TEST: Far Cry 4 – Willkommen im Himalaya

„Willkommen in Kyrat, einem Ort, an dem jede Minute eine Geschichte ist!“

Nach dem Erfolg von Far Cry 3 warteten die Fans gespannt auf den nächsten Ableger, der nun endlich erschienen ist. Die Erwartungen sind hoch, denn Teil 3 konnte vor allem durch seine brillant verrückte Story und seine wahnsinnigen Charaktere, wie etwa Vas, begeistern. Wie wird es in Kyrat? Ab auf den Elefanten und losgeritten.

Die wesentlichen Teile der Story sind ja schon aus dem Trailer bekannt: Diesmal verschlägt es uns in eines der größten Gebirge der Welt: Den Himalaya. Unser Ziel ist eigentlich recht einfach: Wir wollen die Asche unserer toten Mutter in unserer alten Heimat „Kyrat“ verstreuen und ihr damit ihren letzten Willen erfüllen. Doch kaum angekommen, läuft alles anders als geplant, denn das Land ist von einem Bürgerkrieg zwischen der Royal Army und den Freiheitskämpfern des „goldenen Pfades“ zerrüttet und wird von seinem verrückten Herrscher Pagan Min gequält. Nicht gerade vorteilhaft ist, dass sowohl unser Protagonist Ajay Ghale als auch seine Mutter keine unbeschriebenen Blätter in Kyrat sind. Kein Wunder also, dass nun Jagd auf uns gemacht wird.

Gameplay und Steuerung

Das Gameplay hat sich im Vergleich zum Vorgänger nur in wenigen Teilen verändert. Beibehalten wurde glücklicherweise das Jagdsystem, bei dem durch das Erlegen und Häuten von Tieren sowie durch das Sammeln von Pflanzen Rohstoffe in unseren Besitz kommen, die dann für neue Taschen oder verschiedene Spritzen weiterverwendet werden können. Das Besondere hierbei: Häutet man Tiere, sammelt man neben den Rohstoffen auch Köder. Diese können dann zum Beispiel in ein feindliches Lager geworfen werden, um wilde Tiere anzulocken, die dort für ordentlich Chaos sorgen.

fc4 (3)Auch müssen wieder Außenposten befreit werden. Diese dienen dann als Basen und sind mit einem Verkaufsapparat und unserem vollständigen Waffenschrank ausgestattet. Auf der Karte sieht man direkt, wie schwierig es wohl sein wird, einen solchen Stützpunkt einzunehmen, so dass man sich besser darauf vorbereiten kann. Wieder dabei ist auch eine Kamera, die wir bei Bedarf aus der Tasche zaubern können. Zum einen können damit Fotos von der wundervollen Landschaft geschossen und auf der Festplatte der Konsole gespeichert werden, zum andern können damit alle Einheiten oder Tiere markiert werden, wodurch man deren Bewegungen und Aktionen jederzeit beobachten kann – selbst durch Wände hindurch. Das sorgt für einen guten taktischen Vorteil.

Ebenfalls aus dem Vorgänger übernommen wurde das Fähigkeiten-System. Mit allen Aktionen im Spiel, wie Kopfschüssen oder abgeschlossenen Eroberungen, sammelt man Erfahrungspunkte. Hat man einen gewissen Wert erreicht, steigt man ein Level auf und erhält einen Fähigkeitenpunkt, mit dem man dann neue Eigenschaften – zum Beispiel den „Tod von Oben“ oder das sogenannte „Abkochen“ von Granaten erlernen kann. Diese erweitern das Spielerlebnis und schalten völlig neue Wege frei.

Natürlich geht Ajay nicht völlig unbewaffnet ins Feld. Ihm stehen zahlreiche verschiedene Waffen zur Verfügung, wesentlich mehr, als noch im Vorgänger. Im Laufe des Spieles werden immer neue Waffen freigeschaltet, von MP’s und Gewehren bis hin zum Recuverbogen oder besondere Waffen, die ihre eigenen Vorteile und Besonderheiten besitzen. Die Waffen können mit verschiedenen Erweiterungen ausgestattet werden, wie etwa Visieren, um sie auf seine persönlichen Vorlieben anzupassen.

Logisch ist, dass in Kyrat viele Gefahren auf Ajay warten. Dabei handelt es sich nicht nur um Min’s verrückte Streitkräfte, die vom normalen Schützen über den Molotov-werfenden Brandmeister bis hin zum Berserker reichen, sondern auch um eine ausgeprägte Fauna. Im gesamten Gebiet trifft man Tiere, die harmlos sind oder aber auch überaus tödlich sein können. Das reicht vom normalen Wolf über wildgewordene Adler und Krokodile, bis zu Nashörnern, die uns mitten auf der Straße angreifen. Da hat man kaum eine Chance, wenn man nicht das entsprechende Waffenarsenal besitzt.

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Doch Ajay kann die Tierwelt auch für seine Zwecke nutzen, denn er ist neben dem bereits erwähnten Einsatz der Köder auch in der Lage, auf Elefanten zu reiten. Die Dickhäuter dienen dabei nicht nur als Transportmittel, sondern können auch aktiv im Kampf genutzt werden, um Feinde zu zertrampeln, durch die Gegend zu werfen oder komplette Fahrzeuge zu zerstören. Ajay selbst kann dabei auch noch mithelfen und vom Rücken der Tiere mit seinen Waffen alles vernichten, was der Elefant nicht schafft.

Auch zahlreiche Vehikel haben wieder ihren Weg ins Spiel gefunden. So gibt es neben Autos und Gleitschirmen auch wieder einen Wingsuit und diesmal sogar einen kleinen Gyrocopter, mit dem man schnell von A nach B kommt. Dies kommt dem Spiel sehr entgegen, denn das weite und durch das Gebirge auch sehr hohe Gebiet ist kaum ohne Hilfsmittel zu bewältigen, wenn man sich auf den Weg zu neuen Zielen macht. Neu ist die Funktion, aus besagtem Gyrocopter oder aus Autos während der Fahrt schießen zu können, eine Funktion, die man in „Far Cry 3“ noch schmerzlich vermisst hat. Um auch bei dieser Funktion auf die Bedürfnisse des Spielers einzugehen, hat sich Ubisoft etwas Cleveres einfallen lassen: Autodrive! Durch betätigen der R3-Taste fährt das Auto fast von selbst, man muss nur noch Gas geben und gezielte Schüsse abgeben, das Lenken wird einem fast vollständig abgenommen. Somit kann man sich voll und ganz auf seine Feinde konzentrieren und muss nicht immer darauf achten, nicht die nächste Klippe hinabzustürzen.

Selbstverständlich lebt ein Spiel wie Far Cry von seinen umfassenden und abwechslungsreichen Missionen, das ist auch bei Teil 4 nicht anders. Neben den immer wieder neuen Kampagnenmissionen, in denen man durch moralische Entscheidungen Einfluss auf die Führung des „Goldenen Pfades“ und damit auch auf die folgenden Missionen nehmen kann, stehen eine Vielzahl an Nebenaufgaben zur Verfügung. Diese erstrecken sich von bekannten Befreiungen von Außenposten oder Checkpoint-Rennen über den neuen Arenamodus, in dem man gegen mehrere Feindwellen antreten muss, bis hin zur Rettung von Geiseln. Genug zu tun gibt es in Kyrat also allemal.

fc4 (2)Sollte man einmal Probleme haben, eine Mission alleine zu bewältigen, so gibt es verschiedene Wege, das Problem zu lösen. Entweder hat man im Vorfeld einer Gruppe von Freiheitskämpfern geholfen und dadurch eine Art „Hilfseinheit“ bekommen, sowie sogenanntes „Karma“, welches Rabatte bei Händlern und stärkere Truppen gewährt. Diese können, soweit noch Einheitentoken vorrätig sind, gerufen werden, um einem im Kampf zur Seite zu stehen.
Wer lieber einen echten Spieler an seiner Seite haben will, der kann den Ko-Op Modus starten. In diesem kann man sich nach dem klassischen Prinzip mit anderen Spielern verbinden und Aufgaben gemeinsam bewältigen. Der Modus ist dabei jedoch leider nur auf die reine Sandbox und die Nebenmissionen, wie etwa die Einnahme von Außenposten, beschränkt. Für alle die, die gerne mit ihren Freunden spielen wollen, diese aber keine Kopie von „Far Cry 4“ besitzen, hat Ubisoft die „Schlüssel nach Kyrat“ erfunden. Diese 10 Codes können an Freunde verschickt werden, die dann in der Lage sind, über einen gewissen Zeitraum die Rolle des Co-Op-Partners zu übernehmen und fleißig die entsprechenden Missionen gemeinsam zu absolvieren. Diese Schlüssel bieten die Möglichkeit, unentschlossene Spieler zu überzeugen, sich ebenfalls eine Kopie des Spieles zu beschaffen. Cleveres Marketing!

Neben dem Co-Op Modus steht auch ein klassischer Multiplayer zur Verfügung, in dem man im 5 gegen 5 gegeneinander antritt, um die Frage nach der Herrschaft über Kyrat endgültig zu beantworten. Des Weiteren gibt es einen Map-Editor, in dem man eigene kleine Singelplayer-Missionen und Level entwerfen und der Community bereitstellen kann. Hierbei kann man der Kreativität freien Lauf lassen und die verrücktesten Level entwerfen, von denen man immer schon geträumt hat.

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Alle diese neuen und alten Merkmale stehen unter einem Motto: „Jede Minute ist eine Geschichte!“. Nur selten kommt man wirklich mal zur Ruhe, da man sich immer wieder neuen Gefahren und Herausforderungen gegenüber sieht. Und jedes Mal gibt es einen anderen Weg, wie man damit fertig werden kann. Open-World wird hierbei wirklich groß geschrieben, denn in den meisten Fällen wird nur das Ziel vorgegeben, nicht aber, wie man es zu erfüllen hat oder wann. Man kann bereits zu Beginn so gut wie alles sammeln, kaufen und entdecken, muss man aber nicht. So ergibt sich für jeden Spieler eine eigene, einzigartige Spielerfahrung, die sich jedes Mal verändert.

Bei allem wird der Spieler von der sehr intuitiven und aus dem Vorgänger bekannten Steuerung unterstützt. Sie prägt sich schnell ein und verhindert nerviges daneben drücken. Sollten die Vorlieben sich doch in manchen Bereichen etwas vom Layout unterscheiden, vor allem im Hinblick auf die Fahrzeugsteuerung, kann man diese leider nur auf ein anderes, vollständig festgelegtes Layout ändern.

Insgesamt ist das Gameplay von „Far Cry 4“ wieder sehr gut gelungen, auch wenn es sich in weiten Teilen kaum vom Vorgänger unterscheidet. Die neuen Ideen fügen sich gut mit den klassischen Werten zusammen und kreieren so ein neues Spiel, das mit seinem eigenen Charme zu überzeugen weiß.

Grafik, Sound und Atmosphäre

Das Himalaya ist eines der schönsten Gebiete der Welt. Durch seinen harten Wetterkontrast sowie der daraus resultierenden einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt bietet es ein wahres Fest für die Augen. Genau dies wollte Ubisoft auch so vermitteln. Das Team hat einen großen Wert darauf gelegt, eine traumhafte und malerische Umgebung zu schaffen. Und das ist ihnen auch in weiten Teilen gelungen. Besonders die Effekte von Licht und Wasser wurden gut in Szene gesetzt und machen Sonnenuntergänge immer wieder zu einem Spektakel. Im Vergleich zum Vorgänger wirkt die Welt jedoch etwas zu kahl und steinig, denkt man doch an den dicht zugewachsenen Dschungel , in dem man selten Boden sehen konnte. Überhaupt hat sich das Niveau der Darstellungen im Vergleich zum Vorgänger kaum verbessert. Die Charaktermodelle wurden wieder genau so exakt umgesetzt und bereiten viel Freude. Was die Grafikleistung angeht muss man sich keine Sorgen machen, denn der Titel läuft dank neuer Dunia-Engine mit soliden 30fps ohne Einbrüche oder Pop-Ups. Genauso sollte es sein.

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Der Sound ist, ebenso wie weite Teile der Grafik und der Story, von den religiösen Einschlägen der Region beeinflusst worden. Immer wieder findet man kleine Tempel, Zeichnungen von Gottheiten oder kann den Klängen von tibetanischer Musik lauschen. Es sind solche Momente, die etwas Anmutiges haben, das ein Gefühl ähnlich eines Trancezustandes vermittelt. Dieses Ambiente beschert zahlreiche schöne Momente und sorgt für eine angenehme Atmosphäre, welche die Story gut untermalt. Man fügt sich schnell in die Rolle des ungewollten Soldaten Ajay ein und ist ebenso von allen unerwarteten Wendungen erschrocken, jedoch weniger intensiv, als noch bei Jason aus „Far Cry 3“. Auch die jeweiligen Gegenspieler, Vas und Pagan, besitzen eine sehr ähnliche Ausstrahlung, unterscheiden sich jedoch in ihrem Verhalten extrem. Pagan ist eher der exzentrische Machthaber im Designeranzug, der nie die Kontrolle verlieren will, während Vas einfach völlig irre war. Beide Feinde passen allerdings exakt in das jeweilige Setting und faszinieren immer wieder.

Wer sich mit den Teilen 1-3 befasst hat, der weiß, dass die Far Cry-Reihe schon immer ein wenig verrückt war. Das hat sich auch in Teil 4 nicht geändert. Findet man etwa in anderen Spielen in Kisten Rauchbomben oder Munition, sammelt man bei Far Cry Kondome, Fotos, Zigaretten oder andere unbrauchbare Dinge, die man besser schnell zu Geld macht. Auch finden sich immer wieder verrückte Charaktere, die einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubern und Freude bereiten.

Alles in allem bildet der Titel eine gute Atmosphäre. Die verschiedenen Aspekte und die typischen Charakteristika machen den Geist der Serie aus, den man zum Glück auch dieses Mal wieder deutlich spürt. „Far Cry 3“ war lediglich noch etwas abgedrehter und wahnsinniger als sein Nachfolger, doch auch dieser Teil bringt wieder seine eigene Note mit ein.

Entwickler: Ubisoft Montreal
Publisher: Ubisoft
Release: erhältlich (PS4/PS3)
Offizielle Homepage: www.far-cry.ubi.com

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TEST: Far Cry 4 – Willkommen im Himalaya
„Natürlich war es klar, dass Far Cry 4 sich den Vergleich mit seinem Vorgänger gefallen lassen muss. Und es war auch klar, dass die Latte sehr hoch gelegt worden ist. Ubisoft hat dabei das Beste aus der Situation gemacht und einen gelungenen Mix aus Neu und Alt entworfen, der zu überzeugen weiß. Einzig ein wenig mehr Mut hätte dem Spiel gut gestanden, etwas noch nicht Dagewesenes ausprobieren und damit die Massen zu begeistern und sich grandios zu steigern. Viele mögen sagen, es handle sich bloß um ein Far Cry 3 in den Bergen, dem kann man jedoch nicht ganz zustimmen. Kyrat besitzt seinen eigenen Charakter und der Titel seine eigenen Merkmale. Genau das macht Far Cry 4 zu einem tollen Titel, der sich sowohl für Fans als auch für Neulinge gleichermaßen lohnt.“
8.5
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