TEST: South Park – Der Stab der Wahrheit – Fürze, Fluchen, Randgruppenwitze

Seit dem Jahr 1997 begeistert eine einzigartige Comic-Serie die Zuschauer mit ihrem übertriebenen Sarkasmus und einer leichten Priese Kritik an die Politik & Co. Die Rede ist nicht von Simpsons, Family Guy oder American Dad, sondern selbstverständlich von South Park.

Kaum eine andere Zeichentrick-Serie schafft es so groteske Handlungen und amüsante Charaktere auf den Bildschirm zu zaubern, die es sich offenbar zur Lebensaufgabe gemacht haben, polarisierende Themen bis zum Äußersten zu überspannen und damit auf amüsante Weise immer ins Schwarze zu treffen.

Dass die Serienschöpfer Trey Parker und Matt Stone sich nicht nur auf das TV-Publikum beschränken wollen, hatte man damals mit dem PS1-Ableger bewiesen, wobei sich die Freude aufgrund der Qualität in Grenzen hielt. Mit „South Park – Der Stab der Wahrheit“ betreten nicht nur Trey und Matt neue Gebiete, sondern auch der Entwickler „Obsidian“, die früher mit Titeln wie „Fallout: New Vegas“, Neverwinter oder diversen Star Wars-Spielen überzeugen konnten. Auch für uns hieß es damals, dass der PS3-Ableger von South Park ein Abklatsch sei, welcher der Serie nicht gerecht wird. Dass dieses Klischee nicht immer zutrifft und eine Videspielversoftung ihrem Original tatsächlich auch gerecht werden kann, das zeigt unser Test zu „South Park: Der Stab der Wahheit“.

Die Macht der Fantasie

Wie der Name schon verrät, dreht sich die Handlung um ein magisches Artefakt, namens „Der Stab der Wahrheit“, dessen Besitzer die Kontrolle über das gesamte Universum erhält und sozusagen der absolute Herrscher über alles ist. Nur gut, dass der coolste Magier aller Zeiten – Eric Cartman selbst – im Alleingang den magischen Stab zurückholen und die Welt, nein, das ganze Universum retten konnte. Wie ihr bestimmt vermutet, stammt die Handlung von Eric persönlich, der mit seiner Fantasie bereits die ganze Stadt auf den Kopf gestellt hat. Wir übernehmen die Kontrolle jedoch nicht über einen der vier bekannten Jungs, sondern über ein neues Kind, das in die Stadt in Colorado gezogen ist. Kaum haben wir auf der schneelastigen Landschaft Fuß gefasst, schon werden wird ungewollt in Cartmans Geschichte als „Auserwählter“ involviert und müssen uns gegen die Herrschaft der Elfen verteidigen.

Auch wenn die oben genannte Handlung nur eine Schöpfung von Eric´s Fantasie ist, lassen wir uns gerne darauf ein und genießen dabei die wirtzig inszenierte Story. Der Verlauf gestaltet sich eigentlich wie eine typische South Park-Folge und enthält dabei genug überraschende Wendungen, die sich aufgrund ihrer Absurdität keinesfalls vorhersehen lässt. Oder rechnet ihr etwa, dass in jedem Moment die Welt von Zombie-Nazi-Kühen überrannt wird? Wir jedenfalls nicht!

Ein ganz normales RPG ?

South Park – Der Stab der Wahrheit ist ein rundenbasiertes RPG, das sich vom Gameplay her mit den Klassikern wie Final Fantasy oder Chrono Trigger vergleichen lässt. Uns stehen zwei Charaktere zur Seite, mit denen wir durch ein Kontrollring verschiedene Attacken ausführen können – sei es Magie, normale Attacken oder Item-Nutzung. Als Waffen stehen uns ganz normale Alltagsgegenstände zur Verfügung, zum Beispiel ein Holzschwert, Baseballschläger oder das mit Feuer umhülltes Dildo von Cartmans Mutter. Außerdem dürfen wir auf Spezialangriffe zugreifen, die mit ihrer verheerenden Wirkung mehrere Gegner mit brutaler Gewalt treffen können. Diese verbrauchen jedoch eine Menge MP und lassen sich durchschnittlich nur einmal pro Kampf nutzen. Das ist nicht unbedingt kritisch zu sehen, dass wir es ja auch nicht zu leicht im Spiel haben wollen.

Für die Charakteranpassung haben die Entwickler bei Obsidian ein ganzes Arsenal an Optionen beigesteuert, so dass jeder seinen eigenen, unverwechselbaren Charakter kreieren kann. Auch das soziale Netzwerk nimmt in South Park eine zentrale Rolle ein, das wir als Inventar und Informationsquelle für Quests nutzen. Die Freundesliste ist ebenso wichtig, da die Anzahl eurer Kumpanen verschiedene Boni mit sich bringt.

Was uns aber besonders positiv aufgefallen ist, ist die ständige Abwechslung in den Quests. Einmal müssen wir uns an einem Wachmann vorbeischleichen und dabei mit der Umgebung interagieren, damit der Wachmeister in eine Pfütze mit 230 Volt landet und somit handlungsunfähig wird. Ein anderes Mal besuchen wir ein Meth-Labor und müssen uns einen Weg zu den oben gebunkerten Lieferungen verschaffen. Zusammen mit der witzigen und übertriebenen Inszenierung macht das Erforschen von South Park irrwitzigen Spaß und motiviert uns die aus der Serie bekannten Charaktere noch ein Stück besser kennenzulernen und für sie eine ganze Reihe an Gefälligkeiten zu erledigen.

Dennoch müssen wir an dieser Stelle etwas Negatives anmerken; South Park ist ein solides RPG, das leider keine besondere Tiefe im Gameplay für Genre-Kenner aufweist. Man kann zwar hier und da Waffenaufsätze finden oder allgemein seine Ausrüstung verbessern, eine facettenreiche Anzahl an Items ist jedoch nicht großartig vorhanden. Aber wenn wir ehrlich sind, möchte „South Park – Der Stab der Wahrheit“ nicht das beste RPG, sondern das beste South Park-Spiel sein und genau das ist Obsidian in jeder Hinsicht gelungen.

100 % South Park

Auch die Optik ist den South Park-Folgen komplett nachempfunden, was ein absoluter Pluspunkt ist, da die Fans quasi eine interaktive Folge von South Park erleben können. Es ist zwar schwer, sich in die 2D-Thematik einzugewöhnen, doch sobald man sich hier eingewöhnt hat, macht auch das Ablesen der Stadtkarte keine Probleme mehr. Man darf nun mal keine großartigen 3D-Effekte erwarten, da die Entwickler sehr eng mit den Serienschöpfern gearbeitet und ihren Zeichenstil perfekt eingebracht haben. In ganz South Park finden sich viele Kleinigkeiten, die mit viel Liebe im Detail in das Spiel eingefügt wurden, sei es ein Furz oder einfach nur ein herumliegender Penner – genau das macht die Serie aus, oder? Da kann man auch mal über die kleinen Ruckler im Speicherprozess hinweg sehen, die das sonst flüssige Spiel stören.

Bis hier hin lässt sich schon erahnen, dass der tiefschwarze Humor von South Park auch in diesem Spiel im Mittelpunkt steht. Moralapostel sind hier wie bei der Serie auch völlig falsch am Platz und sollten einen kilometerweiten Bogen um das Spiel machen. Fürze, Fluchen, Scherze auf Kosten von Randgruppen, Minderheiten oder Religionen sind auch in „South Park: Der Stab der Wahrheit“ an der Tagesordnung. Auf diese wird nicht nur einfach gespuckt, sondern sich regelrecht drauf übergeben. Interessanterweise immer mit einem Hauch zynischer Kritik an aktuellen Gesellschaftsthemen, was mitunter den Erfolg der Serie und nun auch dem des Spiels erklären dürfte.

Leider kommt die Lokalisierung ohne deutsche Sprecher aus, was wir ausnahmsweise Schade finden, da beispielsweise der Synchronsprecher von Cartman auch in Deutsch eine einwandfreie Arbeit leistet. Eine der wenigen US-Serien, die auch komplett in Deutsch glänzen. Wer der englischen Sprache nicht ganz mächtig, für den hält Ubisoft zumindest Untertitel parat. Musikalisch erwarte euch fast permanent mittelalterliche Volksmusik und Folklore. Muss man nicht unbedingt mögen, passt sich aber ins Geschehen ein.

Entwickler: Obisidian Entertainment
Publisher: Ubisoft
Release: 06. März 2014
Offizielle Homepage: www.southpark.ubi.com

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TEST: South Park – Der Stab der Wahrheit – Fürze, Fluchen, Randgruppenwitze
South Park zeigt eindrucksvoll, dass Videospielversoftungen zur Abwechslung auch mal richtig gut sein können. Fans der Serie dürfen hier die volle Breitseite des irrwitzigen Humor erwarten, den man schon bei der Serie so zu schätzen weiß. Lediglich die Zensur in Deutschland wirft einen kleinen Schatten über dieses Meisterwerk.
9.1