TEST: Beyond Two Souls – Ergreifend, spannend und ein würdiger Abschluss

Übernatürliche Existenzen, das Paranormale oder ein Leben nach dem Tod! Fragen nach denen die Menschen jeher eine Antwort suchen, auf die es für die Meisten jedoch keine gibt, zumindest nicht bis wir selbst eines Tages an diesem Punkt stehen werden. Eine Vision davon zeigt euch Quantic Dreams neueste Produktion „Beyond: Two Souls“ auf, die mich vor Spannung kaum noch losgelassen hat.

Schon im Vorfeld hatten wir zwei Mal die Gelegenheit uns „Beyond: Two Souls“ im Rahmen eines Preview-Events anzuschauen, eines davon sogar in einer sehr speziellen Location, bei der Sony mit einer Bus Tour durch ganz Deutschland unterwegs war und somit überall neugierige Blicke auf sich zog. Schon damals waren wir uns ziemlich sicher, von diesem Spiel nicht enttäuscht zu werden.

Spannend, Dramatisch und Emotional …

Im Mittelpunkt von „Beyond: Two Souls“ steht unsere Protagonistin Jodie Holmes, gespielt von Ellen Page, die ihr über 15 Jahre ihres Lebens begleitet; ein Leben, das die meiste Zeit nicht wirklich leicht und von mehr Tiefen als von Höhen geprägt war. Alles beginnt schon mit eurer Geburt, nach derer ihr eurer Mutter entrissen und quasi zum „Eigentum“ der CIA werdet. Zwar verbringt man die ersten Jahre bei einer Pflegefamilie, nach ersten Problemen dort, die mit Jodies übernatürlichen Fähigkeiten in Verbindung stehen, quartiert man euch in einer Forschungseinrichtung ein und ist dort auch nicht viel mehr als ein Forschungsobjekt.

Eure engsten Vertrauten dort sind Professor Nathan Dawkins, gespielt von Willem Dafoe, und Cole Freeman, zu denen Jodie eine ganze besondere Beziehung entwickelt und die in gewisser Weise die Elternrolle übernehmen. Beide begleiten euch auch das gesamte Spiel über hinweg. Der Dritte und wohl wichtigste Charakter, wenn man ihn überhaupt so nennen kann, ist Aiden, eine übernatürliche Existenz, die Jodie seit der Geburt begleitet und mit der ihr fest verbunden seid. Aiden entwickelt sich für Jodie zum alltäglichen und fast einzigen Begleiter; wie ein bester Spielkamerad, der auch sehr eifersüchtig werden kann und zudem etwas rachsüchtig ist. Mitunter ein Grund, warum Jodie häufig in ihrem Leben alleine ist und Schwierigkeiten dabei hat, soziale Kontakte oder Beziehungen aufzubauen. Aiden ist gleichzeitig aber auch ein Beschützer, der Jodie vor allen möglichen Gefahren bewahrt und in höchster Not zur Stelle ist. Da reicht es manchmal schon, wenn Jodie von jemanden wütend angeschrien wird, wo sich Aiden dann im Raum bemerkbar macht, Lampen zum Flackern bringt und ein rumoren durch den Raum geht, so dass hier alle das Fürchten bekommen. Für Jodie ein Fluch und Segen gleichermaßen.

Die Verbindung mit Aiden beschreibt im Grunde schon, worum es eigentlich in „Beyond: Two Souls“ geht. Die Erforschung des Paranormalen, Existenzen die uns umgeben, aber auch sehr persönliche Schicksale. Im Fokus steht dabei eine wirklich ergreifende Story, vorangetrieben durch das schicksalhafte Leben von Jodie, aber auch derer der anderen Charaktere, wie Professor Dawkins, dessen Forschungspläne sich nach einem persönlichen Schicksalsschlag auf fragwürdige Weise ändern. Jodie ist indes dabei ihre Vergangenheit und Herkunft aufzuarbeiten, wenn auch sie nur zufällig einzelne Puzzleteile davon aufdeckt und so beginnt weiter nachzuforschen. Wie schon erwähnt, erstreckt sich die Story von „Beyond: Two Souls“ über 15 Jahre, in denen ihr Jodie in vielen Facetten erlebt. Als Kind, das glaubt von Monstern verfolgt zu werden, als ausgeflipptes Punk-Girl, als Obdachlose, die sich den Tod wünscht, oder als CIA-Agent auf Tötungsmission in Somalia. Durch diese Zeitspanne, die teils tragischen Ereignisse darin, aber auch die glücklichen Momente und völlig alltäglichen Situationen, die man erlebt, schaffen eine derart enge Bindung an den Charakter, dass man jeden einzelnen Moment mitfühlen kann. Aber auch der Hass auf sich selbst gehört dazu, über Fehlentscheidungen in ihrem Leben und zu erkennen, dass man sie häufig nur wegen ihrer Fähigkeiten ausgenutzt hat, lassen Jodie zunehmend an sich zweifeln. Als Drama, wofür sich Quantic Dream hier entschieden hat, funktioniert die Story hier am Besten, wobei es dann immer noch eine Kunst ist, dies so umzusetzen, dass es auch glaubhaft ist und Wirkung beim Spieler zeigt. Das gelingt Quantic Dream letztendlich und nur selten, wenn überhaupt erlebt man eine so intensive Story, die bis zum Schluss nervenzerreißend und spannend ist.

Wie ein Film …

Niemand anderes als Quantic Dream versteht sich besser darin, die besten Elemente aus einem Film so mit einem Spiel zu verbinden, dass es man Ende auch noch ein Spiel ist. Quantic Dream ist ja inzwischen dafür bekannt, sich großzügig an diesen Charakteristiken zu bedienen. Mit „Beyond: Two Souls“ ist das nicht anders, hat aber auch den Sinn, die Story so spannend erzählen zu können. Die insgesamt 26 Szenen werden scheinbar willkürlich gespielt; mal als Kind, danach zehn Jahre weiter in Story und wieder zurück als Kind. Erst nach und nach ergibt sich hier ein Gesamtbild, das sich aus einzelnen Teilen zusammensetzt und dann auch Sinn macht und Zusammenhänge erkennen lässt. Dieses hin und her mag anfangs recht verwirrend sein, dient aber auch dazu, nicht gleich alle Schlüsselmomente der Story zu offenbaren und fast bis zur allerletzten Minuten noch mit Überraschungen aufwarten zu können. Hier hat Game Director David Cage absolut erstklassige Arbeit geleistet, insbesondere bei den verschiedenen Enden, die mal sehr traurig sind, mal sehr nachdenklichen machen, aber auch zufriedenstellend sein können. Neben dem Szenenaufbau stechen noch weitere Merkmale hervor, die typisch für Filme sind, darunter die Kameraeinstellung, die einem nicht immer auf Schritt und Tritt folgt, der Szenenwechsel zwischen den unterschiedlichen Charakteren während eines Gesprächsverlauf, Kamerafahrten über die Landschaft oder ganz typische Spotlights, wie die untergehende Sonne in der Wüste. Gerade diese Techniken lassen sich euch „Beyond: Two Souls“ wie einen Film erleben, der dennoch keiner ist oder euch 15 Stunden nur tatenlos zuschauen lässt.

Abseits der Standards …

Zwar geht man auch mit „Beyond: Two Souls“ nicht unbedingt den traditionellsten Weg eines Videospiels, dennoch funktioniert das Ganze auf seine Art, wie bereits „Heavy Rain“ damals bewiesen hat. „Beyond: Two Souls“ an sich ist von der Story und vom Aufbau komplett anders als „Heavy Rain“, beim Gameplay finden sich aber jede Menge Parallelen wieder, wenn nicht sogar viele identische Dinge. Die Demo war in Bezug auf das Gameplay ein wenig irreführend und suggerierte, dass „Beyond: Two Souls“ fast ausschließlich aus Quick-Time-Events besteht. Dem ist natürlich nicht so und man hat durchaus die Möglichkeit die einzelnen Umgebungen auf eigene Faust zu erkunden und viel auszuprobieren. Es hält sich natürlich alles im Rahmen und seitens des Spiels wird man immer in eine gewisse Richtung gedrängt. Meiner Meinung nach hat dies jedoch den Sinn, sich nicht zu sehr von der Story zu entfernen und dadurch die Dinge aus dem Kontext zu verlieren. Man sollte sogar immer versuchen, seine Umgebung mehr zu erkunden und nicht immer gleich das tun, wohin mit dem Finger gezeigt wird. Dadurch erfährt man deutlich mehr zur Hintergrundgeschichte, sieht mehr vom Spiel und versteht auch viel schneller die Zusammenhänge aus der Vergangenheit.

Ebenso verhält es sich mit den Gesprächen zwischen den Charakteren, die oft die Möglichkeit bieten mehr zu hinterfragen und alles zu verstehen. So lassen sich auch einzelne Szenen viel weiter ausreizen, so dass man letztendlich viel mehr vom Spiel zu sehen bekommt. Es ist nicht wie in „Heavy Rain“, wo bestimmte Antworten den Spielverlauf komplett verändern können. „Beyond: Two Souls“ basiert nicht auf Entscheidungen, zumindest nicht, wenn man das Ende hier mal außen vor lässt. Jede Szene endet immer am gleichen Punkt, den ihr durch ein mögliches Scheitern oder durch euer Verhalten früher oder später erreichen könnt. Als Beispiel kann man hier das Dinner zwischen Jodie und Ryan anführen, das ihr mit Aiden derart stören könnt, dass Ryan den Abend vorzeitig abbricht. Die Alternative wäre dann eine kleine Bettgeschichte zwischen den Beiden.

Aiden spielt sich natürlich komplett anders als Jodie, der sich als unsichtbare Existenz um Jodie herum bewegt. Für Aiden gibt es keine Wände oder Türen, der sich bis zu einem gewissen Abstand komplett frei bewegen kann. Aiden hat aber noch einige andere Tricks drauf, wie die Inbesitznahme anderer Körper, Dinge umstoßen zu können oder wenn es hart auf hart kommt, andere Leute zu erwürgen. Aiden ist somit ein nützliches Werkzeug, um schwierige Situationen zu meistern oder tritt eben als Beschützer auf, der gerne auch mal Rache übt, falls Jodie angegriffen wird, egal ob physisch oder verbal. Im Gesamten liegt „Beyond: Two Souls“ spielerisch auf dem Level von „Heavy Rain“, bietet einige Verfeinerungen darin und natürlich Aiden als zweiten spielbaren Charakter. Das gefällt vielleicht nicht jedem so, aber der Fokus von „Beyond: Two Souls“ liegt eben auch auf einer intensiven und emotionalen Story, die alles andere darum einen vergessen lassen kann.

Grafisch ein Meisterwerk …

In jüngster Zeit haben uns Spiele wie Capcom´s „Remember Me“ vor allem optisch überrascht, bei denen man sich denkt, besser geht es kaum noch auf der aktuellen Hardware. Nun kommt „Beyond: Two Souls“ und belehrt uns mal wieder eines Besseren. Es ist erstaunlich wozu die PlayStation 3 in der Lage ist, die uns mit „Beyond: Two Souls“ erneut einen Ausblick auf die kommende Generation erlaubt. Es ist nicht nur der extrem fotorealistische Look, der hier einem geradezu den Atem verschlägt, schon im Vorfeld rückte Quantic Dream immer wieder die aufwendigen Motion-Capture Aufnahmen ins Licht, mit dem Ziel vor allem realistische und glaubwürdige Emotionen bei den Charakteren darstellen zu können. Die detailgetreue Darstellung der Schauspieler ist geradezu verblüffend, vielleicht sogar etwas befremdlich auf diesem extrem hohen Level, liefert aber die bisher besten und authentischsten Ergebnisse ab, die man in einem Spiel sehen konnte, was natürlich auch von enormer Wichtigkeit für das Gesamtkonzept des Spiels ist. Zwar arbeitet man häufig mit fixierten Kameraeinstellungen, die einen solch hohen Detailgrad und eine solch fantastische Umsetzung ermöglichen, aber es passt eben auch alles perfekt zusammen und bildet vermutlich den krönenden Abschluss auf der PlayStation 3. Einfach nur traumhaft und wunderschön!

Hollywoodkomponisten verpflichtet …

Um einer filmischen Inszenierung wie „Beyond: Two Souls“ gerecht zu werden, hat man sich für das Spiel auch hochkarätige Hollywoodkomponisten an Bord geholt, darunter Lorne Balfe und Hans Zimmer, der das erste Mal überhaupt an einem Soundtrack für ein Videospiel mitgewirkt hat, sowie Normand Corbeil, der bereits im Januar dieses Jahres verstorben ist. Wer die Musik der Komponisten kennt, kann sich vorstellen, was ihn in im Spiel erwartet und wird auch in dieser Hinsicht keineswegs enttäuscht. Ein mitreißender und gleichzeitig gefühlvoller Soundtrack, der einem Gänsehaut bescheren kann, insbesondere dann, wenn es in das Paranormale abdriftet. Ebenso erstklassig fällt diesmal auch die Besetzung der Synchronsprecher aus, für die man im Falle von Ellen Page und Willem Dafoe das Original Cast verpflichten konnte. Aber auch die restliche Riege an Charakteren kann sich hier hören lassen, die am Ende keinerlei Streitpunkte offen lassen.

Kritik …

Ich glaube, bis zu diesem Punkt merkt man, dass es kaum bis gar nichts gibt, was mich an „Beyond: Two Souls“ stört. Das Spiel ist aus meiner Sicht in seiner Gesamtheit nahezu perfekt, sowohl in der Technik, der Story, der Optik oder dem Sound. Natürlich, wenn man gezielt danach sucht, sind einige Statistenrollen im Spiel nicht so perfekt umgesetzt wie die Hauptcharaktere oder die Steuerung in Jodies Kampfeinsätzen, die manchmal nicht so möchte wie man selbst. Allgemein ist das Gameplay nicht so ausgeklügelt oder in seiner Tiefe so anspruchsvoll, wie es in einem traditionellen Spiel ist. Aber „Beyond: Two Souls“ ist auch kein traditionelles Spiel und somit rückte dieser Punkt für mich deutlich in den Hintergrund. Etwas auffällig hingehen sind einige Entscheidungen, die man bewusst treffen kann und in Bezug auf den Verlauf nicht ins Bild passen. Hier hatte man offenbar immer nur eine klare Linie im Kopf, ohne zu Bedenken, dass sich der Spieler absichtlich für unlogische Gegensätze entscheiden kann. Damit könnte man dem Spiel tatsächlich Kleinigkeiten anlasten, aber am Ende blieb eine wirklich außergewöhnliche Spielerfahrung zurück, welche die kleinen Makel durchaus verzeihen lässt.

Entwickler: Quantic Dream
Publisher: Sony Computer Entertainment
Release: 09. Oktober 2013
Offizielle Homepage: www.beyond-twosouls.com

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TEST: Beyond Two Souls – Ergreifend, spannend und ein würdiger Abschluss
Quantic Dream schafft es mit Beyond: Two Souls eine absolut ergreifende Story zu erzählen! Wie schon damals bei den Charakteren von Heavy Rain fühlt man auch hier mit der leidgeplagten Jodie Holmes mit, begleitet sie durch wirklich dunkle Kapitel ihres Lebens, bis hin zu einem Moment, wo sie am liebsten alles hinter sich lassen möchte. Das Thema des Paranormalen passt hierzu wunderbar ins Bild und ergänzt Beyond: Two Souls mit einer fantastischen Geschichte, die mich an Kultfilme wie ‚Poltergeist‘ erinnert, der einen bis heute fasziniert und dessen Neugier an diese unbekannte und teils beängstigende Welt einen nicht mehr loslassen möchte. Aber auch der fast einzigartige Aufbau des Spiels, die Erzählweise, die typischen Charakteristiken eines Films sorgen dafür, dass Beyond: Two Souls von der ersten bis zur letzten Minute spannend bleibt. Dass der spielerische Part sehr mit Heavy Rain zu vergleichen ist, ist aus meiner Sicht weiterhin kein Negativpunkt, der einem dabei hilft, sich auf das Wichtigste im Spiel zu konzentrieren .. die Story. Sicherlich gehört auch etwas Mut dazu, mit den üblichen Konventionen der Branche zu brechen. Für uns ist Beyond: Two Souls dennoch eine beispiellose Inszenierung, die es in dieser Art viel zu selten gibt.
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