TEST: One Piece Pirate Warriors – Gelungenes Strohhut-Abenteuer?

Seit dem Jahr 1997 ist der Name „One Piece“ Programm, zumindest für alle Anime-Kenner unter uns. Seitdem gibt es zahlreiche Video-Spielumsetzungen auf allen gängigen Konsolen der Generation, bis auf die Playstation 3.

Im März 2012 erschien in Japan ein Ableger für Sonys Heimkonsole unter dem Namen „One Piece: Pirate Warriors“ und feiert ein 15-jähriges Bestehen der Serie. Auch bei uns im Westen trifft die Serie auf zahlreiche Fans und Anhänger, womit sich Namco Bandai für eine Veröffentlichung der auf dem Anime-basierenden Spiel entschieden hat.

Die Macher von „One Piece: Pirate Warriors“ sind gar nicht mal so unbekannt auf dem Spielmarkt. Die Jungs von „Omega Force“ sind nämlich für ihre Dynasty Warriors-Reihe auch hierzulande berühmt, obwohl der Titel sehr von der japanischen Kultur geprägt ist. Dessen ungeachtet feiert „Dynasty Warriors“ große Erfolge auf dem europäischen Markt und zeigt ein weiteres Mal, dass sich ein neues und ungebrauchtes Spielprinzip sehr gut verkaufen lässt. Um sicher zu sein, dass „One Piece: Pirate Warriors“ ebenfalls von der westlichen Gamer-Community positiv aufgenommen wird, entspricht das Gameplay seinem großen Vorbild, Dynasty Warriors. Im Vordergrund sollen die Kämpfer-Aspekte der Strohhut-Bande hervorgehoben werden, was laut den Machern sehr passend wäre. Direkt von der Grandline zu uns in den Westen, ankern die Piraten die PlayStation 3. Macht die Piratencrew dicke Beute oder geht sie doch leer aus ?

Vom Grünschnabel zum König der Piraten!

Die Story dürfte bereits jedem angesessenen One-Piece-Fan mehr als bekannt sein; der junge Ruffy nascht in seinem jungen Alter eine sogenannten „Gum-Gum“-Teufelsfrucht, eine Mahlzeit, die dem Esser ungewöhnliche Super-Kräfte verleiht. Mit der Aussicht den größten Schatz der Welt, das One Piece, zu finden, macht sich der unerfahrene Strohhut-Träger auf, vorerst seine Crew zu rekrutieren. Spätestens ab dem Zeitpunkt reizt der Bengel jeden Piraten auf seinem Weg und gerät in den einen oder anderen gefährlichen Kampf.

Die Handlung beginnt bei der ersten Begegnung mit Buggy dem Clown, bis hin zur Rettung von Ace, Ruffys Bruder, der von der Marine zu einer Hinrichtung gebracht wurde. Dabei bedienen sich „Omega Force“ bei den typischen Comic-Cutscenes mit Click-to-Read-Aktionen, um die anfangs hübsch inszenierte Rahmenhandlung darzustellen. Selbstverständlich gibt es „vollwertige“ Zwischensequenzen zu bestaunen, die einige emotionale Momente aus den Abenteuern des Gummimanns stimmig einfangen. Die Inszenierung profitiert von der serientypischen Erzählweise, die Kapitel für Kapitel die Story zu einem Gesamtbild ergänzen.

Neue Szenen gibt es gegenüber dem Anime nicht, zudem sind diverse Begegnungen, beispielsweise die Rekrutierung vom Knochenmann Brook oder die Bekämpfung von Enel überhaupt nicht gezeigt worden. Diese Vorgehensweise seitens „Omega Force“ ist eher ungünstig, wenn man unsere gesamte Spielzeit der Hauptstory anrechnet. Wir kamen auf rund sieben Stunden, mehr sind da nicht drin. Wer jedoch die ganze Handlung kennen möchte, kann parallel dazu weitere „Logs“ anspielen, die die Geschichte von weiteren Crewmitgliedern erzählen. Wir sagen, eine gute und emotionale Story mit viel zu kurzer Spieldauer.

“One Piece” im Dynasty Warriors-Format, Asuras Wrath lässt grüßen!

Wie oben bereits kurz angedeutet, bedienen sich die Macher der hauseigenen Dynasty Warriors-Reihe, was nichts Negatives bedeutet. Der Ablauf der Kapitel ist der Vorlage gerecht – als Einzelgänger befasst sich Ruffy öfters mal mit Scharen von Gegnern, so dass es öfters mal vorkommen kann, dass es der Gummimensch mit 100 Gegner gleichzeitig zu tun hat, einem zähen Zwischenboss inbegriffen. Mit gekonnten Kombos löst der Kapitän dann eigenhändig die Gegnerscharen auf.

Die Anzahl der Tastenkombinationen kann im Menü erweitert werden. Hartes Feedback; wenn der Strohhut seine Gum-Gum-Pistole auspackt, steht kein Stein mehr auf dem anderen. Der harte Schlag von Ruffy ist deutlich durch die intensive Controller-Vibration und dem wackeligen Bildschirm spürbar. Dies hat uns zu sehr an den Halbgott-Amoklauf von Asuras Wrath erinnert. Und nicht nur das – in den Zwischensequenzen gibt es ebenfalls Quick-Time-Events, die den Spieler an den Bildschirm förmlich fesseln und einen durch schnelle Reaktionen mit Bonuspunkten belohnt.

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Am Anfang jedes Levels findet sich Ruffy meistens auf einer feindverseuchten Ortschaft wieder, die Gebiet für Gebiet erobert werden muss. Jede Eroberung bringt kleine Boss-Kämpfe mit sich, bei deren Erfolg die Gegner vor Angst weglaufen. Zorro, Lysop und Co. stehen manchmal als Beihilfe im Kampf bereit und eine Crew-Aktion kann mit Hilfe einer bestimmten Tastenkombi ausgeführt werden, was jedoch aufgrund der kurzen Dauer und dessen Wirkung wenig Sinn macht. Wer auf mehr Zusammenhalt hofft, schnappt sich am besten einen Freund und nutzt die Ko-Op-Modi. Die meisten Aufgaben beschränken sich jedoch nur auf Eroberung von Gebieten und das Erledigen von Zwischenbossen. Die Story ist leider nicht im Doppelpack spielbar, wäre jedoch eine gute Idee gewesen.

Um an sein Ziel zu kommen, nutzt der Strohhut seine agilen Fähigkeiten, um sich beispielsweise über einen Abgrund zu katapultieren oder ein Gebäude zu erklimmen. In der Regel bedarf es bei diesen Kletterkünsten kurze Tasten-Aktionen, die mit ihren ständig wiederholenden und aufleuchtenden Symbolen mehr als nervenaufreibend sein können. Am Ende jedes Levels steht euch ein Boss gegenüber, der mittels einzigartiger Strategien besiegt werden will. Der Sandmann „Krokodile“ muss beispielsweise mit Wasser bespritzt werden, um verwundbar zu sein. Für das Erledigen mancher Kolosse muss die Umwelt mit einbezogen werden, damit Ruffy einen dicken Felsen mit einem brachialen Wurf an den jeweiligen Kontrahenten befördern kann. Das Zielen ist ab und zu ungünstig, da die Tasteneinstellungen vom linken zum rechten Analog-Stick wechseln – Verwirrung vorprogrammiert.

Handgezeichnet oder Texturbrei?

Optisch bietet „One Piece: Pirate Warriors“, ähnlich wie jeder andere Anime-Titel, die Cal-Shading-Optik. Für eine animierte Umsetzung in einem Videospiel reicht die Grafik zwar vollkommen aus, verwischt jedoch sozusagen, wenn die Rede von Texturen ist. Die Erfahrung haben wir mit Spielen wie „Asuras Wrath“, „Naruto: Ultimate Ninja Generations“ usw. mehr als bestätigt bekommen. Auch bei One Piece gibt es in der Hinsicht Einiges zu bemängeln. So sind die Landschaften und einzelnen Details in der Umgebung etwa verschwommen und bieten nicht die nötige Schärfe, sowie wird die Optik bei den Türen, Büschen und weiteren Details kantig und nicht auf dem aktuellen Stand dargestellt. Gut hingegen hat uns die Mimik in den Zwischensequenzen gefallen – Ärger, Verwirrung und Freude sind gut in den Gesichtern gezeichneten Charaktere zur Geltung gekommen. Die Grafik läuft zudem durchgehend flüssig und ohne jegliche Ruckler oder lang andauernden Ladezeiten.

Japanischen Sprecher und keine englische Vertonung – ein Fall für den Ohrenarzt?

Zum ersten Mal wird ein japanisches Spiel auch komplett in Japanisch vertont auf den westlichen Markt gebracht. Eine englische Sprachausgabe ist somit nicht vorhanden und man beschränkt sich nur auf deutsche Untertitel. Für Erstkäufer zwar gewöhnungsbedürftig, aber den Anime-Fans dürften dies nicht weiter stören. Zwar sind die Stimmen immer passend zu den jeweiligen Charakteren gewählt worden, hören sich jedoch manchmal sehr nervig und kindisch an. Die Musikauswahl besteht aus energischen und rockigen Songs, die das Geschehen wie im Anime-Vorbild wirken lassen, und somit die Stimmung nahezu perfekt auffangen.

TEST: One Piece Pirate Warriors – Gelungenes Strohhut-Abenteuer?
„One Piece: Pirate Warriors“ ist ein weiterer japanischer Titel, der es dank der Bekanntheit der Serie und dem Interesse der Fans nach Europa geschafft hat. Eine spielerische Neuheit ist das Spiel zwar nicht, konnte uns aber für eine kurze Zeitdauer unterhalten. Leider leidet die Story an einer abgespeckten Variante des Animes und verpasst wichtige Ereignisse in der Handlung. Das Spielprinzip gestaltet sich sehr linear, weshalb ein Open-World-Konzept bei dem Piraten-Abenteuer wohl besser passen würde. Im Gameplay enttäuscht uns lediglich die sinnlose Einführung der Crew-Aktionen, die keinerlei drastische Auswirkungen auf das Kampffeld hat. Euer Charakter wird lediglich durch den anderen, nicht immer stärkeren ausgetauscht. Ein flächendeckender Angriff wäre da schon eher geeignet. Diese und ein paar andere Kleinigkeiten würden unsere Wertung um ein paar Einheiten hochhalten. Trotz der etwas nervigen Japan-Sprecher, kann sich „One Piece: Pirate Warriors“ gut behaupten. Wir empfehlen das Spiel wahren Anime-Fans und Dynasty-Warriors-Spielern, da es für mutige Neulinge eher gewöhnungsbedürftig sein wird.“
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