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TEST: Uncharted The Lost Legacy – Eine wahre Adventure-Perle

Entwickler Naughty Dog liebt das Uncharted-Franchise einfach, was man nicht nur jedes Mal an der Umsetzung sieht, sondern auch daran, dass man nicht die Finger davon lassen kann. Eigentlich sollte ja schon nach Teil 3 endgültig Schluss sein, aber wie es der Wille der Fans und wohl auch Sonys eigener will, sind wir inzwischen beim fünften großen Ableger angelangt. Vieles hat sich in den Jahren verändert, seien es die technischen Möglichkeiten oder die inzwischen neuen Protagonisten von „Uncharted: The Lost Legacy“.  Doch wie macht sich die Serie ohne einen Nathan Drake, der sich über die letzten Jahre so sehr in die Herzen der Spieler gestohlen hat? Kann das Ganze überhaupt funktionieren. Wir haben uns das Spiel in einem Vorabtest angeschaut und sind mal wieder restlos begeistert.

Die anfängliche Freude über ein Spin-off mit den neuen Darstellern war zumindest bei mir etwas zurückhaltend. Ein Uncharted ohne Nathan Drake? Undenkbar möchte man meinen. Als Ersatz für den smarten und etwas tollpatschigen Helden präsentierte man stattdessen die früheren Nebendarsteller Nadine Ross und Chloe Frazer, dessen Sympathiefaktoren nicht unbedingt die ersten Ränge bei den Spielern belegten. Wirkliches Interesse hat der Titel bei mir tatsächlich erst auf der kürzlichen Preview-Tour geweckt, sodass man es wie so oft erst einmal gespielt haben muss.

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Ein begehrter Stoßzahn

Die Story von „Uncharted The Lost Legacy” verfrachtet euch diesmal in die Heimat von Chloe und in die wunderschönen Westghats von Indien, auf der Suche nach dem sagenumwobenen Stoßzahn von Ganesha – ein antikes Artefakt des Hoysala Reiches – das tief in uralten Tempelruinen verborgen liegt. Um diesen zu finden, schließt sich Chloe kurzerhand mit der aus „Uncharted 4“ bekannten Söldnerin Nadine Ross zusammen, die auf diesem Abenteuer die ideale Gelegenheit sieht, sich ihr früheres Unternehmen Shoreline zurückzuholen, das inzwischen unter dem Kommando des Antagonisten Asav und seiner Armee steht. Auch dieser begehrt den Stoßzahn für sich, sodass euch in „Uncharted The Lost Legacy“ wieder ein spannendes Rennen voller Action, einiger sentimentaler Momente und viel von Naughty Dog´s goldenen Zutaten für ein nahezu perfektes Action-Adventure erwartet.

Das tolle an „Uncharted The Lost Legacy” ist, dass man sich hierfür einen Schauplatz und eine Kultur ausgesucht hat, die sonst ja nicht so oft in Videospielen ergründet wird. Und das macht es umso spannender. Zwar hat man hier und da so seine Problemchen hinterher zu kommen, wer nun welche Gottheit verkörpert und wer mit wem in der Geschichte im Clinch lag, im Gesamten ist man aber doch wahnsinnig beeindruckt davon, insbesondere von der Schönheit, die darin widergespiegelt wird. Über acht Stunden wird man so, und wie von Naughty Dog gewohnt, grandios unterhalten, auch wenn es im Gesamten ein etwas kompakteres Uncharted ist.

Im Dschungel hat sich schon so mancher verlaufen

Wie erwähnt spielt sich „Uncharted The Lost Legacy“ vorwiegend in den Westghats von Indien ab, ein riesiges Dschungelgebirge im Süden des Landes. Hier sieht man den Wald vor lauter Palmen nicht, so dicht und tief wird man auf seinem Weg dort hineingezogen. Zwar findet man sich anfänglich noch in einer besiedelten Stadt wieder, ab da ist es allerdings das pure Abenteuer, das euch erwartet. Fast jedes Kapitel und Level besteht aus Tempelanlagen oder alten Ruinen, die man durchstreift, gespickt mit zahllosen Rätseln und Fallen, die schneller als man glaubt den Tod bedeuten können. Es erinnert eigentlich mehr an die Anfänge der Tomb Raider-Serie, sodass der Anteil an Erkundung, wilden Actionsequenzen und Gefechten deutlich ausgewogener ist als in den Spielen zuvor. Genau das gefällt aber auch ungemein und lässt „Uncharted The Lost Legacy“ für sich stehen.

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Insbesondere die riesigen Tempelanlagen beeindrucken in „Uncharted The Lost Legacy“ mit jeder Entdeckung aufs Neue, die nur so vor Größe, Detailverliebtheit und Schönheit strotzen. Besonders die gigantische Shiva-Statue in einem späteren Level lässt einen wirklich aufblicken und erstaunen. Da verweilt man auch gerne länger an diesen Orten und durchsucht jeden Winkel umso genauer. Aber auch das Drumherum überwältigt einen mit bombastischen Postkartenmotiven, die sich hier so oft aneinanderreihen, dass man ein ganzes Album damit füllen kann. Gut, dass Chloe immer die passende Kamera dabei hat, um diese spektakulären Momentaufnahmen festzuhalten.

Aus technischer Sicht hat sich Naughty Dog mit „Uncharted The Lost Legacy” mal wieder selbst übertroffen. Das liegt sicherlich nicht nur am Anblick der beiden bezaubernden Darstellerinnen, sondern auch darin, dass das Spiel bereits im Hinblick auf die PS4 Pro optimiert wurde und durch seine etwas kompaktere Form viel mehr Liebe zum Detail erlaubte. Ob die durchgehend dichte Atmosphäre, die flüssigen Animationen oder die üppige Farbenpracht, alles greift hier wieder perfekt ineinander. Es ist Naughty Dog´s bisher schönstes Spiel, auch dank der 4K Auflösung und des HDR-Feature, welche die so schon tolle Atmosphäre besonders unterstreichen.

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Ein echtes Uncharted

Was den spielerischen Aspekt betrifft, hatten wir ja schon in unserer Vorschau erwähnt, dass sich „Uncharted: The Lost Legacy“ gar nicht so unähnlich zu den früheren Spielen ist und im Kern ein echtes Uncharted bleibt. Nach wie vor setzt man auf ein flottes und dynamisches Run & Gun-Gameplay, das durch unsere weiblichen Akteure etwas agiler und schneller wirkt. Gefallen tun hier zudem die Teamaktionen, die stärker denn je in den Vordergrund gerückt werden. So kann man sich in brenzligen Situationen durchaus auf Nadine als Sidekick verlassen, die auf einen unterhaltsamen Schlagabtausch a la Bud Spencer und Terrence Hill setzen. Man wundert sich lediglich, dass man in Rätselpassagen meist doch alles alleine meistern muss und Nadine nur wie angewurzelt zuschaut. Hier könnte die KI durchaus cleverer agieren und mit einbezogen werden.

Ansonsten wird wieder alles geboten, was schon immer in Uncharted gut funktionierte, einschließlich ausgiebiger Kletterpassagen, mit seinem Seil durch die Tempel schwingen, geflutete Ruinen durchtauchen, wilde Verfolgungsjagden im Jeep oder aufregende Rutschpartien. Typisch Frau gehören aber auch immer wieder längere Konversationen dazu, jedoch weniger Bla Bla, sondern interessante Hintergrundinfos, etwa zu Chloes Vergangenheit rund um ihren Vater, der ebenfalls Archäologe und auf der Suche nach dem Stoßzahn war. Es lohnt sich so durchaus die Gelegenheiten für weiteres Hinterfragen zu nutzen und nicht einfach verstreichen zu lassen. Die Beziehung zwischen den Beiden kann sich übrigens auch verändern, je nachdem wie stark man sich gegenseitig unterstützt. So können gewisse Dialoge durchaus auch mal anders ausfallen, was man allerdings erst im zweiten Durchlauf bemerkt. Goldgräber dürfen sich zudem auch wieder auf Schatzsuche begeben, die mit etwas Ehrgeiz diesmal sogar Hilfe von einem Artefakt bekommen, welches das Finden dieser Schätze deutlich einfacher macht.

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Gediegener Soundtrack

Die akustische Umsetzung von „Uncharted: The Lost Legacy“ ließ mich hingegen ein wenige unzufrieden zurück. Besonders beim Soundtrack hat man das Gefühl, dass man hier doch etwas zurückhaltend war. Für gewöhnlich hat einen das Abenteuer in Uncharted schon mit dem Hauptmenü gepackt, sobald das stimmige Main Theme losspielte. Man fühlte sich sofort in die richtige Stimmung versetzt und kann heute noch mitsummen, sobald man an Uncharted denkt. Ein solche einprägende Musik gibt es diesmal nicht ganz, obwohl man mit Henry Jackman einen durchaus erfahrenen Komponisten zur Seite hatte, der auch schon bei „Uncharted 4“ mitwirkte. Mir persönlich ist der Soundtrack etwas zu dezent, auch im Spiel selbst, wo er nur partiell wirklich wahrgenommen wird. Wenn man allerdings genau hinhört, schlägt er in etwa die ruhigere Richtung von „Uncharted 4“ ein und wurde dem Setting mit einer leicht orientalischen Note angepasst. Wie so oft ist es aber auch Geschmackssache oder eine Frage von aktuellen Trends, die dabei eine Rolle spielen. Einige Schwierigkeiten gab es zudem bei der richtigen Balance der Lautstärke, da insbesondere Gespräche oft nur schwierig zu verstehen waren. Hier half das nachkorrigieren der Effekte in den Optionen und dann Lautstärke nach oben schrauben.

Summary
„Da ist er nun, der Umbruch in der Uncharted-Serie. Es war sicherlich eine riskante Entscheidung, den populären Nathan Drake aus dem Spiel zu nehmen. Gleichzeitig eröffnen sich dadurch aber auch neue Wege für die Serie, die man gehen kann. Ich selbst war recht skeptisch dem gegenüber, bin letztendlich aber überzeugter denn je. Dies ist vor allem dem talentierten Team bei Naughty Dog zu verdanken, die inzwischen ein Garant für technische und visuelle Meisterwerke sind, gepaart mit einer spannend inszenierten Story, grandiosen Kulissen und einem zugänglichen und spaßigem Gameplay, das zu keiner Zeit Langeweile aufkommen lässt. Uncharted: The Lost Legacy steht den vorherigen Spielen definitiv ins Nichts nach und ist ein Muss für jeden Kenner und Fan der Serie. Bleibt zu hoffen, dass Sony noch ein Weilchen daran festhält, denn Uncharted steht nach wie vor für First-Class Entertainment auf PlayStation ... auch ohne Nathan Drake.“
Good
  • Grandiose grafische Präsentation
  • Zugängliches und flüssiges Gameplay
  • Beindruckende Kulissen
  • Abenteuer-Feeling pur
Bad
  • Sound teils ungünstig abgemischt
  • KI könnte cleverer agieren
9.3
Amazing

Like it or Not!

13 1

1 Comment

  1. Kann euerm Test nur vollkommen zustimmen. Wieder einmal ein Meisterstück der Dogs. Ich habe nichts an diesem Spiel auszusetzen, es hat mich unglaublich gefesselt und es war toll. Allein diese kleinen aber so geilen Filmsequenzen oder ganz allgemein das Gameplay. 100% top. Hoffe da kommt noch irgendwann mehr und Naughty Dog kann von der Serie nicht ablassen 🙂

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