Die Entwicklung großer Marken wird in den nächsten Monaten erheblich unter der kaputten Moral und dem Personalmangel leiden.
