TEST: Digimon Story: Cyber Sleuth – Digitierende Duellanten

In mittlerweile über 15 Jahren brachte es das Digimon Franchise auf allerlei unterschiedliche Produkte und bediente so zahlreiche Fans der digitalen Monster. Nachdem die Digimon, Ende der 90er Jahre, ihre ersten Auftritte in Form von kleinen, tamagotchiartigen Taschencomputern und in Mangas hatten, folgten sehr schnell Film-, Serien- und auch Videospieladaptionen.

Während besonders die Digimon-TV-Serie eine große Fangemeinde aufbaute, traf dies für die Videospiele fast ausnahmslos nicht zu. Speziell die Auftritte auf der Ur-PlayStation und der PlayStation 2 waren ziemliche Enttäuschungen. So mag dies, neben anderen Faktoren, auch ein Grund gewesen sein, warum man sich, gegen die mit zumeist erstklassigen Spieleadaptionen aufwartenden Pokémon, nicht behaupten konnte.

Sicher sprachen beide Marken, mit ihrer Mischung aus TV-Tradingcards-Videospiel-Kinderbespaßung, im Großen – und Ganzen die gleiche Zielgruppe an…nämlich mich….jetzt….mit fast 36!!! Spaß beiseite – beide Marken richteten sich vornehmlich an das junge Publikum. Während Nintendo jedoch mit seinen Pokémon noch immer allgegenwärtig scheint, verblasste der einstige Glanz der Digimon über die Jahre ein wenig.

Ein gute Gelegenheit also, die Digimon mit einer leichten Neuausrichtung und einem gelungenen Videospiel wieder in die Gedächtnisse potenzieller, gerne auch reiferer Interessenten zurückzurufen. Und ich kann schon vorab sagen, an Bandai Namco’s aktuellstem Beitrag zum Franchise sollte ein solches Unterfangen nicht scheitern, denn Digimon Story: Cyber Sleuth ist ein richtig gutes Spiel geworden.

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Biederer-Anfangmon digitiert zu Besserer-Mittelteilmon …

Bevor euch das Spiel die Obhut über mehr als 200 zu ergatternde Digimon anvertraut, dürft ihr euch erstmal zwischen zwei Protagonisten-Varianten entscheiden. Der eine oder andere ahnt hierbei schon inwieweit sich die beiden Charaktere unterscheiden – richtig, es handelt sich zum einen um einen stylischen Rotschopf in der Variante -Mann- und zum anderen um dessen weibliches Pendant. Die Namenswahl steht euch zudem ebenfalls frei, damit hat es sich aber auch schon mit der Charaktergestaltung.

Egal für wen ihr euch entscheidet, es blüht euch das Schicksal eines digitalen Körpers in der realen Welt, denn durch eine erste Begegnung mit einem sogenannten „Eater“ in der virtuellen Realität „Eden“ erleidet ihr akute Körperlosigkeit und geht fortan als eine Art digitales Duplikat euer selbst durch die Welt. „Eden“ und „Eater“, was soll das denn sein, fragt ihr euch – nun ja, die Menschen in der Welt von Digimon Story: Cyber Sleuth sind bereits dort angelangt, wo wir -vielleicht- noch hinwollen. Der realen Welt entfliehend, treffen sie sich in einer Art virtuellen Realität namens „Eden“ um dort zumeist genau das zu tun, was sie auch in der realen Welt tun könnten, nämlich „rumstehen“. Viel aktiver sind die meisten NPC in Digimon Story: Cyber Sleuth nämlich nicht. Leider wird es hier versäumt dem Spiel ein wenig mehr Atmosphäre anheim werden zu lassen. Nicht „rumstehend“ sondern deutlich agiler zeigt sich unser Held, welcher zusammen mit seinen „Forums-Bekannten“ einigen Mysterien der „Eden“ Welt auf den Grund gehen will. Denn dort ist, trotz stetig gutem Wetter, eben nicht alles eitel Sonnenschein. So treiben Hacker ihr Unwerk, der Großkonzern hinter „Eden“ scheint suspekt, es tauchen Geister auf, Dinge in der digitalen Welt nehmen Einfluss auf die reale Welt, einige Menschen leiden gar unter dem sogenannten „Eden Syndrom“, bei welchem noch zu klärende Umstände in der Cyber-Welt Auswirkung auf das Gehirn der Betroffenen zu haben scheinen.
Im Zuge von ersten Ermittlungen in „Eden“ wird unser Protagonist von einem bösen Programm, eben einem der bereits erwähnten „Eater“, berührt und findet sich danach in einem digitalen Körper in der richtigen Welt wieder – er ist quasi „digital disabled“ (warum ist da keiner der Spielemacher drauf gekommen).

Eben jener Körper verschafft ihm aber auch Vorteile. So kann er sich ohne Umschweife von der realen Welt in die gigitale Welt begeben. Dieses Talent nutzend, wird er von einer Detektivin namens Kyouko Kuremi, welche sich auf Cyber-Kriminalität spezialisiert hat, als Assistent engagiert und von hier an beginnt sich die Story behebig zu entfalten. Bereits nach kurzer Zeit jedoch verzweigt sich die Geschichte. So löst ihr in Haupt- und Nebenmissionen Aufträge für die Detektei, jagt mutmaßliche Geister und geht Problemen mit Handys, Klimaanlagen und so weiter, sowohl in der digitalen als auch der realen Welt auf den Grund.

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In einem anderen Story-Strang untersucht ihr das „Digital Shift“ Phänomen, bei dem Teile Tokyo’s, wo das Abenteuer spielt, mit der digitalen Welt zu verschmelzen scheinen. In wieder anderen Story-Teilen helft ihr eurer Bekannten namens Nokia bei deren Problemen und unterstützt die Tochter des ehemaligen Chefs der Kamishiro Enterprise, Entwickler von „Eden“, bei der Klärung der Umstände des Todes ihres Vaters und infiltriert hier nebenbei die genannte Firma.

Meines Erachtens nach stellt die Story eine der großen Stärken von Digimon Story: Cyber Sleuth dar, da sie, trotz zähem Einstieg, unterhält, selbst in Nebenmissionen spannend bleibt und das Spiel über die gesamte Spieldauer von ca. 50 Stunden trägt.

Da steckt der Mix im Digivice …

In Sachen Gameplay dürfte dem J-RPG erfahrenem Spieler einiges bekannt vorkommen. Wie zum Beispiel in der Persona-Serie trennt Digimon Story: Cyber Sleuth strikt zwischen Aktivitäten in der realen Welt und den Dungeons, welche hier in der digitalen Welt liegen. Leider kann das Spiel seine PlayStation Vita Abstammung nicht verbergen und so sind beide Örtlichkeiten recht Trist. Auch wenn ihr zum Teil reale existierende Örtlichkeiten Tokyo’s besuchen könnte -hierzu zählen u.a. Shinjuku und Akihabara- wirken NPC’s wie Teile der Kulisse und diese selbst zumeist uninteressant und steril.

Anders sieht es hier schon bei der musikalischen Untermalung aus. Hier erkennt man schnell die Feder von Masafumi Takada, welcher sich u.a. für den Sound bei der Visual Novel Dangangronpa verantwortlich zeigt. Schwerlich sind hier Ähnlichkeiten zu verbergen. Bezüglich der Sprachausgabe muss man sich mit Japanisch begnügen – zudem sind auch längst nicht alle Gespräche vertont und der Protagonist selbst bleibt ohnehin gänzlich still. Wenig Freude wird man auch mit dem Spiel haben, wenn man sich schwer mit englischen Untertiteln tut, denn eine optionale deutsche Verschriftung dieser gibt es nicht. Der eine oder andere mag dies als Minuspunkt sehen – ich persönliche bevorzuge die vorliegende Variante, auch wenn ich das grundlegende Fehlen anderer Optionen als negativ ansehe.

In den Dungeons bewegt ihr euch mit eurer wachsenden Gruppe von Digimon und geratet in Rundenkämpfe mit feindlich gesinnten digitalen Monstern. Wer Freund von „Random Encountern“ ist, darf sich glücklich schätzen, denn ohne die Möglichkeit Kämpfen auszuweichen, trifft man in den Dungeons fortwährend auf – leider zumeist viel zu leichte – Gegner.

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Die Kämpfe selbst laufen strikt rundenbasiert ab. Anhand einer Leiste am rechten Bildschirmrand könnt ihr erkennen, wann welches Digimon an der Reihe ist. Ihr setzt unterschiedliche Fähigkeiten und körperliche Attacken ein, verteidigt oder nutzt Items – alles wirkt bekannt. Auch die üblichen elementarabhängigen Stärken und Schwächen (siehe Pokémon und gefühlt jedes zweite J-RPG) sind hier mit an Bord. Das ist nicht schlimm – gewinnt aber auch keinen Innovationspreis. Letztlich bleibt zum Kampfsystem zu sagen, dass man es schnell verstanden hat und es trotz, auch im „hard modus“ oft zu leichter Gegner, bis zum Ende des Spieles spaßig bleibt.

Wer Wind sät, wird Sturm ernten …

Kommen wir letztlich zum großen Highlight des Spieles – den Digimon.

Wie bereits erwähnt, könnt ihr über 200 von ihnen entdecken und mit in die Schlacht nehmen. Durch Kämpfe gewinnen – übrigens auch die auf der Reservebank sitzenden Digimon – an Erfahrungspunkten, wodurch sie im Level steigen und letztlich zu stärkeren Formen digitieren können. Habt ihr euch mal für eine Digitation entschieden, die später nicht mehr gefällt, so könnt ihr das entsprechende Digimon auch wieder „de-digitieren“. Hierbei sollte man lediglich beachten, dass jede neue Digitation das Level des betreffenden Monsters auf 1 zurücksetzt.
Jene Digimon, die ihr nicht mit in den Kampf nehmt, können entweder in der „Bank“ verweilen oder besser auf der „Digi Farm“ leben. Hier verteilt ihr Aufträge an eure Digimon, wodurch sie zum Beispiel im Level aufsteigen. Neben den Kämpfen in der Story, könnt ihr eure Digimon zudem auch online gegen die anderer Spieler antreten lassen. Wie ihr seht, gibt es neben der eigentlichen Story eine Menge an Nebenaktivitäten, welche das Spiel sinnvoll ergänzen und auch für sich alleine zu unterhalten wissen.

Entwickler: Media.Vision
Publisher: Bandai Namco
Release: erhältlich
Offizielle Homepage: www.bandainamcoent.com

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TEST: Digimon Story: Cyber Sleuth – Digitierende Duellanten
„Digimon Story: Cyber Sleuth hat mich in vielen Hinsichten überzeugt. Wenngleich die Grafik auch auf der PS4 ihre Vita-Herkunft nicht verbergen kann und das Gameplay selbst an bekannte Genre-Vertreter angelehnt ist und alles gut aber nichts besonders herausragend oder anders macht, so hat mich das Spiel dennoch sehr unterhalten, was nicht zuletzt an den Digimon selbst, sowie den vielen anderen, unterhaltsamen und teils herrlich überdrehten Charakteren liegt, die die ohnehin gute Geschichte von Digimon Story: Cyber Sleuth noch bereichern. Bleibt zu hoffen, dass Digimon Story: Cyber Sleuth weitere, gleichermaßen unterhaltsame Ableger, sowohl als Videospiel als auch in Form von TV-Ablegern folgen, damit jenes 90er Phänomen auch weitere Generation begeistern kann.“
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