TEST: Assassin’s Creed: Valhalla – Auf zu rauen Ufern

Was wäre das Jahr ohne einen neuen Ableger aus der Reihe unseres Lieblings-Geheimbundes. Die Assassinen wagen sich auch dieses Jahr wieder an den Start und wollen dabei wieder einmal einen gelungenen Mix aus Action, RPG und History Channel an den Start bringen. Nach den antiken Ägypten und Griechenland verschlägt es nun in das doch weitaus modernere Zeitalter der Wikinger und Angelsachsen, die um die Vorherrschaft in Englaland kämpfen. Mal schauen, inwieweit wir auch in diesem Jahr wieder überrascht werden.

Auf zu rauen Ufern

Die Geschichte von Assassin’s Creed: Valhalla beginnt wie jede neue Batman-Filmreihe: Eivor, das jüngste Mitglied eines Wikingerstammes, muss aus nächster Nähe einen Angriff auf sein Heimatdorf und den damit verbundenen Tod seiner Eltern miterleben. Er selbst schafft es zu fliehen, wird dabei aber von einem Wolf in den Hals gebissen und ist seitdem gezeichnet. 

Dieses Erlebnis führt dazu, dass Eivor viele Jahre später durch die norwegischen Heimatländer zieht, den Mörder der Eltern ausfindig und zusammen mit seinem Clanbruder Sigurd Jagd auf diesen macht. Sigurd kommt nämlich gerade von einer langen Reise zurück und hat zwei neue Kameraden aus den fernen Ländern dabei, die jeweils komische Gewänder tragen und denen ein Finger fehlt. Serienfans wissen beim ersten Anblick direkt, um wen es sich hier handelt. Nach kurzer Planung schreiten wir also zur Tat, töten den Mörder unserer Eltern und freuen uns darüber, dass unsere Ehre endlich wiederhergestellt ist. Und das alles nach nur 30 Minuten. 

Assassin’s Creed: Valhalla

Nach diesem doch sehr rasanten Einstieg beginnt unser eigentliches Abenteuer, denn Sigurd möchte nicht mehr unter seinem Vater, einem sehr friedliebenden König, leben, sondern ein eigenes Königreich gründen. Und natürlich lassen wir unseren Bruder nicht im Stich. Also begleiten wir ihn nach Englaland, wo wir eine kleine Siedlung errichten, von der aus wir uns das Ziel setzen, unser mächtiges, neues Königreich zu erobern.

Eine Geschichte voller Episoden

Assassin’s Creed: Valhalla ist von dort an wie in mehreren Episoden aufgebaut, welche wir nacheinander abarbeiten können. Wir besuchen die verschiedenen Regionen Englands, erledigen unsere Missionen, und schließen so neue Bündnisse. Mal müssen wir dafür einer Herrscherin dabei helfen, ihre Stadt zurück zu erobern und einen Verräter zu entlarven, oder wir versuchen an einer anderen Stelle, einen neuen König auf den Thron zu setzen, ein paar zu vermählen oder noch einiges mehr. 

Die Story ist dabei sehr linear aufgebaut und wird dabei zum einen von den zahlreichen kleinen Nebenquests durchbrochen, die entweder aus einfachen Gesprächen oder durch hilfesuchende NPC’s gestartet werden, oder durch das eine, große, übergeordnete Ziel, neben der Herrschaft über Englaland, dass uns die beiden Vertreter der Assassinengilde auferlegt haben: die Vernichtung des feindlichen Ordens, den wir als den Templerorden kennen. Um seine Mitglieder aufzudecken sammeln wir überall Informationen in Form von Gesprächen, Briefen und anderer Objekte, um anschließend Jagd auf die Mitglieder zu machen. Meistens ist das jedoch, ähnlich wie schon in Odyssee, nur eines der nebensächlichen Ziele und drängt sich dabei kaum in den Vordergrund. Schade muss man hier sagen, denn klar, die Story der Wikinger und ihre Invasion auf englischem Boden sind toll zu erleben und lassen sich auch gut erzählen, aber spielen wir alle nicht vorrangig die Assassin’s Creed-Reihe, weil wir gerne meucheln und mehr über den Krieg der beiden Organisationen Templer und Assassinen erfahren wollen? Denn auch Eivor ist im Grunde kein Mitglied der Assassinen. 

Assassin’s Creed: Valhalla

Ein Leben ohne Folgen

Während wir es in Odyssee mit häufig wiederkehrenden Figuren in den verschiedenen Regionen der riesigen Welt von Griechenland zu tun bekamen und so einige Beziehungen zu den Figuren und der Handlung aufgebaut haben, kommt die Story von Valhalla nun doch leider etwas eintönig daher. Jede Region bildet eine mehr oder weniger in sich geschlossene Handlung, ohne, dass wir später mit den gleichen Figuren erneut in Kontakt treten. Das hat auch zur Folge, dass Entscheidungen, die wir im Laufe unseres Abenteuers treffen, nur selten eine ähnliche Auswirkung wie im Vorgänger haben. 

Denken wir hier nur an die Handlungsmöglichkeiten zwischen Kassandra und Alexios und die vielen weiteren Entscheidungen und deren Folgen auf die Handlung. In Valhalla sucht man nach einem ähnlichen Konzept eher vergebens und findet es nur sehr selten. Nichtsdestotrotz ist die Story sehr unterhaltsam und lässt uns gut in die Welt der Wikinger eintauchen. Wir bekommen einige ansprechende Momente geboten und werden alles in allem gut unterhalten.

Überarbeitetes Gameplay

Wer an Assassin’s Creed Odyssey denkt, dem fallen vor allem bestimmt in Sachen Gameplay die zahllosen Nebenquests, die umfangreiche Sammlung an Waffen und Ausrüstungsgegenständen sowie der Kampf gegen zu starke Gegner ein. Zum Teil hat Ubisoft hier aus der Kritik am Vorgänger gelernt und das Spiel dahingehend angepasst. Die Zahl der Nebenmissionen wurde merklich zurückgedreht und diese sind darüber hinaus gefühlt wesentlich kürzer. Das hat den Vorteil, dass man diese tatsächlich nebenbei erfüllen kann, und von diesen nicht mehr überfrachtet wird. 

Assassin’s Creed: Valhalla

Auch im Ausrüstungssystem wurde abgespeckt, zwar finden wir noch die ein oder andere Ausstattung, jedoch werden wir nicht mehr damit erschlagen und verbessern diese eher, anstatt sie einfach auszutauschen. Eine Veränderung, die uns wirklich sehr gut gefällt und das Spiel aus unserer Sicht wesentlich ausgewogener gestaltet. Etwas negativer fällt hierbei leider wieder auf, dass ein Attentat nicht unbedingt wieder zum Tod des Gegners führt, außer, wir passen die Spieleinstellungen entsprechend an. Damit wird uns zumindest die Möglichkeit im Rahmen der vielen Anpassungsmöglichkeiten der Einstellungen gelassen, das Spiel in vielen Belangen des Gameplays nach unseren Vorlieben anzupassen.

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Wer die Grundeinstellung verwendet, der wird um den Ausbau seines Skill-Tree nicht herumkommen, um den Attentats- sowie den normalen Schaden oder andere Eigenschaften auszubauen oder spezielle Fähigkeiten freizuschalten. Wir merken dabei zwar, dass wir im Laufe der Zeit immer stärker werden, jedoch eher schleichend, anstatt plötzliche, deutliche Anstiege, wodurch man langsam stärker wird, anstatt direkt eine mächtige Kampfmaschine zu sein. Ein wenig mehr Fokus hätte man auf die Schleichmechaniken legen können, denn hier werden wir viel zu oft einfach entdeckt oder müssen auf eine unattraktive Art langsam umhergehen, und selbst dann sind wir nicht zwangsläufig heimlich unterwegs. Wirklich nervig.

Schöne Welten, kulturelle Vielfalt

Auch grafisch hat Assassin’s Creed Valhalla einiges zu bieten. Die Umgebungen von England sind durchzogen von ansprechenden Waldabschnitten, mystischen Ruinen und belebten Dörfern. Zwar fehlen uns hier die imposanten Bauten wie die Hagia Sophia, das Kolosseum in Rom oder die Akropolis in Griechenland, die verschneiten Ländereien Norwegens und die aufstrebende Stadt von London haben aber einen sehr schönen Charm und vermitteln ein sehr gutes Gefühl der damaligen Zeit mit allen ihren Gefahren und Eigenheiten. 

Assassin’s Creed: Valhalla

Wir reisen mit unserem Wikingertrupp im Schiff über die kleinen Flüsse, plündern christliche Kirchen und durchsuchen alte, römische Ruinen nach Vorräten und Geheimnissen. Alle diese Umgebungen bieten uns viele kleine Details und sind auch schön ausgearbeitet, ebenso wie die Charaktermodelle, sowohl in den Zwischensequenzen als auch im laufenden Spiel beim Schleichen oder Kämpfen. 

Ganz frei von Fehlern ist der Titel jedoch nicht, immer wieder bekommen wir es mit kleinen Fehlern zu tun, wie Körperteile, die durch Kleidungsstücke ragen, Gegner, die einen Meter zu weit von unserer Waffe entfernt stehen, während wir sie köpfen, oder auch ein paar andere kleine Fehler und ausfälle. Auf der PS5 profitiert der Titel im besonderen Maße von der Raytracing- Technologie, die besonders die Reflektionen im Wasser oder auf der Kleidung von Eivor verbessern, als auch die Details in Gesichtern in Zwischensequenzen hervorheben, sorgen für ein noch intensiveres Spielerlebnis. Von der guten Rechenleistung profitieren auch die kleinen Kampfanimationen, die noch flüssiger daherkommen, sowie blitzartige Schnellreisen, die auf der PS5 wesentlich kürzer sind als auf der PS4.

Assassin’s Creed: Valhalla

Die Story, die tolle Grafik und die gute Spielmechanik sorgen insgesamt für eine sehr ansprechende Atmosphäre, in welcher wir uns gut verlieren können und tief in die Welt der Wikinger einsteigen, ihre gesamte Kultur sowie deren Glauben an Valhalla, Odin und Co. bekommen wir gut vermittelt und genießen die Sagen, die Kämpfe gegen legendäre Tiere und die Erforschung versteckter Geheimnisse. Wir bauen darüber hinaus auch eine gute Beziehung zu Eivor und seiner Rolle im Rabenclan auf, fühlen mit ihm und sind interessiert, wie seine Aufgabe in der Geschichte der Assassinen genau ausgesehen hat.

Insgesamt sind wir in puncto Gameplay, Grafik und Atmosphäre durchaus zufrieden mit der Entwicklung, welche Ubisofts Vorzeigetitel seit Odyssee genommen hat. Wir werden nicht mehr von unzähligen Nebenmissionen erschlagen, bekommen eine ansprechende Story geboten und sehen einen grafisch ausgereiften Titel, der gerade im Vergleich auf der Next-Gen die ersten Verbesserungen und Vorteile aufzeigt, welche die neuen Möglichkeiten mit sich bringen. Das Kampfsystem ist ausgewogen, die vielen Sammelobjekte gut integriert und das Gefühl der Wikingerzeit immer zu spüren.

TEST: Assassin’s Creed: Valhalla – Auf zu rauen Ufern
“Assassin’s Creed Valhalla ist zwar in vielen Punkten anders als sein Vorgänger Odyssee, macht damit aber vieles richtig, steckt aber auch in manchen Gebieten nach wie vor zurück. Die Story rund um Eivor, den Rabenclan und die Entwicklungen im langsam aufsteigenden England machen viel Freude und beleuchten eine Epoche der Geschichte, mit der man nicht zu häufig in Kontakt kommt. Die nordische Mythologie sowie die Geschehnisse um den Orden der Assassinen fügen sich gut mit in das Gesamtgeschehen ein und spornen dazu an, die vielen Geheimnisse und verborgenen Ort zu erforschen. Auch das Kampfsystem fühlt sich gut an, und die kleinen Animationen im laufenden Kampf sorgen für eine gute Action und vermitteln, wie blutrünstig die Wikinger doch waren. Vor allem auf der PS5 ist der Titel schön anzusehen und zeigt schon gut, wie Raytracing und die Power der SSD ein Spiel beeinflussen können. Leider gibt es hin und wieder kleine Darstellungsfehler, und auch die großen Monumente fehlen ein wenig, und aus unserer Sicht hätten wir ein wenig mehr Assassinen-Handlung gesehen, anstatt den Aufstieg der Wikinger. Immerhin heißt der Titel Assassin’s Creed. Nichtsdestotrotz bekommen wir wieder einmal einen guten Titel geboten, der uns lange fesselt und uns über viele Stunden mit abwechslungsreichen Aufgaben und Herausforderungen unterhalten kann. Wer kann, der sollte definitiv zur PS5 Version greifen, die Verbesserungen hier sind zwar klein, aber deutlich spürbar.”
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