TEST: FIFA 21 – Der Ball rollt wieder runder

Wer hätte zu Beginn der Pandemie damit gerechnet, dass wir Mitte Oktober noch immer fest im Griff eines Virus gefangen sind, der unser gesamtes Leben auf den Kopf gestellt hat. Umso schöner ist es da doch, dass man wenigstens auf ein paar Dinge nach wie vor beständig bauen kann: Weihnachtsgebäck ab September, Hamsterkäufe bei steigenden Infektionszahlen und natürlich ein neuer Ableger der Fifa-Reihe zum Saisonstart im Oktober. Dieses Jahr bekommen wir von EA den neuesten Ableger FIFA 21 spendiert, bei dem man wieder gespannt sein darf, wieviel sich diesmal verändert hat.

Der Ball rollt schnell

In FIFA 20 wurde mit dem Volta-Modus ein komplettes Gameplay-Element eingeführt, dass den Spielern eine völlig neue Möglichkeit geboten hat, sich am Ball auszutoben und die verschiedenen Plätze zu dominieren. Gleichwertige Veränderungen sucht man in FIFA 21 leider vergebens, dafür schraubt EA dieses Jahr an den Details und sorgt damit für das rundestes Erlebnis aller Zeiten. So gibt es nun etwa das Feature „kreative Läufe“, mit denen wir zum einen unsere Mitspieler mit Hilfe des rechten Sticks gezielt auf die Reise schicken und so für bessere Pässe sorgen können. Das hilft uns auch bei Doppelpässen, um uns besser freizuspielen. Eine weitere, sehr mächtige Neuheit ist die Spielerfestlegung, mit der wir uns mit dem Drücken beider Sticks an den aktuellen Spieler binden, selbst wenn wir einen Pass spielen. Darüber hinaus können wir auch so einfach den Spieler wechseln, während der ballführende Spieler KI-gesteuert weiter nach vorne schreitet. Hat man ein wenig Übung und nutzt die kreativen Läufe gekonnt und erfolgreich, so werden sie zu einer echten Waffe, sowohl Offline, als auch Online. 

FIFA 21

Hierbei spielt uns auch in die Karten, dass die KI-gesteuerten Kameraden wesentlich besser auf das Spielgeschehen eingehen und sich gezielter freilaufen und Passmöglichkeiten entwickeln, auch wenn wir sie nicht gezielt steuern. Diese „Positioning Personality“ sorgt darüber hinaus für ein besseres Stellungsspiel und Räume und Zeiten realistisch analysieren. Vor allem die Top-Star profitieren davon, wodurch sie sich besonders in Szene setzen und ihre Macht gekonnt ausspielen.

Darüber hinaus wurde an der Defensivtechnik gearbeitet. Die Teamkameraden agieren weniger Eigenständig, sondern müssen gezielt zur Verteidigung eingesetzt werden. Gehen wir in den direkten Konflikt bekommen wir ein überarbeitetes Kollisionssystem geboten, welches dazu führt, dass Zweikämpfe nicht nur flüssiger vonstatten gehen, sondern auch dichtes Gedränge oder Ballbesitzduelle realistischer ablaufen und es so zu weniger freien, unkontrollierten Bällen kommt, sowie die Spieler stabiler bleiben und weniger theatralisch das Gras küssen, bzw. sich schneller wieder aufraffen.

Was uns darüber hinaus aufgefallen ist, ist die Geschwindigkeit der Spiele. Während das Tempo im Vorjahr deutlich gedrosselt wurde, erlebt FIFA 21 einen wahren Geschwindigkeitsschub, durch den die Matches nicht nur wieder etwas mehr an Spannung gewinnen, sondern schnelle Spieler um einiges Kraftvoller werden und  zusammen mit den verbesserten Laufwegen deutlich über Sieg und Niederlage entscheiden können.

FIFA 21

Abseits des Gameplays gibt es nur wenig nennenswerte Veränderungen. Neben den Standart-Modi wie Turniere, Anstoß, Pro-Club oder die speziell auf die beiden großen Turniere „Champions League“ und der südamerikanischen „CONMEBOL“ angelegten Modi gibt es in diesem Jahr auch wieder den VOLTA-Modus, die Straßenfußball-Simulation innerhalb von FIFA. Neben einer kleinen, eher schwach inszenierten Story bekommen wir hier auch wieder die Möglichkeit mit anderen Spielern oder KI-gesteuerten Teams in den direkten Konflikt zu treten und dabei neue Kameraden für unseren Squad zu erhalten, um zum besten Team im Straßenfußball zu werden. Die größte Änderung finden wir allerdings in der Möglichkeit, in einem Koop-Modus mit einem Freund zusammen auf den Platz zu steigen und gemeinsam Punkte zu sammeln. Ansonsten hat sich hier kaum etwas verändert. Nichtsdestotrotz macht der VOLTA-Modus wieder viel Freude, auch wenn ein paar neue Elemente den Modus durchaus noch attraktiver gestaltet hätte.

Eine weitere, relativ kleine Anpassung finden wir im Karrieremodus, EA’s kleiner, ungeliebter Zwangsmodus, den man in den letzten Jahren so ziemlich komplett vernachlässigt hat und kaum nennenswerte Veränderungen eingeführt hat. Dieses Jahr bekommen wir immerhin ein paar Neuheiten geboten. So gibt es zum einen etwa eine neue Ansicht für die Simulation eines Spieles, hier werden die Spieler als kleine Punkte dargestellt und wir können nur den wesentlichen Einfluss auf das Spiel nehmen, wie etwa Einwechselungen oder die Veränderung der voreingestellten Taktiken. Darüber hinaus können wir gezielten Einfluss auf die Entwicklung der Spieler sowie der Entwicklung der kommenden Talente in der Jugendakademie nehmen, indem wir Trainingsschwerpunkte und -pläne festlegen, Ruhetage einplanen und die entsprechenden Rollen der Spieler zu verändern und sie dahingehend zu formen. Hier kommt auch der neue Wert „Bissigkeit“ ins Spiel, der die maximale Leistung des Spielers beeinflusst. Darüber hinaus wurde auch das Transfersystem überarbeitet und bietet nun mehr Möglichkeiten, sich einig zu werden.

FUT über alles

Der größte Fokus liegt auch in FIFA 21 auch diesmal wieder wie in den Vorgängern auf dem FIFA Ultimate Team, kurz FUT. Hier hat sich tatsächlich einiges getan, auch wenn nicht alle Änderungen positiv sind. So ist die Menüführung komplizierter geworden, weshalb man manchmal ein wenig suchen muss, um zu sehen, wo man was ändern kann. Dafür können wir die Stadien individuell anpassen, indem wir nicht nur wie im Vorgänger Fan-Choreos festlegen, sondern auch die Farbe der Sitze verändern, Pyrotechnik bei Toren abfeuern und für unser Team individuelle Spitznamen sowie Fan- und Torsongs aussuchen. Dieser erhalten wir durch Herausforderungen oder aus den altbekannten Packs, wodurch hier neue Objekte eingeführt wurden, was die Chance auf gute Spieler im Grunde nur weiter verschlechtert. Da hilft es wenig, dass dafür die Objekte wie Physiotherapeuten oder Torwarttrainer aus dem Spiel entfernt wurden. Wesentlich markanter ist es, dass es keine Spielerfitness mehr gibt, wodurch man im Grunde nur noch ein starkes Team braucht, und nicht mehr nach 1-2 Spielen durchwechseln muss, um der 1. Mannschaft eine Regenerationspause zu gönnen. Welche Auswirkungen das langfristig auf die Qualität der Teams haben wird lässt sich bisher noch nicht abschätzen.

Darüber hinaus gibt es nun die Möglichkeit die FUT-Partien ebenfalls im Koop mit einem Freund zu bestreiten, und beide bekommen die entsprechenden Punkte für Division Rivals oder Squad Battles. Außerdem gibt es regelmäßig besondere Freundschaftsspiele, die sogenannten Live-FUT-Partien, an denen man nur unter besonderen Voraussetzungen teilnehmen darf. Bei FUT darf man alles in allem nicht vergessen, dass der Modus stark Pay-to-win orientiert ist, was zu unfair übermächtigen Teams führt und für viel Frust sorgen kann.

Alles in allem bietet FIFA 21 keine großen, neuen Features, setzt aber genau an den richtigen Stellen an und sorgt so für ein rundes, gelungenes Erlebnis. Eine realistisch agierende KI, die kluge Laufwege nutzt, die Möglichkeit seine Kameraden gezielt zu lenken, sowie eine ansprechende Anpassung der Spielgeschwindigkeit der Möglichkeit gemeinsam mit Freunden in verschiedenen Modi im Koop anzutreten. Darüber hinaus gibt es ein paar ansprechende Anpassungen im Karrieremodus, sowie neue Elemente im FUT, durch die das Spiel authentischer und atmosphärisch ansprechender werden. Trotzdem fehlen die großen Neuheiten, wie letztes Jahr VOLTA, weshalb einige zurecht von keinem echten Upgrade, sondern eher nur von einem Update sprechen.

Tolle Atmosphäre & echte Emotionen

Was man EA seit Jahren lassen muss: Sie schaffen es jedes Jahr wieder, ein großartiges, grafisch ansprechendes Erlebnis zu bieten, das kaum Wünsche offen lässt. Wir bekommen eine ansprechende Darstellung der Figuren und Stadien geboten, welche durch noch realistischere Darstellung der Mimik und Emotionen noch ansprechender wirken. Davon profitieren sowohl die Spieler als auch die Zuschauer auf der Tribüne. Außerdem sorgen die neuen Fangesänge, Choreos und Torsongs für eine ansprechende Atmosphäre, durch die man seine Erfolge noch besser zelebrieren kann.

FIFA 21

Was FIFA von anderen Fußball-Titeln und insbesondere der PES-Serie (unsere Eindrücke) unterscheidet ist seit Jahren die Fülle an Lizenzen, die EA besitzt, auch wenn dieser Glanz ein wenig bröckelt. So hat man neben der Lizenz für Juventus Turin im vergangenen Jahr nun auch die Lizenz für den italienischen Hauptstadtclubs AS Rom verloren, die nun in FIFA 21 unter dem Namen Roma FC auftritt. Die Lizenzen liegen nun nämlich bei Konamis PES. Dafür besitzt EA unzählige Lizenzen der Top-Ligen, Wettbewerbe und Mannschaften, was dazu führt, dass man mit echten Spielern antritt, anstatt durchgehend generischen Figuren entgegentritt. Ein Vorteil, dem man nur schwer etwas entgegensetzen kann.

TEST: FIFA 21 – Der Ball rollt wieder runder
“Ein neues Jahr, ein neues FIFA. Der jährliche Ableger trumpft in diesem Jahr nicht mit den großen neuen Features auf, sondern mit kleinen, aber wirkungsvollen Veränderungen. Neue Laufwege und Steuermöglichkeiten, die Einführung von Koop-Modi und neuen Stadionelementen, sowie die Anpassung der Spielgeschwindigkeiten und der Einflussmöglichkeiten im Karrieremodus. Dazu kommen bekannte Komponenten wie VOLTA, FUT mit viel Pay-to-win und die großen Lizenzen mit vielen internationalen Ligen. Ein kleiner Leckerbissen: FIFA 21 erhält ein kostenfreies Upgrade auf die PS5-Version, inklusive Cross-Save für die Modi VOLTA und FUT. Man darf gespannt sein, wie der Titel von der Next Gen profitieren wird. Insgesamt ist FIFA ein gelungenes Update der Vorjahresversion, ohne große Neuheiten und Veränderungen. Dennoch bekommen wir ein rundes Erlebnis geboten, das uns wieder viel Freude bereiten wird."
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