Kaum war Helldivers 2 offiziell für Xbox angekündigt, flatterte das Netz über mit einem neuen kollektiven Tagtraum: Marvel’s Spider-Man auf Xbox. Kein Witz. Ein harmloser Social-Media-Post von Insomniac – ein Bild von Peter Parker mit dem Text „Hey, wie geht’s?“ – reichte aus, um die Kommentarspalten in grün gefärbte Hoffnungsblasen zu verwandeln.
„Sieht gut aus in Grün“, jubelte ein User. „Kommt Spider-Man jetzt wirklich für Xbox?“ fragte ein anderer. Wer in den letzten Tagen auf X unterwegs war, kam an dieser Fantasie kaum vorbei. Dutzende Posts, Tausende Likes und eine große Portion Realitätsverweigerung. Was kommt als Nächstes? Die Forderung nach God of War oder sogar ein exklusiver Vorsprung?
Natürlich kann man’s irgendwo nachvollziehen. Sony reißt mit Helldivers 2 eine Mauer ein, von der viele dachten, sie würde noch lange stehen. Und das befeuert nun Spekulationen – und absurde Forderungen. Doch zwischen einem Live-Service-Koop-Shooter mit Mikrotransaktionen und einem narrativen Singleplayer wie Marvel’s Spider-Man liegt ein verdammt großer Unterschied.
Warum Marvel’s Spider-Man nicht kommt
Klar, Marvel’s Spider-Man 2 ist technisch gesehen schon nicht mehr PlayStation-exklusiv – das Spiel gibt’s seit 2022 auch auf dem PC. Doch der Sprung auf Xbox ist eine andere Nummer. Hier geht es nicht nur um Vertrieb, sondern ums Prinzip. Sony würde damit eine seiner wertvollsten Marken an den direkten Konkurrenten reichen.
Und anders als bei Helldivers 2 steht hier keine Live-Service-Logik dahinter. Kein Battle Pass, keine Skins, kein Ingame-Shop, der sich auf mehreren Plattformen besser rechnet. Spider-Man ist ein abgeschlossenes Singleplayer-Erlebnis. Die Kosten sind längst amortisiert, ein wirtschaftlicher Zwang zur Portierung existiert nicht.
Zudem sind Marvel-Lizenzen kompliziert. Sony hat exklusive Rechte an Spider-Man im Spielebereich – zumindest, was First-Party-Produktionen betrifft. Solche Deals sind nicht einfach rückgängig zu machen, nur weil ein paar grüne Herzchen im Netz glühen.
Sony öffnet die Tür – aber nicht für jeden
Dass Sony überhaupt den Xbox-Kanal für Helldivers 2 öffnet, ist bemerkenswert. Und ja, es zeigt: Die Mauer beginnt zu bröckeln. Hermen Hulst selbst sagte einmal, man müsse „sehr sorgfältig überlegen“, welche Marken man über die PS5 hinaus öffnet. Aber diese Aussage stammt noch vor der Helldivers-Ankündigung und sagt vor allem: sorgfältig, nicht überallhin.
Realistisch betrachtet bekommt Xbox in Zukunft ein paar kleinere Ports. Vielleicht auch mal eine PC-Version zeitgleich. Aber Marvel’s Spider-Man? Der bleibt vorerst an der Wand der Exklusivität kleben.
Es ist faszinierend, wie schnell sich Xbox-Fans nach Helldivers 2 in Wunschträume stürzen. Aber Marvel’s Spider-Man wird ziemlich sicher nicht dazugehören. Wer echtes Interesse an dem Spiel hat, weiß längst, wo er es findet – und das ist nun mal nicht bei Microsoft.