TEST: F1 2012 – Authentisches Formel 1 Feeling oder lahmes Runden drehen?

Die Formel 1 ist wohl eine der bekanntesten und beliebtesten Motorsportserien in Europa und begeistert Millionen. Ob die Formel 1-Simulation aus dem Hause Codemasters auch begeistern kann, klären wir im folgenden Test, denn wir haben uns den aktuellen Ableger F1-Reihe genauer angeschaut.

Alles startet mit dem Young Drivers Test, den man als Tutorial sehen kann. Nachdem wir uns unseren eigenen Fahrer erstellt haben, der uns durch alle Spielmodi begleiten wird, lernen wir hier die Grundlagen, von Gas geben und Bremsen, dem richtigen Einlenken, bis hin zur Nutzung KERS und DRS. Haben wir alle Tests gemeistert, kann es auch schon losgehen. Allerdings muss man sich zunächst überlegen, was man denn machen möchte, denn Spielmodi gibt es reichlich.

Im „Testgelände“ gibt es das „Zeitfahren“ wie man sie auch aus anderen Spielen kennt. Fahrzeug und Strecke wählen und ab auf die Piste. Interessanter wird es da schon beim „Zeitfahren-Attacke“, denn bei diesem Modus sind Fahrzeug und Strecke vorgegeben und es gilt drei Zeiten zu schlagen. Als erstes eine Bronze-Zeit, danach Silber und als letztes eine Goldzeit. Um die Motivation aufrecht zu erhalten, gibt es für die jeweilige Zeit einen Geist auf der Strecke, dem man hinterher jagt und im besten Falle natürlich einholt. Bronze sollte in der Regel kein Problem sein. Um Silber oder sogar Gold zu bekommen, muss man allerdings extrem sauber fahren und kleine Fehler sind nicht mehr zu verzeihen. Hier und da abzukürzen, sollte man sich auch gleich aus dem Kopf schlagen, denn dafür gibt es Zeitstrafen. Hier merkt man sofort, worauf es bei F1 2012 ankommt: perfektes Fahren.

Neben den zwei Zeitfahrvarianten finden wir auch noch den Champions Mode, in dem bestimmte Aufgaben erfüllt werden müssen. So müssen wir uns zum Beispiel bei aufkommendem Regen auf weichen Reifen die letzten vier Runden eines Rennens gegen unseren Teamkollegen Lewis Hamilton behaupten, der einige Sekunden zurück liegt, aber intermediate Reifen aufgezogen hat und dadurch mit großen Schritten näher kommt. In einer anderen Challenge gilt es auf Sebastian Vettel aufzuschließen, ihn zu überholen und dabei noch die schnellste Rennrunde zu fahren. Vor jeder Challenge kann man zwischen drei Schwierigkeitsgraden wählen. Auf „Leicht“ sollten die Aufgaben kein Problem sein, allerdings bekommt man dafür auch nur eine Bronzemedaille. Um Silber und Gold zu bekommen, bedarf es wie beim „Zeitfahren-Attacke“ schon einiges mehr an fahrerischen Können und die Challenges werden richtig fordernd.

Abseits der drei Modi im Testgelände gibt es auch noch die „Karriere“. Hier kann man den Young Drivers Test erneut absolvieren, eine Saison-Challenge starten und eine komplette Saison fahren. Bei der Saison-Challenge muss man sich zunächst für einen Schwierigkeitsgrad entscheiden. Wählt man dabei „Leicht“, stehen einem alle Teams zur Verfügung, bei „Mittel“ fallen die Top-Teams weg und bei „Schwer“ muss man sich mit den schlechtesten Teams der Formel 1 begnügen. Hat man sich für einen Schwierigkeitsgrad und ein Team entschieden, sucht man sich einen Fahrer als Rivalen aus. Die Saison-Challenge erstreckt sich über 10 Station. Bei jeder hat man zunächst eine fliegende Runde im Qualifying und anschließend ein Rennen über 5 Runden. Im Qualifying und im Rennen geht es nun darum, den Rivalen zu schlagen. Man sollte den Schwierigkeitsgrad und seinen Rivalen also mit Bedacht wählen und sein fahrerisches Können mit in Betracht ziehen. Nur hinterher fahren und seinen Rivalen nie zu schlagen ist nicht gerade motivierend und man verfehlt sein Ziel, denn schlägt man den Rivalen, hat man die Chance seinen Platz im Cockpit in einem Team einzunehmen.

Aber kommen wir nun zur eigentlichen Karriere. Hier bekommt man die volle Formel 1-Dröhnung. Die Präsentation des Ganzen ist dabei durchweg gelungen. Im Karriere-Menü finden wir Informationen zum nächsten Rennwochenende und Statistiken beendeter Rennen, die uns von Kollegen aus unserem Rennstall per E-Mail übermittelt werden. So bekommt man das Gefühl wirklich ein Teil eines Formel 1 Teams zu sein. Zudem können wir einen Blick auf das aktuelle Klassement werfen, die Einstellungen verändern und es gibt News rundum das Team und den eigenen Fahrer. Bevor man die nächste Saisonstation in Angriff nimmt, kann man noch mal eine Runde auf der kommenden Strecke mitfahren und bekommt Infos zu Bremspunkten und wie die Kurven am besten zu fahren sind. Die Rennwochenenden laufen wie in der Realität ab. Zunächst gibt es das freie Training, danach die drei Qualifying Sessions und zum Abschluss selbstverständlich das Rennen selbst. Alles beginnt in der Box. Man sitzt in seinem Boliden, kann die Reifen auswählen, eine Boxenstoppstrategie für das Rennen festlegen, das Setup des Wagens ändern und im Training und Qualifying den Zeitenmonitor beobachten. Möchte man auf die Strecke, ist die Ladezeit hinter einer kleinen Sequenz versteckt. Der Monitor wird weggenommen, Reifen gegebenenfalls noch fertig montiert und das Auto abgelassen. Training und Qualifying laufen in Echtzeit ab, aber man kann die Zeit auch vor spulen, oder eine Session überspringen. Die Renndistanz ist auf 25 Prozent voreingestellt, aber wem das nicht genug ist, der kann auch hier über die ganze Distanz gehen. Als zusätzlichen Anreiz gibt es als Zielvorgabe welchen Startplatz man mindestens erreichen möchte und an welcher Position man ins Ziel kommen sollte. Die Rennen beinhalten natürlich auch Boxenstopps bei denen einem das Spiel auch hilft, wenn man möchte. Sobald man in die Boxengasse fährt, geschieht dann bis zur Boxenausfahrt alles automatisch. Hat man es geschafft, aufs Treppchen zu fahren, gibt es eine kurze Sequenz, wie einem die anderen Fahrer im Parc Fermé gratulieren und das Team einen in der Box feiert. Den gewonnen Pokal bekommt leider nicht zu sehen.

Technisch gibt sich F1 2012 kaum eine Blöße. Die Formel 1 Boliden sehen sehr gut aus. Von Sponsoraufklebern bis zum Lenkrad ist alles sehr detailliert gestaltet ebenso wie die originalen Rennstrecken. Nur beim Fahren aus der Box gibt es hin und wieder leichtes Tearing. Der Regeneffekt ist durchweg gelungen. Mit zunehmendem Niederschlag wird die Sicht schlechter und fährt man gerade hinter einem anderen Fahrzeug, wird die Fahrt durch die Sicht beinahe zum Blindflug. Auch der Sound weiß zu überzeugen. Die Wagen klingen wie die realen Vorbilder und je nach Hersteller sind leichte Unterschiede der Motorensounds zu erkennen. Während der Trainings, Qualifyings und Rennen gibt es über Funk immer wieder Informationen zu Rundenzeiten, Abständen zum Vorder- und Hintermann, Streckenbedingungen und Zustand der Reifen und Bremsen. Diese sind stets gut verständlich. Überhaupt wird im Spiel viel erzählt. Startet man einen Spielmodus zum ersten Mal, wird einem das Menü erklärt und um was es in dem jeweilig Modus eigentlich geht. So fühlt man sich nie allein gelassen.

Kommen wir zum Wichtigsten – dem Gameplay. Auch hier kann Codemasters wieder auf ganzer Linie überzeugen. Fahrhilfen, Rennlinie und Schwierigkeitsgrad lassen sich ganz individuell einstellen und es sollte somit nie das Problem geben, dass einem der eine Schwierigkeitsgrad zu leicht und der nächste zu schwer ist.

Aber nun zum Fahren selbst: Die Ideallinie zu fahren, den Scheitelpunkt in Kurven genau und den Bremspunkt perfekt zu treffen ist extrem wichtig. Wer später bremst, ist länger schnell. Das funktioniert hier nicht. Verpasst man den Bremspunkt, kommt man nicht ideal um die Kurve, kann nicht früh genug ans Gas und verliert Zeit und Plätze. Ich musste mich erst daran gewöhnen vor den Kurven komplett zu bremsen, denn hat man das Lenkrad schon eingeschlagen, sollte man die Bremse nur noch sehr leicht betätigen, um kleinere Korrekturen vorzunehmen, sonst rutscht man geradeaus. Gefühl ist auch beim Beschleunigen gefragt, denn tritt man zu zeitig aufs Gas dreht man sich sofort. Die Lenkung ist sehr direkt und bietet stets gutes Feedback und man sollte sich schnell an die Steuerung gewöhnt haben. Hat man doch mal einen Fehler eingebaut, der einem eine gute Zeit, oder viele Plätze gekostet hat, muss man ein Rennen nicht neu starten, denn wie auch schon bei GRID und der DiRT-Reihe können wir uns der Rückspulfunktion bedienen und so tun als wäre es nie passiert.

Ich war extrem überrascht, wie stark sich Dreck an den Reifen, Regen und abgefahrene Reifen auf das Fahrverhalten auswirken. Sind die Reifen kurz vorm Ende, merkt man deutlich, dass das Auto in Kurven schwammiger fährt. Man kann nicht mehr so schnell und präzise fahren. Ist man mal neben der Strecke gelandet, sollte man ebenfalls Vorsicht walten lassen, vor allem wenn mehrere enge Kurven voraus liegen. Geht man am Kurvenausgang ans Gas und das Lenkrad ist noch nicht gerade, oder eines der Hinterräder noch auf den Curbs, bricht das Heck aus und man kann es nur noch mit Mühe und Not wieder einfangen. Auch beim Fahren im Regen merkt man einen riesigen Unterschied zwischen Slicks, Intermediates und Regenreifen. Neben den gerade erwähnten Faktoren gibt es noch zwei weitere, die das Fahrverhalten beeinflussen. Zum einen KERS (Kinetic Energy Recovery System), ein System zur Rückgewinnung kinetischer Energie. Aktiviert man KERS, bekommt der Formel 1-Renner eine Leistungsspritze von 85 PS. Man kann die Energie mit einem Mal verbrauchen, oder es sich für die komplette Runde einteilen, denn fährt man über Start und Ziel, wird die Batterie wieder vollständig geladen. KERS ist sehr effektiv wenn man den Vordermann überholen möchte. Denn dann muss man nicht erst versuchen ihn beim Anbremsen zu überholen, sondern kann auch bis zum Kurvenausgang warten, dort voll beschleunigen und so an seinem Kontrahenten vorbei ziehen, es sei denn der Gegner nutzt ebenfalls KERS am Kurvenausgang, um seinen Platz zu verteidigen. Wichtig dabei ist, dass man das Lenkrad nicht mehr eingeschlagen sollte, denn sonst kommt es schnell zu einem Dreher.

Der letzte Faktor ist DRS (Drag Reduction System), zu Deutsch, System zur Verminderung des Luftwiderstandes. In Rennen kann DRS nur in bestimmten Zonen aktiviert werden und wenn man maximal eine Sekunde hinter seinem Vordermann fährt. Im Training und Qualifying steht es hingegen immer zur Verfügung. Aktiviert man DRS, öffnet sich der Heckflügel am Fahrzeug, wodurch der Luftwiderstand geringer wird. Dies hat aber auch Folgen. Da durch das Öffnen des Flügels auch Anpressdruck verloren geht, hat man nicht mehr so viel Grip und die Reifen verlieren schneller ihre Haftung. Es empfiehlt sich also DRS nur auf Geraden und Kurven mit sehr großem Radius zu verwenden, denn hat man das Lenkrad eingeschlagen und die Hinterräder verlieren den Kontakt zur Strecke, kommt es abermals zu einem Dreher. KERS und DRS wirken sich aber nicht nur auf das Fahrverhalten aus, sondern sorgen durch mehr Leistung und eine höhere Endgeschwindigkeit für schnellere Rundenzeiten. Im Rennen sind sie auch wichtige taktische Mittel, die mit Bedacht eingesetzt werden müssen.

Offizielle Homepage: www.codemasters.com/f12012

TEST: F1 2012 – Authentisches Formel 1 Feeling oder lahmes Runden drehen?
„Codemasters hat mit F1 2012 erneut eine sehr gute Simulation abgeliefert. Die Präsentation ist sehr gut und durch den Sprecher in den Menüs und auf der Strecke fühlt man sich nie allein gelassen und wird zusätzlich motiviert. Grafik und Ton sind durchweg gelungen. Das Gameplay ist erstklassig und es beeindruckend wie sich Regen, abgefahrene Reifen, unterschiedliche Reifenmischungen, KERS und DRS auf die Fahrphysik auswirken. Wer auf pure Rennaction steht, bei der jeder Fehler bestraft wird, ist hier genau richtig. Fans der Formel 1 sollten auch einen Blick riskieren, denn mit den zahlreich einstellbaren Fahrhilfen und Schwierigkeitsgraden bietet F1 2012 sowohl für Neulinge, als auch für alt eingesessene Rennspielhaudegen gute Unterhaltung.“
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