TEST: Call of Duty – Advanced Warfare

XadaX 08/11/2014 4 comments

Es ist mal wieder so weit: Wie in jedem Jahr erschien auch in diesem November ein neuer Teil der umstrittenen „Call of Duty“-Reihe von Activision. Diesmal jedoch nicht von Infinity oder Treyarch, sondern vom bisherigen Co-Entwickler Sledgehammer Games, die mit „Call of Duty – Advanced Warfare“ ihr erstes komplett eigenes Spiel präsentieren.

Activision verspricht mit diesem zusätzlichen dritten Studio, dass ab jetzt stets gleichzeitig mit den anderen an einem eigenständigen Call of Duty arbeiten soll, in Zukunft durch die längere Entwicklungszeiten insgesamt bessere Spielerfahrungen. Ob dieses Versprechen mit dem neuen Ableger „Advanced Warfare“ eingehalten wurde, verraten wir euch in unserem Test der PS4-Version.

 

Die Story – aufgepeppt durch Kevin Spacey

3_cod_spaceyDie Ereignisse in „Advanced Warfare spielen knapp 40 Jahre in der Zukunft. Erstmals schlüpft ihr während dem gesamten Spiel nur in eine einzige Rolle, nämlich die von Jack Mitchell, einem Soldaten der US-Armee. Schnell werdet ihr jedoch zu einem Söldner von Atlas, einem hoch technologisierten privaten Militärunternehmen, das ein größeres Heer als jeder andere Staat besitzt. Geleitet wird dieses von einem Mann namens Jonathan Irons, gespielt von Hollywood-Größe Kevin Spacey. Dieser spielt seine Rolle gewohnt grandios, was die Story für mich definitiv interessanter gemacht hat, als sie ohne ihn wahrscheinlich gewesen wäre. In fotorealistischen Zwischensequenzen könnte man teilweise fast denken, man sehe eine Originalaufnahme von Spacey, dessen Rolle stark an die der Serie „House of Cards“ erinnert. Für ihn erledigt ihr diverse Aufträge, die euch stets an sehr abwechslungsreiche Schauplätze rund um die Welt führen, um Anschläge der fiktiven Terrororganisation KVA zu verhindern. Wir wollen hier nicht zu viel der Kampagne spoilern, die wie immer gemischte Gefühle bei Spielern und Testern hervorrufen wird, doch es erwarten euch wieder einige – mal mehr und mal weniger vorhersehbare – Wendungen.

Nach einer für mich etwas öden ersten Mission, nahm das Spiel zunehmend an Fahrt auf und konnte mich durchaus an den Bildschirm fesseln, auch wenn dies gegen Ende der knapp 5-7 Stunden langen Kampagne durch leicht unlogische Verhaltensweisen der Akteure wieder abnahm. Ich hatte das Gefühl, dass mehr auf eine fesselnde Story geachtet wurde, die stetig vorangetrieben wird, als es in vorherigen Teilen der Fall war. Wer kompromissloses Geballer sucht, der wird daher noch weniger mit dem Einzelspieler zufrieden sein, als vielleicht zuvor, denn Zwischensequenzen und Passagen ohne Schießerei treten nun häufiger auf. Mir hat dies gefallen. Ein wenig fühlte ich mich an das aktuelle „Wolfenstein“ erinnert, dessen Kampagne uns diesen Sommer ebenfalls überzeugen konnte. In Verbindung mit den neuen Mechaniken, über die ihr im nächsten Abschnitt mehr erfahren könnt, hatte ich – Achtung: subjektiv! – die spannendste Story-Erfahrung in einem Call of Duty seit dem fünften Teil „World at War“. Trotzdem werden keine Wunder vollbracht, denn in Sachen Gameplay hätten einige Passagen durch mehr Möglichkeiten und Freiheit deutlich interessanter sein können. Seinen Namen sieht man dem Spiel nun mal nach wie vor an. Wer bis jetzt nicht mit Call of Duty warm wurde, der wird es daher wohl auch dieses Mal nicht mögen.

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Das Gameplay der Kampagne: Viele neue Spielzeuge

Die größte Neuerung von „Advanced Warfare“ ist ohne Zweifel euer Exo-Skelett. Dieses ermöglicht es euch beispielsweise schnell in bestimmte Richtungen auszuweichen, sehr hoch zu springen oder eine Autotür abzureißen, um diese als Schild zu verwenden. Im Laufe der Kampagne kommen immer mehr neue Spielzeuge hinzu, welche die Missionen stets etwas abwechslungsreicher gestalten. Gegen Ende könnt ihr beispielsweise eine Art Greifhaken an eurem Anzug benutzen, um euch zu höher gelegenen Kanten zu ziehen. Hierbei ist eine relativ große Freiheit gegeben, wo ihr euch genau hinbewegt. Diese fehlt ansonsten leider fast gänzlich, obwohl die Reihe bereits gezeigt hat, dass sie eigentlich auch anders kann. Denn auch wenn ihr immer wieder neue Fähigkeiten erhaltet, so sind diese in der nächsten Mission teilweise wieder weg, bis sie irgendwann wieder auftauchen. Dies wirkt inkonsequent und führt dazu, dass man die gut konzipierten Neuerungen immer nur dann benutzen kann, wenn das Spiel dies von einem verlangt – schade! Besonders gut gefallen hat mir übrigens ein Gerät, das sämtlichen Schall im Umfeld isoliert und somit das Ausschalten von Gegnern ermöglicht, ohne in der Nähe befindliche Feinde zu alarmieren. Auch hier musste ich die Entwickler ein wenig verfluchen, da ich dieses ebenso nicht selbst einsetzen kann wann ich möchte.

Ansonsten sind natürlich auch wieder einige Stealth-Missionen dabei, die mir persönlich zwar zu wenig Herausforderung geboten haben und daher erneut nicht annähernd an die legendäre Tschernobyl-Mission heranreichen, jedoch durchaus spannend sind. Auch Fahrzeuge aller Art sind wieder vertreten, muten aber eher als aufgezwungene Abwechslung an, als echte Bereicherung für den Spielspaß zu sein. Schuld ist hier einmal mehr die fehlende Bewegungsfreiheit, die vor allem in diesen Abschnitten quasi nicht vorhanden ist und ihr damit durch einen Schlauch gezwungen werdet. Das ist insofern schade, da man hier mit etwas größeren Arealen eine tolle Abwechslung geboten hätte. Interessant sind hingegen die neuen Granaten. Ihr seid nicht mehr nur einfach in Besitz einiger Blend- oder Explosivgranaten. Zwar habt ihr nach wie vor eine taktische und eine offensive Granate, diese können jedoch vor dem Wurf in ihrem Modus gewechselt werden. Jede bietet drei verschiedene Optionen, von denen einige neu sind. So kann die taktische Gegner im Umfeld für einige Sekunden aufdecken oder einen EMP aussenden, während die offensive auf Wunsch bei Kontakt explodiert oder in der Luft stehenbleibt und wie eine Art Wärmesuchrakete auf den nächsten Gegner zufliegt. Dies ermöglicht neue Strategien, um die – zugegeben nach wie vor leicht dümmlichen – Gegner zu bezwingen.

4_CoD AW_Ascend_BoostNeu ist auch, dass ihr im Verlaufe der Kampagne Punkte verdient, mit denen ihr euren Soldaten verbessern könnt. Dies bietet nicht nur eine zusätzliche Motivation, sondern auch die Möglichkeit der Spezialisierung. Rennt ihr lieber frontal in eure Gegner rein? Dann wollt ihr vermutlich mehr Gesundheit und eine bessere Panzerung haben. Geht ihr lieber taktisch vor? Dann wird eine erhöhte Kapazität an mitgenommenen Granaten sicherlich behilflich sein. Insgesamt 11 Aspekte eures Soldaten lassen sich so zweimal aufwerten, womit ihr auf 22 mögliche Verbesserungen kommt. Und dabei handelt es sich nicht um unbedeutende sondern wirklich stark spürbare Hilfen, wie neben den bereits genannten beispielsweise ein sehr schnelles Nachladen. Die benötigten Punkte erreicht ihr durch vier Kategorien, die im Laufe der Kampagne addiert werden: Anzahl an Abschüssen, Abschüsse durch Volltreffer, Abschüsse durch Granaten und das Aufsammeln der erneut in allen Missionen auffindbaren Geheimdaten, die mal mehr und mal weniger gut versteckt auf euch warten. Schade ist, dass jede Kategorie über ein Maximum an zu erwerbenden Punkten verfügt. So hatte ich bereits in der vierten Mission die höchstbenötigte Anzahl an Volltreffern, während die restlichen auch nach Abschluss der Kampagne noch nicht beendet waren. Trotzdem ist dieses System ein Schritt in die richtige Richtung, und wir hoffentlich im kommenden Teil weiter ausgebaut.

 

Multiplayer: Frischer Wind durch Exo-Skelett

Der Multiplayer profitiert insgesamt am meisten von den neuen Fähigkeiten des Exo-Skeletts. Ein flinkes Manöver in die Höhe, gefolgt von einem zügigen Schub nach vorne, während dem man sich noch im Sprung dem nächstgelegenen Gegner entledigt, um dann mit einem Slam Richtung Boden dem nächsten Feind Schaden zuzufügen, erfordern auch von Veteranen der Reihe ein strategisches Umdenken und Hinzulernen. Die Karten sind dementsprechend vertikal ausgerichtet und ermöglichen fixe Sprünge über Mauern, um den Gegner von oben zu überraschen. Auch das beschleunigte Ausweichen in alle Richtungen erfordert viel Übung und trägt zur neuen Dynamik des Multiplayers bei, der sich ansonsten gewohnt gut spielen lässt. Einziger Nachteil der neuen Bewegungsfreiheit mag sein, dass der Einstieg für Neueinsteiger erschwert wird, da geübte Spieler mit den Fähigkeiten schnell deutlich überlegen sind.
Alle etablierten Spielmodi, wie Team-Deathmatch, Abschuss bestätigt, Search & Destroy und Hardcore-Listen sind wieder mit an Bord. Auch Infected, bei dem die Spieler stückweise in Zombies verwandelt werden, ist wieder mit dabei und wird durch das Exo-Skelett zu einer gänzlich neuen Spielerfahrung. Neu ist der spaßige Modus „Uplink“, bei dem ihr eine Drohne in eine Art gegnerischen Korb befördern müsst. Wer im Besitz der Drohne ist, der kann diese nur einem Mitspieler oder auch Gegenspieler zuwerfen, da man damit nicht schießen kann.

Ansonsten werden viel mehr Individualisierungsmöglichkeiten geboten, als je zuvor. Ihr könnt fast komplett frei 13 verschiedene Ausrüstungsgegenstände mitnehmen und euren Charakter nach eurem Wunsch gestalten. Hierfür erhaltet ihr mit der Zeit immer wieder Pakete, die Ausrüstung unterschiedlicher Seltenheitsstufen enthalten. Die angelegten Gegenstände der Mitspieler können in der Lobby schnell bestaunt werden, was für einen erhöhten Sammelfaktor sorgt. Seltene Waffen können zwar bessere Werte haben, als die normale Version, erhalten jedoch einen Abzug in gleicher Höhe bei einem anderen Wert. Damit wird das Spiel durch seltene Ausrüstung nie unfair, sondern der Multiplayer um eine motivierende Funktion erweitert.

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Zusätzlich steht erneut ein Survival-Koop-Modus für bis zu vier Spieler bereit. In diesem müsst ihr euch Wellen von Gegnern stellen, die immer stärker werden. Durch einen knackigen Schwierigkeitsgrad wird hier gewillten Spielern eine Gelegenheit geboten, ihr Können auf der Bestenliste zu verewigen.

 

Grafik und Sound

Die gerenderten Zwischensequenzen von „Advanced Warfare“ sind ohne Übertreibung das Beste, was ich je auf einer Konsole gesehen habe. Absolut fotorealistische Charaktere mit realistischen Bewegungen erweckten den Eindruck, dass ich gerade einen Film schaue. Auch in den Zwischensequenzen im Spiel, in die jedes Mal unbemerkt gewechselt wird, sobald uns Charaktere etwas erzählen und der Spieler statisch an einer Stelle steht, sehen die Protagonisten beeindruckend aus. Sobald ihr jedoch wieder die volle Kontrolle erlangt, erlischt das Leben im Gesicht der Charaktere. Abgesehen von der stabilen Framerate bei 1080p bewegt sich die Spielgrafik stets zwischen einigermaßen gut und unverständlich schlecht. Vor allem in der Ferne wirken einige Texturen erschreckend matschig und fast einfarbig. Die Lichteffekte sind passabel aber sicherlich keine neue Referenz. Insgesamt muss sich Call of Duty den Grafikvergleich des im letzten Jahr erschienenen „Battlefield 4“ gefallen lassen, bei dem es – abgesehen von den Zwischensequenzen – eindeutig den Kürzeren zieht, denn im Vergleich zum Vorgänger „Ghosts“ hat sich bei der Spielgrafik nicht wirklich etwas getan.

Auf voller Linie konnte mich hingegen der Sound überzeugen. Mit entsprechender Anlage kommen die stimmige Hintergrundmusik und die Explosionen kraftvoll zum Ausdruck. Besonders gefallen hat dabei die Anti-Schall-Mine, die den Subwoofer beim Auslösen ein kleines Erdbeben verursachen lässt und das Spielgeschehen daher überzeugend ins Wohnzimmer überträgt. Die originale Synchronstimme von Kevin Spacey trägt, neben den anderen ebenso hochkarätigen Sprechern, zusätzlich zur Bestnote bei.

Entwickler: Sledgehammer Games
Publisher: Activision
Release: erhältlich
Offizielle Homepage: www.callofduty.com

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TEST: Call of Duty – Advanced Warfare
Der neue Ableger von Call of Duty kommt mit dem Exo-Skelett erstmals mit bedeutenden Änderungen daher, die sowohl Single- als auch Multiplayer eine Kur verpassen, das Spiel aber nicht neu erfinden. Deshalb wird es erneut nicht jedermanns Sache sein. Wer jedoch bisher Spaß mit der Reihe hatte, wird durch eine gut inszenierte Story und einen dynamischeren Multiplayer mit erhöhter Individualisierung neu gefordert und begeistert werden. Ich wurde es zumindest, denn so gut war Call of Duty schon lange nicht mehr!
8.6
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