TEST – Final Fantasy XIV: A Realm Reborn – Ist die Wiedergeburt gelungen?

Die japanische RPG-Serie „Final Fantasy“ durchlebte mit ihren letzten Teilen immer wieder radikale Veränderungen im Kampfsystem oder anderen Gameplay-Aspekten. Nicht immer werden diese Veränderungen von den Fans willkommen geheißen. „Final Fantasy XIV“ ist wohl das beste Beispiel dafür, was für die Entwickler den Anlass bot, das Spiel komplett zu überarbeiten. Das Ergebnis präsentierte Square Enix von einigen Monaten und taufte ihre Arbeit passend in „A Realm Reborn“ um. Eine Wiedergeburt scheint der Titel in der Tat zu sein, immerhin standen die ehemaligen Skeptiker zahlreich während der Anspielphase auf der gamescom an.

Auch wir hatten die Gelegenheit, natürlich das fertige MMORPG, mehrere Wochen am Stück anzuspielen und für euch die Abenteuer von Eorzea und auf dem Rücken eines Chocobos zu erleben. Die Anfangsphase verlief besonders für die Early Access-Mitglieder mehr als stressig; zahlreiche Server-Wartungsarbeiten, in die Länge gezogene Ladezeiten und letztendlich inhumane Framerate-Einbrüche. Bis zu einer Woche hatte das Spiel mit diesen Handicaps zu kämpfen, bis Square Enix mit ihrem letzten Patch den Ballast von unseren Schultern abgeworfen hat. Ob sich die Wiedergeburt lohnt, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Review.

Die Welt Eorzia

Die siebte Weltkatastrophe ist ausgebrochen und das Leben aller Rassen wird erneut bedroht. Die ganze Welt scheint ein einziger Kampfplatz zu sein, bei dem jeder versucht zu überleben. Gut, dass es mutige Abenteurer gibt, die sich der Gefahr stellen und das bevorstehende Ende der Welt vermeiden möchten. Wir als Spieler steigen aber erst gegen Ende der Handlung in die Story ein, bei dem unsere Heimat Eorzia wiederaufgebaut wird und sich von der ehemaligen Katastrophe versucht zu erholen. Als ein namenloser Held streben wir, wie jeder andere Abenteurer, nach Ruhm, Macht und Ansehen. Doch schon bald soll unser Abenteurer aus der Masse herausstechen, der offenbar mit Urkristallen kommunizieren kann. Die Urkristalle liegt im Kern der Erde und beinhalten die ganze Lebensenergie, welche die bösen Mächte neugierig macht. Als der „Auserwählte“ machen wir schnell eine Karriere durch, die sich bis zu den weitesten Ecken von Eorzia erstreckt. Bald kennt wohl jeder Bewohner euren Namen und hat das ein oder andere Anliegen an euch, das ihr erledigen solltet.

Die typische Final Fantasy-Erzählweise ist bei Teil 14 nur bedingt vorhanden. Das heißt, dass die berühmten Render-Zwischensequenzen nicht mehr vorhanden sind, sondern gute, alte Gameplay-Cut-Scenes zum Einsatz kommen. Die Handlung wird anhand von zahlreichen Quests erzählt und beinhaltet sogar einige Rückblicke und überraschende Wendungen. Allerdings fehlen aus unserer Sicht signifikante Höhen und Tiefen in der Geschichte. Die Story ist zwar nett, könnte aber viel mehr Emotionen vertragen. Darüber hinaus fehlt der Handlung einiges an Kreativität. Square Enix verspricht aber immer wieder neue Szenarien nachzureichen, um die Spieler bei Laune zu halten. Für Langzeitmotivation ist also definitiv gesorgt.

Sei der Lichtkrieger

Die Charakterverwaltung wird mittels eures Account bei Square Enix verwaltet, was euch einiges an Zeit spart. Speicherstände müssen nicht mehr transferiert werden, sondern sind über euren zentralen Account verfügbar. So können wir zum Beispiel unseren Helden aus der BETA-Phase übernehmen und dadurch enorm viel Zeit beim Leveln sparen.

Bei „Final Fantasy XIV: A Realm Reborn“ gibt es vielerlei Klassen und Jobs. Zur Auswahl stehen Schwarzmagier, Faustkämpfer, Schwertkämpfer, Heiler und und und. Wir entscheiden uns für den Heiler und treten die Reise in Grandia an. Je nach dem mit welcher Klasse ihr startet, fängt eure Reise in einer der großen Staaten an. Grandia ist ein im Wald angesiedeltes Reich, in dem die Druiden (Heiler) ihr Zuhause gefunden haben. Die Druiden zeichnen sich durch ihren spirituellen Lebensstil aus, den sie in Einklang mit der Natur gebracht haben. Am Anfang können wir so die Erdenergie nutzen, um Monster zu besiegen. Die Attacken benötigen eine gewisse Zeit zum Aufladen, verursachen dennoch viel Schaden. Auch heilen muss gelernt sein; bis Level 15 bewegen wir uns auf der Anfänger-Ebene. Um da schnell herauszukommen bedarf es vielerlei Leveling-Strategien.

In MMORPGs ist das Aufleveln ein wichtiger Faktor, um neue Items und Attacken freizuschalten. Speziell in „Final Fantasy XIV“ werden die meisten Erfahrungspunkte durch Quests vergeben. Dabei ist es wichtig nicht nur die Story-Quests, sondern auch optionale Neben-Missionen zu absolvieren. Später werden diese nicht mehr so schnell aufzufinden sein, weshalb jeder einzelne Nebenquest zwingend absolviert werden sollte. Falls ihr gerade zu Fuß unterwegs seid, kann es passieren, dass ihr in sogenannte FATEs verwickelt werdet. Dabei wird ein bestimmter Teil der Karte eingenommen, um besondere Zwischenboss-Kämpfe zu inszenieren. Dafür erhaltet ihr sehr schnell Erfahrungspunkte und trefft auf andere Mitspieler. Was ebenso im MMO-Gerne bis heute beliebt bleibt, ist das Grinden. Mit Grinden wird das Töten von zufällig regenerierten Monstern bezeichnet, die ihr nach beliebigen in den Arealen finden könnt. Allerdings verspricht diese Möglichkeit zu Leveln wenig Erfolg und erfordert einen enormen Zeitaufwand.

Was wir besonders hervorheben wollen, sind die Dungeons. Diese Missionen verbinden euch mit bis zu acht Spielern und vergeben je nach Klasse eine eigene Rolle im Team. Selbstverständlich sind wir als Heiler heiß begehrt bei den Party-Mitgliedern und müssen uns lediglich im Chat als solches melden, um schnell in ein Team aufgenommen zu werden. Wer gerne in einer offensiven Stellung spielt, wird es schwer haben, eine Instanz zu starten. Mit der Zeit sollte dieses Problem aber gelöst sein, da die Heiler immer mehr zu einer beliebten Klasse werden. Im Verlauf dieser Missionen nimmt jeder Spieler seinen Platz in der Gruppe ein, was für enorm viel für Strategie und Abwechslung sorgt, wenn man mit einer anderen Klasse dieselbe Mission ausprobiert.

Geringe Auflösung

Wenn man die Trailer und in der Werbung gezeigten Gameplay-Szenen sieht, scheint „Final Fantasy XIV: A Realm Reborn“ optisch ein beeindruckender Titel zu sein. Nach dem Start auf der Playstation 3 folgt dann die erste Ernüchterung. Die Auflösung ist so weit runtergeschraubt worden, dass die Anzeigen und Text-Passagen das meiste auf dem Bildschirm abdecken. Darüber hinaus platzt das Spiel nur so von Clipping-Fehlern; besonders wenn ihr mit einem Chocobo unterwegs seid, macht sich diese Problematik bemerkbar. Was das Spiel manchmal nahezu unspielbar macht, sind die Framerate-Einbrüche, selbst nach dem ersten Patch. Trotz der geringen Auflösung scheint die Darstellung nicht flüssig zu laufen. Es bleibt zu hoffen, dass man hier nachträglich noch etwas ausbessert.

Ein Stummer Held

Die Lokalisierung von „Final Fantasy XIV: A Realm Reborn“ lässt einige Lücken offen. Das meinen wir sogar wortwörtlich, da die Stimme unseres Charakters komplett fehlt und auch ansonsten der Hauptprotagonist kein Wort von sich gibt. Die oben angesprochenen Zwischensequenzen zeugen nicht gerade von großer Redner-Kunst. Stattdessen setzt man vielmehr auf Dialog-Fenster. Ab und zu gibt es zwar ein paar Worte von den Auftraggebern zu hören, allerdings passiert das auch viel zu selten. Wir würden uns wünschen, dass Square Enix den Mut und die Zeit aufbringt, ihre Lokalisierung zu vervollständigen und zumindest die Stimme für unseren Charakter mit den nächsten Patches ergänzt.

TEST – Final Fantasy XIV: A Realm Reborn – Ist die Wiedergeburt gelungen?
"Ich bin eigentlich seit vielen Jahren ein reiner Singleplayer-Spieler gewesen, was die Final Fantasy-Reihe angeht. Die MMORPG-Ableger habe ich bis heute bewusst abgelehnt. Mit "Final Fantasy XIV: A Realm Reborn" wurde ich zum Glück eines Besseren belehrt. Immerhin steckt darin mehr "Final Fantasy" als in den gesamten 13er Teilen zusammen. Natürlich ist es jetzt eine subjektive Aussage. Es gibt auch Spieler, die Teil 13 bevorzugen. Aber wenn ich ehrlich bin, konnte ich in "A Realm Reborn" zahlreiche Parallelen zu den bisherigen Teilen erkennen und eine starke Ähnlichkeit zu Final Fantasy XII feststellen. Nicht nur das Kampfsystem, sondern die ganze Aufmachung erinnert mich an die Abenteuer von Vaan & Co. Schade ist nur, dass die Portierung auf PS3 etwas misslungen ist. Hoffentlich ändert sich das mit den monatlichen Patches, die von den Machern versprochen wurden. Ich kann "Final Fantasy XIV: A Realm Reborn" an jeden Final Fantasy- und MMORPG-Spieler empfehlen, der einen besonderen Wert auf Konsolen-Spiele legt. Letztendlich bleibt aber das Gefühl zurück, dass das Spiel doch eher für den PC entwickelt wurde. Vielleicht reißt das die PS4 Verion im kommenden Jahr wieder heraus.“
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