TEST: Resident Evil Revelations 2 – Episode 1

Dennis 26/02/2015 6 comments

„Resident Evil Revelations 2“ ist der erste Titel der Serie, der in episodischer Form veröffentlicht wird. Zwar war dieses Format schon im ersten Revelations-Teil vertreten, diente dort jedoch nur der stilistischen Präsentation. Mit „Revelations 2“ wagt sich Capcom in ein neues Gefilde. Ob das episodische Format für die Resident Evil-Serie funktioniert, werdet ihr in den kommenden vier Wochen bei uns erfahren.

Seichter Story-Auftakt

„Resident Evil Revelations 2“ spielt irgendwo zwischen dem fünften und sechsten Teil der Reihe. Claire Redfield befindet sich gerade auf einer Firmenparty, auf der uns auch ihre neueste Arbeitskollegin Moira Burton, Tochter des Fan-Lieblings Berry Burton, vorgestellt wird, als ein maskierter Angriffstrupp die Party stürmt, deren Teilnehmer gefangen nimmt und ihnen Spritzen mit einer geheimnisvollen Flüssigkeit verabreicht. Unbestimmte Zeit später findet sich Claire in einer heruntergekommenen Gefängniszelle wieder und hört in der ferne Moira um Hilfe rufen. Claire weiß weder wie sie dort hin kam, noch wie sie aus der Zelle entkommen soll. Nachdem Claire feststellt, dass Sie mit einem Armband ausgestattet wurde, dessen Sinn und Zweck nicht ersichtlich ist, öffnet sich wie von Geisterhand die Zellentür.

Im zweiten Teil der ersten Episode spielt ihr Berry Burton höchstpersönlich. Schwer bewaffnet macht sich dieser auf die Suche nach seiner Tochter. Kaum angekommen läuft ihm ein kleines Mädchen über den Weg, das sich als Natalia vorstellt. Wie sie hier her kam, kann sie nicht sagen. Natalia stellt sich als äußerst stur heraus und so kommt es, wie es kommen muss: Das ungleiche Paar macht sich gemeinsam auf die Suche nach seiner Tochter. Dabei stellt sich schnell heraus, dass Natalia kein gewöhnliches Kind ist.

Durch vereinzelte Dokumente und Armbänder, über die eine mysteriöse Frau vereinzelt mit Claire und Moira in Verbindung tritt, wird klar, dass es sich hier um ein Experiment mit einem neuen Virus handelt, der durch Angst beeinflusst wird. Storytechnisch gesehen ist das einzige Highlight der ersten Episode das Ende, das mit einem  Cliffhanger aufwartet.

Alles in Allem kann die Geschichte der ersten Episode noch nicht ganz überzeugen. Von der übergreifenden Geschichte wird zu wenig preisgegeben, um den Spieler zu fesseln, sowie interagieren die Figuren nicht genug genug miteinander, als dass man hier von natürlicher Chemie sprechen könnte.

Kooperation mit Einschränkungen

Beide Episoden bieten zwei Figuren und sind im Koop-Modus spielbar. Einen Online-Modus sucht man jedoch vergebens, da die Multiplayer-Elemente nur offline zur Verfügung stehen. Wer das Spiel mit einem Freund erleben möchte, muss sich daher mit Couch-Coop zufriedengeben und selbst hier findet man das ein oder andere Haar in der Suppe. Wer als Moira oder Natalia spielt, hat eindeutig die passivere Rolle zu erfüllen. Beide Figuren lassen sich als Support kategorisieren, zumindest im Rahmen der ersten Episode. Ob sich dies in den kommenden Wochen ändern wird, wird sich erst noch zeigen.

Wer als Moira spielt, muss sich mit einer stark eingegrenzten Waffenauswahl zufriedengeben. Auch wenn Moiras Entscheidung gegen Schuss- und Stichwaffen storytechnisch angerissen wird, muss sich der zweite Spieler damit zufriedengeben, dass er ohne Claire in der Nähe sehr verletzlich ist und nur ein Brecheisen zur Selbstverteidigung zur Verfügung hat. Um die offensiven Fertigkeiten wettzumachen, kann Moira jedoch eine Taschenlampe nutzen, um Gegner zu blenden und Gegenstände in der Umgebung zu markieren.

Etwas mehr Spaß hat man in Natalias Haut, die zwar noch weniger Waffenauswahl zur Hand hat als Moira, dafür ist ihre Fertigkeit bei Weitem interessanter. Natalias spezielle Fertigkeit ermöglicht es ihr Gegner in unmittelbaren Umgebung wahrzunehmen, ihre Umrisse auch durch Wände im Blick zu behalten und Berry so deren ungefähre Position mitzuteilen. Des Weiteren kann sie durch ihre geringe Größe durch Risse in Wänden schlüpfen und so in Bereiche vordringen, die für Berry unzugänglich sind, oder wie Moira Gegenstände markieren. Natalias Waffenauswahl ist jedoch noch limitierter als die von Moira. Ziegelsteine, die zuhauf in der Gegend verteilt sind, kann die kleine Zombiejägerin dazu nutzen, um auf Gegner einzuschlagen und diese zu betäuben, sie zerbrechen allerdings schon nach einigen Angriffen, sodass man ständig gezwungen wird, auf die Suche nach neuer Munition zu gehen.

Grafisch erst Hui dann Pfui

Grafisch ist „Resident Evil Revelations 2“ ein zweischneidiges Schwert. Zum einen wissen die teilweise sehr detaillierten Charaktermodelle gepaart mit guten Texturen zu überzeugen, an anderen Stellen findet man jedoch Umgebungsdetails, die selbst auf der PlayStation 2 so nicht vertretbar gewesen wären. Ein gutes Beispiel sind hier die – wie ich vermute – Leichensäcke, die zu Beginn des Spiels kurz zu sehen sind. Mit einer Polygonanzahl, die sich augenscheinlich gerade so im zweistelligen Bereich befindet, wird Claire hier von einer Chipstüte erschreckt, deren matschige Textur anscheinend von einem Sechsjährigen mit schmutzigen Händen und Wachsmalern entworfen wurde. Schön ist wirklich anders! Warum und wieso einige Texturen in so geringer Auflösung daherkommen, während andere nahezu einen perfekten Eindruck hinterlassen, kann nur gemunkelt werden. Vermutlich handelt es sich um wiederverwendete Assets, die in vergangenen Titeln zum Einsatz kamen und jetzt noch einmal ihren “Wert” beweisen müssen.

Langzeitunterhaltung dank Raid-Modus, Herausforderungen und Skills

„Resident Evil Revelations 2“ kann vor allem durch sein Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen. Neben der Story, die für knapp zwei bis drei Stunden unterhält, gibt es massenhaft Herausforderungen zu bewältigen. Neben simplen Aufgaben wie “töte Gegner X in der Kampagne so und so oft“ gilt es auch fordernde Missionen zu bewältigen. Wer sich z. B. an einem Messer-only-Lauf oder einem Speedrun versucht und diese erfolgreich abschließt, wird dafür mit BP belohnt, die wiederum Skills freischalten. Skills wiederum machen es möglich der Spielfigur eine eigene Note zu verpassen und Sie so an den eigenen Spielstil anzupassen.

Neben der Story liegt „Resident Evil Revelations 2“ noch eine weitere Spielvariante bei: Der Raid-Modus. Hier handelt es sich um einen erfreulich arcadigen Action-Modus, der über einige RPG-Elemente verfügt. In unterschiedlichen Missionen müsst ihr hier Gegner so schnell wie möglich besiegen, Gegenstände verteidigen oder so viele Punkte wie möglich erzielen. Figuren sammeln unabhängig voneinander Erfahrung, erhalten Skill-Punkte und teilen mit steigendem Level mehr Schaden aus. Damit den mit unter sehr speziellen Raid-Gegnern auch genug Feuerkraft entgegengesetzt werden kann, muss innerhalb der Missionen immer Ausschau nach Schatzkisten gehalten werden. Was die Schatzkisten enthalten, bleibt aber, bis die Gegenstände in eurem VR-Gefängnis identifiziert wurden, ein Geheimnis. Mit etwas Glück wartet ein seltenes Anti-Materie-Gewehr darauf von euch eingesetzt zu werden.

Gute Sprachausgabe (für Resident Evil-Verhältnisse)

Dass Resident Evil noch nie über eine hollywoodreife Vertonung verfügte, dürfte bekannt sein – „Revelations 2“ ist da keine Ausnahme. Die deutsche Vertonung des Spiels (sehr löblich und bei Weitem nicht mehr selbstverständlich) kann sich hören lassen. Wer lieber die englischen Originalstimmen hören möchte, kann diese im Options-Menü bequem umschalten.

Einziges Manko ist Moira, die dank ihrer Art sich auszudrücken wie eine pubertierende Vierzehnjährige klingt, die gerade gegen ihre Eltern rebelliert. Wer auch immer Moiras Text geschrieben hat, sollte sich folgenden Rat zu Herzen nehmen: Nicht jeder Satz muss „Scheiße“ und „Fuck“ enthalten. Persönliche Randnotiz: Ich würde noch gerne wissen, was „Scheiße auf einem Stock“ ist. Hier wäre weniger wirklich mehr gewesen.

DLC, DLC und nochmals DLC

Vorweg sollte hier eine Warnung ausgesprochen werden: „Revelations 2“ strotzt nur so vor DLCs. Es gibt Waffen, Kostüme, Kartenpakete, Figuren und sogar Raid-Modus-Continues die man mit Echtgeld kaufen kann. Wer den Season Pass erwirbt, bekommt Wesker und HUNK als Extrafiguren für den Raid-Modus und zwei Sonderepisoden, die nach den eigentlich vier Episoden veröffentlicht und sich näher mit Moira und Natalia befassen werden. Alternativ kann man einzelne Episoden für jeweils 5,99€ kaufen oder bis zum 17. März warten, denn dann erscheint die Retail-Version von „Revelations 2“, die alle Extras des Season Pass beinhalten wird. Für die Retail-Version wir man jedoch knapp 45€ bezahlen müssen, 20€ mehr als für die digitale Version.

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TEST: Resident Evil Revelations 2 – Episode 1
Die erste Episode von Resident Evil Revelations 2 kann nicht wirklich mit einer fesselnden Story überzeugen, zumindest noch nicht. Erst durch den gelungen Cliffhänger am Ende baut Capcom die Spannung so auf, dass man wissen möchte, wie es später weiter geht. Durch den Raid-Modus und das gute Preisleistungsverhältnis ist Revelations 2 dennoch schon jetzt seine Investition wert, sodass vor allem Fans der ursprünglichen Ausrichtung der Serie zugreifen können.
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