Microsoft steht offenbar kurz vor einer weiteren Entlassungswelle im Xbox-Bereich. Wie mehrere Quellen berichten – darunter Bloomberg und The Verge – sind „größere“ Stellenstreichungen bereits für kommende Woche geplant. Besonders betroffen: Teile der Xbox-Sparte in Europa, insbesondere die Vertriebsstruktur in Zentraleuropa, die teilweise ganz eingestellt werden soll. Das käme einem Rückzug gleich. Auch weitere Geschäftsbereiche von Microsoft stehen im Fokus der Kürzungen – unter anderem der globale Vertrieb.
Die Pläne kommen zu einem strategisch auffälligen Zeitpunkt: Mit dem Start ins neue Fiskaljahr bereitet sich Microsoft offenbar auf eine tiefgreifende Restrukturierung seines Gaming-Geschäfts vor. Damit verbunden sind personelle Einschnitte, die nicht nur operative Einheiten treffen, sondern laut Insidern auch Management-Ebenen erfassen könnten.
Digital first – braucht Xbox Europa noch?
Ein zentraler Gedanke hinter den Kürzungen könnte sein, dass Microsofts Xbox-Geschäft sich immer stärker auf den digitalen Vertrieb verlagert. Der Anteil rein digital verkaufter Spiele, Game Pass-Abonnements und direkter Online-Verkäufe wächst kontinuierlich. Auch der eigene Xbox Store sowie Cloud-basierte Angebote wie xCloud stehen dabei im Mittelpunkt.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Microsoft physische Strukturen und Personal in bestimmten Regionen überhaupt noch benötigt – zumindest aus Sicht der Konzernzentrale. Der digitale Direktvertrieb lässt sich problemlos von den USA aus steuern, auch Marketing, Support und Store-Management sind längst globalisiert. Europa wird somit – zumindest operativ – verzichtbarer.
Xbox unter Druck: Entlassungen als Teil eines größeren Trends
Die drohenden Kürzungen reihen sich ein in eine fast schon routinierte Serie von Stellenstreichungen im Gaming-Sektor. Bereits im Mai 2025 entließ Microsoft 6.000 Mitarbeiter, im Januar 2024 waren es 1.900 bei Activision Blizzard und Xbox. Im selben Jahr wurden mehrere Studios geschlossen – darunter Tango Gameworks (Hi-Fi Rush) und Arkane Austin (Redfall).
Die Strategie dahinter ist offensichtlich: Verschlankung, Zentralisierung und stärkere Kontrolle über das Xbox-Ökosystem – bei gleichzeitigem Fokus auf Game Pass, Streaming und digitalen Content. Alles im Sinne der Play Anywhere-Strategie – was in dem Fall aber nicht für die physische Präzenz gilt.
Microsoft stellt seine Xbox-Sparte neu auf. Das Ziel scheint klar: Weniger regionale Strukturen, mehr zentrale Kontrolle und ein klarer Fokus auf digitale Inhalte. Für Europa bedeutet das vor allem eins: den Verlust von Präsenz, Jobs und Einfluss.
Ob sich dieser Kurs langfristig auszahlt oder am Ende doch rächt, weil Nähe zum Markt und regionale Expertise fehlen, bleibt abzuwarten. Klar ist nur: Xbox wird in Zukunft anders aussehen – schlanker, zentralisierter, aber womöglich auch entfernter von den Spielern vor Ort.
Braucht Xbox überhaupt noch regionale Strukturen in Europa? Oder ist der digitale Kurs unausweichlich – und sinnvoll?



