TEST: Bound by Flame – Der Dämon in dir

Action-RPG’s gibt es viele. Jedes davon hat seine eigenen Besonderheiten. Die einen legen den Fokus auf das Kampfsystem, die anderen auf den Ausbau der Fertigkeiten oder auf das Sammeln von Rohstoffen.

„Bound by Flame“ hat also viele Vorbilder, an denen sich das Team von „Spiders“ und „Focus Home Interactive“ orientieren konnte. Und genau das hat man auch gemacht und von jedem Merkmal etwas mit einfließen lassen. Aber kann sowas gut gehen, oder ist das Ergebnis nichts Halbes und nichts Ganzes?

Die Geschichte des Titels ist schnell erzählt: Die Welt wurde von einer riesigen Zombiearmee unter dem Kommando nekromantischer Eisfürsten in weniger als 100 Jahren erobert. Nur einige kleine Gebiete und Gruppen leisten erbitterten Widerstand, wie die Söldnergruppe „Freie Klingen“, der auch unser Protagonist „Vulcan“ angehört. Gemeinsam mit seinen Kameraden begleitet er den Orden der „Roten Weisen“, die in einem alten Tempel ein geheimnisvolles Ritual durchführen wollen. Leider geht dies schief und ein Dämon nistet sich in Vulcans Körper ein, der ihn mit zusätzlicher Feuermagie ausstattet. Mit diesen neuen Kräften zieht die Gruppe in die Schlacht, um die Welt von ihrer Unterdrückung zu befreien.

Gameplay und Steuerung

Auf der Reise arbeitet man sich durch verschiedene, linear aufgebaute Ebenen, zwischen denen wir frei hin und her reisen können. Schnell wird die angezeigte Karte zu einer wertvollen Verbündeten, denn bei der Vielzahl an Quests, die es teilweise zeitgleich von Vulcan zu bewältigen gilt, kann man schon mal schnell den Überblick verlieren. Auf dem Weg zum Ziel warten zahlreiche unterschiedliche Feinde auf uns, denen man mit „martialischen Skills“ und einem großen Breitschwert oder auf dem „Weg des Schattens“, bewaffnet mit zwei Messern, entgegentreten kann. Allerdings tun sich hier drei gravierende Probleme auf:

1. sind die Feinde viel zu stark, denn trotz bester Bewaffnung schaffen es auch die kleinsten Gegner, Vulcan mit wenigen Schlägen auszuschalten. Das mag man als Herausforderung sehen, spiegelt jedoch eher die unverhältnismäßigen Kräfte der Feinde wieder, die häufig zu großen Frustmomenten führen.

2. sollte der Kampfstil „Weg des Schattens“ eher durch Schleichen und lautloses Ausschalten geprägt sein. Hier ist es allerdings der Fall, dass man nur einen stärkeren, verdeckten Angriff laden darf, bevor der „normale“ Kampf automatisch startet. Andere Spiele, wie etwa „Skyrim“, gehen hier deutlich durchdachter vor.

3. sind manche Gegner einfach nur dämlich. Bogenschützen etwa kommen so nah an einen herangelaufen, dass man sie schon fast mit seinem Schwert attackieren kann, während andere Feinde ausnahmslos dasselbe Muster anwenden und man einfach nur immer wieder zum richtigen Zeitpunkt ausweichen muss.

Bei solchen Problemen helfen auch die Kameraden, von denen jeweils nur einer direkt an unserer Seite kämpfen kann, nicht wirklich weiter, sondern betreiben eher Schadensbegrenzung. Jeder Gefährte besitzt dabei sein eigenes Spezialgebiet, ist Heilerin oder Schwertkämpfer, und kann dadurch an Sieg oder Niederlage maßgeblich beteiligt sein. Unsere Mitstreiter können zudem mit verschiedenen Befehlen auf die aktuelle Situation abgestimmt, etwa mehr auf den Fernkampf ausgerichtet oder zum Heilen abgestellt werden. Schade ist jedoch, dass der Charakter hinter den Fertigkeiten zu sehr verloren geht, denn eine wirkliche Beziehung zu den Figuren wird kaum aufgebaut. Hier wäre mehr Potential für die Story und die Atmosphäre drin gewesen.

Wenn wir gerade einmal nicht damit beschäftigt sind, uns durch einen Haufen Feinde zu schlagen, stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, sich anderweitig zu beschäftigen. So kann man sich mit verschiedenen NPC’s unterhalten, etwas über die Spielwelt Vertiel erfahren, neue Aufgaben aktivieren oder Handel betreiben. Schade nur, dass dabei weniger ein Dialog als ein stumpfes Frage-Antwort-Spiel entsteht, bei dem die verschiedenen Antworten kaum zu erkennbaren Folgen führen. Auch hier wäre mehr zu holen gewesen.

Überall am Wegesrand stehen Fässer oder Steinhaufen, in denen sich verschiedene Rohstoffe finden lassen. Mit diesen können neue Tränke hergestellt oder Verbesserungen für die eigenen Waffen erreicht werden, um so besser für die nächsten Gefechte gewappnet zu sein. Dieses System ist relativ einfach gehalten und schafft es, durch seine schnelle Beherrschung positiv zu überzeugen.

Wie es sich für ein Rollenspiel gehört, ist der Grad der individuellen Entwicklung des Charakters ein wichtiger Faktor. „Bound by Flame“ versucht hier mit verschiedenen Mitteln zu bestehen. Bereits zu Beginn können Aussehen, Geschlecht und Name der Figur angepasst werden. Blöd nur, dass die Figur in sämtlichen folgenden Dialogen dennoch „Vulcan“ und „er“ genannt wird, selbst wenn die Figur eigentlich die weibliche Maxima Mustermann ist. Eine leicht verwirrende Tatsache, die wohl nicht ganz zu Ende hedacht wurde.

Des Weiteren kann Vulcan -oder wie man ihn/sie auch nennen mag- mit verschiedenen Schwertern, Äxten, Armbrüsten oder Rüstungen ausgestattet werden. Diese haben maßgeblichen Einfluss auf die Stärke, die Gesundheit und mögliche Resistenzen gegen Gift oder Magie. Auch die Geschwindigkeit wird beeinflusst, denn je voller die Taschen sind, umso mehr Gewicht wirkt auf den Körper ein. Hier ist gutes Planen und Haushalten angesagt, denn der Platz und die maximale Last sind begrenzt! Da müssen schon mal ältere Gegenstände verkauft oder für neue Rohstoffe recycelt werden, natürlich alles im Sinne der Umwelt. Daumen hoch!

Zu guter Letzt gibt es auch noch den RPG-typischen Fertigkeitenbaum. Nach jedem Levelaufstieg stehen drei Fertigkeitspunkte zur Verfügung, mit denen die beiden Kampfstile und die Feuermagie weiter ausgebaut werden können. Dadurch werden immer wieder neue bzw. stärkere Angriffe oder schnellere Bewegungen freigeschaltet, die im Kampf durchaus hilfreich sein können.

Alles in allem machen Gameplay und Steuerung einen soliden Eindruck. Die Steuerung ist leicht zu verstehen, die Anpassungsmöglichkeiten völlig ausreichend und auch das Herstellungs-System von Tränken oder Ausrüstungen ist gut anwendbar. Dem entgegen stehen allerdings die unfassbar starken Gegner, bei denen es kein Wunder ist, dass sie die Welt erobert haben, das schlechte Schleichsystem und die Tatsache, dass Vulcan – Vulcan bleibt, egal welche Voreinstellungen gewählt wurden.

Grafik, Sound und Atmosphäre

Rollenspiele leben in der Regel davon, wie der Name auch eigentlich schon vermuten lässt, dass man tief in die Rolle seiner Figur und in deren weitläufige Welt eintaucht. In „Bound by Flame“ ist dies nur bedingt gelungen. Das liegt nicht nur an den bereits erwähnten Problemen der Individualität und der Beziehung zu den Kameraden.

Beginnen wir mit der Grafik, an der es eigentlich wenig auszusetzen gibt. Die Umgebungen ähneln sich zwar alle sehr, wurden dabei allerdings einigermaßen detailliert inszeniert und können überzeugen. Ein grafisches Meisterwerk darf man allerdings nicht erwarten. Hier und da kommt es auch leider immer wieder zu Fehlern, bei denen einem plötzlich ganze Büsche durch das eigene Bein wachsen, platt oder gar plastisch und unnatürlich aussehen .. sieht nicht immer besonders schön aus, kann allerdings noch verkraftet werden. Es bleibt aber auch ein wenig das Gefühl zurück, dass die spontane Umsetzung auf der PlayStation 4 hinter den Möglichkeiten der Konsole zurückbleibt. Als reiner Next-Gen Titel, hätte man hier sicherlich noch mehr beeindrucken können.

Auch die Charaktermodelle und die Darstellungen der Feinde wurden gut umgesetzt, besonders auf die Gesichter scheint ein hoher Wert gelegt worden zu sein. Alles in allem gelungen, auch wenn der Kreativität hier und da vielleicht etwas zu viel Freilauf gelassen worden ist. Besonders die Zwischensequenzen und weitläufigeren Landschaften sehen gut aus und runden das Gesamtbild damit stimmungsvoll ab.

Ein großes Manko liegt im Aufbau und der Umsetzung von Unterhaltungen. Besonders die schlechte Synchronisation in Deutsch fällt hier aus der Rolle, die sich häufig gestellt anhört und nicht nach einem natürlichen Gespräch. Dadurch geht eine Menge der Atmosphäre verloren. Gut gelungen hingegen ist der Wechsel der Tageszeiten. Dieser wirkt sich auch auf das Spiel aus, denn nachts wird man erst später von Feinden gesehen und manche erscheinen überhaupt erst Nachts. Eine tolle Idee, die gut umgesetzt worden ist.

Alle Handlungen werden vom passenden Sound untermalt. Dieser ist jedes Mal gut auf die Situation abgestimmt und drängt sich dabei nicht zu sehr in den Vordergrund. Auch die Geräusche, wie etwa von aufeinander prallenden Klingen oder zerbrechenden Kisten, fügen sich gut in das Spiel ein.

Eigentlich schade, dass die Story bei so guten Voraussetzungen doch irgendwie auf der Strecke bleibt, denn die Geschichte ist schon so oft erzählt worden, dass man sie auswendig mitsprechen kann. Noch dazu kommt, dass Entscheidungen, die man im Laufe der Zeit trifft, keine direkt spürbaren Folgen auf das Spiel haben. Die einzig wirklich auffällige Veränderung findet sich an Vulcan selbst, denn der Dämon, der in ihm wohnt, verlangt für zusätzliche Stärke Vulcans Seele. Hier unterscheidet sich das Spiel auch am meisten von anderen und rettet damit viel, denn je mehr man sich dem Dämon hingibt, umso deutlicher zeigt sich dies auch an Vulcans Erscheinungsbild, etwa durch brennende Körperteile. Auch die Fertigkeiten werden beeinflusst, denn entweder gibt man sich hin und steigert seine magischen Kräfte, oder verzichtet und die physische Kraft verbessert sich. Das war es aber auch schon an weitreichenden Entscheidungen. Hier hätte man sich mehr gewünscht. Immerhin schaffen es die zahlreichen Neben-Quests, den Spieler ein wenig mehr zu fordern und immer wieder zu überraschen.

Fasst man alles zusammen, kann man die Atmosphäre als durchaus gelungen bewerten. Grafik und Sound wirken stimmig auf das Spiel ein und vermitteln ein wirklich gutes Gefühl dabei. Schade nur, dass man keine starke Bindung zu den Figuren oder der Story aufbauen kann, denn dadurch geht wieder unnötig Atmosphäre verloren.

Entwickler: Spider Studios
Publisher: Focus Home Interactive / Deep Silver
Release: 09. Mai 2014
Offizielle Homepage: www.boundbyflame.com

[asa]B00IN1JUG8[/asa]

TEST: Bound by Flame – Der Dämon in dir
„Bound by Flame ist der erste Versuch, Action-RPG’s auf die Next-Gen-Konsolen zu bringen und das ist damit auch gut gelungen. Wenn man von kleineren Mankos absieht, schafft es das Game durchaus zu überzeugen und auch für eine längere Zeit zu binden. Einzig und alleine das Fehlen von weitreichenden Entscheidungen und die schlechte Synchronisation stoßen sauer auf. Alles in allem ist es aber einfach ein gutes Spiel, dass uns die Wartezeit auf die wirklich großen Titel verkürzen kann.“
7.4
TAGGED:
Share this Article
1 Comment
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
Checkbox
1 Kommentar
Newest
Oldest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
1
0
Dein Kommentar dazu interessiert uns!x
()
x