TEST: DOOM – Einmal Old-School Hölle und zurück

Nachdem wir uns im vergangenen Monat alle von dem Multiplayer von „DOOM“ überzeugen durften und die Mehrheit der Spieler mit einem kollektiven “ehhh, geht so” antworteten, senkten viele auch ihre Erwartungen an die Singleplayer-Kampagne des Reboots. Als Publisher Bethesda bekannt gab, dass man keine Review Exemplare vor dem offiziellen Release des Spiels verschicken wird, sahen viele Spieler ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt – der Singleplayer wird ebenso durchwachsen ausfallen. Doch wir können Entwarnung geben, zumindest die Kampagne kann voll überzeugen. Was euch sonst auf dem aktuellen Höllentrip des Kult-Shooters erwartet, könnt ihr folgend nachlesen

Weniger Story mehr Action

„DOOM“ stand noch nie für eine tiefgründige Geschichte und setzt jeher das Gameplay an erste Stelle, sodass auch der neueste Ableger hier keine Ausnahme darstellt. Das Spiel beginnt und man findet sich auf einem steinernen Altar wieder – der Raum ist mit Zombies gefüllt. Bevor jedoch das erste Ungetüm über einen herfallen kann, reist man sich los und schlägt diesem flux den Schädel ein, die übrigen Kadaver folgen ihrem Kollegen unverzüglich. Über ein Interkom wird Doomguy über den Stand der Dinge informiert. Ein Portal zur Hölle wurde geöffnet und die Bedrohung durch die Dämonenhorde befindet sich auf einem gefährlichem Level – was voraussetzt, dass es auch ein sicheres Level gibt. Doomguy ist allerdings nicht der Typ Mann, der nur ruhig zuhört und daher wird das Interkom kurzerhand in die Ecke gedonnert. Es ist keine Zeit zu verlieren , es müssen Dämonen getötet werden.

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Das erste Gameplay-Segment macht klar, um was für eine Art Shooter es sich hier handelt. Hier wird die Action groß geschrieben, Story kommt nur an zweiter Stelle und ist auch dann optional. Wichtige Story Elemente werden durch Hologramme erzählt, an denen man allerdings auch getrost vorbei marschieren kann. Solltet ihr mehr über die Geschichte erfahren wollen, ist Eigeninitiative gefragt und ihr könnt mittels zahlreichen PDAs, die überall in Levels verteilt sind, mehr über Feinde, Organisationen und Figuren in Erfahrung bringen. So kompakt sich das bis hier hin anhört, so nebenläufig ist die Story tatsächlich gehalten, aber wie erwähnt liegt der Fokus auch ganz woanders.

Gameplay satt

„DOOM“ setzt schnelle Action, in verwinkelten Arealen und Arenen an erste Stelle und stellt dafür ein ordentliches Waffenarsenal zur Verfügung. Im Laufe des Abenteuers sammelt ihr zehn Waffen ein, von denen sieben zwei alternative Feuermodi verfügen. Um Waffen aufzurüsten, müsst ihr zuvor allerdings ein Aufrüstungskit finden, von denen mitunter mehrere in den Levels versteckt sind. Wurde ein Upgrade erworben, könnt ihr diesen dann mit Punkten, die ihr für eure Leistung in Feuergefechten und das Finden von Geheimnissen erhaltet, verbessern. Mit der Kettensäge und der BFG finden sich des Weiteren zwei Waffen mit Sonderrollen in eurem Inventar. Die Kettensäge schaltet die meisten Gegner mit nur einem Angriff aus und verwandelt Gegner in eine Blutpinata, die Munition im Überschuss ausspuckt. Eine solch effektive Waffe, die obendrein noch für einen Munitionsregen sorgt, darf aus Gameplay-Gründen jedoch nur begrenzt genutzt werden und daher braucht das Kettengetriebene Mordwerkzeug zusätzlich Benzin – hier gilt umso größer der Gegner desto mehr Benzin wird verbraucht. Abschließend haben wir dann noch die BFG 9000, eine weitere Sonderwaffe der Marke Panik. Solltet ihr euch in einer ausweglosen Situation wiederfinden, klärt dieses Spielzeug den ganzen Raum. Wie die Kettensäge braucht auch die BFG Sondermunition und diese ist rar – tragen könnt ihr maximal drei Schuss, dafür ist aber jeder Schuss ein garantierter Massenmord.

Neu dabei sind die Glory Kills, die den Doomguy auf Tuchfühlung gehen lassen. Bringt ihr einen Gegner ins Taumeln, könnt ihr diesen mit einem Melee-Angriff in besonders brutaler Art und Weise des Licht ausblasen, dafür spuckt dieser dann wieder extra Lebenspunkte aus, eine Mechanik, die sich besonders auf höheren Schwierigkeitsstufen bezahlt macht. Die Multiplayer-Beta legte den Verdacht nahe, dass Glory Kills auf Dauer langweilig werden und sich eher negativ auf des Gameplay auswirken, doch weit gefehlt. Glory Kills gehen schnell von der Hand, unterbrechen das Gameplay nicht unnötig und es gibt genug Variation um Eintönigkeit zu vermeiden.

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Ein weiterer wichtiger Punkt sind zudem die Runen, die dem Doomguy neue passive Fertigkeiten verleihen. Runen werden durch verschiedene Trials, die in den Levels versteckt sind, freigeschaltet und verleihen euch passive Boni. So erhaltet ihr nach einem Glory Kill z. B. einen Geschwindigkeitsboost oder verfügt über unendlich Munition, wenn ihr mindestens 100 Armor habt. Im Verlaufe des Spiels schaltet ihr insgesamt 12 Runen frei, von denen drei gleichzeitig genutzt werden können. Welches Setup ihr bevorzugt bleibt somit ganz euren Vorlieben überlassen.

Multiplayer mit Identitätsverlust

Dooms Multiplayer ist ein zweischneidiges Schwert. Hier gibt es eine Vielzahl der üblichen Verdächtigen wie Team Deathmatch und Soul Harvest aka. Kill Confirm. Originale Neuerungen wie Warpath oder Freeztag, im Grunde Team-Deathmatch mit Gefrierkanonen, gibt es wenige. Glory Kills schlagen hier in das krasse Gegenteil der Kampagne um und sollten unter allen Umständen vermieden werden. Solltet ihr dennoch zu einem Glory Kill verleitet werden, stellt ihr schnell fest das ihr während der Animation angreifbar seit und zumeist direkt danach sterbt oder selbst zum Glory-Kill-Opfer werdet, da das gesamte gegnerische Team hinter euch Aufstellung genommen hat und wie wild auf euch einprügelt.

Etwas mehr Tiefe bekommt der Multiplayer durch die Pick Ups, die in den Maps verteilt sind. Mit etwas Glück könnt ihr dann eine der Spezialwaffen oder Dämonenrunen für eine begrenzte Zeit verwenden und so viele Punkte einstreichen. Abgerundet wird das Ganze mit einem Levelsystem, inklusive Prestigeränge, das euch regelmäßig mit neuen Personalisierungsgegenständen versorgt. Alles in allem ist der Multiplayer leider nur als durchschnittlich zu bewerten. Fast alles hat man anderswo schon gesehen und das zumeist besser. Persönlich hatte ich zwar nie den Eindruck meine Zeit zu verschwenden, aber zu WOW Momenten kam es irgendwie auch nie.

SnapMap oder Little Big Doom

Mit SnapMap bekommt das neueste „DOOM“ seine eigenen Modding Tools, die jeder Spieler frei nutzen kann. Theoretisch kann man mit SnapMap eigene Singleplayer-Geschichten erstellen und mit der Welt teilen oder einen Horden-Modus für vier Spieler erstellen. Die besten Beispiele finden sich allerdings mit den Entwicklerkarten. Ein gutes Beispiel ist ‚Harvest Doom‘ hier wässert ihr eure Ernte, füttert Dämonen und kauft beim freundlichen Dämonenhändler neue Gegenstände für eure Höllenfarm ein. Neben diesem originellen Beispiel finden sich auch selbstverständlich massenhaft Horden-Modi und andere kleine Spielereien im SnapMap Katalog, richtige Schmuckstücke darunter lassen jedoch noch auf sich warten.

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Hier gibts was auf die Augen und Ohren

Grafisch dürfte „DOOM“ wohl eines der beeindruckendsten Spiele (neben Uncharted natürlich) auf der Playstation 4 sein. Mit etlichen Gegnern, Licht-, Schatten- und Partikeleffekten gleichzeitig auf dem Bildschirm, wirft euch das Spiel einer beeindruckenden Effektorgie entgegen. Umso erstaunlicher ist, dass die Framerate von 60 Bildern pro Sekunde nie nennenswert einbricht und das bei einer Auflösung von 1080p. Ebenfalls satt, zumindest für Konsolenverhältnisse, fallen die Grafikoptionen aus. Motion Blur und Chromatic Aberration können auf Wunsch abgestellt werden, während euer Sichtfeld (FOV) auf 110 geschraubt werden kann – Zum Vergleich: Destiny hat einen ungefähren FOV-Wert von 60 bis 65, „DOOM“ bietet also knapp doppelt soviel Sichtfeld.

Wenn es um den Ton geht, bietet „DOOM“ ebenfalls eine erstaunlich satte Soundkulisse, am Besten via Surround. Hier knallen die Waffen mit brachialer Wucht, Fässer explodieren mit Druck und Dämonen platzen effektvoll, während ein dynamischer Metal-Soundtrack das Ganze stimmig untermalt. Leider neigen die vielen Explosionen auch dazu die Musik zu sehr zu unterdrücken, was echte Metal-Heads mit etwas Geschick in den Einstellungen ausgleichen sollten.

Sammelwut und Langzeitspaß

Mit knapp zehn bis zwölf Stunden verfügt „DOOM“ über eine beeindruckend lange Kampagne, die mit vielen Collectibles, die 3D-Modelle zu Monstern und Waffen freischalten, zum erneuten Spielen einlädt. Mehr Spaß bescheren euch dann noch die extra Schwierigkeitsstufen. Mit Nightmare hat man einen harten Brocken vor sich. Selbst die einfachsten Gegner können euch hier das Licht mit 2 bis 3 Attacken auspusten. Noch kniffliger wird es mit Ultra-Nightmare. Gespeichert wird hier nur zwischen den einzelnen Leveln. Obendrein gibt es dann noch Permadeath was bedeutet, dass euer Spielstand gelöscht wird sobald ihr das Zeitliche segnet. Das mag sich zunächst nach Folter anhören, ist in der Praxis aber sehr unterhaltsam, nicht zuletzt weil kleine Grabmäler euch zeigen wo eure Freunde ins Gras gebissen haben.

Entwickler: iD Software
Publihser: Bethesda Softworks
Release: erhältlich
Offizielle Homepage: www.doom.com

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TEST: DOOM – Einmal Old-School Hölle und zurück
"DOOM kann mit seiner Kampagne voll und ganz überzeugen, auch wenn die Story an sich irgendwie nur optional ist. Schon lange hat mich kein FPS mehr nur durch sein Gameplay so gut unterhalten. Hier wird nonstop blutige Action geboten, wie man es eben von Doom erwartet. Weniger ausgreift ist hingegen der Multiplayer, der anderen Genre-Kollegen lediglich nacheifert, dabei meist sogar noch hinterherhinkt und dadurch im Einheitsbrei der Masse untergeht. Weniger Old-School und mehr Kreativität täten hier wirklich gut. Wer allerdings auf der Suche nach einem erstklassigen Singeplayer-Shooter ist, der durch Gameplay allein überzeugt, für den ist DOOM ein Pflichtkauf. Legt ihr zusätzlich besonderen Wert auf den Multiplayer, erwartet für den Moment nicht allzu viel."
8.7
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