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TEST: Divinity: Original Sin 2 – Definitive Edition

Generationen vor uns wuchsen noch mit sechsseitigen Würfel auf und plötzlich waren sie da: die Zwanzigseitigen. Sie brachten Phantasie und Magie in unser Leben und hatten für uns Kreaturen und Helden als Mitbringsel im Gepäck. Anfangs waren wir Menschen nur mit Papier und Stift bewaffnet, um eine erlebbare Welt mit unserer Vorstellungskraft zu erbauen und in kleineren Gruppen zu besuchen. Aber auch hier schlug im Laufe der Jahre die Evolution zu und verfrachtete das Geschehen auf PCs und Konsolen. Ein Spielleiter war nicht mehr erforderlich und der Spieler hatte auf einmal in der Regel selber eine Schar von 1 – 6 Computerfiguren mit unterschiedlichen Rassen und zauberhaften Berufsgruppen zu bemuttern. Und bei diesen neuen RPG namens “Divinity: Original Sin 2” betreuen wir eine Rasselbande von 4. Hoffen wir mal, dass sie keine Dummheiten unter unserer Kontrolle anstellen.

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Ich habe mich eingenässt

Anfangs auf uns allein gestellt in diesem Universum, befinden wir uns als gefangener Quellenmagier auf einem Schiff wieder. Nur das Nötigste am Leib, aber ein unnötiges leuchtendes Halsband umgehängt. Normalerweise sind Amulette und sonstiges hilfreiches Beiwerk willkommen, aber dieses nicht abnehmbare und unzerstörbare Teil mindert unsere sonst üppige magische Aura nebst Fähigkeiten, um die Welt mit mächtigen Zaubersprüchen auf den Kopf zu stellen. Daher ist zu Beginn bescheidenes Auftreten angesagt und wir erkunden erstmal das schwimmende Vehikel.

Viele ebenfalls betroffene Mitreisende bieten so manchen Dialog mit brauchbaren Informationen. Alles was zum Öffnen erlaubt ist und sich nicht im Blickfeld von Aufpasser befindet, wird kontrolliert und so manches Faß beherbergt sogar Nützliches und Gold. Doch wo befinden sich Waffen und Schutzkleidung für den Ernstfall?

Tja, und dieser tritt sehr schnell ein: plötzlich droht das Wasserfahrzeug zu sinken, es gibt die ersten Toten und Bewußtlosen und das Chaos bricht aus. In dem Trubel ist es ratsam das Deck zu betreten, um die eigene Seele und den Rest dazu zu retten. Eine Spielwarnung rät uns allerdings vorher sich zu bewaffnen. Trotz der eintretenden Wassermassen geht es wieder zurück zu den unteren Etagen und Raum für Raum erneut abgesucht. Was haben wir übersehen und siehe da: ein hilfreiches Utensil für eine gepflegte Attacke. Also wieder ab nach oben an die frische Luft und das erste widerwärtige Getier vernichtet.

Allerdings so nass es in den tieferen Bereichen war, umso feuriger ist es im Freien. Mit zaghaften Schritten an den Flammen vorbei, riesige Krakenarme in der Nähe missachtend,  in Richtung Rettungsschaluppe marschiert und für die Bergung des eigenen Gesäßes gesorgt. Und so befinden wir uns auf einen großen Eiland wieder. Dummerweise war diese Insel sowieso das eigentliche unfreiwillige Ziel und dieses dumme Halsband schmückt uns immer noch. Es ist zu befürchten: der Ärger geht weiter und wo verdammt nochmal sind die unterstützenden anderen drei Helden… ?

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Vier Freunde / Feinde müsst ihr sein

Damit das richtige Feeling, wie in diesem Genre üblich, auch bei “Divinity: Original Sin 2” aufkommt, ist der Gamer zuerst mit der Auswahl und Modifizierung seines eigenen Helden beschäftigt. Viele Rassen stehen zur Auswahl und jede Figur hat seine eigene Geschichte, beeinflußt durch die Herkunft. Hat man zur eigenen Zufriedenstellung die Haare schön, eine für die eigenen Ohren liebschmeichelnde Stimme gefunden und ist von den angeborenen Sonderfähigkeiten begeistert, kann es mit der Geschichte auch schon losgehen.

Um das Spiel zu erlernen (Kenner des ersten Teils werden sich da wohl schnell zurechtfinden), ist die Startsituation mit nur einer Figur für Neulinge eine gute Lösung. Geht die Anvisierung von Gegenständen und Gesprächspartnern erstmal leicht von der Hand und man setzt routiniert seinen Suchradius ein, kann der erste Kampf kommen. Diese sind rundenbasiert und bieten genug Zeit die richtige Strategie zu wählen oder im Schlechtfall die Falsche. Feuer kann man halt nicht mit Feuer vernichten, doch eine Öllache in Brand zu setzen erwärmt nicht nur das Herz. Somit ist das A und O bei Divinity die Betrachtung der elementaren Stärken und Schwächen der Bösewichte.

Trotz der Einschränkung durch das Halsband, ist noch genug Mana in uns, um den Feinden das Fürchten zu lehren. Einige Zauber sind von Beginn vorhanden, andere werden durch eine durchdachte Verteilung von wenigen Talentpunkten pro Stufenanstieg freigeschaltet oder fokussiert verbessert – je nach belieben. Somit wird jeder neue Level ein kleines Fest. Her mit dem Sekt, Stößchen und die Attribute aufgehübscht!

Auf der Insel-Location kann man – zur notwendigen Unterstützung – aus fünf auffindbaren Begleitern, drei (mit Startwerten vorgegebene) Mitstreiter nebst ihrer Story, Nebenquests und Begabungen auswählen. Denn drei freie Plätze dürfen aufgefüllt werden. Praktischerweise wählt der Spieler deren Beruf aus. Fehlt noch ein Schurke für störrische Türen und Truhen und der eigene, erstellte Kampfmagier ist zu doof eine Falle zu entschärfen, entpuppt sich diese Freiheit als wahrer Segen.

Der Status dieser Zwangsfreundschaften ist von den Entscheidungen des eigenen Avatars abhängig. Einige NPCs reagieren auf die Begleiter positiv, negativ oder gar nicht. Je nachdem wer sich in der Mannschaft befindet und wer von den vieren aktuell die Gruppe anführt. Gut wer sich die Standorte der anderen beiden gemerkt hat (Geländekarte hat Markierungen im Angebot) und notfalls austauscht usw., wenn das Umfeld etwas merkwürdig reagiert.

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Ansonsten ist es hilfreich regelmäßig neue Einträge im Tagebuch zu kontrollieren, damit man die nächste Hauptquest nicht aus den Augen verliert. Schließlich ist das keine Sightseeing-Tour, oder doch?

Lustwandeln wie in einem Gemälde

Wer des Kämpfens müde ist, sollte sich die Zeit nehmen und sich, mit den eingebauten Zoom aus der Ferne und der Nähe, an der Detailverliebtheit erfreuen. Gebäude, Landschaften, Animationen sind hier der reinste Hingucker. Außer für Banausen natürlich, die lieber das Schwert schwingen. Da haben die Programmierer, im Vergleich zum ersten Teil, noch mal kräftig die Qualitätsschraube angezogen.

Tralali und Tralala

Die englischen Audio-Stimmen (Text alles in deutsch) sind nicht besser oder schlechter als in anderen Spielen, aber die Begleitmusik oder Umgebungsgeräusche sind einfach toll platziert und unterstützen hervorragend die Atmosphäre von “Divinity: Original Sin 2”. Wer sich daran stört und eigene Mucke hören will, kann über Optionen auch alles reduzieren.

Summary
“Warum keine Wertung von 10 für Divinity: Original Sin 2? Es gab für mich 3 nervige Faktoren: Befinden sich Gegenstände wie z.B. Kisten und Fässer innerhalb von belebten Bereichen in Sichtweise von NPCs, sind die Meisten, aber nicht längst alle, rot markiert. Beim Anklicken der roten wird man von einem der Bewohnern verwarnt. Macht man das mehrmals führt es zu unnötigen Kämpfen, denen man nicht gewachsen ist, weil dann viele Gegner auf euch zustürmen. Leider ist die gewählte Signalfarbe nicht wirklich leicht erkennbar (außer im Suchmodus). Im ersten Teil noch etwas witzig und nostalgisch, ist das Wechseln der Charaktere für den Austausch von Gegenständen und Waffen/Rüstungen auf Dauer stressig und erneut umständlich gelöst. Bei einem Flächenbrandzauber, der in der Regel lange anhält, erkennt man die Standorte der eigenen Avatare und der Gegner im zweiten Teil sehr schlecht. Da kann sogar ein einfacher Kampf einen konfuse Kopfschmerzen mit Nebenwirkung Orientierungslosigkeit bereiten. Aber davon abgesehen, ist Divinity: Original Sin 2 ein wunderbarer Zeitfresser im positiven Sinne - mit massig Spielstunden und -spaß. Sehr empfehlenswert! Und wer möchte schnappt sich einen Freiwilligen und zockt den Couch-Modus.”
Good
  • Tolle, detailverliebte Gestaltung der Spielumgebungen
  • Gelungener RPG für Rollenspielfans
  • Spieltiefe durch passende Musik und Hintergrundgeräuschen
Bad
  • Grafisches Chaos bei Feuerzauber
  • Hauptgeschichte sekundär / nicht gerade fesselnd
  • Verbotene Gegenstände schlecht erkennbar
8.5
Great

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7 0