Koop-Spiele, am besten sogar noch zusammen auf der Couch, erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Daher kennt wohl jeder den typischen Ablauf eines Koop-Titels, egal ob zu zweit oder gar zu viert: Einer macht so ziemlich alles, während die anderen meist rat- und planlos hinterherdackeln.

Spätestens ab drei Mitspielern gesellt sich ein Nutznießer dazu, der allen jegliche Gegenstände schnell vor der Nase wegschnappt, ohne selbst etwas zum Erfolg beizutragen. So werden kooperative Spiele schnell zu kompetitiven, die Freundschaften und Beziehungen auf harte Proben stellen können. Letzteres ist zwar auch im neuen Koop-Titel „Biped“ möglich, der frisch im PSN erschienen ist, aber nur aufgrund dessen, dass ihr hier wirklich aufeinander angewiesen seid. Biped ist nämlich durch sein innovatives Bewegungskonzept das kooperativste Spiel, das wir seit langer Zeit in die Finger bekommen haben.

Zu zweit für doppelt Spaß

Ihr steuert einen kleinen Roboter, der sich mithilfe seiner zwei multifunktionalen Greifarme fortbewegt. „Das ist doch nicht innovativ!“, könnte man jetzt einwerfen. Stimmt, aber ihr steuert jeden Arm mit jeweils einem Stick separat. Ein Parkour, der in Spielen wie z.B. Uncharted mit Links zu absolvieren wäre, wird durch dieses Steuerungskonzept plötzlich zur lustig anmutenden Herausforderung. Ebenso ergeht es einem bei dem Umlegen von Schaltern oder der Einhaltung bestimmter Reihenfolgen. Nur in manchen Bereichen kann man mühelos über den Boden gleiten. Im Einzelspieler wird diese ungewöhnliche Steuerung jedoch schnell langweilig und frustrierend, weshalb man sich dringend einen zweiten Mitspieler, egal ob auf der Couch oder online, dazu holen sollte.

Erst dann blüht Biped nämlich so richtig auf, indem die optisch abwechslungsreich gestalteten Level so umgewandelt werden, dass beiden Spielern viel Geschick und Koordination abverlangt wird. Dabei spielen Farben eine große Rolle, denn jeder Spieler bekommt eine zugewiesen. So müsst ihr beispielsweise regelmäßig Schluchten mithilfe von beweglichen Plattformen überqueren, wobei diese immer in einer der Farben erstrahlen. Setzt der Spieler mit der falschen Farbe nun einen Fuß auf, verschwindet sie und beide stürzen in die Tiefe. Die Lösung: jeder darf sich nur im Wechsel mit seinem Partner bewegen, denn mit jedem aufgesetzten Arm wechselt die Farbe wieder.

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Dies erzeugt eine bislang unbekannte Abhängigkeit voneinander. Wenn ihr auf eurer Seite einem Objekt ausweichen müsst, seid ihr darauf angewiesen, dass sich euer Mitspieler koordiniert mitbewegt, obwohl er das selbst gar nicht müsste. Gleichzeitig fehlen jegliche kompetitiven Elemente, denn die sammelbaren Münzen zählen für beide und wer seinen Mitspieler über den Haufen rennt, der riskiert die gemeinsame Harmonie-Wertung am Ende eines jeden Levels.

Die Lernkurve von Biped ist ziemlich steil, weshalb es auf keinen Fall als zu leicht beschrieben werden kann. Das liegt vor allem an der größten Stärke des Spiels, die gleichzeitig seine größte Schwäche ist: Ein Mitspieler kann das Unvermögen des anderen nicht ausgleichen. Als Resultat ist Biped nicht für Menschen geeignet, die ansonsten nur selten einen Controller in ihren Händen halten. Dann wird aus einer spaßigen Spielrunde ein für alle frustrierendes Erlebnis, was durchaus bereits im ersten Level der Fall sein kann.

Die etwas kindliche aber durchaus angemessene grafische Präsentation könnte hierbei in die Irre führen und das Spiel leicht zu einem Fehlkauf machen. Ein wählbarer Schwierigkeitsgrad hätte hier Abhilfe verschaffen können. Wer jedoch einen passablen Mitspieler hat und sich nicht vor einem Geschicklichkeitsspiel samt Potential zum Zerstören von Freundschaften scheut, der kann mit Biped nicht viel falsch machen. Einziger Wermutstropfen könnte noch der Umfang sein, denn mit großem Geschick sind die acht Level schnell beendet. Dann bleiben nur noch die knackschweren Herausforderungen, bei denen man jedes Level in einem Durchgang und einer sehr guten Zeit abschließen muss.

8.4
"Wer seit langem nach einem echten Couch-KooP-Titel sucht, der wird mit Biped definitiv fündig und sollte sofort zuschlagen. Nicht nur optisch verliebt man sich sofort in die knuffigen Roboter, auch der Einstieg ist schnell und zugänglich gestaltet, während man später durchaus vor knackigen Herausforderungen steht. Vor allem das innovative Steuerungskonzept hebt Biped aber von der Konkurrenz ab, weshalb man hier durchaus von einem Koop-Geheimtipp sprechen kann! Eine Genre, das vor allem in diesen Tagen dringend gesucht wird."