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Vorschau: Boundary – Eindrücke zum vielversprechendem Taktik-Shooter von der gamescom

In der heutigen Zeit fällt es schwer, mit einem Multiplayer-Shooter aus der Masse hervorzustechen. Das vergleichsweise besonders schnelllebige Genre stagniert zurzeit und bietet abseits des bereits abflauenden Battle-Royale-Hypes wenig Innovationen. Umso überraschender ist es, dass ein neues chinesisches Entwicklerstudio namens „Surgical Scalpels“ sich dem entgegensetzt und nun mit „Boundary“ einen vielversprechenden Weltraumshooter mit beeindruckender Grafik in der Mache hat. Wir haben die Entwickler auf der gamescom getroffen und das Spiel für euch ausprobiert.

Einige von euch erinnern sich vermutlich noch an die vereinzelten Weltraummissionen in diversen Ablegern des Genregiganten „Call of Duty“. Diese spielerisch abwechslungsreichen, kurzweiligen Abstecher in den schwerelosen Raum schafften es jedoch nie in den Mehrspielerteil der Reihe und glänzten auch bei der Konkurrenz stets mit Abwesenheit. Diese Lücke erkannten offensichtlich die Entwickler des neuen Studios, die auf Nachfrage über Berufserfahrungen bei bekannten Größen wie „Tencent Games“ und dem prestigeträchtigen „Rare“ berichteten, somit also nicht wirklich neu im Geschäft sind.

So verzichtet “Boundary” gänzlich auf einen Singleplayer und bietet stattdessen drei teambasierte Spielmodi sowie einen Free-For-All-Modus im Weltraum-Setting. Was im ersten Moment nicht die große Innovation zu sein scheint, spielt sich tatsächlich umso mehr wie eine solche. Statt zum Start einer Runde nur zwischen zwei bis drei Wegen entscheiden zu können, bewegt ihr euch nun völlig frei in alle Richtungen und schwebt an Raumstationen durch das schier unendliche All. Die Steuerung geht dabei nach einer gewissen Eingewöhnungszeit gut von der Hand.

Euer Ziel ist je nach Spielmodi aber sehr klassisch: Es geht entweder um möglichst viele Abschüsse oder das Einnehmen von Zonen. Spätestens nach dem ersten erfolgreichen Abschuss wird klar, dass man sich stark an “Call of Duty” orientiert. Medaillen für gewisse Aktionen, wie z.B. „One shot one kill“ rasen auf befriedigende Art und Weise über den Bildschirm, der Name und die Entfernung des abgeschossenen Gegners werden angezeigt: ich fühle mich als regelmäßiger Zocker des Vorbilds direkt zuhause. Das Spielgefühl ist 1A! Hut ab, denn besser gut geklaut, als schlecht selbst gemacht. Man geht jedoch noch einen Schritt weiter und liefert nicht lediglich einen lieblosen Shooter im All, sondern hat sich offensichtlich Gedanken darüber gemacht, wie taktische Elemente eingebaut werden können.

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So bieten zahlreiche Gadgets, wie z.B. ein Enterhaken, Gewittergranaten und Heilpods, zahlreiche Möglichkeiten für neue Strategien, um mit eurem Viererteam erfolgreich zu sein. Schon nach kurzer Zeit hätte ich mir am liebsten drei Freunde oder Kollegen mitsamt Mikrofonen geschnappt und gemeinsam die ersten Taktiken ausgetüftelt. Auch grafisch braucht sich “Boundary” nicht vor den Giganten zu verstecken, denn die Grafik ist für ein kleines Studio mit unbekanntem Publisher und kleinen Budget äußerst beeindruckend. Egal ob die unterschiedlichen und doch vertraut wirkenden Waffen, die Animationen beim Nachladen oder die sich an der authentischen Raumstation spiegelnden Sonnenstrahlen; alles sieht bereits jetzt äußerst gut aus.

Für die Langzeitmotivation bietet “Boundary” ein klassisches Rangsystem, bei dem ihr mit jedem Aufstieg neue Aufsätze für eure Waffen freischaltet, die dann nach Herzenslust selbst konfiguriert werden können. Zusätzlich werden vier Klassen geboten, die sich durch ihre Fähigkeiten so unterschiedlich spielen, dass ihr länger an der Stange gehalten werdet. Preislich soll sich der Titel im Bereich zwischen 30 und 40 Euro bewegen. Die Zeit wird zeigen, ob sich der Underdog in diesem Preisbereich erfolgreich platzieren kann. Schließlich ist der Tod eines reinen Multiplayerspiels, wenn man nicht jederzeit schnell ein Spiel findet, was erst bei einer ordentlichen Verkaufszahl wirklich der Fall ist.

Wir sehen den Titel aufgrund seines Potentials intuitiv eher als einen geeigneten Titel für ein erfolgreiches Free-to-Play-Konzept an und haben so unsere Zweifel, ob das klassische Geschäftsmodell aufgehen kann. Es bleibt zu hoffen, dass der ein oder andere bekannte Streamer auf den potentiellen Geheimtipp aufmerksam wird, damit die Masse von Spielern, die sich heutzutage leider oft nur noch von ihren Vorbildern auf Twitch und Co. überzeugen lässt, Wind von dem Titel bekommt. Ansonsten sehen wir die Chancen des Titels eher düster. Wir freuen uns jedoch schon auf die Vollversion des Titels und wünschen dem jungen Team bereits jetzt einen erfolgreichen Start, auch zum Wohle des gesamten Genres.