TEST: FIFA 22 – Jetzt mit HyperMotion Antrieb

Nur zwei Dinge auf dieser Welt sind uns sicher: Der Tod und die Steuer. Unserer Ansicht nach könnte noch eine dritte Komponente hinzugefügt werden: ein jährlicher Ableger von EAs Goldgrubenreihe „FIFA“. Mit der Version der Saison 2021/2022, oder kurz FIFA 22, bekommen wir auch den ersten, vollwertigen Ableger für die Next-Gen Konsolen präsentiert, der sich auch in gewisser Hinsicht von der Version für die Last-Gen abhebt. Aber reicht das, um erneut in die Marke zu investieren, und um die Spieler zu überzeugen?

Zwei-Konsolen-Gesellschaft

Während in FIFA 21 die Versionen von PS4 und PS5 nahezu identisch waren, müssen Spieler der diesjährigen PS4-Version auf die wesentlichen Verbesserungen verzichten, denn in deren Genuss kommen nur Spieler der neuen PS5-Variante. Das bezieht sich sowohl auf die grafischen als auch auf die Gameplay Elemente. Einzig die Ausstattung an Spielmodi und Lizenzen sind identisch. Auch das Upgrade, wie wir es im letzten Jahr erhalten haben, ist in diesem Jahr nur unter bestimmten Bedingungen und in gewissen Versionen möglich. Wir beziehen uns in diesem Test daher vor Allem auf die Next-Gen-Version.

fifa 22 ps5

Gehypte Motion & Machine-Learning

Bereits im Vorfeld wurde viel über die sogenannte HyperMotion-Technologie berichtet. Als beinahe bahnbrechend wurde sie bezeichnet und sollte für mehr Realismus, ein ausgewogenes Gameplay und eine ansprechende Leistung auf dem Platz sorgen. Für alle, die nicht wissen, was sich hinter der Technik versteckt, eine kurze Zusammenfassung: Bisher wurden einzelne Schauspieler in Motion Capturing-Anzüge gesteckt und sollten gezielt einzelne Situationen nachspielen, die dann ins Spiel übertragen wurden. Bei HyperMotion spielen 22 Profis in der realen Welt mehrere Partien gegeneinander und werden dabei von Kameras aus allen möglichen Perspektiven erfasst und digitalisiert. 

Laut EA ergeben sich damit über 4.000 neue Animationen, die den Weg ins Spiel gefunden haben. Sie sehen darüber hinaus wesentlich authentischer und flüssiger aus, und eröffnen ganz neue Möglichkeiten, egal ob in der Offensive, oder in der Defensive. 

Hinzu kommt eine „Machine-Learning“- Komponente, die dafür sorgt, dass di KI unsere Aktionen auf dem Platz analysieren, Muster erkennen und diese in ihre Berechnungen mit einbeziehen. Beide Mechanismen führen dazu, dass der Spielablauf auf der einen Seite entschleunigt wird, auf der anderen Seite aber auch kontrollierter und anspruchsvoller wird. Ebenfalls erneuert wurde die Torhüter-KI, die nun wesentlich schwerer zu überwinden sind, manchmal sogar etwas zu sehr, außer bei angeschnitten Schüssen von außerhalb des 16ers, die in 99 Prozent der Fälle versenkt werden können. Hier scheint noch etwas Feintuning notwendig zu sein. 

Insgesamt macht das Gameplay auf dem Platz einiges her und macht in der Version von FIFA 22 einen ansprechenden, realistischeren Eindruck. Wir bekommen in der Next-Gen-Version ein paar ansprechende Verbesserungen geboten, die für ein tolles und gelungenes Spiel sorgen. Die HyperMotion und das Machine-Learning machen einen tollen Job und sind ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Schade, dass die Last-Gen-Version nicht in den Genuss der Neuheiten kommt. Hier und da scheinen noch ein paar Veränderungen und Anpassungen im Balancing notwendig zu sein, dennoch bekommen wir auch jetzt schon etwas geboten, dass viel Spaß macht und uns langfristig unterhalten kann.

fifa 22 hypermotion

Verlorene Lizenzen

EAs Fußball-Ableger hat den einen großen Wettbewerbsvorteil: Lizenzen. Allerdings musste EA hier in der Vergangenheit einige Federn lassen. Nachdem letztes Jahr schon Juventus Turin und AS Rom verloren gegangen sind, muss man dieses Jahr auf noch mehr Lizenzen verzichten: neben Atalanta Bergamo verliert EA in diesem Jahr die Lizenzen für 17 verschiedene Nationalmannschaften, darunter die Schweiz, die Türkei, Peru, Chile und Uruguay. In den nächsten Jahren dürften noch einige mehr dazu kommen, oder besser gesagt wegfallen, was wohl auch der Grund dafür ist, dass EA allem Anschein nach den Titel der Reihe umändern möchte (wir berichteten).

Nichtsdestotrotz besitzt FIFA 22 noch immer einige der wesentlichen Lizenzen und Namen, gerade der großen Ligen wie der englischen Premier League oder der Bundesliga. Dazu kommen die großen Wettbewerbe Champions League und der Euroleague, die einen großen Einfluss auf das Spiel haben.

Neue/alte Modi

Unter anderem auf die verschiedenen Modi im Spiel. Insgesamt hat sich hierbei nicht viel zum Vorgänger verändert. Im Wesentlichen bekommen wir die gleichen Modi wie schon in FIFA 21 präsentiert, müssen aber auf den Storymodus „The Journey“ verzichten. Dafür scheint einer von den Toten wieder auferstanden zu sein: der Create-a-Team-Modus ist wieder im Spiel, den wir zuletzt in FIFA 15 gesehen haben. Hier erstellen wir unseren eigenen Verein komplett selbst, angefangen beim Design von Trikot, Wappen und Stadion, bis hin zur Kaderplanung samt Vertragsverhandlungen etc. Wir finden in diesem Modus viel bekanntes vor und fühlen uns gleich heimisch. Dafür ein großen Dank an EA.

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Angepasst wurde auch der VOLTA-Modus, FIFAs EA-Street Sparte. Neben kleinen Anpassungen wie der Einführung von Super-Fähigkeiten und einer sich durch Tricks füllenden Super-Anzeige, mit der wir auf einen Schlag bis zu drei Tore erzielen können, wurde auch ein Arcade-Modus integriert. In diesem können wir in verschiedenen Minispiel-Serien lustige Modi spielen, wie etwa Fußballtennis, wodurch VOLTA immer mehr zum Spaßmodus wird. Für Zwischendurch ist eine Partie VOLTA bestimmt sehr ansprechend, langfristig fehlt es aber an echter Motivation.

fifa 22 stadien

Die FUT-Melkkuh darf nicht fehlen

Es wäre kein richtiges FIFA, ohne das Ultimate-Team. Bei FUT hat EA in diese Jahr einige Dinge verändert, so bekommen wir in den zu kaufenden Packs weiterhin Vorschau-Packs geboten. Gefällt uns die Vorschau nicht, müssen wir 24 Stunden warten, bevor wir die nächste Vorschau zu Gesicht bekommen. Alles in allem zeigt sich aber auch in diesem Jahr wieder einmal, dass der Geldbeutel leider doch nicht ganz unwesentlich dabei ist, ob wir gewinnen oder nicht. Bereits in der ersten Woche hatten wir es mit Teams mit Icons oder Ronaldo und Mbappe zu tun, was sich in der nächsten Zeit noch verschlimmern dürfte. So machen Onlinespiele einfach keinen Spaß.

Immerhin hat EA ein wenig an den Abläufen der Modi gearbeitet. So kann man zwar weiter in den Divisions aufsteigen, allerdings nicht mehr durch Niederlagen absteigen, denn dafür gibt es diesmal Checkpoints, die einen während der laufenden Season auf Stand halten. Hinzu kommen Milestone Awards, die man bekommt, wenn man genug Spiele absolviert hat. Darüber hinaus wurde die Weekend League überarbeitet und nennt sich jetzt nur noch FUT Champions. Hier können wir einsteigen, sobald wir wieder 1.500 Championspunkte gesammelt haben. Daraufhin haben wir neun Spiele Zeit, von denen wir genug gewinnen müssen, um uns für die Finals zu qualifizieren. Zwar bekommen wir auch so eine Belohnung, die dicken Fische warten aber erst in den Finals. Wirklich ansprechend ist das ganze nicht, dafür sind wir jetzt aber auch nicht mehr das ganze Wochenende an die Konsole gefesselt, bekommen die Belohnung sofort und können direkt in die neue Runde einsteigen, wenn wir genug Punkte haben. Ganz überzeugen kann uns das neue Konzept allerdings noch nicht, dafür sind die Belohnungen in den unteren Rängen zu ernüchternd.

fifa 22 grafik

Next-Gen Grafik?

Auch grafisch macht FIFA 22 einiges her. Die Figurenmodelle wurden ein wenig weiter aufgehübscht und auch die Animationen rund ums Spiel wurden verschönert. Es bekommen wir Einlaufkinder, Hymnen, verbesserte Fan-Animationen und noch viel mehr, was eine rundum gelungene Stadionatmosphäre entstehen lässt. Allerdings gibt es nicht allzu viele Abweichungen zum Vorgänger, dafür sah das Spiel letztes Jahr auch schon gut genug aus aktuell.

TEST: FIFA 22 – Jetzt mit HyperMotion Antrieb

“Eines können wir diesmal tatsächlich über FIFA 22 sagen, ohne zu lügen: Es hat sich tatsächlich was zum Vorgänger verändert, auch wenn wir hier nicht von bahnbrechenden Neuheiten sprechen können. HyperMotion und Machine-Learning sorgen dafür, dass wir ein ansprechendes, neues Gameplay geboten bekommen, das viel Freude bereitet und die Spiele wieder etwas realistischer herrüberbingt. Darüber hinaus machen die neuen und überarbeiteten Modi eine Menge Freude, auch wenn sie nicht unbegrenzt begeistern können. Interessant sind auch die Anpassungen an FUT, von denen wir allerdings nicht vollumfänglich überzeugt sind. Hier darf man auch nicht vergessen, dass wir hier unser Geld lassen sollen, um bessere Teams zu erstellen. Klar, dass EA hier versucht uns etwas zu frustrieren, damit wir tief in unsere Taschen greifen, aber genau dafür wurde FUT ja auch gemacht.

Alles in allem macht FIFA 22 nach wie vor einen gelungenen Eindruck, wie wir ihn kennen und schätzen. Je nach Talent schaffen wir es auch, in FUT einige Erfolge zu feiern, ohne EA noch mehr Geld hinterherzuwerfen, denn haben wir nicht genug Talent, kehren wir dem Titel entweder den Rücken, oder wir investieren. Wir jedenfalls sind zufrieden mit dem Spiel, freuen uns auf einige ansprechende Matches und hoffen, dass EA den Titel jetzt nicht kaputt patchen wird.”

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