TEST: Doki-Doki Universe – Von Robotern, fliegenden Schweinen und einer kleinen Reise ins Ich!

Blickt man auf die Spielebranche und deren Entwicklung in den letzten Jahren, so kann man unschwer erkennen, dass sogenannte -Indie Games- sehr angesagt sind. So gilt es als trendy und schicklich, kreativen und zugleich unabhängigen Entwicklern, eine Bühne für ihre Produkte zu bieten. Das haben mittlerweile sämtliche großen Player im Konsolengeschäft verstanden.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass vermeintlich „nischige“ Spiele, welche das Ergebnis ambitionierten Wirkens kleiner Entwicklerteams darstellen, zwar nicht unbedingt die Popularität großer Triple-A Titel einheimsen, aber dennoch gerne als „Blickfang“ und ideenreicher Eye-Catcher auf den großen Bühnen der Games-Branche, dem breiten Publikum angepriesen werden. So stellte auch die E3 2013 eben jene Bühne für zahlreiche Indie Games dar – eines davon war Doki-Doki Universe, welches schon in ersten Trailern vor augenscheinlicher -Kreativität- nur so strotzte.

Ob Doki-Doki nun Oki-Doki oder doch nur künstlerisches Blendwerk ist, erfahrt ihr in meinem Test. Das Team der Human Nature Studios um deren kreativen Kopf, Greg Johnson, hat sich, und das erkennt man bereits nach wenigen Minuten des Spielens, eine Menge vorgenommen.

So wirkt es, als wolle man sich nicht damit begnügen, den Spieler einfach zu unterhalten, nein vielmehr scheint Doki-Doki Universe einen Meta-Plan zu verfolgen – und ihr seid dabei die Projektteilnehmer. Allgegenwärtig bröckelt der Putz von der -Vierten Wand- und starke Risse werden sichtbar, sobald man Fragen beantwortet, auf derer Grundlage ihr augenscheinlich analysiert werdet. Doch ich greife zu weit vor – also worum geht es bei Doki-Doki Universe eigentlich?

Ihr schlüpft in die Rolle des kleinen Roboters QT377665, kurz QT3. Dieser wird von seiner menschlichen Familie auf einem einsamen Planeten ausgesetzt. Ganz alleine ist er dabei nicht, teilt doch ein sprechender, roter Luftballon sein Schicksal. Anders in Daniel Defoe’s wunderbarem Roman „Robinson Crusoe“, hat unser kleiner Roboter jedoch keinerlei Ambitionen seinem Exil aus eigener Kraft zu entkommen. Vielmehr fügt er sich in sein Schicksal und mit treudoofem Blick in den Himmel gerichtet, verharrt QT3 über 30 Jahre auf dem kargen Felsklotz, voller Hoffnung auf die Rückkehr seiner Familie.

Diese erscheint zwar nicht, doch findet ein Alien mit dem zeitgemäßen Namen „Jeff“ den Weg zu euch. Jeff klärt euch folgend über den status quo eurer „Produktionsreihe“ auf. So zeige diese ein Mindermaß an Menschlichkeit, was bedinge, dass sämtliche, gleichgeartete Roboter verschrottet werden sollen. Jeff will euch netterweise dieses Schicksal ersparen und so ist es alsbald euer Ziel, menschliche Eigenschaften spielerisch zu erforschen, zu verstehen und somit vielleicht der Verschrottung zu entgehen.

Startpunkt der folgenden Odyssee ist hierbei euer -Heimatplanet-. Hier trefft ihr zum Einen auf euren alten Freund, den „Roten Ballon“, als auch auf einen wunderlichen Mann im weißen Kittel. Die Aufgabe dessen erklärt sich bereits durch seinen Namen und so wird -Dr. Therapeut- zum Dreh- und Angelpunkt einer der wichtigsten Spielmechaniken von -Doki-Doki Universe-, nämlich den Persönlichkeitstests bzw. derer Auswertung. Hierzu jedoch mehr an späterer Stelle.

Von eurer neuen Heimat aus startend, erforscht ihr von nun an das Universum mit seiner Vielzahl an unterschiedlichen Welten und Asteroiden. Eben jene Welten, respektive Planeten, thematisieren hierbei jeweilig unterschiedliche, menschliche Charakteristika. Ihr werdet also folglich mit Geschichten um u.a. Eifersucht, Vorurteile und wahre Liebe unterhalten. Kurz nach QT3’s Landung auf dem jeweiligen Planeten, bekommt ihr eine kleine thematische Einweisung durch den werten Jeff. Die Welten sind in ihrer Ausgestaltung sehr unterschiedlich und so bereist ihr unter anderem Unterwasser-, Wüsten- und Horrorwelten. Wie erwähnt, spielen sich auf den jeweiligen Planeten unterschiedliche Geschichten ab. So trefft ihr auf, zum Teil, äußerst kuriose Gestalten, die mit den unterschiedlichsten Problemen an euch herantreten.

Unterschiedliche Probleme, bedeutet jedoch im Falle von Doki-Doki Universe nicht auch, unterschiedliche Lösung und somit sind wir schon beim größten Problem des Spieles. Der Ablauf auf den jeweiligen Planeten ist immer gleicher Art. Ihr redet mit den Bewohnern – diese schildern euch ihre Probleme. Um diese zu lösen, reicht es zumeist, mit weiteren Bewohnern zu reden oder gewisse Gegenstände herbeizuzaubern. Die benötigten Gegenstände findet ihr u.a. in kleinen Geschenken, die auf allen Planeten verteilt sind. Zum Teil sind die Geschenke hinter Gebäuden versteckt, welche ihr dann zunächst bei Seite ziehen müsst, um an das wertvolle Gut zu kommen. Eine Mechanik, die sich zwar im Falle der Vita Version sehr gut umsetzen lässt, aber ungefähr so relevant für das Spieleerlebnis wirkt, wie ’ne Gurke im Kaffee.

Um die Gegenstände herbeizuzaubern, benötigt ihr wiederum sogenannte -Staubhasen-. Die findet ihr zum Beispiel in Geschenken -jedoch nur im Weltall-, bekommt sie aber auch im Zuge eines Stufenaufstieges, denn eine Art Leveling-System hat Doki-Doki Universe auch. Erfahrungspunkte, die ihr üblicherweise in Rollenspielen bekommt, werden hier durch -Maden- ersetzt. Die Lösung von Aufgaben bringt euch Maden ein – beim Levelaufstieg gibt es, wie gesagt, Staubhasen und zusätzlich jedoch auch noch Gegenstände, die ihr als Dekoration für euren Heimatplaneten einsetzen könnt. Allgemein fühlt man sich hier ziemlich an gängige Social-Games erinnert. Ihr könnt also euren Planeten umgestalten, euer Konterfei pimpen und sogar euer Transportmittel zu den jeweiligen Planeten ändern. So reitet ihr bei Bedarf auf einem Schwein oder ’nem debil grinsenden Haufen Stuhl – da verzichtet man teils freiwillig auf die Nutzung der, im Spiel implementierten, Schnellreisefunktion.

Habt ihr nun sämtliche Aufgaben auf einem Planeten erledigt und die dort dargebotene Geschichte durchlebt, erscheint Jeff und fragt euch nach der -Moral von der Geschicht‘-. Danach geht’s weiter zur nächsten Welt.
Auf eurer Reise kommt ihr zudem an zahlreichen Asteroiden vorbei. Diese beinhalten kleine Persönlichkeitstest für euch. So werden euch 3-5 multiple choice Bilderfragen gestellt. Eure Antworten werden am Ende kurz ausgewertet und ihr auf diesem Wege mit teils interessanten Analysen konfrontiert. Eine Zusammenfassung sämtlicher Tests mit deutlich umfangreicherer Darstellung eurer Persönlichkeit gibt es dann auf eurem Heimatplaneten bei Dr. Therapeut. Die Ergebnisse dort, sind beiweilen wirklich interessant. Vielleicht dürfte sich hierbei tatsächlich der eine oder andere wiedererkennen. Zumindest bemerkt man hier, was die eigentliche Intension des Games ist. Es spielt mit Selbst- und Fremdwahrnehmung und wagt sich schon alleine aufgrund seines offenen Umganges mit diesen, natürlich nicht zwangsläufig wissenschaftlichen, psychanalytischen Kniffen auf einen interessanten Weg. Wo führt euch die Reise hin? Hat vielleicht gar die Ausgestaltung eures Planeten und die Wahl eures Reiseutensils eine, euch verborgen bleibende, Bedeutung? An diesen Punkt anknüpfend, macht die Tatsache der Konnektivität mit Facebook einen fast weiterführenden Sinn. So könnt ihr über das soziale Netzwerk Nachrichten aus dem Spiel heraus versenden und empfangen – eine Vermischung mit Nachrichten von Spielcharakteren mit denen eurer Reallife-Freunde findet auf diesem Wege statt.

Ohne tiefer in diese Thematik einsteigen zu wollen, darf man sagen, dass hier ein interessanter Ansatz gewählt wurde – ob nun gewollt oder nicht, sei dahingestellt. Leider bleibt es hier bei einer guten Idee, denn die limitierte Ausgestaltung dieses Features, beschränkt deutlich ihren spielerischen Nutzen
Technisch leistet sich Doki-Doki Universe, außer im Bezug auf die deutlich zu langen Ladezeiten, keine nennenswerten Schwächen. Grafisch mag das Spiel gefallen – der kindliche Zeichenstil wirkt stimmig. Gleiches gilt für den Sound des Spieles. Die Musik ist jeweilig an die Thematik der Planeten angepasst und bedudelt einen auf angenehme Weise. Eine Stimmausgabe gibt es nicht. Die teils wirklich witzigen Dialoge werden durch Sims-artiges Gebrabbel untermalt. Hier und da lockern wohldosiert eingestreute Furzgeräusche die Konversationen auf.
Neben der Grafik und der Sounduntermalung, bleibt als großer Pluspunkt das Cross-Buy-Feature zu nennen. So dürft ihr Doki-Doki Universe, bei einmaligem Erwerb sowohl auf PS3, PS4 als auch auf der PS Vita nutzen.

Entwickler: HumaNature Studios
Release: erhältlich (PS3, PS Vita, PS4)
Getestete Version: PS Vita

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TEST: Doki-Doki Universe – Von Robotern, fliegenden Schweinen und einer kleinen Reise ins Ich!
Doki-Doki Universe ist im Groben ein kreativer Persönlichkeitstest, der sich in Sachen Gameplay leider selbst im Weg steht.
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